CD-Preise als Indikator für die Qualität?

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    Humbug? Vielleicht; vielleicht auch nicht.


    Vor etwa 10 Jahren waren die ARACANA-Boxen der Haydnschen Quartette (manche Alben besonders) extrem hochpreisig. Das lag natürlich daran, daß das Label ARCANA so gut wie ausgelöscht war: nach dem Tod des Labelgründers Michel Bernstein gab es keine qualifizierte Nachfolge, einige Labels und Privatinvestoren übernahmen hin und wieder ARACANA und versuchten - imo bislang missglückte - Wiederbelebungsversuche; izwischen scheint es ja wieder einigermaßen zu funktionieren.


    Ebenfalls vor etwa 10 Jahren war Jordi Savalls EROICA ein heiliger Gral, den man kaum unter 250 € in Besitz nehmen konnte.


    Ähnliche Phänomene sind aber auch heute wieder zu beobachten; heute liegt es aber wohl eher daran, daß die Produktion physischer Musikträger sich auf ein minimales Kontingent reduziert hat (?). Luisis Bruckner-Neunte beginnt im offiziellen Amazonverkauf bei rund 40 € und endet (derzeit) bei Fremd-/Privatanbietern bei etwa 150 €; auch die (ebenfalls beim Label EXTON produzierten) Brucknersinfonien des Dirigenten Takashi Asahina sind nicht gerade das, was man als normalpreisig bezeichnen würde (40 bis 600 €). Selbst die Downloadpreise sind hier - je nach Sinfonie und Anbieter - auf dem Niveau einer physischen CD mit 18 bis 21 € taxiert; über die Preise der CDs will ich lieber schweigen.

  • Der Preis als Indikator für Qualität...


    Tja, ganz ehrlich: nein. Im Bereich von VHS habe ich früher oft genug erlebt, daß es vor allem die seltenen und begehrten Titel waren, die teuer gehandelt wurden. Und bei den CDs war es prinzipiell auch ähnlich. Das hatte aber nicht unbedingt damit zu tun, daß es besonders teure Produktionen waren oder hochwertige - eine hübsche Verpackung wie Pappschuber, Booklet mit Libretto mochte mehr bringen als eine Jewel-Box. Aber eine limitierte Ausgabe eines uninteressanten Titels ging auch mal günstig weg. Und ich rede grundsätzlich von OoP-Titel!


    Und heute erst recht: nein. Es geht einfach nur um Verfügbarkeit. Ist der Titel erhältlich, geht er irgendwann runter - je nach Label recht schnell und stark oder viel später im moderaten Niveau. Ist er ausverkauft, gibt es im Grunde immer die Wucher-Geier, die gleich mal das Zigfache herauspressen wollen. Bei marketplace sieht man den Zirkus jeden Tag. Ohne Frage: da sind Titel, die praktisch nie runtergehen, häufig deshalb, weil sie in einer kleinen Auflage produziert wurden. Oder eben weil sie so begehrt sind, daß sich kaum jemand davon trennt (und somit wenig in Umlauf kommt).


    Aber nach Qualität - womöglich noch nach musikalischer Qualität! - werden solche Preise nicht beeinflußt, sondern nach Häufigkeit des Titels. Diese Illusion habe ich mir schon lange abgeschminkt. Selbst die Internet-Revolution hat diese Prinzipien nicht aufgehoben, sondern nur verschoben.



    jd :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Naja, ich pflichte Dir schon grundsätzlich bei. Bei den von mir genannten Beispielen handelt es sich jedoch tatsächlich - nach meinem Bemessen - um sehr hochwertige Produktionen. Sicher, das habe ich auch erwähnt, spielt die Verfügbarkeit eine Rolle: die Auflagen sinken heutzutage, da der Download im Auftrieb ist; umso mehr wundert mich aber auch der Preisanstieg bei den Downloads, den ich als unverschämt empfinde.


    Betreffend der Verfügbarkeit hast Du prinzipiell Recht: kaum wurden die ARCANA-Alben nachproduziert, sanken die Preise - allerdings nur für die Standardausgaben; die Originale werden nach wie vor hoch gehandelt, was ja auch (der entsprechenden Verfügbarkeit wegen) verständlich ist. Das sind Sammlerpreise.


    Daß aber Amazon auch gleich mit Neuherausgaben wie bei Luisis Bruckner-Neunter oder -Achter gleich so in die vollen geht...

