Clavierkonzerte: Einspielungen (opi)

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    Es gibt derzeit am Markt drei sogenannte Complete-Boxen der Mozartschen Clavierkonzerte in HIP am Markt. Keine der nachfolgend aufgeführten Boxen beinhaltet aber wirklich alle Werke Mozarts für Clavier und Orchester, siehe dazu die jeweiligen Anmerkungen. Gleichwohl sind aber alle Boxen sehr zu empfehlen, da sie vom pianistischen Können der Interpreten jeweils auf extrem hohen Niveau stattfinden und insgesamt - mehr oder weniger - historisch informiert interpretiert wurden. Im einzelnen stört mich bei allen Interpreten die Ignoranz des Vorschlags bei KV 271: was hier m. E. eindeutig notiert ist, wird so nicht gespielt.



    Jos van Immerseel, Hammerflügel nach Anton Walter
    Anima Eterna


    Die Box enthält alle 21 Solo-Clavierkonzerte sowie eines der beiden Ersatz-Rondos [(23*3)+1=64 Tracks]. KV 386 fehlt aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen.


    Bei mir persönlich steht die Box an dritter Stelle, da mir das Fortepiano hier teilweise zu leise aufgenommen ist (was aber der historischen Korrektheit entspricht).


    Ergänzend zu dieser Box ist das Concert für 2 Claviere Es-Dur KV 316a ex 365 einzeln zu haben:



    Jos van Immerseel & Yoko Kaneko, Hammerklaviere nach Johann Walter.


    Diese Einspielung ist überaus gut und sehr zu empfehlen.


    ~ ~ ~



    Malcolm Bilson, Hammerflügel
    English Baroque Soloists
    Sir Eliot Gardiner


    Diese Box enthält ebenfalls alle 21 Solo-Clavierkonzerte, die beiden Ersatz-Rondos und die Concerte für zwei resp. drei Claviere, KV 242 in der Erst-Version [(21*3)+2+(2*3)=71 Tracks]


    Vom Klangerlebnis her steht für mich diese Box an zweiter Stelle. Bei den mehrflügligen Werken spielen Robert Levin bei KV 242 & 365 sowie Melvyn Tan bei KV 242 mit.


    ~ ~ ~


    Ganz klar an erster Stelle steht - vorbehaltlich des Erscheinens der Schoonderwoerd-GA:



    Viviana Sofronitzki, Hammerklavier Paul McNulty nach Anton Walter
    Musicae Antiquae Collegium Varsoviense
    Tadeusz Karolak


    Dies ist die umfassendste Box, denn sie beinhaltet neben den 21 Solo-Clavierkonzerten, den beiden Rondos und den beiden Concerten für 2 und 3 Clavieren auch die beiden Arrangements und die vier Pasticcii [(21*3)+2+(2*3)+7+(4*3)=90 Tracks]. Hier 'fehlt' im Prinzip nur die (spätere) Fassung des Concerts F-Dur KV 242 für zwei Claviere, die aber im Prinzip von dem dreiclavierigen Werk kaum abweicht (hier wurden lediglich die Stimmen etwas anders verteilt). Beim Doppel- resp. Tripelconzert spielen zusätzlich Linda Nicholson und Mario Aschauer. Auch hier werden Anton-Walter-Nachbauten verwendet, aber im Vergleich zu Immerseel klangoptimal eingefangen. Bei den Arrangements und Pasticcii wird ein der Kompositionszeit angemessenes Cembalo bespielt (ohne nähere Angaben).

  • Zu Immerseel/Anima Eterna

    Bei mir persönlich steht die Box an dritter Stelle, da mir das Fortepiano hier teilweise zu leise aufgenommen ist (was aber der historischen Korrektheit entspricht).


    Interessant - ich habe diese Box gerade durchgehört und mir gedacht, dass man da wohl das Klavier etwas "verstärkt" hat, weil es immer so gut zu hören ist. Wenn ich bedenke, dass schon ein einzelnes Streichinstrument so ein altes Klavier leicht "zudecken" kann, gehört das Klavier wohl eher noch leiser als in dieser Einspielung, oder?

