02 - Sinfonie Nr. 2: Einspielungen (CD)


  • Inzwischen auch hier:
    CD 1: Track 5; CD 2


    Eine sehr harsche Interpretation mit Sinn für Ecken und Kanten; fast schon böse auf eine hintergründige Art; auf keinen Fall überschäumenden Sentiments voll wie bei Bernstein und auch nicht weltlich-sakral oder zu nüchtern. Irgendwie unheimlich, hört man nicht oft so. Die Kallisch gefällt mir, da werde ich mich wohl nochmal ans LvdE wagen.

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)


  • (P) 1982 Decca D264D2 (2 LPs) [72:06]
    rec. 12. Juli 1951 (Concertgebouw, Amsterdam) live
    (17:42 - 9:28 - 10:35 - 4:05 - 29:51)


    Jo Vincent (s)
    Kathleen Ferrier (ca)
    Toonkunstkoor Amsterdam
    Concertgebouworkest Amsterdam
    D: Otto Klemperer


    Dies ist eine Radioaufzeichnung, die während des Holland-Festivals 1951 mitgeschnitten wurde. Sie entstand kurz nach der Studioaufnahme, die Klemperer für VOX Records in Wien aufgenommen hatte. Mit 72 Minuten gehört sie zu seinen schnelleren Dirigaten dieser Symphonie, denn später wird er nicht mehr unter 80 Minuten wegkommen.


    Das höhere Tempo bekommt der 2. auch sehr gut: alles ist straff, fortschreitend, dennoch klar gegliedert und hat Raum zum Atmen. Die Details arbeitet Klemperer gut heraus und gibt der 2. eine besonders würdige Note. Jo Vincent und Kathleen Ferrier sind sehr gut aufgelegt und setzen sich deutlich von Chor und Orchester ab. Der Toonkunstkoor intoniert sehr gut und geschlossen, und das Concertgebouworkest klingt sehr wuchtig und füllig, ohne dabei die Details zu verschlampen oder unpräzise widerzugeben.


    Die Aufnahmen hatte Decca vom Katholieke Radio Omroep übernommen; sie erhielten ein Band mit der ganzen Aufführung, das klanglich eine sehr gute Qualität präsentiert. Die Höhen sind etwas matt, der Baß ein bißchen dürftig, aber die Mitten glänzen um so mehr. Die Abstimmung der Orchestergruppen und des Chors ist optimal, das Grundrauschen recht gering. Mir fiel jedoch ein statisches Knacksen auf, welches doch recht oft hörbar wird - es könnten tatsächlich Dropouts des Tonbands sein, welche 1990 bewußt nicht behandelt wurden; es klingt auch ein bißchen nach einer knacksenden LP, was mich persönlich nicht stört (das bezieht sich auf die obige CD-Auflage aus der Historic-Reihe von Decca, nicht auf andere Ausgaben).Insgesamt eine gut anhörbare Mono-Qualität.


    Kurz: eine gewinnende Interpretation mit sehr guten Leistungen aller Beteiligten - in einer annehmbaren historischen Klangqualität. Sehr gut... *yepp*


  • Gustav Mahler
    2. Sinfonie

    Latonia Moore

    Nadja Michael


    Wiener Singverein

    Wiener Philharmoniker

    Gilbert Kaplan

    2001


    Ein Wahnsinn, dass diese Aufnahme noch nicht erwähnt wurde: Der Amateurdirigent, der sich nur diese 2. Sinfonie widmete, hier zum 2. Male. Und das mit Bravour; das so etwas möglich ist ...

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)


  • Gustav Mahler
    2. Sinfonie


    Benita Valente

    Maureen Forrester


    The Ardwin Singers

    BBC Welsh Chorus

    Cardiff Polyphonic Choir

    The Dyfeld Choir

    London Symphony Orchestra and Chorus
    Juli 1987

    Zitat

    Kaplans Einspielung von Mahlers 2. Sinfonie mit dem London Symphony Orchestra 1987 wurde 1988 von der New York Times zu einer der Records of the Year gewählt. In mehr als 175.000 Exemplaren verkauft, wurde sie zur meistverkauften Mahleraufnahme der Geschichte.

