02 - Sinfonie Nr. 1 D-Dur: Allgemeiner Thread

    • Offizieller Beitrag

    Wikipedia: 1. Sinfonie (Mahler)


    1. Satz: Langsam. Schleppend. Wie ein Naturlaut – Im Anfang sehr gemächlich


    Mich hat früher am 1. Satz immer die lange, langsame Einleitung gestört; ich mag Krachereinstiege wie Beethoven 3 oder 5. Die so genannten Naturlaute können, übertrieben intoniert, schon auf den Geist gehen. Erwachend, Entstehung aus dem Nichts? Das sind Projektionen, die ich so nicht höre; die Holzbläser stören mich erst nicht mehr, wenn Blechbläser und Streicher massiv verstörend beifallen. Die typischen Mahlerkontraste findet man in Durchführung und Co. bereits souverän vorgebildet.

    2. Satz: Kräftig bewegt, doch nicht zu schnell


    Das Scherzo mit dem derben Ländler ist köstlich und dennoch nicht so übertrieben exzentrisch wie in späteren Sinfonien. Wenn dann die lyrischen Momente dazu treten, beginnen für mich wie stets bei Mahler die Margaret Rutherford-Assoziationen. Die thematische Verzahnung mit dem 1. Satz finde ich sympathisch, meine geliebten Celli dürfen endlich hauptamtlich mitmischen.


    3. Satz: Feierlich und gemessen, ohne zu schleppen


    Ich lasse hier stets alle Äußerungen Mahlers außer Acht und höre nur statt zu lesen, auch wenn es neben thematischen Hinweisen um Klangfarben geht. Der Trauermarsch vom Bruder Jakob wirkt in Moll natürlich stark und die stetige Steigerung erzeugt einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann. Der ganze Mahler ist anders als bei Bruckners Erstling auch hier schon da: Verfremdung, Ironie, Groteske, jähe Stimmungswechsel, extreme Kontraste; viel Nebeneinander statt organischer Einheit, vertikale Schichtungen, Selbstzitate - Rückgriff auf Eigenes (Lindenbaum, Fahrender Geselle) und Fremdes (Klezmer?). Dann Verklingen, Verscheiden; nie ist Mahler größer als im Verenden, Verebben der Musik. Bruckners Stärke sind die Ur-Anfänge; Mahlers die leiseren Untergänge.

    4. Satz: Stürmisch bewegt


    Sonatenhauptsatzform und Lärm! Könnerschaft oder erst auf dem Weg dahin? Da ist ein sehr langes Werden hörbar, ehe die Sinfonie kulminiert. Wieder harte, harsche Schichtungen ohne Maß; Aggression pur. Hier wird Mahler endgeil am Rande des Dilettantismus. Themen, Kämpfe, mühevolle Durcharbeitung, die kalt schwitzt und schnappatmet. Steigerungen münden im Choral, antonesk; aber wirklich nur am Rande, säkularisiert. Die Hornisten dürfen alles geben und die Hymnen klingen mir wie ihre eigene Parodie; aber stimmt das auch so?

    • Offizieller Beitrag

    He da — verhaltet Euch österlich.


    Yorick: Der Einstieg war vielleicht nicht Dein stärkster Thread-Einstieg, und @Josquin, das war eine unnötige Provokation.
    Beide gelb und a Rua is. *motz*


    Um nochmal thematisch zu werden: ganz verstehe ich die Frage auch nicht, Yorick.


    Ich halte beide Fassung für gültige Fassungen der Ersten Mahler. Beide mag und schätze ich, und von beiden gibt es exzellente Aufnahmen.
    Also: inwiefern soll ich dazu stehen?

    • Offizieller Beitrag

    Ich halte beide Fassung für gültige Fassungen der Ersten Mahler. Beide mag und schätze ich, und von beiden gibt es exzellente Aufnahmen.
    Also: inwiefern soll ich dazu stehen?

    Ich meinte letztlich, welche Fassung euch ästhetisch eher zusagt. Etwa, ob die Blumine die Sinfonie nicht etwas aufbläht.

    • Offizieller Beitrag

    Die Symphonie wurde von Mahler bis 1910 mehrmals revidiert.
    Die 1910-er Fassung spielen und einfach die Blumine einsetzen, missfällt mir. Die Blumine gehört zur Urfassung und zum dazugehörigen Programm.
    Deshalb schätze ich die Einspielungen von de Vriend oder Henelbruck, höre aber beispielsweise Rattle oder Zinman immer ohne Blumine.