Neuerwerbungen (2016) - Bücher

  • Manchmal habe ich eine Phase, wo ich keine Heißhunger mehr auf weitere CDs empfinde, dafür aber habe ich mich entschlossen, meine TMNT-Comic-Sammlung weiter auszubauen:



    Turtle Power! :thumbsup:


    LG
    Tamás
     *castor*

  • Arnulfus meinte vor einiger Zeit:


    Zitat

    Von den vielen Büchern, die es über Glenn Gould gibt, hatte eines den Titel: Glenn Gould, der Unheilige am Klavier. Bei der genannten Buchbetitelung denkt man an >Sünde<….manche meinen genau DAS sei es, so wie er Partituren gegen den Strich bürste. Exzentriker, Psychopath, Bilderstürmer, Heiliger, DER Erneuerer, der GRÖSSTE, ALL DAS WAR UND IST GLENN GOULD BIS HEUTE.


    Das Buch hatte ich mir vor einigen Jahren einmal in einer Bibliothek ausgeliehen. Nach meiner etwas undeutlichen Erinnerung war mein Eindruck sehr positiv. Nach Lektüre des GHG Fadens habe ich deshalb für sage und schreibe EUR 1,99 zugeschlagen.



  • Wie oft hatte ich in diversen Antiquariaten ältere Ausgaben für viel Geld in der Hand und zögerte, nun kaufte ich neu ...

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)

  • Recht so - Schweitzers Beschreibungen des Bachschen Werkes aus Sicht eines Philosophen/Theologen und Instrumentalisten haben ihren eigenen, ganz besonderen Charme.

    Ohne dessen gesamtheitliche Anlage hätte ich nicht zugegriffen; ich werde wohl weite Teile streng musikwissenschaftlichen Zugriffs ohnehin nicht verstehen.

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)

  • Auf Empfehlung meines Wiener Gastgebers (gut, einen cklavierophilen Bibliothekar zu kennen) - und sogleich zur Hälfte verschlungen:


     


    James Rhodes
    Der Klang der Wut
    Wie die Musik mich am Leben hielt


    Auch was für Yorick... aber nichts für schwach benervte.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Natürlich nicht, Danke für den Link. Ich lese noch resp. erst und der Name James Rhodes war mir nie zuvor begegnet, weil sein Instrument nicht „meines“ ist. Die Autobiographie jedoch beinhaltet sovieles, das ich kenne (nein, nicht DAS, aber mehr als genug anderes) und verwendet dabei einen Sprachstil, der mir sehr zueigen ist (den ich aber meistens nur denke und nicht verlautbare; es gibt viele Ausnahmen). Jedem autobiographischen Abschnitt ist ein entsprechend derber, hanebüchender, grausamer oder einfach unbegreiflich faszinierender Exzerpt aus dem Leben eines Komponisten vorangestellt; mit Einspielungsempfehlung; manchmal mit Fokus auf ein bestimmtes Werk oder Teile davon; dann in einer Sprache, die der Verehrung der Künstler (meistens; Ausnahme vielleicht: „Liszt ist der Wichser, dem viele Pianisten es zu verdanken haben, dass..“) gerecht zu werden versuchen.


    Man sollte mit Fäkalausdrücken vertraut sein resp. sich auf eine Zusammenballung solcher gefasst machen.


    Weshalb ich u.a. an Yorick dachte: zum einen die Parallele „über Musik schreiben“ à la Eric Rohmer (der natürlich ein ganz anderes Ziel verfolgt) und dann das dem Buch vorangestellte Zitat, das im übertragenen Sinne auf uns Klassikhörer im Allgemeinen passt - vielleicht aber doch kafkaesk:


    Zitat

    Wenn wir das Trauma zum Fetisch erheben und für nicht mitteilbar erklären, dann sitzen die Überlebenden in der Falle - können sich nicht wirklich verstanden fühlen ...

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


  • Vielleicht sagt das Geburtsdatum der beiden Herren, (beides Juristen)nämlich 1932, bzw 1930,
    WICHTIGES über ihre Passion aus.
    Im Wesentlichen ist es auf diese (fast ausgestorbene Speziez der LinksLiberalen)
    zurückzuführen, dass in Karlsruhe (fast keine Zeitungs-Notiz wert)
    vor einigen Wochen, betreffs des Schutzes der Privatsphäre, die weitgehensten Rechte, fast radikal zu nennen,
    beim durch und mi Hilfe des Bundesverfassungsgericht erwirkt wurden...Herr Demiziere saß dabei wie ein besenkter Pudel


    Eine unterhaltsame, amüsante, aufklärerische und erhellende Reise durch die Nachkriegszeit der Republik,
    in der von den Wurzeln sozialliberalen Positionen, über die Regierung Brandt/Scheel,
    bis zu deren Aushebelung..... Vieles als wegbereitend für unser Land entstand


    In Dialog- teils Streigespräch-Form ereifern und engagieren sich diese alten Wachköpfe für die Werte unserer jungen Demokratie


    verschlungen hab ich dieses kurzweilige Buch...bereichert hat es mich


    Arnulfus

  • Weshalb ich u.a. an Yorick dachte: zum einen die Parallele „über Musik schreiben“ à la Eric Rohmer (der natürlich ein ganz anderes Ziel verfolgt) und dann das dem Buch vorangestellte Zitat, das im übertragenen Sinne auf uns Klassikhörer im Allgemeinen passt - vielleicht aber doch kafkaesk:


    Ich weiß nicht, in welchen Thread das könnte; wir haben ja ähnliche (Thema Klassikfans als Spezies) bereits. Fakt ist, dass ich natürlich nicht solche Erfahrungen gemacht habe wie der Autor oder andere mir inzwischen sehr nahestehende Personen. Dass aber Klassik das Potenzial hat, nicht nur zu helfen, zu trösten, zu heilen oder "nur" den Lebensgenuss zu steigern etc.; sondern auch als Passion und Leidenschaft sogar pathologisch zu werden, scheint mir evident. Bei mir persönlich datiert die richtig heiße Phase ja auch erst seit meinem Unfall im Sommer 2012 und dem Beginn meiner "Internetklassikforumkarriere" - vorher dominierten Bücher und Hörbücher meine Interessen schon noch stärker.