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)


  • Gustav Mahler
    2. Sinfonie


    Marlis Petersen

    Janina Baechle


    Wiener Kammerorchester

    Gilbert Kaplan

    17. Februar 2013


    Dieser 3. Streich Kaplans ist mir leider noch nicht bekannt.

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)



  • Auch hier:

    CD 2 und 3



    Gustav Mahler

    2. Sinfonie


    Lee Venora

    Jennie Tourel

    The Collegiate Chorale


    New York Philharmonic
    29 & 30. September 1963





    Auch hier:

    CD 1: Track 5; CD 2: Track 1-4


    Gustav Mahler

    2. Sinfonie


    Barbara Hendricks

    Christa Ludwig


    New York Philharmonic Orchestra

    Leonard Bernstein

    1987


    Welche der beiden CD-Einspielungen Bernsteins man vorzieht, dürfte eine Glaubensfrage sein. Im Unterschied zu anderen Mahler-Sinfonien, die Bernstein im letzten Zyklus mit den Wienern oder in Amsterdam aufgenommen hat, kann man hier den gleichen Klangkörper vergleichen, etwa ein Vierteljahrhundert dazwischen. Und daran sieht bzw. hört man, dass hier weniger das Orchester entscheidend ist, sondern der Wille des Dirigenten. Bernstein hat mit jedem Jahr seine Sicht auf Mahler stärker versubjektiviert, verpersönlicht; zu seiner ureigenen Sache gemacht, so dass die 87er Aufnahme mehr ein fortgeschrittenes Dokument seines Mahler-Bildes darstellt, während die erste bei Sony ursprünglicher, weniger reflektiert und ein wenig frischer daherkommt. Mir persönlich ist die Zerdehnung, die Verlangsamung bei der DG einfach zu viel, mir geht hier der Fluss, die Dramatik zu Gunsten einer transzendenten Aussage verloren. Ich weiß aber, dass es viele Mahler-Freunde gibt, die gerade das schätzen. Fazit: 1963 leidenschaftliche knackige Objektivität; 1987 transzendente epische Subjektivität!

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)



  • Auch hier:

    CD 1 und 2



    Gustav Mahler

    2. Sinfonie


    Melanie Diener

    Petra Lang


    Prague Philharmonic Choir
    Royal Concertgebouw Orchestra
    Riccardo Chailly

    9. und 12.-14. November 2001


    Chailly ist vielleicht der (notwendige?) Antipode zu all den sehr ruppigen, forschen, subjektiven Dirigenten à la Bernstein und Co. und man hat ihm (nicht ganz zu Unrecht?) einen geglätteten, allzu schönen Mahler vorgeworfen. Natürlich wäre hier jede Einspielung im Einzelfall zu prüfen, der Dritten steht das strahlende Gewand recht gut, wie ich finde; diese Zweite hier aber leidet meines Erachtens dennoch ein wenig an Blutarmut, an Passivität; am mangelnden Gestaltungswillen; am fehlenden Mut, etwas zu wagen.

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)

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    Discogs


    Gustav Mahler

    2. Sinfonie


    Florence Quivar

    Sylvia Greenberg


    The Israel Philharmonic Orchestra

    The Tel Aviv Philharmonic Choir
    Zubin Mehta

    18. Oktober 1988 (live)


    Mal ein negatives Beispiel: Das ist eine der ganz wenigen CDs, die ich im Laufe der letzten drei Jahrzehnte in den Müll geschmissen habe. Klanglich und interpretatorisch so übel, dass die Macher sich schämen sollten.

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)

  • CD 2



    Gustav Mahler

    2. Sinfonie


    Ilona Steingruber

    Hilde Rössel-Majdan


    Wiener Symphoniker

    Otto Klemperer

    Mai 1951


    Ambient Mastering - klingt wie eine Scheibe von Andromeda oder Documents! 8-) Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, schade um das Geld ...

