BWV 225-231 - Motetten: Einspielungen (opi)


  • (P) 1990 Sony Classical "Vivarte" SK 45 859 [61:11]

    rec. Oktober 1989 (Evangelische Kirche, Gönningen/Baden-Württemberg)


    Andrea Egeler & Inga Fischer (s)

    Martin van der Zeyst (a)

    Markus Brutscher (t)

    Thomas Herberich (b)

    Kammerchor Stuttgart

    Barockorchester Stuttgart

    D: Frieder Bernius


    BWV 225-229


    Das ist größer angelegt: permanente Orchesterbegleitung, die stets colla parte spielt, sowie ein Continuo mit zwei Instrumenten; ein gemischter Chor mit deutlich mehr als 2 SängerInnen pro Stimme. Dennoch klingt das eher dezent als überladen, hat eine gute Durchhörbarkeit, verschmilzt sehr fein zu einem großen Ganzen. Die Solisten klingen sehr angenehm, setzen sich gut vom Chor und Orchester ab.


    Bernius setzt auf Ausgleich und Homogenität, läßt mit Sinn für Innigkeit und Wärme musizieren und singen. Von den größer besetzten opi-Einspielungen sicherlich eine der Gelungensten. Sehr gut... *yepp**yepp**yepp**yepp*

  • Ich gehe danach:

    Die Musiker sind freiberuflich tätig und gehören zu den führenden Vertretern der Historischen Aufführungspraxis. Sie musizieren ausschließlich auf Originalinstrumenten.

    Bisher habe ich nicht gehört, daß sie auf modernem Material spielen.

    ich bin zu faul die Aufnahme herauszusuchen und im Booklet nachzulesen.

    Müßtest du ohnehin machen - ich habe sie in der Vivarte-Box drin und daher kein Booklet.

  • OK, akzeptiert, dann eben *opi*. Das Booklet listet zudem auf den Seiten vier bis acht freundlicherweise die Mitglieder des Orchesters, enthält ferner detaillierte Abgaben zu den von diesen verwendeten Instrumenten - omis sind mir nicht aufgefallen.

  • Das Booklet listet zudem auf den Seiten vier bis acht freundlicherweise die Mitglieder des Orchesters, enthält ferner detaillierte Abgaben zu den von diesen verwendeten Instrumenten

    Das habe ich mir gedacht - im Netz habe ich leider keinen Scan gefunden (findet man manchmal, z.B. bei Discogs). Also kannst du Näheres zur Besetzung mitteilen, wenn du willst.


  • Johann Sebastian Bach (1685-1750)
    Motets

    Pygmalion
    D: Raphaël Pichon


    SEBASTIAN BACH [1685-1750]
    1 Lobet den Herrn, alle Heiden a 4 BWV 6'12


    VINCENZO BERTOLOUSI [c1550-1608]
    2 Osculetur me osculo oris sui a 7 4'33 extr. Promptuarium musicum, Pars Tertia, no. 110 (1611-17)


    JOHANN SEBASTIAN BACH [1685-1750]
    3 Komm, Jesu, komm a 8 BWV 229 8'47
    4 Der Geist hilft unser Schwachheit auf a 8 BWV 226 7'23
    5 Fürchte dich nicht, ich bin bei dir BWV 228 a 8 7`35


    JACUBUS GALLUS [1550-1591]
    6 Ecce quomodo moritur justus a 7 4'12 extr. Opus musicum, Volume 2, no. 13 (1587)


    JOHANN SEBASTIAN BACH [1685-1750]
    Jesu, meine Freude a 5 BWV 227
    7 Jesu, meine Freude 3'46
    8 Unter deinen Schirmen
    9 Denn das Gesetz des Geistes 0'58
    10 Trotz dem alten Drachen 2'24
    11 Ihr aber seid nicht fleischlich 2'52
    12 Weg mit allen Schätzen 1'04
    13 So aber Christus in euch ist 1'51
    14 Gute Nacht, o Wesen 4'13
    15 So nun der Geist 1'18
    16 Weicht, ihr Trauergeister 1'23


    GIOVANNI GABRIELI [1554/1557-1612]
    17 Jubilate Deo extr. Symphoniae sacrae I, no11 (1597)


    JOHANN SEBASTIAN BACH [1685-1750]
    Singet dem Herrn ein neues Lied a 8 BWV 225
    18 Singet dem Herrn ein neues Lied 4'27
    19 Wie sich sein Vater erbarmet Gott, nimm dich ferner unser an 5'16
    20 Lobet den Herrn in seinen Taten 3'09



    Pygmalion:


    Sopranos

    Ulrike Barth, Adèle Carlier, Cécile Dalmon, Anne-Emmanuelle Davy, Perrine Devillers, Maïlys de Villoutreys (1), Alice Foccroulle, Armelle Cardot-Froeliger (1), Marie-Frédérique Girod, Marie Planinsek


    Mezzo-sopranos

    Corinne Bahuaud, Philippe Barth, Marie Pouchelon, Lucile Richardot (1 & 2), William Shelton, Alexander Schneider


    Ténors

    Didier Chassaing, Olivier Coiffet (2), Davy Cornillot, Constantin Goubet, Guillaume Gutierrez, Randol Rodriguez


    Basses Virgile Ancely, Nicolas Boulanger, Renaud Bres (2), Nicolas Brooymans, Guillaume Olry, René Ramos Premier


