Regietheater - best of (?)

    • Offizieller Beitrag

    Gehen wir doch in die Offensive.


    Natürlich kann „best of“ hier nur subjektiv dargestellt werden, da es an einem objektiven Kriterienkatalog mangelt.


    Meine Nr. 1:



    Unabhängig davon, daß es sich um eine musikalisch sehr exklusive, wenn auch unHIPe, Darbietung handelt: [Der Regisseur] „David Alden hat Händels Königsdrama als Vorfall im Mafia-Milieu inszeniert, irgendwo in Italien, irgendwann in den [19]50er Jahren (Grimolado fährt Benz).“ (Zusätze in eckigen Klammern von mir) - und nota bene nicht Mercedes oder Daimler...


    Westsidestory-Feeling mit echten Kerlen in Lederjacken und Glimmstengeln im Schnabel (auch während des Gesangs). Im wahrsten Sinne eine sehr coole - aber durchaus auch tiefgründige - Inszenierung, die Hamys geniales Libretto dennoch sehr für bar nimmt. Für mich sehr schlüssig und mit fantastischen Bildern umgesetzt. Genau so kann ich das Gestern der händelschen Musik mit dem Heute verbinden, ohne einen Stilbruch zu empfinden. Zudem setzt Alden tolle Metaphern ein: das Verstricken Unulfos wird mittels eines Kabels (eines prähistorischen Aufzeichnungsgerätes) dargestellt, in das er sich wörtlich genommen verstrickt und darüber auf die Fresse fliegt. Deutlicher, einfacher, schlüssiger und zugleich komischer kann eine Inszenierung kaum sein.


    Felicity Palmer als Eduige ist unschlagbar und Umberto Chiummo ist einszueins mein Papa, optisch und gestisch (nur singen konnte er nicht):


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    (hier allerdings in der Produktion von Christie, die recht ähnlich ist, zumindest was das Rauchen in diversen Arien betrifft).


    Das obige Video hat mit der Alden-Inszenierung nichts zu tun, daher hier noch ein konkretes Beispiel; viel Vergnügen:


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    Insgesamt schön düster inszeniert und kein wirkliches „Regietheater“ - Puristen würden dies aber bereits als blasphemisch betrachten. Für mich ist das lediglich bleesphemisch :D


    Man sollte vielleicht - wie ich - ein Fan der 50er/60er Jahre sein; da gab es noch Autos, die nach Autos aussahen und Klamotten, für die man sich nicht schämen musste...


    Die Inszenierung könnte auch Barockopernmeider faszinieren.

    • Offizieller Beitrag

    Glyndebourne ist stets eine gute Adresse für die, die sich aufregen wollen. Gleich voll eins auf die Ästhetik:


    Sperrhacke als Hexe(rich):


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    Ich liebe diese Inszenierung von Laurent Pelly; krasser kann man es kaum darstellen, wenn man Kindesentführung und -mißbrauch diesem Grimmschen Drama zugrundelegt. Und nichtsdestotrotz oder gerade deswegen kommen mir auch hier beim „Wenn die Not aufs höchste steigt, Gott der Herr sich gnädig zu uns neigt!“ die Tränen... völlig unkontrolliert.


    Irgendwie spielt das ganze mehr oder weniger in einem Penny- oder EDEKA-Markt der 80er Jahre... vielleicht sogar noch Coop... aber die ganze Aufmachung inklusive der hinzuerfundenen Vorgeschichte während der Ofentüre ist einfach nur genial gemacht: ich war sofort gebannt, gespannt und bin es jedes Mal aufs neue!


    Das „Entpuppen“ der Hexe als notgeile Schwucke ist dermaßen plastisch - selbst ich weiß nie, ob ich vor Ekel wegschauen oder vor Brennen hinschauen soll. Ich mag's mitunter trashig...

    • Offizieller Beitrag

    Erneut Glyndeboune, erneut Händel.


    Diesmal eher harmlos. Zwar verfremdet, aber musikalisch sowas von top:



    ...was natürlich in der Hautsache an Lorraine Hunt-Lieberson liegt:


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    :love:


    No one else than Peter Sellars... da kann man sich nur dafür schämend, daß man lebt, verneigen... :umfall:


    Bei solch umwerfender Musik und Interpretation kann es einem dann doch völlig egal sein, welche Bilder dies kommentieren? ;(*yorick*


    Und natürlich Richard Croft:


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    Insgesamt eine gelungene selbstironische Persiflage auf America... *wind*

    • Offizieller Beitrag

    De Majos Alessandro, den ich ich Mannheim live sah - hier der offiziöse Trailer:


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    Ich dachte, das sei als DVD erschienen; offenbar leider nicht. Hier der Link zu meinem Erlebnis; die CD ist erschienen und im Link erwähnt.


    Insgesamt nichts für homophobe und/oder schwache Nerven :D - geflügtelte nackte Herren im ledernen Slave-„Kostüm“ (das, die flauschigen Flügel nicht eingerechnet, max. 30 cm2 ausmachte), sollte man schon verknuspern können (man konnte diese übrigens in der Performance für bare Münze nehmen, als lächerlich betrachten oder einfach vor Lauchen laut losbrüllen - oder: vor lauter Erkenntnis, daß dies alles gleichzeitig möglich ist: ersticken).


    Und insgesamt: bitte weitermachen - für geile Tips bin ich gern aufnahmebereit.