1787 - Don Giovanni: Einspielungen (opi)

  • Warum sonst sollte mich das Werk überhaupt interessieren, wenn nicht so, wie es zu seiner Entstehungszeit klang? Wenn ich etwas moderneres hören will, dann tue ich das mit Gershwin, Britten, Bernstein ...


    Aber ist Mozart denn nicht auch modern?


    Kann man große Kunst nicht durch die Jahrhunderte immer wieder anders sehen, hören, interpretieren? Muss man es nicht sogar? Verkleinert man sie nicht, will man sie immer so erleben, wie der Komponist sie sich vorgestellt hat? Kann es nicht sein, dass der Komponist nicht etwas Größeres geschaffen hat, als er selber dachte? Sprich, weist das Werk nicht viel mehr Ebenen auf als er beabsichtigte?


    Was das moderne Regietheater angeht, verstehe ich dein Argument. Natürlich ist ein Werk auch auf der Bühne 'frei'. Und trotzdem, genauso wie vorher von mir gesagt, gilt für mich auch hier die Verantwortung vor dem Werke. Diese Gratwanderung von Freiheit und eben Verantwortung. Ein Kunstwerk muss durch jede Zeit neu entdeckt und interpretiert werden und anders wiedergegeben werden. Aber immer bleibt das Werk der Maßstab.

  • Lieber Ulli, alles, was du sagst, ist wie immer fachlich richtig und nachvollziehbar; dennoch denke ich, du verrennst dich ein wenig. Auch wir haben Ohren und vieles von dem, was Falstaff so einprägsam in Worte fasst, kann ich unterschreiben, andere hier auch. Glaubst du wirklich, wir hören alle falsch? Hören speziell Mozart falsch, weil wir jahrzehntelangen Hörtraditionen aufsitzen?

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Diesen völligen Verzicht auf Verzierungen, diese rein „wagnerische Sicht“ auf Mozart „jede Note muss so gespielt werden, wie sie da steht und nichts anderes“ ist dem 18. Jahrhundert gänzlich fremd.


    Die opera Seria war zwar in ihrer Endphase, aber noch lange nicht vorbei. Zudem kann man eine Tradition die nun schon fast 150 Jahre betrieben wurde, nicht einfach abschalten. Friedrich II. von Preußen hatte das bereits versucht, indem er genau das verlangte: Nur das was in den Noten steht! Er schrieb die Verzierungen übrigens selbst aus. Es ging bei ihm nie um Vereinfachung und Natürlichkeit, sondern nur darum, dass er mitlesen konnte. Das hat vielmehr etwas mit einer speziellen Pedanterie zu tun, als mit der damaligen Theater Praxis und wurde auch entsprechend geringschätzig angesehen. Denn mit Kunst hat das nichts mehr zu tun.
    Man muss sich nur mal ansehen, und anhören, wie damals Opern aufgeführt wurden. Und zwar mal außerhalb der Originalpartitur, denn genau das gibt Aufschluss darüber, was damals üblich war. Und das zieht sich quer durch die gesamte Operngeschichte des 17. Und 18. Jahrhunderts. Es wurde stets umgeschrieben, arrangiert, neu instrumentiert, Rollen um- rein oder herausgeschrieben und selbstverständlich fügten die Sänger eigene Verzierungen hinzu – und dass war keinesfalls auf die Opera seria beschränkt, das ist ein Irrtum. Dass zum Ende des 18. Jahrhunderts diese Praxis nach wie vor existierte, kann man nicht negieren, dafür gibt es zu viele Beispiele. Dass in einer Opera Buffa weniger verziert wird, wie in einer Opera Seria war von Anfang an so gedacht, es ging ja um Natürlichkeit und Einfachheit. Gerade wenn es einem um eine möglichst historisch korrekte Wiedergabe geht, dann muss man das berücksichtigen.


    Gerade von Mozart gibt es derzeit einige Aufnahmen mit solchen parallelen Fassungen, zwar erst nach Mozarts Tod entstanden, aber das ändert nichts an meiner Behauptung, im Gegenteil, es zeigt wie aktiv diese Praxis damals noch war und auch im 19. Jahrhundert ganz natürlich fortgesetzt wurde – eben bis zu Wagner…..
    Die Prager Fassung der „Finta Giardiniera“ von 1795, und die frz. Bearbeitung der Zauberflöte von 1801 „les Mysteres d’Isis“ mal ganz davon abgesehen, das bereits in den 1790ern deutsche Fassungen der meisten Opern Mozarts kursierten.
    Extreme Beispiele andere Komponisten aus dieser Zeit, z.B. die Mailänder Fassung des „Orfeo“ von Gluck durch Johann Christian Bach (1774), die Fassungen von einigen Lully Opern durch Dauvergne und Francoeur (z.B. Persée 1770)
    Mit Sicherheit werden noch viele weiterer solcher spannenden Werke / Fassungen entdeckt und aufgeführt.


