Orgelkonzerte opp 4 & 7 (omi)

  • Karl Richter und sein Kammerorchester





    Obwohl es sich vielleicht um eine der ältesten Aufnahmen dieser Konzerte handelt, ist sie zum Kennenlernen selbiger eher weniger geeignet, zu speziell ist ihr interpretatorischer Anatz.
    Groß kommen sie daher, weihevoll und sakral, wie wenn Stokowski seine Finger im Spiel gehabt hätte und zwar weniger beim Orchester- als viel mehr beim der Orgelpart. Ein bißchen so, als wie wenn Elefanten (durchaus gelungen) Ballett tanzen. 8-)


    Wenn man weiß, auf was man sich einlässt, dann kann sich durch aus mit Spaß und Genuss diesen Dokumenten eines zwischenzeitlich historischen Interpretationsansatzes hingeben.


    Eduard Müller, Schola Cantorum Basiliensis, August Wenzinger



    Ein deutlich anderes Kaliber ist die zeitlich etwas später entstandene Einspielung von Müller und Wenzinger. Historisch informiert, mit viel Liebe zum Detail, sowohl den Orgel- als auch den Orchesterpart betreffend, kommt sie frisch, schwungvoll, durchaus auch feierlich und schön daher und ist sie immer noch eine der besten Einpielungen dieser Konzerte.
    Schade, dass sie so an den Rand gedrängt wurde.


    Christian Schmitt, Stuttgarter Kammerorchester, Nicol Matt



    Wenn auch auf größtmögliche Vollständigkeit bedacht, wirkt diese Aufnahme irgendwie uninspiriert. Auch wenn man ihr eine gewisse historische Informiertheit nicht absprechen kann, kommt davon für meinen Geschmack zuwenig rüber. Da hat sogar der alte Richter mit seinem ganzen Pathos und seiner ganzen Romantik noch mehr Drive.


    Siegfried


  • Die Konzerte op. 4 und op. 7 wurden mit Einwilligung des Komponisten nicht als Orgelkonzerte, sondern als Konzerte für ein Tastenistrument veröffentlicht. Welches verwendet werden sollte, das hat Händel dem Willen des Interpreten überlassen.
    Ragna Schirmer nun hat genau von diesem Angebot Gebrauch gemacht und diese Konzerte auf einem Hammerklavier, einem modernen Konzertflügel und einer Hammondorgel eingespielt.


    CD1 beinhaltet die Konzerte op.4 Nr. 1 - 5 und HWV 296a gespielt auf einem Hammerflügel, begleitet vom Händelfestspielorchester Halle auf historischen Instrumenten, wobei die Konzerte op.4.3 und op.4.4 für Bläserensemble umgeschrieben worden sind und das Clavier nur eine begleitende Rolle übernimmt.
    Dargeboten wird ein durch und durch weltlicher Händel wie er Anfang des 19. Jhdts. hätte gespielt werden können.


    CD2 umfasst die Konzerte op.7, 1-3 und HWV 295 und ist ganz dem modernen Klavier gewidmet, das von dem eigens dafür gegründeten Ensemble DaCuore begleitet wird und wahrlich ungebremst losorgeln darf.
    Ragna Schirmer nutz die Möglichkeiten des modernen Kalviers voll aus, löst sich in den Solopassagen mehr und mehr von den barocken Verzierungen und läßt hie und da sogar die Moderne aufblitzen, mit dem Ergebnis, dass diese Konzerte trotz dieser speziellen Instrumentenwahl nicht klingen wie aus der ersten Hälfte des 20. Jhdts.


    CD3 beinhaltet die Konzerte op.4,6 und op.7, 4 - 6 wiedergegeben auf einer Hammondorgel in Begleitung eines Jazz-Ensembles, zwei Sachen, um die ich in der Regel einen Bogen mache. Da ich aber an Uri Caines Mahler-Spiel durchaus Gefallen finde und gelegentlich sogar seinen Goldberg höre, kann ich auch diese Scheibe über mich ergehen lassen. Bloß kommt sie für meinen Geschmack etwas zu leichtgewichtig daher. Ein paar Cainesche Frechheiten mehr hätten schon gut getan. Aber ich bin kein Jazz-Experte, weswegen ich dazu jetzt auch kein abschließendes Urteil dazu abgeben möchte.


    Zusammendfassend kann ich nur sagen, dass Ragna Schirmers Aufnahme der Händelschen Konzerte für Tasteninstrumente die interessanteste und auch hörenswerteste ist und das wohl auch noch einige Jahre bleiben wird. :jubel:


    Siegfried


  • Auch hier:
    Karl Richter (Orgel) & sein Kammerorchester, 1959

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)