03 - Filmographie

    • Offizieller Beitrag

    Keine Ahnung, warum ich diesen Film nicht schon längst hier vorgestellt habe, wo er doch mein Lieblingsfilm ist - wahrscheinlich, weil mir bislang die Worte fehlten:



    Notturno handelt von Schuberts letzten Lebensjahren. Niemand anderes kann besser Schubert sein als Udo Samel. Der Film lief im TV als Dreiteiler mit dem Metatitel „Mit meinen heißen Tränen“ und den drei Teilen „Der Wanderer“, „Im Reich des Gartens“ und „Winterreise“. Die DVD bedient sich der zweiteiligen (längeren und von Lehners, also des Regisseurs, Auffassung) letztgültigen Version mit den Arbeitstiteln „Love has lied“ („Die Liebe hat gelogen“ D751, Text: Graf August von Platen) und „Winterjourney“ (Winterreise).


    Ich empfehle, keine größere als gerade notwendige Pause zwischen den beiden Teilen zu machen, die insgesamt 231 Minuten beanspruchen (und das im wahrsten Wortsinn; Teil I: 100 Minuten, Teil II: 131 Minuten).


    Udo Samel: Franz Schubert
    Daniel Olbrychski: Franz von Schober
    Wojciech Pszoniak: Kajetan
    Traugott Buhre: Schuberts Vater
    Maja Komorowska: Anna Schubert
    Gabriel Barylli: Moritz von Schwind
    Florentin Groll: Joseph von Spaun
    Vitus Zeplichal: Josef Hüttenbrenner
    Wolf-Dietrich Sprenger: Johann Mayrhofer
    Therese Affolter: Magdalena
    Erni Mangold: Gräfin Rieder
    Dorothea Neff: Die alte Gräfin
    Christian Altenburger: Johann Strauss
    Michaela Widhalm: Schuberts Halbschwester Josefa
    Monica Bleibtreu: Ferdinand Schuberts Frau
    Despina Pajanou: Frau von gegenüber
    Mareile Geißler: Karoline
    Jessica Kosmalla: Hure
    Charlotte Acklin: Bettina
    Dagmar Schwarz: Johanna
    Sylvia Haider: Maria
    Annette Uhlen: Lisette
    Huberta Haubmann: Kathinka
    Moritz Bleibtreu, Wolfgang Hübsch, Peter Strauß


    Der Film spielt überwiegend an Originalschauplätzen in Wien und bei diversen Spaziergängen durch die Stadt entdeckt man den ein oder anderen (von bekannteren abgesehen) Drehort:



    Ich hatte eigentlich nach Indizien für Johann Fritz' Werkstatt in Mariahilf gesucht und dabei zufällig den Raimundhof entdeckt: hier spielt sich im ersten Drittel des ersten Teils eine für mich besonders beeindruckende Szenerie ab. Man benötigt Ausdauer und fast eine grenzenlose Liebe für in Echtzeit abgedrehte Momente, die nicht überwiegen, aber doch so gestaltet sind, daß man meint, tatsächlich an Schuberts Leben einen Moment teilhaben zu können, seine Luft zu atmen, seine Haut zu riechen, seine Musik zu spüren. Schuberts Musik ist natürlich omnipräsent und man läuft Gefahr, die Musik auf Ewig mit den im Film gesehenen Momenten zu verbinden - bei mir z.B. die h-moll-Sinfonie, die plötzlich (nach Genuß des Films) völlig anders wirkt; das gleiche gilt für die Tänze, die Winterreise und nicht zuletzt für das Notturno D897 (op. post. 148) selbst... Schuberts Musik springt einem förmlich mit dem nackten Arsch ins Gesicht: der Film ist ein absolutes Wunder und macht sehn-, todes- und schubertsüchtig! Überhaupt sollte man auch leicht paranoide Kameraführung vertragen können. Wer nach dem Film nicht mindestens einhundertmal in Folge das Notturno auflegt... ist ein hoffnungsloser Fall für diese Welt.


    Und natürlich: hat die Liebe gelogen und nicht nur die - das ganze Leben lügt!

  • Ich weiß, daß ich Mit meinen heißen Tränen als Jugendlicher gesehen habe, als der Dreiteiler im deutschen Fernsehen lief. Das liegt nun schon sehr lange zurück, so um 1990 oder kurz davor. Daher kenne ich Udo Samel und weiß, daß Schubert sehr jung verstarb.


    Einige Bilder sind haftengeblieben vom kranken Schubert oder wenn er am Klavier* sitzt und spielt. Den Film habe ich noch als positive Erinnerung abgespeichert, aber - wie gesagt - ist einfach zu lange her. Müßte ich eigentlich nochmals überprüfen.



    *Jaaa, ich weiß: Fortepiano... *brav*


    jd :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Ich weiß, daß ich Mit meinen heißen Tränen als Jugendlicher gesehen habe, als der Dreiteiler im deutschen Fernsehen lief.

    Ich auch und zwar genau titelkonform! Mir ist bis heute unbegreiflich, warum man Schubert immer wieder mal ausspart aus der Reihe Bach-Händel-Haydn-Mozart-Beethoven; er gehört an ihr Ende, ohne Frage. In der englischen (die deutsche ist besser) Verfilmung der "Wannseekonfernz" hört Heydrich zum Schluss versonnen eine Schubertplatte; als er abgeht, urteilt Eichmann abfällig über diesen Wiener Kitsch oder Schmalz. And so on ...

    • Offizieller Beitrag

    Man benötigt Ausdauer und fast eine grenzenlose Liebe für in Echtzeit abgedrehte Momente, die nicht überwiegen, aber doch so gestaltet sind, daß man meint, tatsächlich an Schuberts Leben einen Moment teilhaben zu können, seine Luft zu atmen, seine Haut zu riechen, seine Musik zu spüren. Schuberts Musik ist natürlich omnipräsent und man läuft Gefahr, die Musik auf Ewig mit den im Film gesehenen Momenten zu verbinden

    Wie wahr, wie wahr!!!