08 - Oper: "Chi la dura, vince"

  • Bevor dieser Thread ganz der einzigen überlieferten Oper Biber gewidmet wird, möchte ich noch kurz einen kurzen Überblick über sein weltliches Vokalwerk geben.


    Biber ist heute eher als Komponist von Instrumentalwerken und großbesetzten geistlichen Vokalwerken bekannt. Natürlich ist aber diese Sicht getrübt von der allzu lückenhaften Überlieferung seines Schaffens.


    2 Opern, 14 gesicherte und 2 zugeschriebene Schuldramen, 2 Kantaten - darüber gibt's Kenntnis - wer kann aber sagen, dass Biber nicht noch viel mehr komponiert hat?


    Hier die nüchterne Liste (mit den Katalognummern nach Chafe):


    Opern:


    C 51 Dramma Musicale: Chi la dura la vince (1690-92)


    C App. 20 Alessandro in Pietra (Dramma per musica) (1689) (nur Libretto übrliefert)


    Schuldramen:


    C App. 32 Valerianus Romanorum Imperator, barbarorum ludibrium, regiae infelicitatis exemplum (1684)
    C App. 25 Fastus fumosus famosus ad focum Babilonicum defervescens, seu Nabuchodonosor (1685)
    C App. 33 Virtus pressa, non opressa. Seu Daniel (1686)
    C App. 34 Virtutis triumphans, sive Ulysses (1687)
    C App. 22 Boni corvinon dissimilia. Seu optimi Corvini genuini filii Ladislaus et Matthias (1688)
    C App. 29 Rex catholicus seu S. Hermenegildus rex, et martyr (1689)
    C App. 24 Fastus confusus seu a Juditha proprio ense fusus Holofernes (1691)
    C App. 30 Rex invitus martyr invictus coronam terrestrem recusans coelestem martyrio adeptus. Seu D. Wenceslaus Bohemiae rex, et martyr (1692)
    C App. 26 Fidei, ac perfidae exampla in Pertharito ab Unulfo et Garibaldo demonstrata (1694)
    C App. 21 Alfonsus hujus nominis decimus Hispaniarum rex (1696)
    C App. 23 Infelix parentum amor in Fernando filio (1697)
    C App. 28 Invidia gloriae umbra in C. Julio Caesare representata (1697)
    C App. 27 Honor divina de respectu humano triumphans, seu S. Thomas cancellarius, archi-episcopus, martyr (1698)


    ungesichert:
    C App. 35 Feriis Bacchanaliorum: Nemeis variata seu Fridericus Dux Saxoniae unacum aulico suo Conrado Kaufungo (1679)
    C App. 36 Innocentia fidei conjugalis seu Genovefa. (1681)


    Kantaten:


    C App. 31 Tratenimento musicale dell'ossequio di Salisburgi (1699) (bestehend aus 3 längeren Kantaten, wird deshalb manchmal zu den Opern gerechnet)
    [nicht in C] Applausi festivi di Giove (1686)
    [nicht in C] Li trofei della fedela catholica (1687)


    Da die Gattung "Schuldrama" heute eher unbekannt ist, möchte ich Wikipedia zitieren:

    Zitat

    Die bunten Aufführungen waren ausgestattet mit Musik, Ballett und Dutzenden von Schauspielern und Statisten, die die Bühne bevölkerten. Die Zuschauer wurden durch barocken Pomp und ein Feuerwerk von Showeffekten in Atem gehalten. Prächtige Bühnenbilder und Requisiten beeindruckten die Zuschauer ebenso wie sämtliche Effekte der damaligen Bühnentechnik: Explosionen, Blitz und Donner, feuerspeiende Drachen, an Leinen herabfliegende Engel und bei infernalischem Lärm von der Erde verschluckte Gespenster. Teilweise wurden die Zuschauer zum Mitspielen animiert und nahmen auf diese Weise emotional an den Freuden und Leiden der Bühnenhelden teil.
    Die Aufführungen waren zum Teil von derart beeindruckender Vehemenz, dass von Spontanbekehrungen berichtet wird. So sollen auch anwesende Landesfürsten noch an Ort und Stelle eine Wiederaufnahme in den katholischen Glauben erfleht haben.


    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Jesuitentheater


    Wenn man sich anschaut, wie viel musikalisches Material ein zeitgenössisches Schuldrama enthielt, hat man schon einen Eindruck, wie viel Musik da verlorenging. vgl. hier ein Schuldrama des wiener Komponisten Johann Bernhardt Staudt.


    Wenn man also die Musik von Biber hört, muss man sich auch vergegenwärtigem dass er auch ein geübter Komponist von Arien und weltlichen Chorstücken war Ich bin mir sicher: manche Wendung seiner instrumentalwerke wird mit diesem Hintergrundwissen viel verstandlicher.


    LG
    Tamás
    :wink:

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!

  • Dank einer Widmungspartitur ist auf uns die einzige erhaltene Oper Bibers überliefert.


    Es gibt von dieser prachtvollen Handschrift auch eine Faksimile-Edition, erschienen in der Reihe Denkmäler der musik in Salzburg beim Strube Verlag:
    http://www.strube.de/shopnavig…%5D=2067&cHash=e895aade6b


    Zum Glück ist auch eine hervorragende (doppeltes Glück!) Aufnahme dieses Werkes, unter dem Titel "Arminio" zuganglich:



    Es spielt die Salzburger Hofmusik (natürlich opi) unter der Leitung von Wolfgang Brunner.


    LG
    Tamás
    :wink:

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