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    Das kommt natürlich auf das Instrument an. Ich habe Schoonderwoerd in Besançon mit einem Walterflügel und KV 482 sowie 491 live gehört. Die Performance glich eher einer Pantomime. Und dabei ist noch zu berücksichtigen, daß das begleitende Ensemble Cristofori solistisch besetzt war. Der Grand Kursaal (in Montfaucon) war eigentlich von genau passender 'Größe' (was sich schlecht umschreiben lässt, recht familiär eben...), jedenfalls wohl vergleichbar mit den Konzertsälen, welche Mozart Musik damals füllte (wohl bis zu 400 Personen).


    Das dort verwendete Instrument war aber, wenn ich mich richtig erinnere, auf Tangentenbasis errichtet, was natürlich den leisen Klang erklärt: als Zugabe gab es - unter Verwendung eines Kniemoderators - ein Clavierstück von Schumann: da klang das Gerät fast so kernig wie ein Conrad Graf aus 1825.


    :wink:

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    Hallo,


    im Rahmen der geplanten Gesamteinspielung der Mozartschen Clavierkonzerte durch Arthur Schoonderwoerd ist kürzlich die erste Ausgabe mit den Konzerten d-moll KV 466 und C-Dur KV 467 erschienen und entgegen der Angaben bei jpc (01.02.2012) und Amazon bereits lieferbar:



    Wolfgang Amadé Mozart (1756-1791)
    Clavierconcerte KV 466 & KV 467


    Artur Schoonderwoerd, Hammerflügel
    Ensemble Cristofori
    (opi)


    Auffallend sind hier definitiv die unterschiedlichen Klangfaben des verwendeten Instruments, einem Fortepiano Gerard Tuinman & Paul Poletti nach Anton Walter, Wien c1782. In den Ecksätzen erklingt das unbelederte Instrument "normal" und erinnert im Klang noch an ein Cembalo oder eher an einen Tangentenflügel, bei dem - ganz grob formuliert - wie der unbelederte Hammerflügel (später auch belederte) Holzteile die Saite zum Schwingen bringen (beim Tangentenflügel sind dies Stifte, beim Hammerflügel Holzhämmer). In der Romance von KV 466 und im Mittelsatz von KV 467 wird der Moderatorzug betätigt und - oh Wunder - das Instrument klingt völlig anders, um nicht zu sagen: so, wie wir es heute (beinahe) kennen.


    Zitat von aus dem Booklet

    Der Moderatorzug (in den langsamen, gefühlvollen Abschnitten wird ein Tuch zwischen Hämmern und Saiten angebracht) lässt das Insrument wie ein Piano-Forte mit belederten Hammerköpfen klingen, eine Klangfarbe, die in Europa nach der Französischen Revolution zum Maßstab werden sollte.


    Im energischen Mittelteil der Romance von KV 466 wechselt der Fortepianist auch wieder zum moderatorfreien Spiel und zeigt damit deutlich den Klangunterschied auf. Schoonderwoerd spielt übrigens - wie man es von ihm gewohnt ist - eigene, jeweils ad hoc improvisierte, kurze und prägnante, manchmal schelmische Cadenzen und Übergänge (Durchgänge).


    Ich glaube, ich höre vor Beginn des ersten Satzes von KV 466 ein leises Husten, oder war das zufällig im Nachbarzimmer? Zu meinem persönlichen Bedauern muß ich feststellen, daß die letzten Takte des Finales von KV 466 hier nicht so dermaßen eindrucksvoll eingefangen wurden, wie ich es live in Besançon habe erleben dürfen. Dies tut aber der Einspielung hier keinen Abbruch, weil es außer mir kaum jemand so kennt. Aber auch in dieser ein paar Tage später gemachten Aufnahme klingt diese Stelle total verrückt und nicht wie gewohnt: unbedingt hörenswert!


    Der Klang der Aufnahme ist, trotz daß diese in der Eglise Notre Dame, Besançon gemacht wurde, fast hallfrei und sehr direkt, KV 467 wirk enorm pompös. Dieses Geschenk dürfte dem Tontechniker Harry de Winde zu verdanken sein. Es macht großen Spaß, den Holz- und Blechbläsern im Stirnsatz von 467 zuzuhören.


