Missa Papae Marcelli à 6 (1567): Einspielungen

  • Du bist so gemein! Erst lässt du mich warten und dann kommst du mir zuvor ... 8-) :D

    "Die zwei Hauptprobleme der gegenwärtigen Welt: demographische Expansion und genetische Degeneration sind unlösbar. Die liberalen Prinzipien verhindern die Lösung des ersten, die egalitären die des zweiten." Nicolás Gómez Dávila (1913-1994)

  • Die Sendung hier Heute im Radio habe ich inzwischen dreimal gehört und immer noch nicht alles verarbeitet. Hochspannend das Ganze! Was da alles zu beachten ist, das Problem Männer- und Knaben- oder gemischter Chor, die Frage nach der Tonhöhe (fast alle zu niedrig) und der Größe des Chores und der Anzahl der Sänger je Stimme, die Wahl des Klangraumes, die Aufstellung der Choristen und Solisten, das Verhältnis der Haupt- und Nebenstimmen, die Homogenität des Ganzen trotz der Detailarbeit und so weiter und so fort. Die angelsächsische Tradition hat hier deutlich die Nase vorn und doch "gewann" eine italienische Aufnahme.


    "Die zwei Hauptprobleme der gegenwärtigen Welt: demographische Expansion und genetische Degeneration sind unlösbar. Die liberalen Prinzipien verhindern die Lösung des ersten, die egalitären die des zweiten." Nicolás Gómez Dávila (1913-1994)

  • Wikipedia


    Ich besitze bislang drei Aufnahmen:


    Oxford Camerata, Summerly, 1991


    The Tallis Scholars, Phillips, 1979


    The Sixteen, Harry Christophers, 2003



    Auf dem Weg zu mir

    Westminster Abbey Choir, Simon Preston, 1985


    Odhecaton, 2009

    "Die zwei Hauptprobleme der gegenwärtigen Welt: demographische Expansion und genetische Degeneration sind unlösbar. Die liberalen Prinzipien verhindern die Lösung des ersten, die egalitären die des zweiten." Nicolás Gómez Dávila (1913-1994)

  • Druck: Missarum liber secundus (Valerio & Aloisio Dorico, Rom 1567)


    -----


    Mark Brown (1987)

    71PGJjjQduL._SL300_.jpg
    51stUuOb3WL.jpg81wjCban83L._SL300_.jpg
    916mDCA%2B0ZL._SL300_.jpg


    (P) 1987 IMP / Allegro Records PCD 863 [58:34]
    rec. 1987


    Pro Cantione Antiqua
    D: Mark Brown


    Diese Einspielung steht ganz im Kontext zur Verehrung der Jungfrau Maria: die Messe ist im Proprium für das Fest zu Mariä Himmelfahrt am 15. August eingebettet; dem folgt noch das Stabat Mater. Die Besetzung mit 3 Countertenören, 3 Tenören und 4 Bässen ist besonders profund ausgefallen. [Die Alto-CD links unten ist neu zusammengestellt worden und hat nur die Messe selber zu bieten.]


    Alt ehrwürdig erscheint mir diese Aufnahme: einerseits berührend zart gesungen, in perfekter Intonation und passender Würde, merkt man aber noch die alte Solistentradition mit leichtem Vibrato in den Haltetönen. Nicht, daß es mich hier stört - im Gegenteil: es macht den ganzen Satz auf eine Weise lebendig und vertraulich, zumal es nie extrem ausfällt. Alles ist durchhörbar, die Aufnahmetechnik bildet sogar die Positionen der einzelnen Solisten präzise ab. Immer noch eine sehr gute Aufnahme...
    *yepp* *yepp* *yepp* *yepp*

  • Jeremy Summerly (1992)



    (P) 1992 Naxos 8.550573 [35:07]
    rec. 24.-25. September 1991 (Dorchester Abbey, Oxon)


    Oxford Camerata
    D: Jeremy Summerly


    Das war für Naxos der Start seines Alte-Musik-Kataloges gewesen: die berühmteste Messe der Kirchengeschichte - interpretiert von einem britischen Ensemble. Die Oxford Camerata ist ein gemischter Chor, bestehend aus zwölf ausgebildeten Solisten, die mit präziser Intonation, kaum Vibrato und gutem Zusammenklang punkten können. Die Messe schwebt förmlich dahin, getragen von einer innigen Stimmung, die aber auch sehr gleichförmig klingt und wenig Variabilität in Dynamik und Artikulation aufweist. Insgesamt eine gute Interpretation in sehr guter Aufnahmequalität.

