BWV 525-530 - Sechs Triosonaten: Einspielungen für andere Besetzungen

  • Zur Aufnahme im vorigen Post:


    opi


    (P) 2002 BIS Records BIS-CD-1345 [74:38]
    rec. Oktober & November 2001 (St. Martin's, East Woodhay, Hampshire)


    London Baroque:
    Ingrid Seifert (Violine)
    Richard Gwilt (VIoline & Viola)
    Charles Medlam (Violoncello)
    Terence Charlston (Cembalo & Orgel)


    Richard Gwilt richtete die Triosonaten für London Baroque ein und erläutert ein bißchen die Umstände. Der größte Eingriff im Notentext ist die Verlegung von BWV 525 nach F-Dur (eigentlich Es-Dur), ansonsten sind einige Oktavierungen nötig, die er festlegte. Für BWV 526 und 528 wird die zweite Violine durch eine Viola ersetzt, und die Pedalstimme wird für alle Sonaten so gespielt wie notiert, obwohl das bc Verzierungen o.ä. zufügen könnte.


    Bach war ja zeitlebens ein Bearbeiter von fremden und eigenen Werken, und in diesem Fall zeigt sich gut, daß die Triosonaten ohne Schwierigkeiten auf ein Streich-Ensemble zu übertragen sind. Man kann auch höchstens von Transkribierung sprechen, was Gwilt angefertigt hat.


    Den Rest erledigt London Baroque mit seiner Klasse und Erfahrung: es ist eine fragile Klanglichkeit, die ihren Zusammenklang nie verliert. Geradezu elegant gleitet das Ensemble durch den Bachschen Kosmos und präsentiert traurige Mittelsätze und aufgeweckte Ecksätze. Eine feine Klangqualität rundet das Paket ab. Toll... :thumbup: :thumbup: :thumbup:



    jd :wink:

  • omi


    (P) 1992 Antes BM-CD 31.9005 [64:08]
    rec. 21.-23. August 1991 (Kammermusikstudio, SWF-Landesstudio Freiburg)


    Duo Fraal:
    Jacques Lesburguères (Querflöte)
    Hans-Wolfgang Brassel (Cembalo: Merzdorf, Karlsruhe-Grötzingen)


    • BWV 525-530 für Querflöte & Cembalo


    Als Quelle für die Transkription dienten zwei Handschriften aus Berlin (P 271 und P 272), die Lesburguères und Brassel zum Teil transponierten und dann die Stimmen ausschrieben für Querflöte (oberes Orgelmanual), Cembalo rechts (unteres Orgelmanual) und Cembalo links (Pedalstimme).


    Die Tonarten der Sonaten sind nun in:

    • Sonate I - in G-Dur (Es-Dur)
    • Sonate II - in e-moll (c-moll)
    • Sonate III - in d-moll
    • Sonate IV - in a-moll (e-moll)
    • Sonate V - in F-Dur (C-Dur)
    • Sonate VI - in C-Dur (G-Dur)

    Lesburguères' Spiel auf der Querflöte ist präzise und flüssig, und dennoch kommt ein statischer Ausdruck auf. Mir erscheint die Flöte zu schematisch in ihrer Tongebung, verliert sich in einer flachen Variabilität, und durch den sehr trockenen Aufnahmeort verstärkt sich dieser Eindruck noch. Brassels Spiel hat mehr Lockerheit, ohne an Anmut zu verlieren; er stützt die Flöte sehr gut. Der Klang des Cembalos zeigt eine bessere Räumlichkeit, doch es ist im Diskant nicht sehr scharf, so daß die Flöte stark dominiert. Hier stimmt die Abstimmung nicht ganz, überläßt Lesburguères mehr Raum, als er haben sollte. Im Laufe der Zeit gewinnt die Flöte zwar, doch insgesamt klingt die Einspielung seltsam flach. Okay... :-|



    jd :wink:

  • Offenbar widmen sich Interpreten den Triosonaten auch mittels eines wohnzimmertauglichen (denn in der Kirche ist nun mal bisweilen a....kalt) Pedal-Clavichords, wie z.B. Hiroaki Ooi, was ja historisch betrachtet durchaus Sinn macht, wenn ein solches Instrument als Übeinstrument für andere Aufgaben als Kirchenorganist gesehen wird/wurde.


    https://www.facebook.com/events/326810837674056/


    Weiß vielleicht jemand, ob es eine Aufnahme der Sonaten von diesem oder einem anderen Interpreten gibt?


    Bilder eines Pedal-Clavichords kann man hier betrachten:


    http://www.hfk-bremen.de/t/neu…hule-f%C3%BCr-k%C3%BCnste

  • Ein Pedal-Clavichord? Was es nicht alles gibt - ich kenne natürlich ein Pedal-Cembalo, habe sogar eine Aufnahme davon, aber von einem P-Clavi höre ich jetzt zum ersten Mal.

