99 - Unvollständige Aufnahme-Reihen der Bach-Kantaten (Diskussionsthread)

  • Rotzsch


    Für mich sehr lange Zeit DER Zugang zu den Kantaten, noch wichtiger als Richter oder Rilling. Die festlichen auch jetzt noch kaum zu schlagen.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Thomanerchor Leipzig, Gewandhausorchester Leipzig, Georg Christoph Biller, Das Kirchenjahr mit Bach Vol.1-10, 2007-2013


    Hier ist der Abgang Billers schmerzlich zu konstatieren! Trotz omi enorm wichtig und klangschön und natürlich auch emotional berührend und im Sinne der Tradition wäre eigentlich ein vollständiger Zyklus wünschenswert gewesen.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Richter


    Inzwischen unhörbar für mich mit höchstens ein oder zwei Aufnahmen.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Kuijken


    Aber auch diesen solistischen Zugang ertrage ich nicht.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Unvollständige Aufnahme-Reihen der Bach-Kantaten (Diskographie)


    Hier verleidet mir allzuoft die Klangqualität das Vergnügen!

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Herreweghe


    Und hier wie bei allen Bach-Sachen das gleiche "Problem" - wunderschön, lyrisch, zart; aber zu oft ohne Expressivität!

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Vielleicht sollte man auch bei Fritz Lehmann, Felix Prohaska, August Wenzinger recherchieren. Zumindest Lehmann hat nach meiner Kenntnis für eine Mehrzahl von Labels Kantateneinspielungen verantwortet. Wer weiß, was da noch alles zustande gekommen wäre, insbesondere für die DG, wenn ihn nicht ein allzu früher Tod dahingerafft hätte.


    *jesus?*

  • Herreweghe


    Und hier wie bei allen Bach-Sachen das gleiche "Problem" - wunderschön, lyrisch, zart; aber zu oft ohne Expressivität!

    So unterschiedlich können Geschmäcker sein: gerade Herreweghe trifft für mich exemplarisch das Ideal aus Kontemplativität und Expressivität. Ich bedauere sehr, daß hier keine Gesamt äeinspielukg vorliegt!


    Zitat

    Thomanerchor Leipzig, Gewandhausorchester Leipzig, Georg Christoph Biller, Das Kirchenjahr mit Bach Vol.1-10, 2007-2013


    Für mich sind dagegen die Leipziger Einspielungen unter Biller im solistischen Bereich gerade im Sopran und Alt kaum erträglich. Wenn man die Töne nicht intonationssauber trifft und insgesamt auch über nur leidlich ausgeglichene Register verfügt, ergibt das eine durchwegs sehr schmerzliche expressive Kraft, die ganz sicher der Bachschen Musik nicht angemessen ist. Dazu sind die Thomaner leider auch chorisch in meinen Ohren nicht gut genug!

  • So unterschiedlich können Geschmäcker sein: gerade Herreweghe trifft für mich exemplarisch das Ideal aus Kontemplativität und Expressivität. Ich bedauere sehr, daß hier keine Gesamt äeinspielukg vorliegt!

    Das bedaure ich auch, denn kontemplativ sehe ich auch kaum einen besser; vor allem bei den Solo-Kantaten.



    Hinsichtlich der Expressivität haben wir dann wahrscheinlich unterschiedliche Vorstellungen. *yes*

    Für mich sind dagegen die Leipziger Einspielungen unter Biller im solistischen Bereich gerade im Sopran und Alt kaum erträglich. Wenn man die Töne nicht intonationssauber trifft und insgesamt auch über nur leidlich ausgeglichene Register verfügt, ergibt das eine durchwegs sehr schmerzliche expressive Kraft, die ganz sicher der Bachschen Musik nicht angemessen ist. Dazu sind die Thomaner leider auch chorisch in meinen Ohren nicht gut genug!

