Magnum opus musicum: Einspielungen (opi)

  • Ein vermischtes Allerlei ist es, bestehend aus geistlichen und weltlichen Vokalsätzen in loser Folge. Der Magnum Opus Musicum ist ein Glücksfall in der Musikgeschichte. Wir verdanken seine Kompilierung Ferdinand und Rudolph di Lasso, des Meisters Söhnen, die ihn 1604, zehn Jahre nach des großen Vaters Tod in den Druck befördern ließen. Kein Schwanengesang also, dem der Nimbus der letzten allgemeingültigen Aussage anhaftet, wie den im Todesjahr entstandenen „Lagrime di San Pietro“. Sondern ein posthumes Vermächtnis von unterschiedlichen Kompositionen aus allen Schaffensphasen. Ganze 576 Werke enthält er. Einen Gutteil seines überlieferten Motettenschaffens.


    Zwar ist Orlandos Werk, besonders die großen Zyklen, in den letzten Jahren zum Glück immer mehr in Einspielungen erschienen, allein der Magnum Opus Musicum ist wahrscheinlich auch wegen seiner Unüberschaubarkeit bisher nur stiefkindlich beachtet worden. Nun hat sich der Chœur de chambre de Namur zusammen mit dem Ensemble „La Fenice“ unter der Leitung von Jean Tubéry der Aufgabe gestellt, eine repräsentative Auswahl aus dem Werk vorzustellen:



    Dabei herausgekommen ist ein überzeugender Querschnitt von unterschiedlichsten Werktypen, Satzstrukturen und musikalischen Kontexten. Motetten ernsten Zuschnittes, wie dem einleitenden „Quid trepidas“ stehen chansonhafte, humoristische Stücke gegenüber, wie das „Ut queant laxis“, in dem Orlando augenzwinkernd die dem salbungvollen Johannes-Hymnus bereits von Guido von Arezzo zugrunde gelegten Solmisationssilben zitiert. Völlig kurios erscheint die Motette „Super flumina Babylonis“. Der alttestamentarische düstere Psalmtext, der in ergreifenden Worten das Leid des im Exil geknechteten Volkes Israel thematisiert, wird hier hoquetusartig in einzelne Silben, ja Buchstaben zerstückelt. Zudem erscheinen die Wahl des hellen Modus und die nahezu homophone Anlage wie eine launische Parodie. Für die Liturgie gänzlich unbrauchbar. Die Aufnahme zeigt eine ganze Fülle unterschiedlichster Kompositionsmöglichkeiten.


    Vom strengen Kontrapunkt, flächiger Homophonie, subtiler Textausdeutung und einem tiefen Verständnis von Rhythmik und Prosodie. Kurzum sie ist ein Kaleidoskop von Orlandos Vielseitigkeit und Genialität . Die Aufnahme ist äußert abwechslungsreich und exakt. Instrumente substituieren zuweilen Stimmen oder gehen Colla-parte mit ihnen. Einige kleine zweistimmige Sätze sind vollständig instrumentaliter ausgeführt. Für mich ist diese Aufnahme das Beste, was seit den legendären Harnoncourt-Aufnahmen erschienen ist.

  • Vielen Dank für die heiße Empfehlung! Schaut so aus, ich muss diese Aufnahme auch schnell habhaft werden...


    Für mich ist diese Aufnahme das Beste, was seit den legendären Harnoncourt-Aufnahmen erschienen ist.


    Welche legendäre Aufnahme meinst du? 8|


    LG
    Tamás
    *castor*