03 - "Missa Salisburgensis" (1682?)

  • Das Stift St. Peter wurde von Hl. Rupert zwar erst im Jahr 696 gegründet, das haben aber die lieben Salzburger nie so eng gesehen, und als Gründungsjahr immer 582 gehalten. Die Gründe dafür sind verborgen, die Haustradition will es aber halt so. Dass die 1100-Jahre Jubiläum ordentlich gefeiert werden musste, liegt im Wesen des Barockzeitalters: wahrscheinlich erklang für dieses Ereignes jene berühmt-berüchtigte 53-stimmige Missa Salisburgensis; hundert Jahre später komponiert zum selben Anlass Michel Haydn eine weit bescheidenere Jubiläumsmesse.


    Die Zuschreibung der anonym überlieferten Messe war lange ein Problem. Irgendjemand soll gedacht haben, der von seinen mehrchörigen Werken bekannte römische Komponist, Orazio Benevoli sei der Komponist gewesen - und wegen dieser falschen Zuschreibung datierte man das Werk auch zurück in die Zweit der errichtung des Domes. Wer aber schon etwas von Benevoli zu Ohren bekam, mag leicht feststellen, dass die Missa Salisburgensis unmöglich von ihm stammen kam.


    Nach Untersuchung des Stils und des verwendeten papiers könnte erstmal die Zeitpunkt der Komposition mit hoher Wahrscheinlichkeit an jenem Jubiläumsjahr festgesetzt werden. In Frage kämen drei Komponisten:
    Andreas Hofer (1628-1684), der Hofkappellmeister, damals bereits schwer krank (stirbt auch zwei Jahre später), jedoch Begründer eines hochbarocken, mehrchörigen Stils in Salzburg. Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704), der junge, aufstrebende Vizekappelmeister, und Georg Muffat (1653-1704), der Hoforganist, kürzlich aus Rom zurückgekehrt. Nun, nimmt man die einzige von Muffat erhaltene Messe zum Anhaltspunkt, ist da wenig gemeinsames mit der Missa Salisburgenis zu finden. Vergleicht mn aber mit den Messen von Biber, findet man schon einiges: die Art, wie er Fanfaren zwischen Chorrufen einsetzt, vielmehr aber die kontrapunktische Art, wie er verschiedene, aufeinander folgende Textteile zu Fugen verbindet: zu z.B. das "Hosanna" mit dem "Benedictus" oder das "Agnus Dei" mit dem "dona nobis pacem" - die gleiche Vorgehensweise lässt sich in mehreren Messen Bibers zu finden, so in der Missa ex B oder in dem Requiem in f-moll.


    Ernst Hintermeier ist es gelungen mit großer Sicherheit die Missa Salisburgensis Biber zuzuschreiben. Ich hab leider seinen Artikel nicht gelesen, aufgrud meiner Hörerfahrungen meine ich ihm Recht geben zu müssen.


    Die Messe wird meistens als 53-stimmig erwähnt: genauer wäre es jedoch sie 52-stimmig mit Bassocontinuo zu nennen. Noch genauer: 50-stimmig mit Basso continuo - da zwei Oboenstimmen nur die Violinen verstärken und scheinbar nur später dazugesetzt wurden.


    LG
    Tamás
    :wink:

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!