    :wink:


  • W.A.Mozart - Clavier Konzerte KV 466 & 467
    Arthur Schoonderwoerd - Cristofori


    :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:


    Das hätte ich wirklich nicht erwartet - es ist das gleiche wie bei Beethoven: Ich war sofort geflashed und mit jedem Anhören steigt die Begeisterung.
    Vor allem wenn man richtig aufdreht, dann bieten die alten Instrumente, incl. Fortepiano eine Klanggewalt auf, die kein moderner Klangkörper auch nur ansatzweise erreichen würde.
    Mal ganz abgesehen von der wundervollen Interpretation - ich bin dermaßen froh, dass Arthur Schoonderwoerd die Klaviersonaten für unser Forum zur Verfügung stellt - das ist keine Werbung sondern einfach echte Begeisterung !


    Aber um eine Gesamteinspielung der Clavierkonzerte wird er nicht herum kommen :boese:


    Eigentlich war ich seit Jahren schon für die Clavier-Konzerte Mozarts entflammt, aber Arthur Schoonderwoerd hat das Feuer regelrecht zur Explosion gebracht. Ich bin so glücklich, mein lieblings Konzert, das d-moll Konzert, so hören zu dürfen. :umfall::umfall::umfall:
    Die Bläser im Orchester sind der Wahnsinn.

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    Habe mir das heute auch mal angehört. Ich bin mir noch nicht sicher, werde das wahrscheinlich noch ein paar Mal hören müssen. Er dreht auf jeden Fall meine Hörgewohnheiten auf links.


    Das Finale im KV 466 war mir etwas... müde beim ersten Hören.


    Sind die Streicher chorisch besetzt oder sind die auch, wie bei den Beethoven-Konzerten, solistisch?

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    Sind die Streicher chorisch besetzt oder sind die auch, wie bei den Beethoven-Konzerten, solistisch?


    Selbstverständlich solistisch, der Vollständigkeit halber vollständig gelistet:


    Luigi de Filippi, Violine I & Concertmeister
    Corrado Lepore, Violine II
    Michel Renard & Marten Boeken, Viola
    Charles Zebley, Flöte
    Anna Starr & Joel Raymond, Oboe
    Balduin Wetter & Dominik Bischof, Horn
    Krisztian Kovat &, Giuseppe Frau, Trompete
    Philip Tarr, Timpani
    Monika Fischalek & Jochen Schneider, Fagott
    François Michael, Violoncello
    Szilard Chereij, Contrebaß


    Die Viola muß wegen diverser "divisi"-Stellen natürlich doppelt vorhanden sein. Schoonderwoerd selbst schreibt zum Thema "solistische Besetzung":


    Zitat von aus dem Booklet

    Im Musikarchiv von Sankt Peter in Salzburg ist eine zeitgenössische Kopie der Orchesterstimmen von KV 466 erhalten. Dabei handelt es sich um solistisch besetzte Stimmen mit jeweils einer zusätzlichen Ripieno-Partie für die 1. und 2. Geige, die nur in den Tutti-Passagen mitspielen: Ein weiterer Beleg dafür, dass in der Praxis des späten 18. Jahrhunderts Instrumentalkonzerte oftmals solistisch begleitet wurden, eventuell mit einer größeren Besetzung für die Tutti-Passagen.


    Momentan bin ich der Ansicht, daß im Komponistenforum Aufnahmen vorgestellt werden sollen - persönliche Meinungen sind da natürlich sehr erwünscht. Eine Diskussion sollte aber vorerst am andern Ort stattfinden. Ich habe die Beiträge daher im Zusammenhang dupliziert und an dieser Stelle zwecks Diskussion angefügt.


    :wink:

  • Mit größtem Vergnügen, aber auch mit großer Ernsthaftigkeit möchte ich auf diese grandiose neue CD hinweisen:



    Das nach historischer Aufführungspraxis musizierende Freiburger Barockorchester, welches seit nun schon einiger Zeit immer wieder sehr positiv von sich reden macht, findet hier mit dem ebenso wunderbaren (gleichfalls auf historische Aufführungspraxis spezialisierten) Pianisten Kristian Bezuidenhout einen kongenialen Partner für die Interpretation von Mozarts Clavierkonzerten in G-Dur (KV 453) und Es-Dur (KV 482), sowie dem seltener gehörten einzelnen Concert-Rondo in A-Dur (KV 386).


