05 - Totenmessen

  • Von Heinrich Biber sind zwei vollständige Totenmessen bekannt.


    C 7. Requiem à 15 (in A-dur)
    C 8. Requiem ex F con terza min[ore] à 14 (in f-moll)


    Gewissheit haben wir zu ihrer Entstehungszeit nicht, jedoch wird angenommen, dass die größere, 15-stimmige, A-dur Vertonung für den Exeqien Erzbischofs Max Gandolph gedacht war, also in oder nach 1687 entstand, die kleinere, in f-moll stehende setzt man später, um 1692.


    Die Noten zum A-dur Requiem sind hier zugänglich.


    Dieses Werk verlangt einen 6-stimmigen Chor mit Solisten, 2 ad lib. Oboen, Fagott, zwei Clarini (Naturtrompeten in hoher Lage), drei Posaunen, zwei Violinen, zwei Violen, Violone und Orgelcontinuo. Die Posaunen sind durchwegs mit den unteren drei Stimmen colla parte geführt.


    Das Gebrauch von Trompeten legt tatsächlich ein fürstliches Begräbnis nahe und gibt der Totenmesse einen militärisch anmutenden Klang. Es mag verwundern dass diese Kräfte (die in den bekannten Aufnahmen häufig auch mit Pauken vermehrt werden) weniger im Dies irae, als z.B. im Introitus zum Tragen kommen. Wegen des pompösen dur-Klanges wirkt dieses Werk für Viele fast schon heiter. Das kann ich nur bedingt mitempfinden: ich vernehme eher eine tiefe Ernsthaftigkeit, die aber von Tragik nicht benebelt wird. Wie wundervoll traurig, doch sinnlich ist ja das schöne Kyrie!


    Die Noten zum f-moll Requiem findet man hier.


    Dieses Stück ist viel intimer und auch viel tragischer von der Empfindung her, als sein "größerer Bruder". Hier werden weit weniger Kräfte verlangt: fünfstimmiger Chor mit Solisten, zwei Violinen, drei Violen, drei Posaunen, Violone und Orgelcontinuo. Lediglich die erste Violine hat hier eine weitgehend eigenständige Stimme, die anderen Instrumente werden meistens colla parte geführt.


    Eine breitere Bekanntheit erlangte eine Stelle aus dem Dies irae zu den Wörtern "Quantus tremor ... Tuba mirum" welche vom englischen Komponisten Michael Nyman für den Film "Zed and two Noughts" von Peter Geenaway bearbeitet wurde und Erfolge damit feierte.


    LG
    Tamás
    :wink:

  • Ich weiß über folgende Einspielungen des A-dur Requiems

    mit Gustav Leonhardt



    mit Ton Koopman



    mit Jordi Savall



    Einspielungen des f-moll Requiems



    mit Nikolaus Harnoncourt



    mit Gustav Leonhardt



    mit Philipp Pickett



    mit Paul McCreesh



    mit Pierre Cao


    LG
    Tamás
    :wink:

  • Die prächtige Koopman-Aufnahme des A-Dur-Requiems ist demnächst günstig, gekoppelt mit seiner interpretation der Missa Salisburgensis, zu haben:



    Durchaus empfehlenswert!


    LG
    Tamás
    *castor*

  • Zu der von Tamás vorgestellten DVD findet man hier einen kurzen zweiminütigen Ausschnitt. Die Niederländer unter Jos van Veldhoven liegen hier für meine Ohren klanglich und interpretatorisch, soweit man das anhand des kleinen Videohäppchens überhaupt sagen kann, recht nahe an der Studioaufnahme von Paul McCreesh. Gefällt mir sehr gut. *yepp*