    Aus dieser Perspektive ist eben das was Jacobs macht genau richtig: lebendiges Musiktheater aus der Tradition des 18. Jahrhunderts heraus.

  • Das Problem scheint mir ein ganz anderes zu sein: ich beschäftigte mich mit Mozart, wie er lebte, was er wollte, was er tat, welche technischen Möglichkeiten es gab; das fand - und finde ich noch heute - toll! Und genau so - und nicht anders - möchte ich das hören. Warum sonst sollte mich das Werk überhaupt interessieren, wenn nicht so, wie es zu seiner Entstehungszeit klang?

    Auch hier sehe ich ein Problem. Das Werk wird heute nicht mehr so klingen wie es zur Entstehungszeit klang. Auch historische Instrumente, selbst die Originale, klingen heute nicht mehr so wie zur Entstehungszeit. Die haben sich mit der Zeit verändert und wir können nur mutmaßen, wie Sie klangen.
    Darüber hinaus bin ich mir sehr sicher, daß auch die versiertesten Interpreten bei völliger Beachtung der überlieferten aufführungspraktischen Hinweise nicht so klingen, wie zur Entstehungszeit.
    Was uns gelingen kann, ist eine möglichst genaue (oder soll ich besser sagen gute) Annäherung. Es wird aber immer eine Interpretation, genau genommen eine Modernisierung, sein. Für mich ist das Entscheidende, dem Werk gerecht zu werden, indem ich mich mit den Mitteln der Entstehungszeit nähere. Da ich aber zwangsläufig interpretieren muß, wird das Ganze zwangsläufig auch anders als zur Entstehungszeit klingen.

  • Aber ist Mozart denn nicht auch modern?


    Für seine Zeit: ja.


    Kann man große Kunst nicht durch die Jahrhunderte immer wieder anders sehen, hören, interpretieren?


    Kann man.


    Muss man es nicht sogar?


    Nein.


    Verkleinert man sie nicht, will man sie immer so erleben, wie der Komponist sie sich vorgestellt hat?


    Nein, für mich wird sie erst dadurch groß.


    Kann es nicht sein, dass der Komponist nicht etwas Größeres geschaffen hat, als er selber dachte? Sprich, weist das Werk nicht viel mehr Ebenen auf als er beabsichtigte?


    Kann sein, liegt nicht in meinem Interesse. Vermutlich lag es auch nicht in Mozarts, denn er kannte den Kunstbegriff von heute noch gar nicht ...


    Glaubst du wirklich, wir hören alle falsch? Hören speziell Mozart falsch,


    Nein, aber anders, weil:


    weil wir jahrzehntelangen Hörtraditionen aufsitzen?


    Diesen völligen Verzicht auf Verzierungen, diese rein „wagnerische Sicht“ auf Mozart „jede Note muss so gespielt werden, wie sie da steht und nichts anderes“ ist dem 18. Jahrhundert gänzlich fremd.


    Da spricht wieder der Mozartexperte... wir sprechen ja hier nicht von einer Händeloper, die ohne die Verzierungen der da-Capo-Teile definitiv in Langeweile ersticken würde (wie man das in der Prä-HIP-Zeit komischer Weise und im Widerspruch zur damaligen Mozartinterpretation meistens gemacht hat!).


    Was uns gelingen kann, ist eine möglichst genaue (oder soll ich besser sagen gute) Annäherung.


    Immerhin.


    Auch historische Instrumente, selbst die Originale, klingen heute nicht mehr so wie zur Entstehungszeit. Die haben sich mit der Zeit verändert und wir können nur mutmaßen, wie Sie klangen.