    Nun gut, Solisten sind IMMER eine Geschmacksfrage und es gibt keine GA und keine unvollständige GA von Bachs Kantaten, die rundum so besetzt wäre, dass es nirgends Ausfälle gäbe. So schlecht, wie du das hier darstellst, höre ich das jedoch trotzdem nicht; aber ich bin auch kein Profi. Dass die Thomaner deinen Ohren chorisch nicht gut genug sind, zeigt deinen hohen Anspruch; ich kann in Gänze wenig daran aussetzen; ich halte sie nicht für schlechter als andere deutsche oder europäische Knabenchöre. Was sie für mich aber transportieren, ist eine emotionale Ergriffenheit, die irgendwo zwischen den alten Richter-Sachen und den ganzen opi-Geschichten etwa Suzukis rochiert. Das kann nicht nur mit Lokalpatriotismus zu tun haben, es hat vor allem etwas mit einer Klangvorstellung, einem Klangideal zu tun; das vielleicht doch ansozialisiert worden ist.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Karl Straube hat zwischen 1931 und 1939 eine Reihe von Bachkantaten für den Rundfunk eingespielt. Die nachfolgende Doppel-CD enthält fast alle noch in abspielbarem Zustand erhaltenen Mitschnitte dieser Produktionssitzungen.




    Zitat

    Insgesamt sind rund 22 Stunden Material an Aufnahmen von Bach-Kantaten unter dem Leipziger Thomaskantor Karl Straube (1873–1950) erhalten; das Bach-Archiv Leipzig hatte 1997 eine (im Handel leider kaum erhältliche) CD mit den vier Kantaten BWV 67, 76, 75 und 70 aus dem Jahre 1931 veröffentlicht. Hier wie dort besteht das Problem, dass die Schellackplatten, die vom Rundfunk geschnitten wurden und sich heute teils im Bach-Archiv, teils im Deutschen Rundfunkarchiv befinden, teilweise verloren sind, teilweise beschädigt oder unvollständig erhalten sind; dies bedeutet, dass kaum eine Kantate tatsächlich vollständig vorliegt. Insgesamt aber haben sich von Straubes ambitioniertem Projekt, mit den Thomanern alle Bachkantaten für den Rundfunk aufzuführen (das er bis 1938 abschließen konnte), rund 28 Kantaten erhalten, wenn auch zumeist nur unvollständig, 22 davon aus dem Jahre 1931, in dem der Leipziger Rundfunk MIRAG mit der Rundfunkübertragung begann. Zunächst wurden die Kantaten zumeist im Grassi-Museum aufgenommen, doch erwies sich die Akustik als nicht ganz so günstig wie erwartet, und so wurde ab Ende 1931 aus dem Neuen Gewandhaus gesendet. Schon bald erwiesen sich die Produktionskosten als höher als vonseiten des Rundfunks akzeptabel, und nach der Machtergreifung der Nazis 1933 wurde der Vertrag über wöchentliche Sendungen von Rundfunkseite unerwartet gekündigt. Bis zur Verstaatlichung des Rundfunks im April 1934 konnte die wöchentliche Übertragung noch weitergeführt werden, danach wurden die Übertragungen unregelmäßiger; ab November 1938 wurden Kantaten nur mehr rund einmal im Monat gesendet.


    [...}


    Zitat

    Der am 22. Oktober 1939 mitgeschnittene Mitschnitt der Kantate 'O ewiges Feuer' (Straubes letzte Kantatenübertragung überhaupt, abermals mit Rundfunkansage) wurde offenbar mutwillig für weitere Sendungen unbrauchbar gemacht, die Platte des Schlusschors 'Friede über Israel' beschädigt – ein eindringliches Dokument barbarischer nationalsozialistischer Zerstörungswut, mit extremem antisemitischem Einschlag.


    aus: http://magazin.klassik.com/rev…EW&RECID=25442&REID=14775



    Interessant ist diese Seite, wo man Einiges zur Umsetzung und zur Historie dieses Kantatenprojekts nachlesen kann.


    Bemerkenswert ist auch das dort wiedergegebene Interview mit Karl Straube vom 06.01.1948 anlässlich seines 75. Geburtstages (Track 18 der Doppel-CD).


    Vgl. auch die Bemerkungen bei C. zu diesem Thema.