• Zeitreisen beschäftigen schon seit Jahrhunderten die Gemüter der Menschheit. Lasst uns doch ein wenig phantasieren...


    Stellt euch vor, ihr habt eine Zeitmaschine, mit der ihr drei Zeitreisen eurer Wahl in die Vergangenheit machen könnt, um Orte, Ereignisse oder Personen live erleben zu können, ohne jedoch die Geschichte zu verändern... - nur so als Beobachter, Besucher, Gast....


    Wo gingen wohl eure Reisen hin?




    :wink: LT

  • Und im Ernst: Von allen Daten käme natürlich nur der 7. Mai 1824 zu Wien Frage - der taube Beethoven dirigiert die Neunte und Teile der Missa ... mehr Musikgeschichte geht nicht ...

    Wir sollten Karoline Stöhr aus Thomas Manns "Zauberberg" zur Schutzpatronin unseres Forums machen; auch sie liebt die "Erotika" ...

  • mehr Musikgeschichte geht nicht ...


    Dochdoch, die Uraufführung des Don Giovanni in Prag, der Zauberflöte in Wien, bei der der Maestro selbst das Glöckchenspiel haute und den auf der Bühne verzweifelnden Schikaneder verarschte, der - an das Fakeglockenspiel gerichtet - nur noch „Halt's Maul!" brüllte ... Der Eroica im Lobkowitzschen Palais... des Messiah und der ein oder anderen Händeloper ... Aber dazu müsste man die Werke vorher nicht gehört haben. Die vorgegebene teuflische Zahl drei ist da leicht zu sprengen ...


    Andererseits würde ich gern die ein oder andere Anekdote überprüfen, z.B. die Nacht vor der Uraufführung des Don Giovanni, in der Mozart schnell die Ouvertüre hinkritzelt. Oder den ausrastenden Beethoven in einem Konzert ... „Für solche Schweine spiele ich nicht!“. Händel, wie er lebendige Sänger aus dem Fenster befördert oder ... schauen, wo Mozart begraben wurde.


    Als ob das alles so wichtig wäre.


    *shame*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


  • Blick auf Weimar - Quelle: TLZ.de


    Dieser Zeitraum für meine erste Zeitreise scheint mir besonders günstig:


    Im September 1794 wurde Schiller von Goethe nach Weimar eingeladen und verbrachte zwei Wochen in dessen Haus. Weiterhin ergeben sich vielleicht Möglichkeiten, Wieland, Herder, Herzogin Anna Amalia, Herzog Karl August dort anzutreffen.


    Der 7- bzw. 8-jährige kleine Carl Maria Maria von Weber war zu dieser Zeit auch in Weimar. Ich würde gern beobachten, wie das Genie damals so drauf war, wie er sich fühlte und wie er so lebte...



    :wink: LT

  • Zitat

    Die erste deutschsprachige Oper erlebt ihre Uraufführung in Schloss Hartenfels bei Torgau: "Dafne" von Heinrich Schütz.

    Und anschließend klaute ich die Partitur, um sie zu bewahren ...

    Wir sollten Karoline Stöhr aus Thomas Manns "Zauberberg" zur Schutzpatronin unseres Forums machen; auch sie liebt die "Erotika" ...

  • Und anschließend klaute ich die Partitur, um sie zu bewahren ...


    Ne ne, da irrst du die habe ich vorletztes Jahr unweit des Schlosses gefunden und mitgenommen ! :D


    Ein wunderschönes Schloss, ich war völlig begeistert!


    Dieses unscheinbare Schild am Schloss Hartenfels, Schlossteil (Flügel) D, wo man lesen kann „Aufführung der ersten deutschsprachigen Oper Daphne“.


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • Es ist einfach so schade, dass man nicht weiß, wie die geklungen hat. Wie Monteverdi, wie ein Oratorium, wie sonstwer? Rück also sofort die Partitur raus! :wink:

    Wir sollten Karoline Stöhr aus Thomas Manns "Zauberberg" zur Schutzpatronin unseres Forums machen; auch sie liebt die "Erotika" ...

  • Hallo Yorick, ich mach ja eh vor dir den Abflug dann vererbe ich sie dir, und Schütz sage ich Bescheid, dass ich sie gefunden habe, der wusste ja nicht mehr, wohin er die Partitur verlegt hatte. *sante*


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • Hallo Yorick, ich mach ja eh vor dir den Abflug

    Ach. lieber Freund; wer weiß das heute schon. 8-)


    dann vererbe ich sie dir

    Dann muss aber Ulli die Erbschaftssachen regeln, sonst zahlt man sich doch dumm und dämlich; die Partitur ist sicher vergleichbar mit der JS Bachs Oratorium über die Offenbarung des Johannes: Neuerwerbungen (2016) - Bücher

    und Schütz sage ich Bescheid, dass ich sie gefunden habe, der wusste ja nicht mehr, wohin er die Partitur verlegt hatte. *sante* 

    War der Mann so schlampig, passt nicht zu ihm ... :wink:

    Wir sollten Karoline Stöhr aus Thomas Manns "Zauberberg" zur Schutzpatronin unseres Forums machen; auch sie liebt die "Erotika" ...

