Kadenzen: wieviel Freiheit ist erlaubt?

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    Die Frage der Tempi hatte ich schon angesprochen, aber wirklich spannend ist eben auch die der Kadenz. Und ganz ehrlich: Wenn plötzlich ein Klavier mit Schlagwerk manövert, so stark das auch rein musikalisch sein mag, komme ich mir in einem Violinkonzert verarscht vor.


    Originär aus dem Themenpool „Beethovens Violinkonzert“

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    komme ich mir in einem Violinkonzert verarscht vor.


    Ich nicht: die Cadenz ist das Schmuckstück eines jeden Konzertes und was mir eigentlich wesentlich mehr auf den Sender geht, ist, wenn immer die gleiche Cadenz gespielt wird. Die Cadenz ist dazu da, daß sich der Künstler (oder ggfs. die Künstler) frei entfalten können/sollen - die einen tun das mehr, die anderen nehmen sich zurück. Beethoven hat es ja vorgemacht mit der Paukenkadenz - die Pauke hat ja in einem Violinkonzert resp. Clavierkonzert per se erstmal nichts verloren. Aber offenbar war es auch ihm zu langweilig.


    Wer solchen Zusatzschmuck nicht mag, hat ja tausende andere Optionen, das Konzert zu Gehör zu bekommen - in der herkömmlichen langweiligen Version.


    Ich weiß jetzt nicht, inwiefern diese Thematik auf die Cadenz(en) bezogen zu verallgemeinern ist oder sich eben ganz speziell auf Beethoven beziehen soll (auslagern?)

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    Ich nicht:

    Weiß ich, ich lese hier fleißig mit. :)

    die Cadenz ist das Schmuckstück eines jeden Konzertes und was mir eigentlich wesentlich mehr auf den Sender geht, ist, wenn immer die gleiche Cadenz gespielt wird. Die Cadenz ist dazu da, daß sich der Künstler (oder ggfs. die Künstler) frei entfalten können/sollen - die einen tun das mehr, die anderen nehmen sich zurück. Beethoven hat es ja vorgemacht mit der Paukenkadenz - die Pauke hat ja in einem Violinkonzert resp. Clavierkonzert per se erstmal nichts verloren. Aber offenbar war es auch ihm zu langweilig.

    Ich bin auch für Kreativität bei der Kadenz, aber eben wie gesagt innerhalb der Gattungsgrenzen. Ist Geschmackssache.

    Ich weiß jetzt nicht, inwiefern diese Thematik auf die Cadenz(en) bezogen zu verallgemeinern ist oder sich eben ganz speziell auf Beethoven beziehen soll (auslagern?)

    Mich interessiert das Thema Kadenz nun nicht so brennend, dass ich einen eigenen Thread bräuchte. Aber vielleicht die anderen.

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    Yorick echauffiert sich offenbar - wenn ich „Schlagwerk“ korrekt interpretiere - über Beethovens Paukenkadenz zur Klavierfassung des Violinkonzertes op. 61a. Sei froh, Yorick, daß Du Grimals Version der Violinkonzertkadenz noch nicht gehört hast: hier erklingt nämlich in der Violinkonzert(ur)fassung in der Kadenz neben der Pauke auch ein Klavier, nachdem harmonische Solobläser dem schonend vorbereitend vorausgehen...


    *lachnith*


    Es stellte sich mir tatsächlich oft die Frage: wie darf oder muß eine Kadenz aussehen resp. sich anhören?


    Grundsätzlich finde ich durchaus, daß sie stilistisch passen und nicht aus dem Rahmen fallen sollte - wie habe ich früher moderne Kadenzen in klassischen Konzerten (Mozart, Beethoven) gehasst. Andererseits: Beethovens Kadenzen zu Mozarts Konzerten sind auch nicht stilistisch passend, nur nimmt dies heute fast niemand wahr, weil Beethoven und Beethovens Stil ebenso bewußt und bekannt ist wie Mozarts. Über die Schiene der alten Instrumente kommt man aber schnell darauf, daß man Beethovens Cadenz zu KV 466 beispielsweise auf einem Walter-Flügel, der für Mozarts Konzerte typischer Weise benutzt wird, gar nicht spielbar ist - es fehlen ein paar Tasten... folglich muß man in so einem Falle, da man Beethoven ja nicht abwerten und verschmähen möchte, eine Entwicklungsstufe weitergehen und z.B. einen Érard-Flügel benutzen - einen solchen hat Beethoven spätestens ab dem 4. Konzert verwendet. Auf so einem Érard kann man Beethovens Cadenz wunderbar wiedergeben, nur wird man Mozarts KV 466 nicht mehr gerecht... so spinnt sich das Fort mit Kadenzen - um bei KV 466 zu bleiben - von Busoni, Brahms, Beethoven, Hummel, Clara Schumann, Franz Xaver Mozart:



    Ganz im Sinne des Zeitstrahls hist. Aufführungspraxis ist es also, zu moderneren Instrumenten (wenn es denn sein muß) auch modernere Kadenzen zu spielen.


    Vor 25 Jahren hätte ich eine Kadenz, wie sie beispielsweise und beispielhaft bei Grimals Interpretation des Violinkonzertes gegeben wird (vgl. o.), verteufelt. Heute gefällt mir das ausnehmend gut, weil ich neben dem Unbekannten im Bekannten Konzert auch völlig neue Musik zu Gehör bekomme - es liegt sicherlich auch vermehrt daran, daß meine Ohren sich für moderne Klänge geöffnet haben und ich diese nicht mehr als völlig fremd interpretiere, gleichwohl aber nachwievor als werk- und stilfremd empfinde; gerade das macht den Reiz aber aus (finde ich). Mit dem Anspruch steigt die Langeweile.


    Mozart z.B. hat nur wenige Cadenzen zu seinen Konzerten notiert - in der Regel für Schüler oder Schülerinnen oder zur Veröffentlichung, damit der geneigte Amateur einen Anhaltspunkt hat. Im Grunde aber sollte die Cadenz den Personalstil des Solisten ebenso beherbergen wie dessen (ggfs. virtuoses) Können.


    Möchte ich eine GA aller Mozart- oder Beethovenkonzerte auf historischen Instrumenten haben, wären derlei Experimente allerdings für mein Empfinden völlig fehl am Platze - da darf die Kadenz dann ruhig im Sinne ihres Erfinders stilsicher frei improvisiert sein oder von einem damaligen Zeitgenossen des Komponisten stammen. Extravaganzen bedürfen für mich immer auch einer Extra-CD.