    Weshalb man heute ja vielfach Nachbauten verwendet, die dann heute genauso „frisch“ klingen sie damals geklungen haben. Das betrifft überwiegend Bläser aller Arten und die Clavierinstrumente - daß Streichinstrumente kaum anders klangen (abgesehen von Phrasierung, Vibrato, Darmsaiten), kann man selbst leicht nachhören (oder eben nicht). Aber eine Holz-Traversflöte z.B. hat einen völlig anderen Klang als eine Metallquerflöte. Das sind zwei völlig unterschiedliche Instrumente - ganz zu schweigen von den Clavieren. Und dieser - nennen wir ihn: historische - Klang ist charakterbildend für das jeweilige Werk. Darauf kann und werde ich nicht verzichten.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Diese Einspielung wurde noch garnicht erwähnt:



    Albert Dohmen, Don Giovanni
    Andreas Kohn, Il Commendatore
    Monica Pick-Hieronimi, Donna Anna
    Scott MacAllister, Don Ottavio
    Soile Isokoski, Donna Elvira
    Pietro Stagnoli, Leporello
    Andreas Kohn, Masetto
    Wiener Akademie auf historischen Instrumenten
    Martin Haselböck


    Erschienen: 1991
    Label: Novalis


    Kennt die jemand?


    LG
    Tamás
    *castor*

  • Kennt die jemand?


    Für 1%€ plus 300%€ Porto lerne ich die doch glatt mal kennen ...


    *hüpf*


    Womit wir uns dann gleich hierher begeben ...

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)


  • Wolfang Amadé Mozart (1756-1791)
    Wie die Nase des Mannes ...


    Albert Dohmen, Andreas Kohn, Monica Pick-Hieronimi,
    Scott MacAllister, Soile Isokoski, Pietro Stagnoli, Andreas Kohn


    Wiener Akademie
    Martin Haselböck


    Wieder so eine grölende, jodelnde Anna ... da muß es doch bess'res auf dem Markt geben? Ich kann es nicht fassen, daß solche ehrenwerten Leute wie Currentzis und/oder Haselböck einfach taub sind ... womit werden die bestochen, solche Stimmen zu nehmen? Dagegen ist das hörbare Rumgelatsche auf der Bühne wirklich traumhaft schön anzuhören.
    *rain*


    Ansonsten klingt das alles ziemlich super; besonders die Harmoniemusikteile im Finale II knuspern ordentlich (ich meine insbesondere die ganzen Fremdopernzitate, die Mozart eingebaut hat) - zum Glück ist die Anna für mich genau so unwichtig wie die Königin der Nacht in der Zauberflöte; aber die NERVT vielleicht, Mannmannmann.


    Zitat

    Fassung der Uraufführung vom 29. Oktober 1787 in Prag


    Wie kommen die denn darauf? *hä* Ich höre gerade eindeutig das Wiener Finale ... *leberwurst* Der letzte Takt der Scena ultima klang bereits so unendgültig, daß es nicht anders zu erwarten war ...


    Ansonsten: Haselböcks Wiener Akademiker fetzen wie gewohnt, man hört deutlich, daß es sich um eine Liveaufnahme handelt, was für mich den Spaß deutlich erhöht, da ich Unebenheiten (leicht verspätete oder zu frühe Einsätze, Hornkiekser, unzuordenbares Gequiekse etc. pp) über alles liebe - dies entspricht einfach der Realität; und der mag ich mich nicht verschließen. Von der Anna und der Fehlinformation über die Fassung (in der Tat sind aber sonst keine Wiener Bestandteile darin zu finden) abgesehen: eine wirklich quirlige und nicht aufgesetzt oder statisch wirkende Einspielung, die ich demnächst noch einmal hören möchte.


    Von der Authentizität i.S.d. HIP einmal angesehen (auch bei der UA wurde das so gehandhabt): ich kann mich nie damit anfreunden, daß der tumbe Masetto und der rachsüchtige Commendatore dieselben Stimmen haben; das mag aufführungspraktisch effizient sein, ist aber irgendwie doof.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • SRF 2 Kultur "Diskothek": W.A. Mozart: Don Giovanni


    Ich poste den Hinweis mal hier, weil sicher omi und opi vorkommen werden. Bin gespannt, ob man den Termin lediglich für TC angesetzt hat oder wirklich ernsthaft diskutieren will. 8-)

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • SRF 2 Kultur "Diskothek": W.A. Mozart: Don Giovanni


    Ich poste den Hinweis mal hier, weil sicher omi und opi vorkommen werden. Bin gespannt, ob man den Termin lediglich für TC angesetzt hat oder wirklich ernsthaft diskutieren will. 8-)

    Nun habe ich es doch verpasst, so ein Mist; es könnte aber einmal einer von euch mitdenken! *yes*