    Es lässt sich ohne Umschweife feststellen, dass noch keine andere Interpretation eines Mozart'schen Clavierconcerts, historisch informiert ausgeführt oder nicht, CD oder live, mich je in größere Verzückung gesetzt hätte. Und das ist angesichts der gerade Entstehenden Aufnahmen eben jener Concerte mit Arthur Schoonderwoerd und seinem Ensemble Cristofori durchaus (sehr!) bemerkenswert, da das aus diesem Projekt bislang gehörte in mir ebenfalls stets größtes Gefallen hervorzaubert!


    Reden wir von exakter historischer Aufführungspraxis behält freilich Mr. Schoonderwoerd die Nase vorn, da er bislang der einzige Pianist ist, der Mozarts Noten in allen Details so spielt, wie sie wirklich auf dem Papier stehen. Andererseits ist eine Interpretation dieser Concerte mit solistischer Orchester-Besetzung, wie es das Ensemble Cristofori zu tun pflegt, ein experimenteller Grenzfall (wenn auch kein so unrealistischer, wie manch einer annehmen mag), weshalb dieses Projekt in gewisser Hinsicht außer Konkurrenz läuft, bzw. nicht ohne Weiteres mit anderen Interpretationen vergleichbar ist.


    Die vorliegende CD jedoch kommt (auch) ohne experimentellem Ansatz (wenn man von der historisch informierten Ausführung absieht, versteht sich), dem mir im Geiste stets vorschwebenden Ideal einer Mozart-(Clavierconcert)-Interpretation unfassbar nahe:
    Den Grundstein dafür legt der überall gemeisterte Spagat zwischen der für Mozarts Musik unabdingbar notwendigen Filigranität und einer trotzdem sehr großen Dynamikbandbreite. Die Filigranität äußert sich natürlich zum einen im wunderschönen Klang des Hammerflügels von Paul McNulty (nach Anton Walter), zum anderen in der endlich einmal wahrlich gelungenen feinen Durchhörbarkeit wirklich aller Instrumente des Orchesters (hier sind endlich auch die Fagotte durchweg zu hören, was Stellen deren Partien hörbar macht, die ich bislang kaum je wahrgenommen habe!). Dabei bleibt diese Durchhörbarkeit selbst in den lautesten Forte-Stellen erhalten.
    Die große Dynamikbandbreite wird besonders durch die Blechbläser getragen: Hier klingen fein-singende bis knusprig-scheppernde Naturhörner und fröhlich bis deftig schmetternde Trompeten im Es-Dur Concert. Auch die Clarinetten des Es-Dur Concerts anstelle der Oboen im G-Dur Concert und A-Dur Rondo) habe ich selten so herzerwärmend erlebt (besonders im Andante-Einschub des letzten Satzes, welcher hier sehr dunkel-warm klingt und nur durch die Violinen und den silbrigen Klang des Hammerflügels kontrastiert wird).
    Kristian Bezuidenhout erfüllt am Hammerflügel die Aufgabe jedes Mozart-Pianisten, angemessen (aber nicht übertrieben) auszuzieren ebenso genial und passend wie Arthur Schoonderwoerd, wenn natürlich in einem etwas anderen Stil. Dazu setzt Bezuidenhout an zunächst (fast) ungewohnt scheinenden Stellen einen Hauch Rubato ein, was ich als äußerst gelungen empfinde. Aber auch im Übrigen ist sein feines, filigran perlendes, trotzdem nicht zu gleichmäßiges Spiel die reinste Freude. Kadenzen und Eingänge improvisiert er in KV 482 frei - und gekonnt!


    Kurz um: Singender, lebendiger, feiner, gleichzeitig schroffer kontrastierter, ergreifender, nachdenklicher ist mir Mozart nie zuvor zu Ohren gekommen...


    ...ich bin herzlich tief erfreut und ergriffen!


