op. 39: Liederkreis nach Joseph v. Eichendorff

  • Liederkreis op. 39 (Schumann)


    1. In der Fremde
    2. Intermezzo
    3. Waldesgespräch
    4. Die Stille
    5. Mondnacht
    6. Schöne Fremde
    7. Auf einer Burg
    8. In der Fremde
    9. Wehmut
    10. Zwielicht
    11. Im Walde
    12. Frühlingsnacht


    Ganz ehrlich ist dieser Zyklus nach Schuberts "Winterreise" mein liebster überhaupt unter allen großen. Zunächst einmal bin ich mit einem Lied daraus sozialisiert worden und dann treffen diese Lieder in ihrem Charakter meine Wesenszüge genau, denn trotz der paritätischen Verteilung höre ich doch überwiegend Trauer und resignative Wehmut heraus und dennoch in der "Mondnacht" das säkularisierte Trostlied schlechthin, die Verheißung des Aufgehens unserer Seele in der Natur und unserer schmerzhaften Individualität im auflösenden All-Einen. Zudem sehe ich hier mit Eichendorff einen der ganz großen deutscher Dichter rehabilitiert; auch wenn das meiner These widerspricht: Aber im Vergleich mit der innovativeren frühromantischen Lyrik und der späteren hochartifiziellen Neoromantik (und Symbolismus, Äthetizismus etc.) schnitt jener in den literarhistorischen Wertungen immer schlechter ab, wurde in die Nähe volkstümlich biederer Männerchorsbündnerei gerückt und überhaupt so recht ein wenig von oben herab belächelt und verachtet von den so genannten Gebildeten. Das alles ist natürlich Unsinn und Schumann muss gespürt haben, wie viel Dunkles und Schweres hierin verborgen. Von der den Texten innewohnenden Musikalität ganz zu schweigen; hier scheinen sich Heine und Eichendorff wenig zu nehmen.

    Wir sollten Karoline Stöhr aus Thomas Manns "Zauberberg" zur Schutzpatronin unseres Forums machen; auch sie liebt die "Erotika" ...

  • Wie ich bereits andeutete, verbergen sich hinter dem Volksliedton, den spätromantisch-biedermeierlichen motivlichen und terminologischen Versatzstücken psychologische und existenzielle Archetypen; hinter der schlichten Atmosphäre lauert das Böse, die Ur-Angst, die Verzweiflung. Daher das Insistieren auf der Hoffnung, dem Trost; der transzendenten Absolution.

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