01 - "Rosenkranz-Sonaten": Einspielungen (opi)


  • Hélène Schmitt, Violine
    François Guerrier, Claviorganum
    Massimo Moscardo, Erzlaute
    Francisco Mañalich, Gambe
    Jan Krigovsky, Violone


    Mit der Spielzeit ist das so eine Sache: mal zeigen Ziffern etwas ungeheuerlich langsames, und es stellt sich heraus, das vom Gefühl her die Einspielung mal garnicht so extrem ist. Das ist dann der Fall mit Hélène Schmitt.
    Mit zwei Studen fünfundzwanzig Minuten, ist nun sie die neue Rekordhalterin, was die Gesamtspielzeit angeht, trotzdem: während andere langatmige Einspielungen, wie die von Maier oder Walter stellenweise doch wie in Zeitlupe sich anhören, ist das hier nie der Fall, obwohl die Gemäßigkeit des Tempos fällt schon auf, wenn man genau hinhört. Dennoch wird das nie Vordergründig, die Tempi fühlen sich also nie forciert, sondern stets vollkommen natürlich an.
    So ist das auch mit dem Spiel von Frau Schmitt: sie meidet theatralische, lautmalende Effekte, dennoch schreckt von manch "unschönen", kratzigen Tönen nicht zurück, und das macht ihre Interpretation besonders warm und persöhnlich.
    Und das ist für mich der Kern ihrer Einspielung: diese absolut alles überflutende Warmherzigkeit, Offenheit und Ehrlichkeit. Ddurch gewinnt diese Interpretation an Würde, Tiefe und Gewicht. Ich will den Ergebnis jetzt garnicht mal rankend mit anderen vergleichen, dennoch betonen, dass diese Leistung eindeutig zu den Besten der Besten gehört.
    Die Continuogruppe bietet dabei eine eher zurückhaltende aber durchwegs mit sehr schönen Lösungen präsente Begleitung - wobei ich das Wort "Begleitung" betonen möchte. Man kann alle vier Contionospieler rühmen, dennoch möchte ich den Lautenspiel von Massimo Moscardo hervorheben, der die in der letzten Zeit gewohnten perkussiven Lauteneffekte vollkommen meidet und den Lautenpart im Stil barocker Lautenstücke improvisierend gestaltet. Das ist eine Hochleistung, wie man nur selten hört.
    Der Klang ist erstklassig, der Name "Aelous" war ja wohl dafür ein Garant. Wunderbar transparent mit einem schön raumabbildenen Hallanteil. Spitze.


    Zur barocken Schönheitsideal gehört ja auch das Schönheitspflaster, ein kleiner schwarzer Punkt am doch rosig-weiß strahlenden Gesicht: diese Rolle spielen hier einige unrichtigen Töne in der 11. Sonate, die teilweise aus den Fehlern des Manuskriptes erwachsen. Für Hörer, die die Sonaten noch nicht von vorne bis hinten auswendig kennen, dürften sie wohl aber garnicht auffallen. Und ich kann ein Auge zudrücken.*


    Höchstleistung!


    LG
    Tamás
    *castor*


    *Habt ihr mal einen Künstler auf ein Fehler in der jüngst publizierten Einspielung angesprochen? Tut solches ja garnicht!

  • Weltlich? Ich müsste sie neu hören, da ich sie nicht mehr im Ohr habe, aber diesen Eindruck hatte ich nicht - vergleiche mal mit Goebel, oder Lotter, die sind für mich weltlicher.
    Virtuos sind die Werke ja ohnehin. Man muss schon sher langsam spielen, um diesen Eindruck zu mildern (Holloway, Reiter).


    Ich habe jetzt meine Notizen von damals zu dieser Einspielung hervorgeholt (ich notiere mir immer, was mir so über den Kopf geht, meistens nur Halbsätze und Wörter), und finde Wörter darin wie "ruhig", "klar", "introvertiert". Aber ich lese hier auch sowas, wie "hat eine gewisse Distanziertheit", "objektiv". Es steht hier dann auch: "zärtlich".


    Vielleicht treffen wir uns doch in der Mitte?


    LG
    Tamás
    *castor*

  • Lieber Tamás, ich habe es doch erst einmal gehört und auch nur die erste CD. Ich bin also noch weit von endgültigen Urteilen entfernt. :) Das mit der Distanziertheit umschreibt meine ersten Eindrücke übrigens ganz hervorragend. *yes*

    "Ich bin also wahrscheinlich ein wertekonservativer Liberaler mit roten Socken und grüner Latzhose." (guter Freund) :)