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)

  • Die fortlaufende Partitur lässt sich hier mitverfolgen. Es handelt sich offensichtlich um die erste Bernstein-Aufnahme aus New York:



    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)




  • Gustav Mahler

    2. Sinfonie


    Heather Harper

    Helen Watts


    London Symphony Orchestra

    Georg Solti

    Mai 1966


    Zu dieser ersten Aufnahme Soltis von zweien ein Rezensent bei Amazon:

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)

  • Zu dieser ersten Aufnahme Soltis von zweien ein Rezensent bei Amazon:

    Neinneinneinnein... *omg*


    Ich kenne diese Kritik recht gut und auch andere von ihm - und ich möchte mal deutlich sagen, daß es gewisse Aspekte gibt, vor denen man warnen muß. Daß Remasterings nicht immer gleich ausfallen (vor allem über Dekaden hinweg), liegt auf der Hand, aber mir erscheint sein "Höreindruck" bei Weitem nicht so präzise, wie er vielleicht denkt. Allein die Sache mit der Komprimierung bedarf wirklich genau gemessenen Daten und nicht Höreindrücken allein, zumal auch noch Unterschiede des Headrooms beachtet werden müssen. Ich warne deutlich davor, seinen Beschreibungen der Remasterings ohne Widerspruch hinzunehmen (zumal diese Unterschiede eigentlich recht marginal ausfallen im Direktvergleich). - Den anderen Teil zur Interpretation an sich will ich nicht kommentieren, das ist seine eigene Ansicht.

  • 02 - Sinfonie Nr. 2: Einspielungen (CD)


    Die normale CD ist absolut ausreichend: Sie klingt in meinen Ohren direkter, präziser, aggressiver; kratziger; die CD mit Ambient Mastering klingt weicher, ungenauer, sauberer, aber wie gebremst - beides übrigens sowohl über 2.0 als auch 5.1 im gleichen Maße, wobei über Stereo die Unterschiede nicht so groß sind. Man hat hier interpretatorisch auf jeden Fall eine lohnende Aufnahme unter den Ohren, das Jahr 1951 war ein gutes für Old Klemp; da hat er ja auch wenig später die Formel-1-Version aufgenommen. Mir gefällt diese hier fast noch besser, weil sie einen unglaublichen Zug zum Tor hat und tatsächlich keine Gefangenenen macht.

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)


  • Gustav Mahler
    2. Sinfonie


    Yvonne Kenny

    Jard van Nes

    London Philharmonic Orchestra

    Klaus Tennstedt

    1989


    Mit großem Vergnügen las ich seinerzeit die unterschiedlichen Kritiken in der (Stief? Raben?)Mutter aller reinen Klassikforen:


    Ulrich Kudoweh

    Zitat

    Jeder Musiker spielte an diesem Abend auf der Stuhlkante, ein bravouröses Blech, eine überhaupt weit über das in der Studioaufnahme gehörte hinaus gehende Orchesterleistung. Tennstedt gab an diesem Abend alles, und er wagte alles - das macht das Beglückende an diesem Live-Moment aus. Im Übrigen: eine tolle Altistin (Jard van Nees, Mezzo).


    Swjatoslaw zitiert positive Rezendionen aus den verschiedenen Amazonplattformen.


    Norbert

    Zitat

    Auch bei der Live-Aufnahme stellt Tennstedt nicht gerade einen Geschwindigkeitsrekord auf (mit knapp 94 Minuten Spielzeit), aber es gelingt ihm hier, jede Sekunde mit Spannung zu füllen.



    Emotional aufgeladener, espressiver, ist kaum eine andere Aufnahme der 2., die ich kenne.



    s.bummer

    Zitat

    Und dann Tennstedt Live aus London.


    Diese Aufnahme empfehle ich den Heavy Metal Mahler Fans, die auf Tränendrüse und große Gefühle setzen, also auf Kitsch! (Saccharin statt Zucker, spart Kalorien)


    Diese Aufnahme, die übrigens ausgezeichnet gespielt wird, ist so etwas von "weird" und, wie ich finde, antiquiert (80iger Jahre, Schulterpolster, große Gefühle, rettet den Weltfrieden, Denver Clan und Dallas und all der Mist), aber zugegeben sehr suggestiv!