  • Um beim Beispiel zu bleiben:



    Beide Ausgaben sind bei amazon ausverkauft - es sind nur marketplace-Angebote da, jeweils 5. Lustigerweise liegt der Höchspreis der Hybrid-SACD (links) bei 52,21 €, der der normalen CD (rechts) bei 149,37 €. Warum? Man beachte die konkreten Händler mit Namen - die tauchen immer in den gleichen Preisregionen auf.*


    Das ist ein Titel von Sony Classical, seit bereits sechs bzw. acht Jahren veröffentlicht. Wenn die den Titel nicht neu auflegen, bleiben die Preise oben. Daß diese Produktion - groß vom MDR gesponsort - nicht gerade billig war und technisch sicherlich exzellent produziert wurde, bewahrt sie letztendlich nicht vorm Preisverfall. Gibt es eine CD-Neuauflage, geht der Preis der alten CD-Ausgabe runter - vermutlich irgendwo bei 10-15 € könnte er sich einpendeln. Die SACD-Ausgabe bleibt solange hochpreisig, bis es davon eine Neuauflage gibt - die CD-Ausgabe fällt dann auch.


    Und dann gibt es noch die Schwankungen des Marktes. Die Preise können anziehen oder auch mal nach unten gehen, wenn sich zwei Anbieter jeweils unterbieten. Gewisse Größenordnungen werden nicht unterschritten, weil die Leute, die diese Titel suchen, irgendwann doch zuschlagen.


    die Originale werden nach wie vor hoch gehandelt, was ja auch (der entsprechenden Verfügbarkeit wegen) verständlich ist.

    Vom Seltenheitswert grundsätzlich ja - aber was glaubst du, was ich an seltenen Erstausgaben schon für Centbeträge an Land gezogen habe? Je nach Titel und Zeitpunkt kann das sehr unterschiedlich sein. Vor Kurzem kaufte ich dies:


    z.Z. 1 Angebot: 144,99 € (neu)


    Vor sieben Wochen habe ich 3,99 € (neu) bezahlt. Das Teil ist schon seit Jahren draußen!


    Häufig genug passiert das natürlich nicht - die grundsätzliche Tendenz geht immer nach oben. Bei SACDs sieht es aber noch etwas anders aus, da es da eine spezielle Klientel gibt. Deswegen überrascht mich das mit Asahina auch nicht wirklich. Doch selbst das ist ein Teil der Verfügbarkeit, nur eben auf SACDs gemünzt. Die sind grundsätzlich seltener. Zwar auch hochwertiger produziert, aber auch eben im Verhältnis begehrter.


    Letztendlich gleicht sich das wieder aus, und es bleibt bei Verfügbarkeit.


    Was Downloads betrifft: es gäbe nur rechtliche Gründe, warum sie nicht (mehr) angeboten werden. Aber der Preis schwankt auch, wenn auch aus Gründen, die ich persönlich nicht nachvollziehen kann... *hä*



    *Hihi - der eine Händler heißt "Foolproof Europe" und ist ganz neu. Dem würde ich nie etwas abkaufen... *lol* *birne*



    jd :wink:

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    Verfügbarkeit allein ist m. E. nicht das Zauberwort; wenn beispielsweise nur eine einzige CD des zu Recht unberühmten Dirigenten Ole Lasdasson verfügbar ist, die aber niemanden interessiert, wird der Preis sicher im alleruntersten Segment liegen und bleiben. Ist aber die Aufnahme begehrenswert, d.h. sie beinhaltet wie auch immer geartete Qualitätsmerkmale (besonders audiophil, besonders gutes und überzeugendes Dirigat etc.), dann steigt der Preis bei oder wegen geringer Verfügbarkeit. Das ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage, das ohne eine der beiden Komponenten nicht funktioniert und bei dem der Grund für die Nachfrage (meistens) nicht das geringe Angebot ist, sondern andere individuelle Kriterien hinzukommen, welche die Nachfrage erhöhen.


    Insofern schließe ich indirekt eben doch auf Qualität, wenn die Preise hoch sind. Das ist ja auch nicht unlogisch, oder? Ob natürlich diese besagte Einspielung - nehmen wir den vieldiskutierten Luisi (s.o.). - in Relation zu anderen Einspielungen desselben Werkes qualitativ besonders heraussticht, vermag der Preis natürlich nicht preiszugeben. Aber: daß die teure Aufnahme etwas Besonderes sein muß, wohl schon.


    ;)

    • Offizieller Beitrag

    Aber der Preis schwankt auch, wenn auch aus Gründen, die ich persönlich nicht nachvollziehen kann...


    Das kann m. E. nur an der Preisdiktion des Herstellers liegen; bei EXTON ist es auffällig, daß entsprechende Downloads sowohl bei Amazon als auf bei artistXite entsprechend teurer als normal sind:


    B4: (AZ) n. verf. - (AX) 10,49 €
    B5: (AZ) 19,98 € - (AX) 20,49 €
    B7: (AZ) 9,99 € - (AX) 10,49 €
    B8: (AZ) 18,99 € - (AX) 20,49 €
    B9: (AZ) n. verf. - (AX) 10,49 €

  • Verfügbarkeit allein ist m. E. nicht das Zauberwort


    Ich hätte vielleicht dazuschreiben sollen, daß ich in Verfügbarkeit das Spiel zwischen Angebot und Nachfrage einschließe. Hatte ich vergessen.