  • Peter Phillips (1980)


    (P) 1980 EMI "Classics For Pleasure" CFP 40 339 (1 LP) [36:34]

    rec. März 1980 (Kapelle des Merton College, Oxford)


    The Tallis Scholars

    D: Peter Phillips


    Die erste Messe-Einspielung der Tallis Scholars war diese: ein gemischter Chor (4s 3ct 4t 4b), ein gleichmäßiger fließender Duktus, mittleres Tempo, mit einer klaren Höhe und gut situiertem Baß. Der typische schwebende, dynamische Klang der Scholars kommt voll zum Tragen und veredelt die Polyphonie auf süßeste Weise. Vibrato ist gar nicht zu hören.


    Die Innigkeit, die davon ausgeht, berührt mich schon immens - alles wirkt schwerelos und entrückt, der ganze Satz bekommt eine Leichtigkeit, die alles Weltliche einfach wegspült. Dazu eine Klangqualität, die den Chor in seiner Gesamtheit in den Raum einbindet, ohne die Details verschmieren zu lassen.


    Eine zauberhafte Aufnahme... :love:

  • Ich hatte ganz vergessen, daß ich diese Einspielung auch besitze - ich führe sie mal der Vollständigkeit halber auf.


    Josef Veselka (1964)

    81XEWbUaXiL._SL300_.jpg


    (P) 1964 Supraphon SUA 10578 [30:47]

    rec. 02.-04. Juli 1963 (Dvorák-Saal, Rudolfinum, Prag)


    Czech Philharmonic Chorus

    D: Josef Veselka


    Hier ein Beispiel des früheren Chorgesangs: ein gemischter Chor, groß besetzt, leichtes Vibrato, ein Klang wie ein Wall of Sound mit einigermaßen dynamischer Abstufung. Eine gewisse Innigkeit ist aber auch hier zu spüren, aber die Textur ist schon recht fett. Allerdings kann man allen Stimmen gut folgen.


    Wie kann man heute diese Aufnahme beurteilen? Handwerklich ist das auf jeden Fall sehr gut umgesetzt, aber nachdem nun die HIP-Revolution auch den Chorgesang verändert hat, mag man sich fragen, ob das so noch anhörbar ist. Das Wort "historisch" kommt mir dabei in den Sinn. Die meisten solistisch besetzten Chöre sind fast immer Profiensembles, die einzelnen Solisten haben eine Ausbildung an einer Musikschule hinter sich und arbeiten in ihrem Beruf. Die neuen Gesangstechniken beinhalten Vibrato höchstens noch als Verzierung, die Stimmbildung ist auch sehr häufig anders. Aber dadurch entsteht etwas Entschlacktes, Freischwebendes, Intimes - doch will ich gewiß nicht einen heutigen Laienchor, der sich auch bestimmt mal an Palestrina versucht, absprechen, daß er nicht eine gute Leistung vollbringen könnte. Nein, es ist die Besetzung an sich, die grundsätzlich dem entgegensteht, wie ich Vokalpolyphonie hören möchte. Mehr als fünf Sänger pro Stimme bringt eine Fülle hinein, die dann bestimmten klanglichen Gesetzmäßigkeiten folgen muß; dadurch verändert sich auch die Wirkung des Gesungenen - es wird robuster, größer, verliert aber auch an Intimität, was ich für ein wichtiges Element halte. Bisher habe ich kaum ein Werk gehört, was man nicht solistisch oder klein besetzt ausführen kann. Das gilt auch für Palestrina (der ja eine ununterbrochene Chortradition seit über vierhundert Jahren hat).