    Das Ende des 5. Satzes mit Tennstedt wäre glatt was für das ZDF als Begleitmusik fürs Traumschiff, wenn es untergeht und dann wieder auftaucht, weil es unsinkbar ist, wie der Kitsch eben auch! :thumbsup: (eine kleine Provokation muss sein!)


    Oder wie mein Freund Mike beim Abhören eben dieser Aufnahme so schön sagte: Was ist denn das für ein Sch....?

    Köstlich! *lol*Gibt es denn Mann noch irgendwo?


    Wolfram

    Zitat

    In die Lobeshymnen über die Aufnahme mit Tennstedt (London live 1989) kann ich nur einstimmen - ein tolle Aufnahme mit einem großartigen Chor. Überwältigend der Schluss - ich kann mir nicht vorstellen, dass Mahler es sich weniger überwältigend dachte, wenn er solche Klangmassen verlangte. Für eine sachliche Darstellung hätte es schließlich genügt, den Klopstock-Text vorzulesen ...


    Thomas Knöchel

    Fiesco


    Ich persönlich finde es absolut bezeichnend, dass Mahlers Zweite jede Art der Interpretation verträgt; die extrem ruppigen und schnellen; die weihevollen und pathetischen; die strengen und sterilen, die romantischen und lyrischen, die mehr säkularisierten à la DDR und nun eben auch die schmalztriefenden, sentimentalen Arztromandeutungen. Wie groß muss ein Kunstwerk sein, da all das aushält!?

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)


  • Gustav Mahler
    2. Sinfonie


    Michaela Kaune

    Dagmar Peckova


    NDR Chor

    Philharmoniker Hamburg

    Simone Young

    2010


    Noch nirgendwo las ich etwas zu dieser Aufnahme.


    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)


  • Gustav Mahler

    2. Sinfonie


    Stefania Woytowicz

    Anny Delorie


    Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester

    William Steinberg

    1965


    s.bummer bei T.:


    Richtig ist, dass die erste Hälfte des 1. Satzes zu den intensivsten und spannendsten Momenten der Aufnahmegeschichte von Mahlers Zweiten gehören und das besagt bei der großen Konkurrenz schon etwas. Man fragt sich da schon beklommen, ob Steinberg das würde durchhalten können und das kann er natürlich nicht, schon nach dem großen Finale mitten im ersten Satz und dem Neuanfang wird es merklich gesetzter; ein Befund, der sich für alle folgenden Sätze bestätigt sieht. Erst im letzten Satz erreicht man fast wieder die Intensität des Beginns. Trotzdem insgesamt eine der besten Aufnahmen überhaupt, weit vor vielen bekannteren Namen (Dirigenten und Orchester).

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)


  • Gustav Mahler
    2. Sinfonie


    Anne Schwanewilms

    Lioba Braun


    Chor der Bamberger Symphoniker

    Bamberger Symphoniker

    Jonathan Nott

    2009


    Norbert bei T.:

    Ich habe mich beim ersten Hören zu Beginn ein wenig gelangweilt und geärgert, weil ich auch die Klangtechnik nicht in dem Maße überragend fand wie hier dargestellt. Zumindest ersteres musste ich aber später revidieren; denn Nott ist eben kein Mit-der-Tür-ins-Haus-Faller wie Furtwängler, sondern einer, der das musikalische Material mit Bedacht entwickelt. tatsächlich geht es bei ihm ähnlich Young sehr bedächtig los, aber schon sehr bald wird deutlich, wie genial der Steigerungslauf angelegt ist, dass einem bald die Puste auszugehen droht, da man sich erst kurz zuvor auf eine gemütliche Kremserfahrt eingestellt sah. Die Detailfreude lässt einen immer wieder stutzen, manches hört man erstmals genau so so deutlich; aber ich bin schon auch der Meinung, dass es bei aller Moderatheit ein wenig mehr Schmackes im Gesamtbild hätte sein können. Man muss dem Werk nicht wie Bernstein oder Klemperer seinen Stempel so aufdrücken, dass man den Ursprung kaum noch erkennt, aber so ganz ohne Gravur fehlt mir doch etwas. Ohne Leidenschaft, ohne Ironie und doppelten Boden, ohne wirkliche Extreme darf es nicht abgehen.