    Diese Regelung ist die Basis von allem. Und natürlich muß es Leute geben, die etwas haben wollen, um es zu kaufen.


    Ich habe mal geschaut, was amazon bei Bruckner 9 an SACDs ausspuckt. Tatsächlich kann man sagen, daß Luisi begehrt ist, wenn man sich vor Augen hält, was für andere SACDs für diese Symphonie bezahlt werden muß.


    Doch ich wiederhole nochmal: wir reden hier über eine SACD - da sieht der Markt einfach anders aus. Bei normalen CDs würde ich nicht immer darauf tippen, zumal manche Händler Preise verlangen, die man bei eBay-Auktionen ab 1,- € so nie erreichen könnte.



    jd :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Tatsächlich kann man sagen, daß Luisi begehrt ist, wenn man sich vor Augen hält, was für andere SACDs für diese Symphonie bezahlt werden muß.


    Eben. Nichts anderes meinte ich: wenn etwas begehrt ist, muß es gut sein (zumindest auf unserem Niveau und in unseren Planetenbahnen).

  • Darum ging es mir nicht. Ich will nur sagen, daß etwas sehr Begehrtes nicht immer als Gipfelpunkt gilt.


    Das Problem ist aber, daß wir die ganze Zeit nur über Luisis Bruckner 9 reden. Doch es gibt so viel mehr an Titeln, bei denen diese Konnotation deinerseits eben nicht gilt. Dabei meine ich nicht den Fall, daß schlechte CD-Aufnahmen in billigen Pressungen nicht begehrt sind, sondern daß hochwertige Aufnahmen (künstlerisch wie auch technisch) trotzdem wenig Nachfrage haben.


    Bruckner ist ohnehin ein Selbstläufer, und seine 9. eine der gern Gehörtesten. Dann kommt noch das Format SACD dazu. Wäre die SACD stattdessen eine CD mit Atterbergs 9., da würde es sicherlich nicht zu solch einer Preissteigerung kommen.



    jd :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Darum ging es mir nicht. Ich will nur sagen, daß etwas sehr Begehrtes nicht immer als Gipfelpunkt gilt.


    Deswegen schrieb ich ja:


    Zitat von mir

    (zumindest auf unserem Niveau und in unseren Planetenbahnen)


    Das Problem ist aber, daß wir die ganze Zeit nur über Luisis Bruckner 9 reden. Doch es gibt so viel mehr an Titeln,


    wovon ich einige im Eingangsposting nannte.


    Zitat von JD

    Wäre die SACD stattdessen eine CD mit Atterbergs 9., da würde es sicherlich nicht zu solch einer Preissteigerung kommen.


    Glaube ich nicht; es gibt immer Freaks.

    • Offizieller Beitrag

    Auch sowas:



    Schlappe 280 Münzen ... dagegen ist folgende ein Schnäppchen:



    Geht aber auch deLuxe:



    Man kann aber auch für einzelne Sinfonien bis zu 300 Flocken auf den Tresen werfen ... den Vogel schießt die hier ab:



    Möglicher Weise sind es Eingabefehler bei der Währung, aber es fordert mich extrem heraus, einige davon (3, 5, (7), 8 und 9) für < 10 € (gern als Download) zu erhaschen.

  • Glaube ich nicht; es gibt immer Freaks.


    In dem Fall aber zuwenige.


    Was die anderen Beispiele betrifft: solche Unikate wie die Haydn-Sachen und Savalls Eroica sind immer begehrt. Aber wer sagt, daß die angegebenen Preise wirklich gezahlt wurden? Seien wir mal ehrlich: wer mehr als 50,- € pro CD zahlen soll, ist schnell ernüchtert. Und mehr als 100,- € bezahlen nur noch Bekloppte - und die sind irre selten... *flirt*



    jd :wink:

  • Was Asahina betrifft: solche Preise zahlt kein Mensch. Setze sie auf deine Liste und beobachte sie über Jahre (!) hinweg - die bleiben praktisch unverändert da. Mit dem Preis - mit dem Händler.


    "Vertrau mir - ich weiß, was ich tue."
    Sledge Hammer



    jd *flirt*

    • Offizieller Beitrag

    Ich habe vor einigen Jahren die CD mit Kraus' schwedischem Requiem in Stockholm für (umgerechnet) 10 € erworben und etwas später für 80 € verkauft. Für das Geld bin ich wieder für ein verlängertes Wochenende nach Stockholm geflogen und habe sie nochmal gekauft ...


    :D


    Inzwischen ist die CD auch hierzulande regulär erhältlich.

  • 80 € - nicht 622,- €. Das ist noch immer der Unterschied zwischen Freak und Bekloppter... :P


    Ich habe dieses Jahr eine DVD für 50,- € verkauft, obwohl sie bei marketplace für 25,- € angeboten war. Geht alles. Aber wie häufig?



    jd *flirt*