Cellosonate g-moll op. 65: Einspielungen (opi)

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    Job ter Haar, Violoncello o. n. A.
    Vaughan Schlepp, Grand Piano Érard 1844


    Auf dieser CD werden die beiden Cellosonaten Alkans und Szopens freundschaftlich gegenübergestellt - besondere Einzelwerke von Komponisten, die ansich fast ausschließlich für die Tasten schrieben und lebten. Einer genialer als der andere, einer virtuoser als der andere. Ich möchte das nicht werten, mir gefallen beide Werke überaus gut, aber: bei Szopen meine ich, daß tatsächlich das Violoncello etwas mehr im Vordergrund steht und das Clavier (eher, nicht nur) Begleitfunktion hat. Bei Alkan hingegen ersetzt das Clavier - sehr virtuos - das Orchester; ein kleiner, aber feiner, Unterschied.


    Diese CD ist vielleicht eine Möglichkeit, insgesamt eher unbekanntes Repertoire kennenzulernen?

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    Viviana Sofrontisky, Hammerflügel Paul McNulty nach Ignace Pleyel op. 1555
    Sergei Istomin, Violoncello Leopold Widhalm


    Neben der g-moll-Sonate enthalten: Introduction & Polonaise Brilliante für Cello & Clavier op. 3; Variations brilliants op. 12 für Klavier; Grand duo concertant für Cello & Clavier über Themen aus "Robert le Diable"; Polonaise op. 26 für Clavier

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    Eine Skizze.


    Das süßliche, das man Szopen gerne anhaftet - der Noctunes wegen und deren Einspielungen aus dem letzten Jahrtausend zu „verdanken“ - wird man hier schmerzlich (?) vermissen dürfen: die Sonate erklingt herb, schroff, kantig, drängend. Die beiden Instrumente klingen im Kopfsatz wie ein sich streitendes - aber dennoch liebendes - (Ehe-) Paar: da werden Argumente und Vorwürfe flammend durch die Gegend geschleudert, um mit Gegenargumenten und -vorwürfen von der Empfängerseite beantwortet zu werden. Aber halt: gibt es da doch Momente der Einsicht im letzten Drittel? Steht die Versöhnung bevor? Reißt die letzte Spielminute doch noch das Ruder herum? Nein, es geht unentschieden aus; beide sind beleidigt und verharren unverrückbar auf ihrem Standpunkt.


    *leberwurst*


    Die nächste Runde; diesmal findet man sich beim Paartherapeuten ein: das Scherzo präsentiert sich nicht minder aufgewühlt, doch etwas moderater durch die Präsenz eines imaginären Moderators - der bissige, bisweilen giftige, Unterton bleibt; die Kontrahenten gehen langsam aufeinander zu und ein, halten jedoch noch immer gebührend Abstand, der mehr Selbstschutz als Anstand ist. Keine Einsatzbereitschaft. Es folgt im Largo die ernüchternde Erinnerung an vergangene Zeiten; hier fließen heiße Tränen der Ausweglosigkeit. In der Larmoyanz zumindest besteht Einigkeit.


    Die Kontrahenten sind sich inzwischen fremd geworden: der bestimmende Ton des Finales versprüht nochmal Gift, alles verkommt zur bloßen Erinnerung aus größtmöglicher Distanz, Selbstmitleid macht sich auf beiden Seiten breit. Die Mauern wachsen, die Anwälte verhandeln arrogant, trocken und emotionslos; die Stimmen kreuzen kurz und notgedrungen ihre Wege, werden jedoch ständig unabhängiger und gehen schlußendlich eigene Wege.


    Lieto fine.