    Aufnahme 1
    Bryn Terfel, Soile Isokoski, Simon Keenlyside, Matti Salminen, Uwe Heilmann, Chamber Orchestra of Europe, Claudio Abbado, 1997


    Aufnahme 2
    Ildebrando D'Arcangelo, Luca Pisaroni, Diana Damrau, Joyce DiDonato, Rolando Villazon, Mojca Erdmann, Mahler Chamber Orchestra, Yannick Nezet-Seguin, 2011


    Aufnahme 3
    Rodney Gilfry, Ildebrando D'Arcangelo, Luba Orgonasova, Charlotte Margiono, Eirian James; Christoph Prégardien, Julian Clarkson, Andrea Silvestrelli, The Monteverdi Choir; The English Baroque Soloists John Eliot Gardiner, 1994


    Aufnahme 4
    Johannes Weisser, Lorenzo Regazzo, Alexandrina Pendatchanska, Olga Pasichnyk, Kenneth Tarver, RIAS Kammerchor, Freiburger Barockorchester, Rene Jacobs, 2006


    Aufnahme 5
    Dimitris Tiliakos, Myrto Papatanasiu, Vito Priante, Karina Gauvin, Kenneth Tarver, MusicAeterna Orchestra, Teodor Currentzis, 2015


    Sieger wurden die Aufnahmen 1 und 3:


    Zitat

    Das Resultat
    Mozarts Don Giovanni – ein unersättlicher Frauenheld. Ganz unterschiedlich wird er in den fünf Aufnahmen in der Diskothek dargestellt: da gibt es den warmen, bewusst werbenden Don Giovanni (Simon Keenlyside A1), die Testosteronbombe (Ildebrando D’Arcangelo A2), den umgarnenden, umschmeichelnden Don Giovanni, der alle Register der Verführung zieht (Rodney Gilfry A3), den eitlen (Johannes Weisser A4) und den gepflegten Don Giovanni (Dimitri Tiliakos A5).
    Auch sein Diener Leporello hat verschiedene Gesichter: der knackige, lebendige Leporello (Bryn Terfel A1), der grausame Leporello (Luca Pisaroni A2), der pointierte, lebendige Leporello, der zum Lauschen animiert (Lorenzo Regazzo A3) und schliesslich der olympische Leporello, bei dem alles etwas zu verhetzt klingt (Vito Priante A5).
    In die Endrunde gelangten die beiden ältesten Aufnahmen, die mit Claudio Abbado (A1) und die mit John Eliot Gardiner (A3). Bei Abbado gefallen die Auswahl der Stimmen, die schönen Phrasierungen des Orchesters und die Energie in den Ensembles. Bei Gardiner beeindruckt die unglaubliche Präzision. Das dialogische Zusammenspiel zwischen Orchester und Sänger fällt auf, die stimmige Gestaltung – hier wurde offensichtlich viel Wert auf die Ensemblearbeit gelegt. Und last but not least: Charlotte Margiono berührt als Donna Elvira.


    Schade, dass ich die Wertungen vor Ort verpasst habe, vor allem zu TC und RJ. Nachhören kann man die Sendung in Deutschland ja leider nicht mehr.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793


  • Jean-Sebastien Bou, Robert Gleadow,
    Myrto Papatanasiu, Julie Boulianne,
    Julien Behr, Anna Grevelius


    Chœur de Radio France
    Le Cercle de L’harmonie
    Jérémie Rhorer


    Kurzer Ersteindruck1: Top-Orchester, Rezitative vorbildlich vom Hammer beflügelt und die Aufnahme atmet das Flair einer Live-Aufnahme, was ich insbesondere bei dieser Oper sehr schätze: das macht alles sehr real und lebhaft und miterlebbar; leider bin ich ein mal mehr von den weiblichen Stimmen nicht einhundertprozentig überzeugt - diesmal leiert Elvira ... (und die ist mir neben Leporello die wichtigste!) - okay, Anna jodelt auch ... daß Dramatik stets mit diesem Geleyer einhergehen muß ... man, das gehört zu Wagner, nicht zu Mozart!


