Sinfonie Nr. 4 e-moll op. 98

  • Wikipedia: 4. Sinfonie (Brahms)


    1. Satz: Allegro non troppo (e-moll)
    2. Satz: Andante moderato (E-Dur)
    3. Satz: Allegro giocoso – Poco meno presto – Tempo I (C-Dur)
    4. Satz: Allegro energico e passionato – Più Allegro (e-moll)


    Diese Sinfonie gehört zu den absoluten Ausnahmewerken der Musikgeschichte! Allein der Beginn mit seinem absteigenden Thema, das die ganze Sinfonie prägen wird, ist einzig: Ich kenne keine vergleichbare Stelle, die den aus Erfahrung gewonnenen Fatalismus in Verbindung mit heiter(?)-trauriger Gelassenheit derart in Töne fasst. Musik gewordener Gleichmut, Resignation ohne Reue und Bitterkeit; Trost im Chaos. Der aus dem Leben, wie es auf Erden nun mal ist, destillierte einsame Grund eines durch Leid geprägten Menschen, der dennoch im kühlen Abendwind im Gartenstuhle sitzend leicht abtuend mit der Hand abwinkt. Ja, so geht es; aber was soll's; wir ändern es doch nicht. Da darf man auch im 2. Satz ruhig mal weinen, wenn es allzu schön die Kantilenen singt; den Sarkasmus im 3. treibt noch nicht mahlersche Unbedingtheit um; und im 4. hört man dann ein Resümée der Musikgeschichte auf eigenen Beinen. Absolute Musik ohne Rücksicht auf Verluste; vielleicht Brahmsens musikalisches Testament, auf jeden Fall eine Folie seines musikalischen Wollens!

    "Nach meiner Erinnerung, damals war ich neun Jahre alt, hat man die damaligen Ereignisse in meinem Umfeld mit einem Schulterzucken ohne viel Aufhebens zur Kenntnis genommen - das war es auch schon." Max (zum Mauerfall)

  • Wikipedia: 4. Sinfonie (Brahms)
    Diese Sinfonie gehört zu den absoluten Ausnahmewerken der Musikgeschichte! Allein der Beginn mit seinem absteigenden Thema, das die ganze Sinfonie prägen wird, ist einzig: Ich kenne keine vergleichbare Stelle, die den aus Erfahrung gewonnenen Fatalismus in Verbindung mit heiter(?)-trauriger Gelassenheit derart in Töne fasst. Musik gewordener Gleichmut, Resignation ohne Reue und Bitterkeit; Trost im Chaos. Der aus dem Leben, wie es auf Erden nun mal ist, destillierte einsame Grund eines durch Leid geprägten Menschen, der dennoch im kühlen Abendwind im Gartenstuhle sitzend leicht abtuend mit der Hand abwinkt. Ja, so geht es; aber was soll's; wir ändern es doch nicht. Da darf man auch im 2. Satz ruhig mal weinen, wenn es allzu schön die Kantilenen singt; den Sarkasmus im 3. treibt noch nicht mahlersche Unbedingtheit um; und im 4. hört man dann ein Resümée der Musikgeschichte auf eigenen Beinen. Absolute Musik ohne Rücksicht auf Verluste; vielleicht Brahmsens musikalisches Testament, auf jeden Fall eine Folie seines musikalischen Wollens!


    Lieber Yorrick,


    Du sprichst mir aus der Seele. Danke für Deine Wertschätzung der VIERTEN. Deine Argumente finde ich angemessen und überzeugend. Deine sehr persönliche Deutung des 1. Satzes >die den aus Erfahrung gewonnenen Fatalismus....< kann ich nachvollziehen. Deine Definition bezüglich >Fatalismus< trifft es m.E. weniger. Da sind wir nämlich bei der Psychoanalyse. Und da gilt, dass die Verarbeitungsstrukturen- von >Erfahrungen< , die zu einer fatalistischen, gleichgültigen, angespannten, wohlwollenden, begeisterten, abgehobenen, reaktiv depressiven.... etc. Beurteilung/Meinung führen, charakterlichen Merkmalen entsprechen, also unser ganz >persönlichen Prägungstruktur<.


    Ich habe mit 17 Jahren (1961) zum 1. Mal die 4. Brahms live gehört, nämlich unter "Schmisserstedt< (wie der Hamburger sagt). Seitdem erlebe ich den Aufbau des 1. Satzes eher als die Architektur von norddeutscher Mentalität. Wie soll man Gefühle über anthropologisch-sozio-kulturelle Eigenheiten beschreiben? Meine persönliche Antwort: SO wie Brahms es mit seiner schroffen wie kühnen und anrührenden Tonsprache geschaffen hat.


    Für mich ist die >Vierte< die Bekenner-Sinfonie seiner norddeutschen Wurzeln und Gefühle. Nicht zwingend, weil Brahms die Nordsee in jungen Jahren liebte, sondern weil meine Nordlicht-Prägung in seiner
    Tonsprache sich wiederfindet..


    Arnulfus



  • Deine Definition bezüglich >Fatalismus< trifft es m. E. weniger. Da sind wir nämlich bei der Psychoanalyse. Und da gilt, dass die Verarbeitungsstrukturen von >Erfahrungen<, die zu einer fatalistischen, gleichgültigen, angespannten, wohlwollenden, begeisterten, abgehobenen, reaktiv depressiven... etc. Beurteilung/Meinung führen, charakterlichen Merkmalen entsprechen, also unser ganz >persönlichen Prägungstruktur<.


    Lieber Arnulfus,


    da ich kein Psychoanalytiker bin, nur im Rahmen meines Studiums ein wenig Psychologie studieren musste; kann ich hier natürlich nicht mitreden. Ich nahm Fatalismus im allgemein geläufigen Sinne als Ergebenheit ins Schicksal; als Akzeptanz des Seienden und Werdenden; ohne dabei völlig in Passivität abzudriften.

    "Nach meiner Erinnerung, damals war ich neun Jahre alt, hat man die damaligen Ereignisse in meinem Umfeld mit einem Schulterzucken ohne viel Aufhebens zur Kenntnis genommen - das war es auch schon." Max (zum Mauerfall)

  • Ich denke, man kann gerade im 2. Satz der Vierten sehr schön hören, an welchen Stellen sich Brahms und Bruckner überschneiden und ähneln; aber genau dort auch, warum Brahms eben NICHT Bruckner ist. Wo jener im Andante oder Adagio aussingen würde, die Architektur Architektur sein lässt und großartig dehnt und wirken; bricht Brahms immer vorher ab, ehe es gewaltig und schwelgerisch werden kann. Er hätte "schöner" sein können, der nüchternere Brahms; aber er wollte das nicht, ganz bewusst. Das Schroffe, sich immer ein wenig dem Publikum Versagende; ist ihm eigen. Ich wundere mich daher immer, wie beliebt Brahmsens Sinfonien sind; obwohl sie eigentlich recht schwer zugänglich scheinen und zuweilen abweisend.

    "Nach meiner Erinnerung, damals war ich neun Jahre alt, hat man die damaligen Ereignisse in meinem Umfeld mit einem Schulterzucken ohne viel Aufhebens zur Kenntnis genommen - das war es auch schon." Max (zum Mauerfall)

  • ... mag menschlich-virtuell a-sozial sein, wie er wil; hier hat er oft rein sachlich Recht!

    "Nach meiner Erinnerung, damals war ich neun Jahre alt, hat man die damaligen Ereignisse in meinem Umfeld mit einem Schulterzucken ohne viel Aufhebens zur Kenntnis genommen - das war es auch schon." Max (zum Mauerfall)