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)



  • Ich hieraus:

    CD 2 und 3



    Gustav Mahler

    2. Sinfonie

    Christiane Oelze

    Michaela Schuster


    Gürzenich-Orchester Köln

    Markus Stenz

    2010


    Bei T hatte seinerzeit 2010 schon jemand das Livekonzert sehr positiv besprochen, aus dem dann die Veröffentlichung erwuchs.


    Ulrich Kudoweh

    Prinzipiell heben alle späteren Besprechungen und das völlig zu Recht auf die außerordentliche Klangqualität und Transparenz ab, z.B. William B.A.:


    Zitat


    ... Dies ist ohne Übertreibung die klanglich bei weitem beste Aufnahme, die ich von der Zweiten in meiner Sammlung habe, und das sind ein gutes Dutzend, aber dass sie auch interpretatorisch oben mitmischt, ist um so erfreulicher. Hatte ich in einem meiner letzten Postings gesagt, dass hier ein neuer großer Mahler-Dirigent heranwachsen könnte, bin ich nun fest davon überzeugt. Und da man ja auch aus Bamberg nur Gutes hört, ist mir um die Zukunft der deutschen (aber auch internationalen) Mahler-Tradition nicht bange. Denn man weiß ja z. B. im Falle Markus Stenz, dass er nicht nur die großen deutschen Orchester, sondern auch die großen amerikanischen Orchester schon dirigiert hat und neben seinem Posten als Gürzenich-Kapellmeister und GMD der Stadt Köln auch erster Gast-Dirigent des Hallé Orchestras und ab der Saison 2012/13 Chefdirigent der Radio Philharmonie Hilversum wird.


    Das große Plus dieser Aufnahme ist neben der phantastischen Transparenz die kontinuierliche Tempogestaltung, die vorbildliche dynamische Ausgestaltung und das spannungsreiche Musizieren.--Ganz überragend. ... P.S. Großartig auch Christiane Oelze und Michaela Schuster als Solistinnen


    Ich will all diesen Lobeshymnen nicht zuwiderreden und tatsächlich legt Stenz hier im Gegensatz zur Dritten eine richtig gute Interpretation vor und damit sind wir beim Problem der Bewertung von neueren Aufnahmen, wenn man schon dutzende andere aus vielen Jahrzehnten kennt. Und damit bei der Ungerechtigkeit, die sich beim Werten zwangsläufig einstellt. Natürlich können Scherchen, Klemperer und Co. audiotechnisch nicht mithalten, aber man fragt sich eben, was macht Stenz zu einer besonderen Aufnahme außerhalb des bloß Klanglichen? Was zeichnet ihn aus interpretatorisch, was macht ihn unverwechselbar wie etwa Bernstein; was ist sein spezieller Beitrag zur Mahler-Exegese? Und obwohl mir die Aufnahme gefällt und ich sie begeistert luftdirigierend über die große Anlage 5.1. genoss, vermöchte ich darauf nichts zu antworten. Vielleicht, weil die Frage albern ist oder sich nicht beantworten lässt; ich weiß es nicht.

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)

  • aber man fragt sich eben, was macht Stenz zu einer besonderen Aufnahme außerhalb des bloß Klanglichen?

    Das ist das eigentliche Problem: wenn man nichtmal mehr sich um eine klug angelegte Deutung kümmern kann, ohne daß die Erinnerung an den Alten dazwischenkommt. Ich kann Friese gut verstehen, wenn er nur noch neue Aufnahmen hört, denn dann wird der Blick nicht mehr durch die Aufführungstradition verstellt. Das hat nämlich auch seinen Reiz.