    :jubel:


    :wink:

    "erhaben, schön, alles was sie wollen – allein – zu übertrieben schwülstig für meine feinen ohren"
    W. A. Mozart (28.12.1782)

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    Jüngst ist die 2. CD der von Arthur Schoonderwoerd und dem Ensemble Cristofori geplanten Gesamteinspielung Mozartscher Clavierkonzerte (die mit den richtigen Vorschlägen :D :P ) erschienen. Sie beinhaltet die beiden Konzerte B-Dur KV 456 und F-Dur KV 459. Ich hatte diesen beiden Konzerte bereits Live an Pfingsten letzten Jahres in Besançon gehört. Schoonderwoerd bespielt hier einen Walterflügelnachbau aus dem Hause Gerard Tuinman & Paul Poletti. Das Instrument verfügt über die klassischen 5 Oktaven (FF-f³) und zwei Kniehebel (je einen für Dämpfer und Moderator); die Hämmer sind unbeledert, wie es nach Forschungsergebnissen Schoonderwoerds zu Mozarts Zeit noch üblich gewesen ist. Wer also einen sogenannten "typischen Hammerflügel-Sound" (wie z.B. beim vorgenannten Bezuidenhout) erwartet, wird überrascht sein, daß dies nicht der Fall ist. Insofern kann man diese Einspielung auch als eine Art "Richtigstellung" betrachten; nichtsdestotrotz haben natürlich auch Einspielungen mit belederten Hämmern ihren ganz persönlichen Reiz.


    Außerdem wurden zum 2. Krönungskonzert (KV 459) die angeblich einmal vorhanden gewesenen Trompeten- und Paukenstimmen von Philip E. Tarr rekonstruiert und auf dieser CD - wie im damaligen Live-Konzert - zur Freude und Überraschung des Genießers gespielt. Es handelt sich hier also um eine Weltersteinspielung des 2. Krönungskonzertes mit Trompeten- und Paukenstimmen. Wer also diese bislang als Phantom herumgeisternde Fassung hören möchte, kommt an dieser CD wohl kaum vorbei... die rekonstruierten Stimmen habe ich bereits im Konzert 2011 als mittelmäßig empfunden - ich hätte das besser gekonnt; manchmal klingen sie etwas künstlich, exaltiert und aufgesetzt - also nicht wirklich homogen... ich hätte wahrscheinlich selbst das Problem beim Erstellen der Stimmen, ob ich sie wirklich so setzen sollte, wie Mozart sie vermutlich gesetzt hätte (und andernorts nachweislich hat), oder ob ich meiner eigenen Intuition Folge leisten sollte... kein einfaches Unterfangen. Dennoch vermittelt diese Arbeit einen guten Eindruck davon, wie festlich KV 459 plötzlich klingen kann.


    Im B-Dur-Konzert überrascht Schoonderwoerd mit für seine Verhältnisse relativ ausschweifenden frei improvisierten Cadenzen. Die teilweise bizarren und eigenwilligen Übergänge und Cadenzen sind auch bei KV 459 von Arthur Schoonderwoerds Erfindung und tragen seine eindeutige Handschrift. Der kammermusikalische Akzent, der durch die durchweg solistische Streicherbesetzung bewußt hervorgerufen wird, kommt hier sehr gut zum Tragen: da hat Harry wieder sehr gute Arbeit geleistet: die Holzbläser sind ganz toll herauszuhören und die Atmosphäre bleibt trotz der aufmischenden zusätzlichen Bleche und Pauken bei KV 459 sehr intim und privat, das Solo-Instrument wird nicht - wie bei vielen anderen HIP-Einspielungen - vom Orchesterapparat zugedeckt, sondern bleibt stets präsent im Vordergrund. Die neue Gegenüberstellung von Harmonieinstrumenten und konventioneller Besetzung, die Mozart zu Beginn der 1780er Jahre in seinen Clavierkonzerten einführte, kommt hier sehr deutlich zur Geltung.


    Die Interpretationsweise der Vorschläge durch den Pianisten, die ich bekannterweise einhundertprozentig teile, kommt besonders beim 2. Thema des Finalsatzes von KV 459 heraus - auch insofern birgt diese Gesamteinspielung (in spe) bislang "Unerhörtes". Ganz wunderbar!


    :wink:

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    Unerhörtes bietet sie allemal.


    Der Klang ist in der Tat sehr intim, vor allem auch durch den für meine Ohren eher zarten Klavierklang. Wenn man deutlich mehr Streicher einsetzte, ginge das Klavier ohne Verstärkung eher unter.
    Die Tempi sind m.E. moderat und angemessen, ich bin kein Fan der ewigen Raserei.