    *rain*


    Schön schmalzig beginnt das „Là ci darem la mano" - beinahe schon klassisch-kitschig, aber das klingt doch wie ein Zwischending zwischen Ernsthaftigkeit und Parodie. Die Ensembles jedenfalls sind ziemlich grandios! Da wird das Gejohle der Damen von den guten Herren übertönt! :umfall: Das verkomponierte Tohuwabohu Ende Akt I gefällt mir hier sehr! Da geht einiges Kreuz und Quer auf der Bühne und im Orchestergraben, umso authentischer wirkt es. Wie überhaupt die Herrenriege sehr angenehm ist.


    Ein bisschen Smalltalk zwischendurch: während Cosí fan tutte nachwievor meine liebste da-Ponte-Oper (aus der Mozart-Trilogie) bleibt, fasziniert mich der Don jedesmal aufs neue, wird zur Passion, zum Zwang: Leidenschaft, Sex, Verwegenheit (was irsinnigerweise - u.a. von LvB - der Cosí unterstellt wurde) findet sich genau hier.


    Sorry, aber nach allem, was hier - live - so schiefläuft, hundertmal besser als Currentzis ... *shame* Gegen diese, sich stets steigernde, Agilität kommt Currentzis mit seiner sterilen, verk(r)opften Fassung nicht an ... *neee*


    Eingeflochten sind zudem die (für die Wiener Erstaufführung geschaffenen) Zusatznummern KV 540a (Aria, Don Ottavio „Dalla sua pace"), das wundervolle und zu selten zu Gehör gebrachte Duetto KV 540b (Zerlina/Leporello „Per queste tue manine") sowie Elviras (Prager Fassung hin oder her) unverzichtbares „Mi tradì quell'alma ingrata" (KV 540c).


    DIe Friedhofs-Scene ist wirklich köstlich! Witzig, unheimlich, gekonnt gespielt ... WOW; so mag ich das. :love:*opi*8|*kiss**organ*


    Geile Hörner und richtig Stress machen die Scena ultima zum Fest der Feste. :thumbsup: - man muß bei dieser Aufnahme wohl ein wenig durchhalten und mit den Musikern und Darstellern mitfiebern (und -trinken; vorzugsweise Marzemino), aber dann ... gibt's „voll auf die Fresse“ (© Yorcik, Eigentum der Fa. EROICA). Und dann - obwohl die Oper eigentlich zu Ende ist: das Publikum gröhlt bereits - spielt das Orchester respektlos in den Applaus dieses unsinnige Wiener Finale hinein (das musikalisch so traumhaft wie überflüssig ist).


    *deibel*


    Wenn die jetzt - aufgeheizt - noch mals von vorn spielen würden, würde es richtig geil werden.


    (AH! Der Schlußakkord ist leider viel zu lang! Das ist nur ein ZACK und kein ZaaaaaaaaaaaCK ...)


    1daraus wurde jetzt doch leider doch ein quasi-Livereport ...

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Wobei sagitt oft ein ernstzunehmender Urteiler ist, wie ich finde.

    Inhaltlich wirklich gut war seine Seite "Spitzenklassik.de" (nach meiner Erinnerung mit Kommentarfunktion, kann mich insoweit aber auch irren), die ich als Heranwachsender um die Jahrtausendwende mit großem Vergnügen gelesen habe. S. hat dort ihm wichtige Aufnahmen, zum Teil im Vergleich, aus seiner jahrzehntelangen Hörerfahrung umfassend dargestellt. Schon seit mehreren Jahren gibt es diese Seite allerdings nicht mehr. :(

  • Inhaltlich wirklich gut war seine Seite "Spitzenklassik.de" (nach meiner Erinnerung mit Kommentarfunktion, kann mich insoweit aber auch irren), die ich als Heranwachsender um die Jahrtausendwende mit großem Vergnügen gelesen habe. S. hat dort ihm wichtige Aufnahmen, zum Teil im Vergleich, aus seiner jahrzehntelangen Hörerfahrung umfassend dargestellt. Schon seit mehreren Jahren gibt es diese Seite allerdings nicht mehr. :(


    Das ist schade; er scheint wohl inzwischen nur noch Downloads zu erwerben, vielleicht hat er keinen Platz oder wohnt im Heim. ich würde solche Menschen gerne persönlich kennenlernen, die mich virtuell über Jahre begleitet haben.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Ich hatte vor etlichen Jahren mit Dr. Alberts (Hans) häufiger telefoniert; ich hatte auch dereinst Kontakt zu ihm betreffend seiner Forenaktivitäten: er meinte Amazon-Rezensionen seien nun mehr sein Ding, Foren nicht mehr so.


    Und nun geht das Mikro zurück an Leporello ...

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)