Missa 'Se la face ay pale'

  • Die Missa 'Se la face ay pale' gehört zu den ersten zyklischen Cantus-Firmus-Messen, und war stilbildend in der Behandlung des Cantus Firmus in der Ordinariumsvertonung. Guilaume Du Fay übernimmt dabei Techniken aus seinen isorhythmischen Motetten - mal die Isorhythmie selbst ausgenommen.


    Titel und Cantus Firmus der Messe stammen aus Du Fays eigenem Chanson - eines der größten Hits von ihm, um aus den vielen Bearbeitungen zu urteilen (obwohl er nie Top1 Superhits, wie Hayne van Gizeghem oder später Josquin Desprez hatte). Er über nimmt die Tenorstimme und bearbeitet sie hauptsächlich im Tenor der vierstimmigen Mese. Jedoch stellenweise tauchen auch Wendungen aus anderen Stimmen des chansons auf, und das Hoquetus-artige zischenspiel vor dem Schluss wird dann fast für alle Sätze kurz vor dem Schluss paraphrasiert.


    Wenn man aus der Zahl der Einspielungen urteilen darf, ist die Missa 'Se la face ay pale' heute die beliebteste Messvertonung Guillaume Du Fays. Ich kenne folgende:



    The Early Music Consort of London
    David Munrow


    Eine mit Solosänger und Instrumenten sparsam besetzte Einspielung die heute eine genauso lebendige und gültige Wirkung hat, wie vor etwa 40 Jahren bei ihrer Entstehung. Eine fabelhafte Einspielung, mir die liebste.



    Cantica Symphonia
    Guiseppe Maletto


    Die neueste Einspielung. Maletto bekennt in einem Interview, er habe entschlossen sich mit Musik zu beschäftigen, als er als Kind einmal im Radio die oben gezeigte Munrow-Einspielung gehört hat. Es nimmt daher auch kein Wunder, dass die Besetzung auch hier fast gleich ist: "mit Solosänger und Instrumenten sparsam besetzt". Diese Einspielung ist vielleicht wissenschaftlich fundierter, Hauptziel ist aber auch hier eine auch für heutige Hörer schlüssige und unterhaltsame Interpretation zu liefern. Die Referenzeinspielung.



    Diabolus in Musica
    Antoine Guerber


    Das Ensemble Diabolus in Musica ist ümmer für manche Klangwunder gut. Auch hier bieten sie eine Einspielung mit fast hypnotischer Wirkung. Nur vokal besetzt bieten sie zur Messe als Beilage eine zeitgenössische Propriumsvertonung.



    The Binchois Consort
    Andrew Kirkman


    Das Binchois Consort koppelt die Messe ebenfalls mit einem anonymen Popriumszyklus - sogar mit einem, den man Du Fay zuschreibt. Diese Interpretation ist zügiger, aber auch zurückhaltender, eben englischer, als die der Franzosen. Auch hier ist die Messe nur vokal besetzt-



    Hilliard Ensemble


    Diese Aufnahme entstand, wie man auf dem Cover unschwer erkennen kann, als eine Live-Aufnahme. Eine sher gute Aufnahme, aber die miteingespielten Chansons und Motetten sind für mich hier eher die Höhepunkte, als die Messe.


    LG
    Tamás

  • Erhältlich sind noch folgende Aufnahmen, die ich aber (noch?) nicht kenne:



    Tölzer Knabenchor, Collegium Aureum
    Gerhard Schmidt-Gaden


    Üppig, mit einem großen (Knaben-)Chor und reichlich Instrumente besetzt. Von den Schnipseln her erinnert sie mich auf die Du Fay- und Josquin-Aufnahmen von Miroslav Venhoda.



    Capella Cordina
    Alejandro Planchart


    Ebefalls ein großer Chor und Instrumente. Planchart ist auch Musikwissenschaftler, der sich viel mit Du Fay beschäftigt. uf diese Aufnahme bin ich noch neugierig.



    The Choir of the Church of the Advent, Boston
    Edith Ho & Mark Dwyer


    Großer Chor, keine Instrumente. Die Schnipsel klingen mal garnicht so schlecht.



    Chiaroscuro Ensemble
    Nigel Rogers


    Solistische Besetzung. Habe einmal gehört, hat mich nicht umgehauen.


    LG
    Tamás
    *castor*