    Die Pauken und Trompeten sind ein neuer Höreindruck. Vor allem aber, Ulli, finde ich die Stimmen wenig originell, mehr kanonisch so gesetzt, wie man sie mit dem "inneren Ohr" ohnehin manchmal mitfühlt. Hier hätte ich mir noch etwas mehr erhofft.


    Im ganzen werde ich die Serie aber auf jeden Fall weitersammeln.

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    Die Pauken und Trompeten sind ein neuer Höreindruck. Vor allem aber, Ulli, finde ich die Stimmen wenig originell, mehr kanonisch so gesetzt, wie man sie mit dem "inneren Ohr" ohnehin manchmal mitfühlt. Hier hätte ich mir noch etwas mehr erhofft.


    Das ist natürlich ein Problempunkt. Ich denke, der Bearbeiter der Pauken- und Trompetenstimmen ist hier sehr umsichtig mit der (Re)konstruktion umgegangen, um nicht zu sagen: sehr vorsichtig. Bei derlei (Re)konstruktionen stellt sich immer die Frage nach der Dosis des "Eigenanteils", der sich bekanntlich wissenschaftlich nicht untermauern lässt und daher in dubio weitestgehend weggelassen wird, so daß ein möglichst authentischer Klang erscheint, der - das muß man dann hinnehmen- zuweilen etwas fad ist. Deswegen klingt dies für meine Ohren auch alles ein wenig zaghaft. Zeigt man aber zuviel des guten Mutes, wird die Fassung wegen zuviel freier Phantasie vom ernsthaft interessierten Publikum und mehr noch von der Musikwissenschaft schnell verworfen... insofern scheint mir unter diesem Aspekt die (Re)konstruktion gelungen. Der Pauker (Philipp Tarr) ist eigentlich Spezialist für Barockwerke, was man auch bei der neuen Creation des Konzertes KV 175 hören wird.


    :thumbup:


    Bei KV 175, das im Frühjahr 2014 in zwei Varianten erscheinen wird (Fassung I: Cembalo, originärer Finalsatz vs. Fassung II: Tangentenflügel, Rondo KV 382 als Finalsatz nebst von mir (re)konstruierter Flötenstimme für die Sätze 1 und 2), zeigt Philipp Tarr sehr viel mehr Mut und Eigeninitiative gegenüber seinem Instrument. Hier werden häufig vor einem Forteschlag "Vorschläge" (also pittoresk ausgedrückt: ein Anrollen des Tones) gespielt, was zwar so nicht in der Partitur steht, dem Werk resp. dessen Rhythmus' aber mehr Eigendynamik und Frische verleiht.



    :wink:

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    Daniel Isoir hat mit der Petite Symphonie ebenfalls einige Mozart-Konzerte in solistischer Besetzung eingespielt: Konzert C-Dur KV 415, Es-Dur KV 449 und B-Dur KV 595.


    Gilone Gaubert-Jacques: violon
    Charlotte Grattard: violon
    Diane Chmela: alto
    Emmanuel Jacques: violoncelle
    Axel Bouchaux: contrebasse
    Séverine Isoir: traverso
    Jean-Marc Philippe: hautbois baroque
    Olivier Clémence: hautbois baroque
    Ricardo Rapoport: basson
    Mélanie Flahaut: basson
    Pierre-Olivier Goll: cor naturel
    Pierre-Yves Madeuf: cor naturel


    Dazu das Werbevideo des Labels Agogique:


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    Gespielt wird offen(hör)bar auf einem belederten Walter-Imitat. Eine sehr beseelte Aufnahme der drei Konzerte, weniger krass als Schoonderwoerds Offenbarungen.


    :wink:

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    Noch gesichtslos:




    Wolfgang Amadé Mozart (1756-1791)

    Clavierkonzert Es-Dur KV 482
    Clavierkonzert c-moll KV 491


    Arthur Schoonderwoerd
    Ensemble Cristofori


    Aufnahme aus Gray, Pfingsten 2015


    Erscheint Anfang März...

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    Aufnahme aus Gray, Pfingsten 2015


    Erscheint Anfang März...


