BWV 1079 - Das Musikalische Opfer: Einspielungen (opi)

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    Musica Antiqua Köln und Reinhard Goebel sind dir noch kein Begriff?


    LG
    Tamás
    *castor*


    Doch natürlich, habe einige Aufnahmen; unter anderem von einem gewissen Wassernager. 8-) Aber dennoch, 35 Jahre, das ist viel; auch einige frühe Aufnahmen von NH klingen nicht mehr so gut ...

    • Offizieller Beitrag

    Wassernager


    Bisamratte? *flirt**hide* *näänä*


    Goebel ist für mich einer der Pioniere, der Barock für mich wieder "hörbar" gemacht hat.
    Durch ihn habe ich mich dann weiter mit der Materie beschäftigt.


    Aber — abgesehen von der Triosonate, die vermutlich barockes Instrumentarium voraussetzt: gibt es bei etwas Freiem wie dem musikalischen Opfer überhaupt Period Instruments?
    Oder anders: wenn man die Fugen mit einem Mundharmonika-Ensemble wiedergibt, verlieren sie dann wirklich an Authentizität?

  • gibt es bei etwas Freiem wie dem musikalischen Opfer überhaupt Period Instruments?
    Oder anders: wenn man die Fugen mit einem Mundharmonika-Ensemble wiedergibt, verlieren sie dann wirklich an Authentizität?


    Wenn Du es so formulierst würde ich sagen, dass auch die Wiedergabe durch ein Mundharmonikaensemble der Authentizität keinen Abbruch tut. Bach erweist sich nach meiner Auffassung wieder und wieder als Avantgardist dessen Musik auch zeitgenössische Verklanglichungen zwanglos verträgt. Andererseits gilt wohl auch, um einmal eine etwas vorbelastete Redewendung zu verwenden: "alles kann, nichts muss." Wenn sich die Gelegenheit ergibt, höre einmal in diese Aufnahme hinein:


    hieraus


    An anderer Stelle habe ich zu dem Thema einmal mitgeteilt:


    Zitat

    Zum Thema "Goldbergvariationen" habe ich die Einspielung Wilhelm Kempffs hoch gelobt unter Hinweis darauf, dass sich Kempff souverän über Albert Schweitzers Auffassung Bach sei mehr Organist als Klavierist, seine Musik eher architektonisch als sentimantal, hinweggesetzt habe, dadurch eine höchst lyrische Einspielung zustande gebracht hat. Wenn ich voraussetze, dass Schweitzers Auffassung richtig ist, dass zudem Bach weniger in Tönen als vielmehr in "architektonischen Zusammenhängen" musikalisch gedacht hat, dass ferner seine Beziehung zur Instrumentierung eher indiffernet gewesen ist, seine Notentexte deshalb eher, sagen wir einmal neutral, d.h. auch wenig sentimental (wobei ich den Begriff sentimental in der Musik keineswegs geringschätze) sind, so könnte man doch daraus schlussfolgern, das gerade diese Herangehensweise an die Musik Werke hervorzurufen vermag, die für eine Transkription ganz besonders geeignet sind. Mir persönlich ist jedenfalls kein anderer Komponist bekannt dessen Werke so häufig Anlass zu qualitätsvollen Bearbeitungen gegeben haben (qualitätsvoll in dem Sinn, dass die Bearbeitung eben nicht wie eine solche klingt, der "Geist" des Werkes vielmehr unangetastet bleibt).


  • (P) 2000 Brilliant Classics [45:58]
    rec. November 1999 (Maria Minor, Utrecht)


    Netherlands Bach Ensemble:
    Candy Thompson (Violine)
    Marieke Schneemann (Flöte)
    Floris Mijnders (Violoncello)
    David Jansen (Cembalo)
    Krin Koetsveld (Orgel)


    D: Krin Koetsveld


    Das Werk wird nur in der Besetzung gespielt, die für die Sonate vorgeschrieben ist: also Violine, Flöte und Begleitinstrumente. Die Ricercars spielt David Jansen am Cembalo allein, die Kanons dagegen werden mit wechselnder Besetzung aller Instrumente realisiert.



    jd :wink:



  • (P) 1995 dhm 05472 77307 2 [49:19]
    rec. 22.-25. Februar 1994 (Doopsgezindekerk, Haarlem)


    Barthold Kuijken (Traversflöte)
    Sigiswald Kuijken (Violine)
    Wieland Kuijken (Viola da gamba)
    Robert Kohnen (Cembalo)


    Schon zwanzig Jahre zuvor hatten die Kuijkens das MO für Seon eingespielt - nun wiederholten sie es in rein solistischer Besetzung. Dabei wird das Ricercar à 3 nur mit Cembalo gespielt, aber das andere Ricercar (à 6) und viele der Kanons auf verschiedene Instrumente verteilt. Die Sonate wird ruhig dahinfließend wie ein ruhiger Bach ( :P ) dargeboten, die Stimmen sind aber immer schön zu differenzieren. Der Vortrag seitens der Kuijkens und Kohnens ist virtuos, elegant und sehr entspannt; man könnte tatsächlich denken, die vier musizieren für sich, nur so zum Spaß. Für uns Hörer ein echter Gewinn...
    :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:


  • (P) 1984 Eterna 827 844 [52:39]
    rec. 1983 (Konzertzimmer Friedrichs II., Schloß Sanssouci, Potsdam)


    Leipziger Bach-Collegium:
    Karl-Heinz Passin (Traversflöte)
    Eberhard Palm & Manfred Otte (Violine)
    Siegfried Pank (Violoncello)
    Walter Heinz Bernstein (Cembalo & Hammerklavier)


    Mit Hammerklavier beginnt diese Einspielung, eine sehr reizvolle Variante. Später werden die einzelnen Stimmen auf verschiedene Instrumente verteilt. Die Struktur ist gut durchhörbar, die Instrumente klingen sehr apart. Das Collegium spielt gut und sehr gemessen, wirkt vielleicht etwas unaufgeregt, was ich jedoch nicht als Nachteil auslegen möchte. Gut... *yepp*


    Hier habe ich die Besetzung der einzelnen Stimmen sowie die verwendeten Instrumente gefunden.


    -----


    Die Einspielung ist auch in den Boxen drin:





  • (P) 1975 Seon / Philips 6575 042 [48:04]
    rec. März 1974 (Doopsgezinde Kerk, Amsterdam)


    Barthold Kuijken (Traversflöte)
    Sigiswald Kuijken (Violine I)
    Marie Leonhardt (Violine II)
    Wieland Kuijken (Viola da gamba)
    Robert Kohnen (Cembalo)
    Gustav Leonhardt (Cembalo solo & D)


    Das ist die ältere Einspielung, die die Kuijkens, Kohnen und die Leonhardts für Seon aufgenommen hatten. Zu dem Zeitpunkt war es weder die erste in opi noch die erste solistisch besetzte, aber die Konsequenz mit den verwendeten Instrumenten und den Spielweisen darauf hatte bis dato keiner so deutlich herausgearbeitet. Tatsächlich ist es interessant zu hören, wie hier die Polyphonie der Stimmen seziert und hörbar gemacht, wie stringend die Abfolge der musikalischen Ideen Bachs präsentiert werden. Die Intimität des Vortrags ist ein wichtiges Element: die Sonate wie auch die Kanons erreichen damit eine Fokussierung auf das Wesentliche, auf die Essenz von Bachs breiten Variationsmöglichkeiten, ohne dabei in akademische Distanz zu verfallen. Das ist lebendiges Musizieren mit Herz und Verstand. Klasse... :thumbup: :thumbup: :thumbup:

  • Kozue Sato, Traversflöte; Dmitry Lepekhov, Barockvioline,; Lena Kaidanovska, Barockvioline; Pavel Serbin, Barockvioloncello / Viola da Gamba; Felix Stross, Barockvioloncello / Violoncello Piccolo; Francis Jacob, Cembalo

    Eine Aufnahme, die mich sehr zu begeistern vermag. Vorwärtsdrängendes, akzentuiertes - sehr transparentes - Spiel, das die Qualität und Notwendigkeit historischen Instrumentariums im Hinblick auf die Interpretation dieses Rätselzyklus' ohne erkennbaren Zweifel außerordentlich deutlich werden lässt. Selten habe ich mich in Bachs musikalischem Opfergang besser aufgehoben gefühlt,


    Lobeshymne hin oder her; ich bitte um Stellungnahmen zum Ricercar à 6, sofern die Möglichkeit des Anhörens via CD oder Spotify besteht.

  • Lobeshymne hin oder her; ich bitte um Stellungnahmen zum Ricercar à 6, sofern die Möglichkeit des Anhörens via CD oder Spotify besteht.

    Niemand?


    Erinnert mich übrigens an das sehr eindrucksvolle WDR-Kriminalhörspiel Niemandt kennt Tag und Stunde - nur so am Rande.


    Nachhörbar hier:


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    • Offizieller Beitrag


    Johann Sebastian Bach

    Musikalisches Opfer [46'38'']


    Concentus Musicus Wien

    Nikolaus Harnoncourt

    Februar/ März 1970


    Tracklist


    Wer wissen will, wie Kontrapunkt "klingt"; wie man Musik macht ohne Rücksicht auf Verluste; also vom Blatt für das Universum, ohne an einen potenziellen Hörer zu denken; der ist hier genau richtig. Eine fulminante Aufnahme, die die Ohren öffnet, obwohl der Laie sie vielleicht lieber verschließen will. Es muss eine vogelwilde Zeit gewesen sein so ab 1970 für experimentierfreudige hipe Opis; solche puristisch-revolutionären Gelegenheiten hat man nur alle paar Ewigkeiten.