    P.S. Siehe auch:


    Suchtpotential Klassik?! Diagnose, Therapie. Pathogenese ...


    „Wer sowas hört, ist bestimmt komisch!“


    Vom Sinn und Unsinn über das Schreiben über Musik und deren Aufnahmen


    Musikwissenschaftliche Laien ohne Beherrschung eines Instruments und das Schreiben über Klassische Musik


    Die Stille als Komplementär der Musik?


    Warum ausgerechnet Klassik?


    Gedanken und Phantasien eines Musik-Verrückten (ein Versuch von "Ergüssen" mit Worten statt Musik)


    Worüber wir schreiben, was wir posten, woraus wir schöpfen und überhaupt ...

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)

  • Das ist schon ein beeindruckendes Buch; keine Literatur im eigentlichen Sinn; aber Bekenntnis, Seelenbuch, Therapie. Und es berührt sich mit meinem Leben in mancherlei Hinsicht; auch wenn ich glücklicherweise nicht diese Erfahrungen in der Kindheit machen musste, die mich traumatisiert hätten. Meine Kindheit war normal, ich wurde liebevoll erzogen und behütet. Aber einiges in der seelischen Konstitution erinnerte mich doch, allein die Frage des vorzeitigen Aufwachens zu Beginn und die ständig auf Hochtouren arbeitende Gehirnmaschine gaben mir schon zu denken. Was unser Thema hier angeht, ist es natürlich eine reine Lust, den Erfahrungen des Autors zu lauschen, seine Präferenzen mit den eigenen zu vergleichen und ständig dazuzulernen. Anders als Rohmer in der Methode und im Blickwinkel, vermittelt Rhodes Zugang trotz der Überspanntheiten in Psyche und Stil einen wunderbaren Einblick in unsere Welt der fanatischen Klassikliebhaber. Was den derben aggressiven Duktus angeht, bin ich durchaus auch zwiegespalten: Ich selbst halte mir ohne Arroganz zugute, die deutsche Sprache in ihrer ganzen Breite und Tiefe mündlich wie schriftlich einigermaßen zu beherrschen und die Stilebenenklaviatur versiert zu handhaben; ich kann gestochenes Hochdeutsch schreiben, wissenschaftliche Abhandlungen verfassen und meinetwegen auch Kurzprosa; aber wenn es sein muss und das muss es bei mir oft, halte ich nicht zurück und dampfplaudere auf gut Teutsch und Lutherisch viehisch grob daher. Ich glaube dem Autor hier seine Wut und seinen Zorn und seine aus maßloser Ohnmacht geborene Feindseligkeit; den authentischen Gehalt seiner Rede nehme ich ihm nicht ab; das wirkt zu manieriert. Aber letztlich eines der Bücher, die einem das Leben wertvoll machen.

    Valerio: So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

    Leonce: Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.

    Georg Büchner: Leonce und Lena (3. Sz.)

  • Was den derben aggressiven Duktus angeht, bin ich durchaus auch zwiegespalten: Ich selbst halte mir ohne Arroganz zugute, die deutsche Sprache in ihrer ganzen Breite und Tiefe mündlich wie schriftlich einigermaßen zu beherrschen und die Stilebenenklaviatur versiert zu handhaben; ich kann gestochenes Hochdeutsch schreiben, wissenschaftliche Abhandlungen verfassen und meinetwegen auch Kurzprosa; aber wenn es sein muss und das muss es bei mir oft, halte ich nicht zurück und dampfplaudere auf gut Teutsch und Lutherisch viehisch grob daher. Ich glaube dem Autor hier seine Wut und seinen Zorn und seine aus maßloser Ohnmacht geborene Feindseligkeit; den authentischen Gehalt seiner Rede nehme ich ihm nicht ab; das wirkt zu manieriert.


    Ich weiß es nicht; ehrlich gesagt hat es mich zunächst auch etwas schockiert (obwohl es, was ich zu meinem Nachteil durchaus zugebe, genau meiner Denke entspricht), dann zunehmend fasziniert und letztlich gewöhnt man sich dran und ist daheim. Es ist ohne Zweifel drastisch und nicht jedermanns Sache; ich schätze, das Buch hätte ohne diese sorgsam ausgewählte Sprachwahl einfach nicht diese elektrisierende Wirkung. Ein nüchtern gehaltener Tatsachenbericht wäre sicher nicht minder grausam (und musikalisch interessant), hätte aber nicht diese unmittelbare, direkte, anstands- und abstandslose Wirkung und zudem eine völlig andere Leserschaft. Der Werbeeffekt kommt zweifelsfrei dazu, aber den kann ich getrost ausblenden: falsches Instrument.


    :D

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Ich habe heute das dreibändige Werk: "Die Musikgeschichte Österreichs" (hrsg. Flotzinger/Gruber) über zvab günstig erwerben können...


    Man wundert sich, wie ich bisher ohne dieses Buch leben konnte... :thumbsup:


    LG
    Tamás
     *castor*