    Ich hab sie heute mal nebenbei gehört, also nicht wirklich intensiv... die Aufnahmequalität ist in Gray (wie wir es bereits kennen; ich rätsele gerade, welche? Beet 1&2 oder 3&op.61a?) top im Vergleich zu Notre-Dame de Besançon... und was für herrliche Vorschläge in 482/2 (auch und gerade bei KV 505, wenn man sich die Singstimme mal wegdenkt - die hat mir nicht besonders gefallen; zu unmozartisch und gelegentliche Intonationsschwächen). Das c-moll-Konzert klingt auch endlich einmal nach c-moll; nämlich feierlich und nicht (klassisch fehlinterpretiert) trübsalblasend. Warum wohl schrieb Mozart seine „große Messe“ aus Dankbarkeit für die Eheschließung mit Constanze in c-moll? Sicher nicht aus purem Sarkasmus... eine wunderbare Cadenz zum 1. Satz von 491, ein insgesamt ungewohnt schneller Mittelsatz und ein für Arthurs Verhältnisse ausgesprochen flotter Finalsatz... womöglich hatte er noch einen Anschlußtermin?


    *yepp*


    Hier aufgenommen:


    photo-281-beb8c20f.png

    .Italienisches Theater Gray. May 2015

  • Ich bin sehr glücklich über diese Aufnahme eines mozartschen Hauptwerks (KV 491). Für mich die maßstabsetzende Einspielung, die alles bisherige obsolet macht. Natürlich ist 482 nicht weniger interessant, aber KV 491 kann ich eben durch diese Aufnahme noch einmal neu kennenlernen. Die Arie habe ich bisher übersprungen *flöt* . Kommt noch.

    Das c-moll-Konzert klingt auch endlich einmal nach c-moll; nämlich feierlich und nicht (klassisch fehlinterpretiert) trübsalblasend.

    Trübsal ist sicher nicht die Stimmung des C-moll-Konzerts (sorry für das große c, aber bei der Koppelung sitzt mir der Duden im Nacken). Aber ich empfinde es auch nicht nur als feierlich, nämlich durchaus dramatisch und passagenweise bedrohlich.


    :wink:

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    Arthur Schoonderwoerd, Francisco Fernandez-Rueda, Ensemble Cristofori, 2014

    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 8 C-Dur KV 246 "Lützow-Konzert"
    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 6 B-Dur KV 238


    Arthur Schoonderwoerd, Cristofori, 2015

    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 22 Es-Dur KV 482
    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 24 c-moll KV 491


    Arthur Schoonderwoerd, Cristofori, 2012

    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 18 B-Dur KV 456
    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 19 F-Dur KV 459 "2. Krönungskonzert"


    Arthur Schoonderwoerd, Cristofori, 2016

    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 9 Es-Dur KV 271 "Jeunehomme-Konzert"
    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 11 F-Dur KV 413
    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 12 A-Dur KV 414 (385p)


    Arthur Schoonderwoerd, Johannette Zomer, Cristofori, 2012

    Konzert für Cembalo und Orchester Nr. 5 D-Dur KV 175
    Konzert für Fortepiano und Orchester Nr. 5 D-Dur KV 175


    Arthur Schoonderwoerd (Hammerklavier),Ensemble Cristofori, Arthur Schoonderwoerd, 2011

    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 20 d-moll KV 466
    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 21 C-Dur KV 467


    Sind das alle derzeit? So viele waren es ja schon Ende 2016.

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    Sind das alle derzeit? So viele waren es ja schon Ende 2016.


    Richtig: 2017 ist keine Ausgabe erschienen; das Projekt wurde in Ermangelung von Sponsoren auf Eis gelegt. Aber ohne 503 und 537 kommt er mir nicht davon ...und wenn ich's selbst bezahlen muss. Wenigstens einmal im Leben muss ich meine beiden Lieblingskonzerte richtig hören dürfen.

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    Arthur Schoonderwoerd, Cristofori, 2016

    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 9 Es-Dur KV 271 "Jeunehomme-Konzert"
    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 11 F-Dur KV 413
    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 12 A-Dur KV 414 (385p)

    klassik.com: Mozart historisch inkorrekt