    Instrumentalisten

    Antoine Touche violoncelle

    Thomas de Pierrefeu contrebasse

    Thomas Dunford archluth

    Thibaut Roussel théorbe

    Matthieu Boutineau orgue

    Pierre Gallon orgue et clavecin


    Enregistrement: September 2019, Église Notre-Dame-du-Liban, Paris (France)
    Booklet mit Einführung von Raphaël Pichon, einem Beitrag von Peter Wollny sowie gesungenen Texten in D, E, F


    Raphaël Pichon schreibt im Booklet über die Bedeutung der Motetten für ihn:


    Zitat

    Es gibt keine andere Sammlung von Musikstücken, die einem so viel geben könnte wie die Motetten von Johann Sebastian Bach. Ich hatte das unvergleichliche Glück, sie seit meinem elften Lebensjahr immer und immer wieder singen zu dürfen, und sie werden mich niemals loslassen, denn wer sie singt oder hört, wird davon nachhaltig geprägt. Und wenn man sich wiederholt mit ihnen beschäftigt, wird die Faszination nur noch größer. Sie überwältigen uns, indem sie es auf einzigartige Weise vermögen, Emotionen hervorzurufen und zu überzeugen. Es gibt keinen einzigen Rhythmus, nicht eine Note, die auf etwas Anderem gründet als auf dem Ausdruck eines unerschütterlichen Glaubens. Seine inspirierte, freie und überschwängliche Gestaltung führte Johann Sebastian Bach auf Höhen, die in der Chormusik nie erreicht wurden.

    [...]

    Bach hat sein ganzes Leben lang – und besonders intensiv in Leipzig – an der Komposition von mehreren Hundert Kantaten und ihrer Umänderung gearbeitet. Das sind emotionsgeladene Werke, deren biblischer Inhalt vom liturgischen Kalender vorgegeben war. Bach musste seine Arbeit meist mit einem Textdichter teilen, und bei diesem rhetorischen Spiel ging es um die Verbindung von geistiger Poesie, biblischen Zitaten und Chorälen von Luther. Dagegen gab es bei den Motetten – von denen die meisten für Begräbnis- oder Gedenkfeiern entstanden – keine Zwänge und keine Beteiligung eines Textdichters. Bach herrschte hier allein über die Botschaft, über die Wahl des Textes und dessen Aufbau, aber auch über Form und Tonsprache. So kam es zu einem engen Zusammenhang zwischen der Struktur der Motette und den gewählten Texten und mithin einer Anpassung an die Dramaturgie, und darin bleibt Bach unerreicht. Er spricht hier ohne Umschweife zu uns, und der ausgelassene Übermut, dem er hier freien Lauf ließ, sucht in seiner sakralen Musik seinesgleichen. Es scheint in diesen Motetten ein feuriger, manchmal fast zügelloser Glaube zum Ausdruck zu kommen. Bach lässt dieser althergebrachten Form eine Energie und eine Ausdruckskraft entströmen, die uns verwandelt.

    [...]

    Sechs Motetten, eine unerschöpfliche Quelle des Jubels, ein Geschenk für Leib und Seele.

    Zu den einzelnen Motetten und ihrer Enstehungsgeschichte gibt Peter Wollny einen informativen Überblick. Darüber hinaus empfehle ich die Lektüre der Rezensionen.Überraschend rasch wurde die Aufnahme in vielen Publikationen besprochen und mit anderen verglichen; die detailreichsten Rezensionen habe ich unten angegeben.Fast alle Rezensenten heben das Tänzerische dieser Interpretation der Bach-Motetten hervor. Die eingeschobenen Werke von Bertolusi, Gallus und Gabrieli wirken dagegen auch auf mich viel strenger.


    Ich hatte in meinen jungen Jahren das Glück in verschiedenen Chören Bach-Motetten singen zu dürfen und kann so auch Pichons Begeisterung nachvollziehen. Wir haben uns an BWV 226 und 225 versucht ... Die Leichtigkeit, das Tänzerische, die Virtuosität, die Pichon und sein Ensemble zeigen, sind so unglaublich schwer zu erreichen; bei der hier vorliegenden CD stimmt in meinen Ohren einfach alles. Beglückend, eine solche Aufnahme hören zu können. Also, wie immer: Hört mal rein!


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    Hin- und Nachweise


    DLF Alte Musik Beitrag vom 21.10.2020 Bachs Motetten und ihre Rezeption nach 1750 „Das ist doch einmal etwas, woraus sich was lernen läßt!“ Von Andreas Glöckner
    DLF Bach-Motetten mit Raphaël Pichon und dem Ensemble Pygmalion Geschenk für Leib und Seele Gast: Raphaël Pichon; Moderation: Haino Rindler


    Pygmalion

    Raphael Pichon

    https://www.harmoniamundi.com/#!/albums/2647



    The Classic Review

    Review Gramophone

    Classics Today

    EMA Early Music America

    BR Klassik


    Videos

    J.S. Bach, Motets | Pygmalion, Raphaël Pichon (teaser) - YouTube

    Raphaël Pichon with the Ensemble Pygmalion - Bach, Motet BWV deest, Der Gerechte kömmt um - YouTube


    Jacobus Gallus

    Giovanni Gabrieli

    Bertolusi
:

    Zu Bertolusi habe ich nur eine Bemerkung von Wollny im Booklet gefunnden, nach der er aus Murano stammen und lange als Organist in Krakau gelebt haben soll