    Kurz: ja, historisch. Nicht schlecht gemacht, aber mir schon zu überladen.


    Klangtechnisch ist das damals gut gemacht worden: der Chor klingt geschlossen, ist nah abgenommen und hat dennoch noch einen ordentlichen Anteil an Raumhall aufzuweisen. Heutzutage merkt man natürlich schon, wie alt die Aufnahme ist.


    Fazit: gut... 8-)

  • Simon Preston (1986)


    (P) 1986 Archiv Produktion 415 517-1 (1 LP) [32:06]

    rec. Februar 1985 (All Saints' Church, Tooting/London)


    Westminster Abbey Choir

    D: Simon Preston


    Das ist sicherlich der Klassiker unter den "neueren" Einspielungen - eine wunderbar ausbalancierte, homogene Interpretation mit einer exzellenten Umsetzung. Der Chor ist mit Knabensopranen und Countertenören in den hohen Stimmen besetzt (14s 5ct 6t 6b) und intoniert präzise und ohne Vibrato. Der Satz ist durchhörbar und vorzüglich eingefangen worden.


    Da hat sich in gut zwanzig Jahren doch Einiges in der Chortradition verändert. Die schmucklose Einfachheit wandelt sich unter Prestons Händen zu einer lichten Innigkeit, die tatsächlich nicht zu altern scheint. Immerhin entstand diese Einspielung auch schon vor über dreißig Jahren. Klanglich ist das vorzüglich aufgezeichnet worden: klare Transparenz, feine Details, toller Zusammenklang ohne dynamische Einbußen.


    Großartig... :jubel::jubel::jubel::jubel:

  • Gestern war genau der richtige Tag:


    Wilfried Rombach (2005)


    (P) 2005 Christophorus CHR 77275 (1 CD) [30:35]

    (C) 2009 Christophorus CHR 77313 (1 Hybrid-SACD) [30:35]

    rec. 23.-25. August 2004 (Peter und Pauls-Kirche, Mössingen/Baden-Württemberg)


    Ensemble Officium

    D: Wilfried Rombach


    Wie bei einigen Einspielungen dieser Messe ist auch diese in ein liturgisches Gewebe eingebunden: nämlich für das Hochfest Christi Himmelfahrt (fand gestern - am 30. Mai 2019 - statt). Die weiteren Stücke umfassen:

    • Choral: Viri Galilaei (Introitus)
    • Motette: Omnes gentes à 8 (Psalm 46/47)
    • Choral: Alleluia ascendit Deus
    • Motette: Jesu nostra redemptio à 4-6 (Hymnus in ascensione Domini)
    • Motette: Beati omnes à 12
    • Choral: Ascendit Deus (Offertorium in ascensione Domini)
    • Motette: Viri Galilaei / Ascendit Deus à 6
    • Motette: Caro mea à 5
    • Motette: Coenantibus illis à 5

    [Die einstimmigen Choräle entstammen allesamt dem Graduale von Einsiedeln (Codex 121); die Motetten wurden aus verschiedenen Palestrina-Drucken zusammengestellt.]


    Aufgrund der Chiavetten vieler Stücke hat Rombach das Ensemble sehr speziell besetzt: 5s 7t 5b. Die Soprane sind weiblich, die Stimmbesetzung liegt zumeist im Rahmen von 2-3 Solisten pro Stimme. Es entsteht ein sehr voller Klang mit einem Hang zur Tiefe, über die die Soprane lieblich schweben. Intonation und Zusammenklang sind wie immer vorzüglich, und so entsteht ein hypnotischer Sog in Palestrinas Musik, der man sich schwer entziehen kann. - Dazu kommt eine hervorragende Klangqualität, die den Raum voll ausfüllt, ohne Details zu unterschlagen.


    Das ist wunderbar ausbalanciert und exzellent umgesetzt: einfach nur klasse... :jubel::jubel::jubel::jubel: