01 - Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55: Einspielungen (omi)

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    Philharmonia Orchestra, Otto Klemperer, 1959


    Wohl auch hier drin: 01 - Die Sinfonien: Gesamteinspielungen (Diskographie) (omi)


    1. Satz: Allegro con brio 16:41
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 16:54
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 6:34
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 13:17

    Das schmerzt fast ein wenig, wenn man geliebten Aufnahmen von einst nur noch wenig oder gar nichts mehr abgewinnen kann. Da stirbt auch ein Teil von einem selbst. Zu schwer, zu behäbig, zu statisch. Langweilig! Die Klangqualität gut, mehr nicht. Aber für Klemperer war die Dritte Beethovens mehr als nur eine Sinfonie, wie Doc Stänker dartut. Die Klemperer-Diskographie zählt allein 13 Aufnahmen, da wird noch einiges zu sagen sein. Zu dieser hier vgl. auch s. bummer:

    Zitat

    Klemperer hat genau zwei Studioaufnahmen der Eroica gemacht, beide mit dem Philharmonia Orchestra London. Zunächst im Oktober 1955 in Mono und weil jemand Stereo erfunden hatte, gab es im Oktober 1959 ein Remake. 1959 war er nach seinem schweren Brandunfall gesundheitlich noch angeschlagen. Die 1959er Aufnahme ist zudem langsamer als die Monoaufnahme. Livekonzerte aus der Zeit belegen, dass er in wesentlich schlechterer Form als 1957 war. Erst gegen Ende 1961 (!) wurden seine Konzerte wieder einhellig begeistert aufgenommen.

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    NDR Sinfonieorchester, Günter Wand, 1985
    [Einzelausgabe finde ich nicht]


    Bei mir hieraus:
    CD 3
    The Great Recordings1(1974-1999)


    Natürlich hier auch:


    Günter Wand, NDR Sinfonieorchester, 1984-1988


    1. Satz: Allegro con brio 17:59
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 14:37
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 5:44
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 13:17


    Wohl nicht zu Unrecht eine viel genannte "modernere" Aufnahme nicht historisch informierten Zuschnitts, also auf modernen Instrumenten und ohne hipe Überinterpretationen. Kraftvoll, selbstbwusst, dramatisch und energetisch; mit innerem Zug zum Tor, einem Händchen für Spannungsbögen. Es gibt auch von Wand noch wesentlich mehr Aufnahmen der "Eroica", mit verschiedenen Orchestern.



  • Diese Aufnahme ist eine typische "Altersaufnahme" von Sir John (er war 67 Jahre alt, starb 1970).
    Ich habe diese Aufnahme mit dem BBC Orchestra erstmalig 1968 gehört und für mich war die EROICA zum 1. Mal plötzlich eine >Einheit<. Zu meinem subjektiven Zugang zur EROICA (seit dem 16. Lebensjahr) gehörte ein tiefes Trunkensein, ja Erschütterung meiner jugendlichen Seele durch die Sätze 1 + 2 ... dann gab es für mich viele Jahre in meiner Empfindung einen vehementen Bruch, vor allem durch den 3. Satz...aber insgesamt standen sich UNVERSÖHNLICH die Sätze 1+2 VERSUS 3+4 gegenüber...


    BIS ich die Platte mit Barbirolli hörte... er versöhnte die beiden Teile miteinander (er versöhnte mich natürlich) in dem er durch eine Art großen sinfonischen Atem den Übergang vom 2. zum 3. Satz in versöhnender Weise fast, miteinander verband. DAS ist natürlich überhaupt keine Aufnahme für OPI Fans von Savall über Gardiner bis Brüggen.


    Auch wenn inzwischen durch etliche Aufnahmen wunderbare Alternativen zu Sir John kenne (zur Zeit imponiert mir Savall sehr) so habe ich es in meiner damaligen Phase vor allem Barbirolli zu verdanken, dass ich die einzigartige Größe der EROICA unter meinen kleinen Hut kriegte.


    Arnulfus

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    Herbert von Karajan, Berliner Philharmoniker, 1977




    1. Satz: Allegro con brio 13:28
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 16:27
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 6:10
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 11:36


    Und wieder die immer gleichen Attribute und Vorwürfe, ich kann sie einfach nicht mehr hören und ignoriere sie meist ungelesen. Auch Karajan muss man von Aufnahme zu Aufnahme beurteilen und nicht pauschal alles über einen Kamm schweren. Die "Eroica" gehört zweifelsfrei zu den aboluten Höhepunkten seiner Diskographie und wer das leugnet, hat keine Ohren oder keinen guten Willen. Wenn man also lesen muss, er sei in der Dritten zu glatt, ästhetisiere zu stark oder lasse zuviel unter den Tisch fallen durch das Tempo; kann man nur anmahnen, die Sinfonie in Ruhe und vorurteilsfrei auf ihr Konzept hin zu hören, also auf des Dirigenten Deutung hin. Das mag gefallen oder nicht; eine herausragende Lesart bleibt sie dennoch.


    Hier wird bei exorbitanter Klangqualität nicht gehetzt, sondern im 1. Satz ein strahlendes helles Panorama entfaltet mit leuchtenden Farben und majestätischen Bläsern, quasi als mächtiger Strom wird hier lohengrinisierend ein Sieg auf dem Schlachtfeld der Emotionen geschildert, der tatsächlich synästhetisch optisch einem hochauflösenden Blockbuster zu gleichen vermöchte, wäre da nicht die beinahe hynoptisch sich aufbauende Spannung, die nicht dräut, sondern siegt, wie eine elementare Naturgewalt in reiner Schönheit gegenwärtig. Da klingt nichts schwerfällig oder dicklich, hier gehen Perfektion und glühende Begeisterung für das Werk Hand in Hand. So wird auch der 2. Satz nirgendwo langweilig, weil selbst in der unermesslichen Schönheit der Traurigkeit der Spannungsbogen nie verloren geht. Das kulminiert alles in verzögerten Tempi und überraschenden Wendungen zum Finale hin, wie man das mit Karajan eigentlich gemeinhin nicht verbindet. Großes Ohrenkino á la später Bruckner-Acht und wesentlich früherer Schubert-Letztlinge.

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    Wiener Philharmoniker, Wilhelm Furtwängler, live: 30. November 1952 (Tahra, mono)


    1. Satz: Allegro con brio 15:53
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 17:43
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 6:30
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 13:29


    Tahra hin, Tahra her; ich liebe das Label und schlage meistens zu - aber die lausige Klangqualität ist schier zum Haareraufen! Selbst wenn man ganz leise auf einer herkömmlichen Stereoanlage hört, dröhnt und wackelt das ganze Gerät bei den geringsten lauteren Orchesterstellen; die Wiener breien vor sich hin und die Bläser klingen nach bekiffter Janitscharenmusik. Wie hier der fleißige und in Sachen Furtwängler kompetente Amazon-Rezensent "Klassikfreund" darauf kommt, das Klangbild sei sehr klar, ausdifferenziert und rauscharm; weiß ich nicht.


    Seltsam eben nur, wie so oft beim Dirigenten; dass nach einigem Ärger plötzlich doch nach spätestens wenigen Minuten jener plötzlich oder mählich verfliegt, man sein Buch zur Seite legt und man nur noch gebannt am Lauschen ist, hinein in die Musik durch alle störenden oder unzulänglichen Livegeräusche hindurch. Mag sein, dass die eine oder andere Einspielung von den insgesamt elf auf uns gekommenen Eroicen Furtwänglers (bei anzunehmender noch schlechterer Klangqualität) noch intensiver ausfällt, aber diese Ernsthaftigkeit, Tiefe, Schwere, erschütternde Emotionalität ist kaum in Worte zu fassen.


    Alles kämpft und drängt in dieser Deutung und niemals ist ein Aufgeben in Sicht, nicht einmal in Trauer und Tod; überall ringt es mit dem Schicksal in fleischbergenen Hünenstreiten; überall Gigantomanie, nirgendwo zärtliche Minatur. Spannung von der ersten bis zur letzten Sekunde! Ich habe keine Ahnung, wie er das macht (Furtwängler, Wilhelm (1886-1954)); und noch weniger weiß ich, wie man Livemomente so für die Ewigkeit aufbewahren kann.

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    Erich Kleiber, Concertgebouw-Orchester, 8. Mai 1950


    1. Satz: Allegro con brio 13:57
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 15:23
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 5:28
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 11:12


    Eine sehr oft genannte und überwiegend, eigentlich fast ausnahmslos gelobte Aufnahme in allen einschlägigen Foren, aber dennoch wenig im Detail beschrieben. Für mich tatsächlich eine Jahrhunderteinspielung und im Begriff, meinem geliebten Thielemann Konkurrenz zu machen. Überhaupt verzeichne ich bei allen Orchesterwerken der Klassik und Romantik eine HInwendung zu zügigeren Tempi und dynamischerer Bandbreite. Erich Kleiber jedenfalls liefert eine packende und durchweg spannende Eroica ab, bei aller wilden Jagd kommt meines Erachtens kein Detail zu kurz; das kratzt und beißt an den richtigen Stellen und die Dissonanzen und Grobheiten des Werks kommen auch im Temporausch nicht zu kurz. Teleton würde von Sidehitze sprechen und von unbeschreiblichem Drive. Die Klangqualität in meiner Aussgabe ist absolut zufriedenstellend und im Vergleich zu jüngeren Furtwängleraufnahmen sogar überragend.

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    Erich Kleiber, Concertgebouw-Orchester, 1953


    1. Satz: Allegro con brio 14:05
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 15:24
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 5:32
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 11:01


    Mir leider nicht bekannt. Meiner Lektüre nach sind wohl die beiden Aufnahmen von 1950 und 1953, beide in mono, nicht sehr unterschiedlich. Die Klangqualität dieser hier freilich wäre interessant.

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    Christian Thielemann, Wiener Philharmoniker, live März 2009


    1. Satz: Allegro con brio 19:36
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 17:51
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 5:43
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 12:56


    Meine seit Jahren unangefochtene Lieblingsaufnahme läuft mittlerweile Gefahr, ihre Spitzenposition zu verlieren. Unnachahmlich nach wie vor, wie ich finde, der warme volle Klang und die ebenso kultivierte wie auch archaische Deutung im Allgemeinen wie im Detail. Noch halte ich dafür, dass Thielemann es trotz der überlangen Sätze 1 und 2 schafft, den Spannungsbogen aufrechtzuerhalten. Aber es nähren dennoch leise Zweifel sich.


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    Herbert Kegel, Dresdner Philharmonie, 1982/1983


    1. Satz: Allegro con brio 15:10
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 16:50
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 6:06
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 12:29


    Und auch diese Aufnahme, DIE meiner Jugend, höre ich derzeit mit ganz anderen Ohren! Zum einen habe ich den Klang von Platte ganz anders in Erinnerung, als dieses audiophile Wunderwerk von Blu-ray ihn bietet; zum anderen gefällt mir dieser fette kraftvolle Sound nach wie vor, aber es fehlen mir eben doch hin und wieder ein wenig die Brüche und Unsauberkeiten, eine plausiblere Differenzierung könnte durchaus stärker vorgenommen worden sein.


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    Leonard Bernstein, New York Philharmonic Orchestra, 1964


    1. Satz: Allegro con brio 16:53
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 15:18
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 6:04
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 11:21


    "It´s a battle" soll Lenny ja zur "Eroica" gesagt haben und ganz genau hört sich das dann auch an mit den New Yorkern. Eine Aufnahme, die ich Günter Wand zur Seite stellen würde; also die ausgewogenste wilde Interpretation auf modernen Instrumenten ohne historisch informierten Impetus. Natürlich kraftvoll, dramatisch, mit dem richtigen Tempogefühl, mit unmissverständlicher Betonung der Ecken und Kanten. Als Marschall Vorwärts peitscht Bernstein das Orchester nach vorne, ohne dabei Geschwindigkeitsrekorde zu brechen; Zeit und Dauer sind einmal mehr nicht mechanisch ablesbare Ziffern, nicht bloß Ingredienzen oder Adiaphora; sondern selbst Substanz und unntrennbar allen anderen Aspekten vermählt. Natürlich auch hier der obligatorische Drive, bei stark remasterter Klangqualität eine erstaunliche Transparenz; im 2. Satz, heißt es anderswo ganz richtig; nähmen die großen Steigerungen apokalyptische Ausmaße an und man höre die klanglichen Reibungen extrem wie selten noch. Die finalen Explosionen bleiben hier ganz folegerichtig auch nichts schuldig. Die spätere Aufnahme mit den Wienern habe ich ewig nicht gehört.

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    Leningrad Philharmonic Orchestra, Yevgeni Mravinsky, 1968


    Bei mir hieraus:


    CD 8


    1. Satz: Allegro con brio 13:38
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 15:07
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 5:23
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 11:36


    Jesus, die Klangqualität; übler als bei deutschen Vorkriegsaufnahmen; daher lässt sich zur Interpretation tatsächlich nichts wirklich Konkretes sagen. Interessanterweise kommt einem im 1. Satz das Tempo gar nicht so rasant vor, wie es eigentlich rein statistisch sich darstellt. Der 2. überzeugt in seiner ausgewogenen ernsthaften und niemals larmoyanten Trauer, die meines Erachtens sogar einen starken Zug ins Tröstliche hat. Nach zügigem, doch nicht zu forschem 3. Satz findet auch der 4. relativ rasch seine Ende, ohne sich selbst zu überholen. Schade, wirklich schade; dass hier die Aufnahmetechnik so schlecht ist; das wäre eine echte Perle innerhalb der Interpretationsgeschichte der Eroica. Blind gehört wäre ich niemals auf einen der mürrischen Russen gekommen.

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    Ich denke nicht, dass sich hier ein Paradigmenwechsel vollzieht; ich liebe nach wie vor Thielemanns Wagner- und Straussopern, ich mag seinen Bruckner, die Orchesterwerke von Strauss und vieles andere mehr. Hier aber, bei der "Eroica", kann ich nur noch mein Urteil revidieren bzw. relativieren. Für gut gelungen halte ich nach wie vor das Scherzo und in seiner Ausgewogenheit und Klangschönheit den letzten Satz, auch Teile der zweiten zehn Minuten des Kopfsatzes. Ansonsten aber vermisse ich die Spannungsbögen in den ersten zehn Minuten doch sehr, im Adagio kommt die Musik zuweilen völlig zum Erliegen; auch alle dissonanten und harschen Stellen tönen zwar dunkel, aber im Vergleich mit anderen doch auch viel zu harmlos. Im Ganzen ist das schlicht zu langatmig, das fällt auf Blue-ray am Bildschirm nicht so auf wie auf bloßer CD! Es fällt mir wahnsinnig schwer, das zuzugeben; aber ich bin immer ehrlich, auch wenn es wehtut. Und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Glockenton von T, dessen Einschätzungen mit der meinigen oft zu 90 Prozent übereinstimmen, mit einem Dirigentenkollegen Thielemann, Karajan, Harnoncourt, Wand, Guilini, Abbado (Wiener Aufnahme) und Bernstein (Wiener Aufnahme) im Vergleich gehört haben will und dabei jener als eindeutiger Sieger vom Platz ging. Für Thielemann spräche aus seiner Sicht vor allem der ausdrucksstarke, individuelle Anfang des zweiten Satzes. Das kann ich nicht nachvollziehen; zäher geht es eigentlich nicht; das hat Celibidache wesentlich besser hinbekommen.

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    Kurt Masur, Gewandhausorchester Leipzig, 1974


    Als SACD


    Ich hieraus: CD 1


    1. Satz: Allegro con brio 15:27
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 16:08
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 5:56
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 12:12


    Das ist Old School vom Allerfeinsten, eine prächtige Aufnahme irgendwo zwischen Bernstein (New York), Kegel, Wand, Abbado und im deutsch-deutschen Duell tatsächlich auf einer Linie mit dem 70er Karajanzyklus. Als Alleinstellungsmerkmal wären zusätzlich die überragende Klangkultur und überhaupt der so unnachahmliche wie unverwechselbare Klang des Gewandhausorchesters zu nennen, der hell und klassizistisch strahlend engelsgleich wohl akzentuiert und in Schönheit strömend für sich einnimmt. Ein Glücksfall, dass auch die Klangqualität für 1974 exorbitant sauber und rein daherkommt und so bestens der Orchesterkultur korrespondiert. Da reichen die CDs aus der großen Edition, SACDs können da kaum noch etwas verbessern.

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    CD 4
    Münchner Philharmoniker, Sergiu Celibidache, 1987


    1. Satz: Allegro con brio 16:35
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 19:13
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 6:52
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 14:27


    Ich war versucht, auch angesichts Thielemanns, zu postulieren; dass reine Satzzeiten etwas über ein Scheitern bei der "Eroica" aussagen können und zum Teil stimmt das natürlich auch. Zweimal unter 15, dann etwa 5 und schließlich zwischen 10 und 11 Minuten hielte ich persönlich für ideal. Celibidache zeigt nun in seiner typischen und unnachahmlichen Manier, dass man auch mit unkonventionellen Zeiten für Atmosphäre sorgen kann. Sein wogender Strom im 1. Satz wird sorgsam gebändigt, ja geradezu gezügelt erscheint der sonst so offen zu Tage tretende Wille zur Dehnung; schroffere Akzente als bei Thielemann gliedern den an Kontrasten und Farben reicheren Fluss, ohne dass der Satz in sich zerfiele. Um so überzeugender und niemals langatmig gewinnt dann der 2. eine Schönheit und Tiefe, wie ich sie in anderen Aufnahmen ähnlichen Tempos nicht höre, hier gerinnt die aus Bruckner sattsam bekannte sakrale Weihe zur beeindruckenden profanen Elegie. Erst das Scherzo ist dann natürlich streng genommen keines mehr und der letzte Satz klingt trotz großartiger Artikulation zum Ende hin wie seine eigene Parodie.

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    Staatskapelle Dresden, Herbert Blomstedt, 1976


    1. Satz: Allegro con brio 15:02
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 16:47
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 5:49
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 11:49


    Auch hier Oldschool, und zwar fein; die Aufnahme ist derart ausgeglichen in allen Bereichen, dass man gar keine weiteren Worte findet, um eine jeweilige Besonderheit zu umreißen. Im Vergleich der gleichzeitigen Karajan oder Masur fällt jedoch die ein wenig "schlechtere" Klangqualität auf, die Details und Akzente verloren gehen lässt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau; die ideale Einsteigeraufnahme für geringes Entgelt.

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    Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Paavo Järvi, 2006


    1. Satz: Allegro con brio 15:24
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 13:18
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 5:31
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 10:54


    Eine seltsam unentschiedene Aufnahme, heterogen und unausgegoren! Obwohl statistisch gar nicht so schnell im Kopfsatz, wirkt das alles von der ersten Note an hektisch, zerfahren, unorganisiert und irgendwie viel zu schnell, um Atmosphäre aufkommen zu lassen. Dazu ein dünner blasser Klang ohne Kontur, Wärme und Tiefe; die dissonanten Stellen und Brüche hören sich so an, als schäme man sich ihrer und wolle sie daher nur schnell überspielen. Irgendwie wirkt das, als ob ein Kinderorchester mit zwar echten, aber kleineren Instrumenten ein Konzert probt. Der Trauermarsch ist alles Mögliche, nur kein solcher; erst im zweiten Teil wird die Sache klanglich und rhythmisch durch die plötzlich deutlich wahrnehmbaren Schlagwerke interessant, die man im ersten gar nicht mitbekam. Dafür quäken nun die Holzbläser wie bei einem Kindergeburtstag; man möchte das für Satire halten. Diese halbherzige Linie wird auch in den letzten beiden Sätzen nicht verlassen; neben unglaublich eindringlichen Stellen stehen absurd alberne und wirkungslose; was sich aber nie an einer Instrumentengruppe festmachen lässt oder an einem Satzabschnitt. Hier fehlt schlicht ein Konzept oder die Fähigkeit, ein solches, so es existierte, auch umzusetzen. Die spätere und von Teleton so gelobte Liveaufnahme aus der Bonner Beethovenhalle habe ich nicht mehr im Ohr, die müsste schon noch gegengehört werden.

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    CD 1
    Wiener Philharmoniker, Wilhelm Furtwängler, 19./20 Dezember 1944


    Mein Cover sieht noch so aus:



    1. Satz: Allegro con brio 15:38
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 17:39
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 6:34
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 12:41


    Ich habe auch noch eine andere Ausgabe von Bayer DaCapo, die den 16.-18. Dezember 1944 angibt. Laut Diskographie gibt es aber nur eine Aufnahme 1944 [19th(or 16~20th) Dec. 1944, Musikvereinsaal, Wien]; wie die unterschiedlichen Satzzeiten zustande kommen, weiß ich nicht. Eine Diskussion dazu schon hier. Die Ausgabe des Labels Music & Arts ist klanglich wesentlich besser.

    1. Satz: Allegro con brio 15:23
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 17:38
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 6:27
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 12:37


    Die hier vorliegende erste Aufnahme der "Eroica" durch Furtwängler ist klanglich natürlich schlechter als die oben vorgestellte vom 30. November 1952 01 - Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55: Einspielungen (omi). Interpretatorisch aber scheint sie mehr aus einem Guss, verzichtet auf Agogik und Rückungen jedweder Art. Ansonsten wird alles, was zur späteren Aufnahme gesagt werden kann, hier noch einmal übertroffen. Die Sinfonie erscheint als Naturgewalt und der Dirigent als ihr Bändiger! Existentiell wie seine legendäre Neunte zum Führergeburtstag.


    Es existiert auch eine SACD:

    • Offizieller Beitrag

    Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan, Januar 1984
    CD 2


    1. Satz: Allegro con brio 14:09
    2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai) 16:07
    3. Satz: Scherzo (Allegro vivace) 6:09
    4. Satz: Finale (Allegro molto – Poco andante – Presto) 12:18


    Schon eigenartig, diese Interpretation hat William B.A. bei Tamino ausführlich beschrieben und man kann im Ganzen wie im Detail wenig einwenden. Dennoch: Diese Aufnahme klingt in meinen Ohren seltsam steril, künstlich, unnatürlich; so als ob Außerirdische versuchen, diese Musik auf ihrem Heimatplaneten das erste Mal aufzuführen. Dieser klangliche Aspekt färbt bei mir dann auch die Rezeption ein und so kann ich dieser Deutung überhaupt nichts abgewinnen, ich finde sie schauderhaft.