    Z.B. Harald Vogel hat sich im Rahmen seines Rund um Bach-Projekts (The Bach Circle) dieses Instruments angenommen (Vol.1 - bei Amazon derzeit nicht verfügbar, wohl aber hier).


    Dazu heißt es auf der verlinkten Seite:


    Zitat

    Diese Aufnahme ist eine Rarität, denn es gibt von keinem Tasteninstrument so wenige Aufnahmen wie vom Pedal-Clavichord. Bekannte Orgelwerke erhalten auf diesem Instrumente eine besondere expressive Qualität, denn das Clavichord erlaubt verschiedene Abstufungen der Tonstärken mit dem Anschlag. Das bei dieser Aufnahme gespielte Pedal-Clavichord ist eine Replik des im Musikinstrumenten-Museum in Leipzig befindlichen Instruments von Johann David Gerstenberg aus dem Jahre 1766.


    Ein beeindruckendes Klangerlebnis.

    Oder auch Eric van Bruggen, gleichfalls mit einem Bachprogramm.


    Zitat

    Clavichord (2 manuals, 1 pedal) after the example of Johann David Gertenberg (Geringswalde, 1760) now in Leipzig; made by Dick Werwolf (Leiden, ca. 1992); tuned in the "Werckmeisterische Temperatur"; pitched one half tone lower than the present standard.


    Hier ein Beispiel aus der vorerwähnten Aufnahme von van Bruggen (Präludium a-Moll):*


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    *yorick*


    * Wenn man das so hört, fühlt man sich ein ganz klein wenig erinnert an Pischners Bach-Solo-Lesarten auf einem Neupert-Cembalo, Marke: Bach, wenngleich das Krachen und Scheppern auf einem historischen Pedalclavichord natürlich eine ganz andere, gleichsam historisch-informierte, Qualität aufweist, ;) .

  • Guten Tag


    ich habe eine Einspielung in einer Besetzung für Viola da gamba, Cembalo & Laute



    mit Hille Perl (Viola da gamba),Christine Schornsheim (Cembalo) und Lee Santana (Laute).
    Eine feine kammermusikalische Darstellung dieser bedeutenden Werke.




    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

    «Es ist wurscht, ob das jemand versteht, aber es muss gesagt werden» (Samuel Beckett)


  • Kürzlich ist die mit Spannung erwartete Scheibe eingetrudelt. Das hier realisierte Konzept der Darstellung der Trios mittels Cembalo und Gitarre funktioniert meines Erachtens sehr gut. Das zweimanualige Cembalo, bespielt von Elaine Comparone ist mit einem Lautenzug (an dem nur ein noch ganz roher Geschmack Vergnügen finden kann, ;( , so jedenfalls Heinrich Christoph Koch in seinem Musikalischen Lexikon von 1802, Sp.892/893), bezogen auf eines der zwei 8'-Register (2x 8', 1x 4'), bestückt, mit dessen Hilfe sie auf dem unteren Manual die grundtönigen Basslinien der Sonaten hörbar imitiert. Durch Manualwechsel (M1, M2) lässt sie zudem spielfreudig durchweg zusätzliche Klangfarben und Details in ihr Spiel einfließen. Sehr schön auch, wie der Gitarrist Dušan Bogdanović auf seinem Instrument allmählich sich steigernde oder sich verringernde Dynamikwechsel gestaltet und Klangfarbenschattierungen zu spielen versteht. Allerdings sollte man bereit sein hinzunehmen, dass Bogdanović' Ton an einigen Stellen etwas vibratös klingt, wodurch insbesondere in den langsamen Sätzen die Gehörnerven ein klein wenig gezwiebelt werden können.


    Die langsamen Sätze werden intim, geschmackvoll und sehr sorgfältig zelebriert, garniert mit dezenten Verzierungen, die aber nie vordergründig wirken; die schnellen Sätze wirken ausnahmslos sehr temperamentvoll und vital interpretiert, ohne dass es zu Stauungen oder gar einem Innehalten des musikalischen Fortgangs käme, stellen sich sozusagen nach all den Adagios und Andantes als frisches Wiedererwachen des Geschehens dar.


    Die klangliche Verschmelzung von Cembalo und Gitarre ist sehr gut gelungen, ohne dass sich eines der Instrumente keck in den Vordergrund drängen würde. Man hat stets den Eindruck, das sich die drei Stimmen unterscheidbar im musikalischen Gleichgewicht befinden. Comparone und Bogdanović lassen ihre Instrumente (Gitarre, Cembalo [Lautenwerck]) in einer Weise miteinander kontrastreich kommunizieren, dass es eine wahre Freude ist ihnen zuzuhören.


    Der Tonmeister der Aufnahme (Christopher Greenleaf) hat ganze Arbeit geleistet, indem er den Klang sehr direkt aufgenommen hat, ohne die Möglichkeiten des Raumes (St. George Methodist Church, Methuen, MA) zu vernachlässigen.


    Das vierseitige Booklet (e) im Sparformat bietet Basisinformationen zu den Sonaten, zu den Interpreten und deren Interpretationshaltung.