  • Das Problem bei solchen Zeitreisen, 99% der Zeitreisenden würden auffallen wie ein bunter Hund und sofort weggesperrt werden. Das andere Problem, die meisten Aufführungen fanden für einen elitären Adelskreis statt – d.h. Zugang verwehrt….und wenn man sich nicht standesgemäß kleiden und benehmen kann, dürfte das ziemlich schnell in einer Katastrophe enden.
    Ich hab ja die Kopie dieses Threads im T.Forum gesehen und wie selbstverständlich einige dort meinen, mit passender Kleidung könne man sich einfach unter die Gesellschaft mischen und bekäme Logen- und Sitzplätze *lol**lol**lol* 
    Nun, ich mache seit ca. 10 Jahren Reenactment / Living History: spätes Rokoko, höfische Darstellung und ich kann verraten, dass schon da jede fremde Person auf dem Platz (und erst Recht bei Hofe) auffällt und viele, selbst nach jahrelanger Aktivität in der Szene, noch immer nicht die Grundlagen von Umgangsformen und Etikette beherrschen und mit bestimmten höfischen Konventionen überfordert sind. Wie soll das erst jemand auf die Kette kriegen, der gar nicht in der Materie drin ist und dann auch noch, wenn es wirklich ernst ist?
    Dann braucht man auch Geld, um sich Theaterkarten für die öffentlichen Theater zu beschaffen – und in der Regel gibt es dann maximal einen Stehplatz. Ja, für Karl Arsch aus der Zukunft gibt es sicherlich keine Loge LOL – denn die waren meist vermietet und ‚gehörten‘ bestimmten Familien. Und als Sonderling – denn man wird allein schon durch den Körperbau auffallen - wird man auch sicher gleich mit Müll beworfen und verspottet. Rücksichtnahme ist nicht, im 18. Jahrhundert gingen die Leute in die Anstalten für Geisteskranke und Behinderte nicht um Anteilnahme auszuüben und zu helfen, sondern um sich zu amüsieren: Freakshow.


    Es gibt so viele Aspekte, die dagegen sprechen, sich auf so eine Zeitreise einzulassen – zumal es eben auch bei musikalischen Aufführungen keine Rücksicht gab, es wurde stets gequatscht, gelacht, gelärmt und einen wirklichen Genuss hatte man vielleicht nur als Fürst, wenn die Musiker exklusiv in den eigenen Räumen spielten.
    Ne, ich verzichte, mir reichen „meine Zeitreisen“ als Landgraf von Hessen und als Kardinal – das stresst schon genug. Da bin ich mit meinem Musikarchiv, jederzeit verfügbar, doch deutlich besser dran und ich kann sitzend oder liegend in meinen Rokokoräumlichkeiten ohne jedwede Störung genießen. Und das Beste, ich hab ne moderne Toilette und Internet für den Lieferservice. Viel Spaß mit dem öffentlichen Abtritt in einem Theater des 17. Oder 18. Jahrhunderts… dürfte jedes Bahnhofsklo in den Schatten stellen, sicher malerisch…..
    Ich hab es da deutlich exklusiver als im 18. Jahrhundert, da treffen wir uns lieber im kleinen Kreis, in historischer Kleidung in unseren Räumlichkeiten und genießen bei exzellentem Essen von historischem Porzellan eine Oper oder KOnzerte aus dem "Nebenraum". Dazu noch exklusive Flüssigkeiten - die Getränkeliste vom letzten Mal:


    Champagna Ruinart Rose
     
    Chassagne Montrachet 1er blanc Grande Montagne 2009 Fontaine-Gagnard
     
    Corton Charlemagne Grand Cru blanc 2003
     
    Jurancon moelleux Folie de Janvier 1999 Domaine Cauhape
     
    Batard Montrachet Grand Cru 2006 blanc Fontaine-Gagnard
     
    Grands Echezeaux Grand Cru 1999 rouge Gros F+S
     
    Vosne Romanee 1er Les Gaudichots rouge Dom.Forey / La Tache ( ist Gaudichots ou La Tache)
     
    Richebourg Grand Cru rouge 2001 Dom. Anne Gros
     
    Armagnac Dom de Jouanda 1912





    Aber ich will das Spiel ja nicht kaputtmachen ^^


    :wink:

  • Komisch, daß dieser Aspekt so wichtig sein soll - Zeitreisen sind physikalisch nicht in dieser Form realisierbar, und somit ist das Thema Zeitreise immer nur ein Gedankenspiel. Daß die Etikette in solchen Fällen deutlich zeigt, daß man als Fremder auffällt, ist eine Binsenweisheit und gilt für alle Epochen. Daher ist es eh egal, wie man sich in solchen Fällen benimmt, denn sie können nicht real werden.


    Alles Science Fiction.

  • Schöne Frage. Ich denke, abgesehen davon, dass ich für meine Altersvorsorge gerne der Babushka Lady ihren Fotoapparat abkaufen würde, gehe ich dort hin:

    • 7. Mai 1747: da wäre ich schon vor Bach in Sanssouci und gehe als letzter *sante* 
    • grob um 1600: Gesualdo beim Abholzen zuschauen und überhaupt mal Dichtung und Wahrheit vor Ort klären :wacko: 
    • Frühjahr 1827: Schubert trägt seinen Freunden bei Schober erstmals seine "Winterreise" vor, da höre ich zu :-| 

    Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.
    Johann Georg August Galletti (1750-1828)