Meine liebsten Klavierwerke solo: Bestandsaufnahmen, Problematisierung, Alternativen

  • Wenn mich einer nach meinen liebsten Werken für das Klavier alleine fragte – natürlich tut das nie einer, warum auch – würde ich mich mit einer Antwort schwertun und auch ein wenig schämen. Ich täte mich schwer, weil mir vieles wichtig ist, was eigentlich gar nicht für das moderne Klavier komponiert wurde; und ich schämte mich, weil mein Geschmack so arg mainstreamig und wenig individuell ist.


    So müsste ich am Anfang natürlich den unvergleichlichen Johann Sebastian Bach heranziehen, von dem ich zuallererst die Goldbergvariationen zu nennen hätte, aber natürlich auch das Das Wohltemperierte Klavier, Die Kunst der Fuge; aber auch die diversen Partiten und Suiten. Sie alle lernte ich richtig erst über Glenn Gould kennen und so geriet das eigentlich passende historische Geflügel erst (zu) spät in mein Hörfeld.


    Haydns Sonaten kenne ich viel zu wenig, als dass ich hier Lieblingsstücke nennen könnte; ich halte das für einen Missstand, der dringend zu beheben wäre; aber ich komme ja schon nicht mit den Sinfonien und den Streichquartetten durch. Hier täte ein kundiger Führer Not, der den Weg zu einem halben Dutzend zunächst von den über 50 wiese.


    Mozarts Sonaten kenne ich recht gut, zuletzt durch Uchida; ich finde sie beinahe alle toll, könnte aber nicht sagen, dass eine davon zu meinen Lieblingen überhaupt zählte. Das spricht meines Erachtens schon wieder dafür, dass ich sie doch nicht wirklich erfasst habe in ihrem Wesen, denn Mozart braucht immer mehr Arbeit, als man eigentlich denkt aufzuwenden zu müssen.


    Bei Beethoven sind es natürlich die berühmten Beinamen-Sonaten und dann wie billig die letzten sechs und ganz besonders die letzten drei plus Hammerklavier; die Variationszyklen höre ich zu selten. Auch Schubert ist bei mir traditionell mit den drei letzten Sonaten hauptvertreten, dazu D 840), D 845), D 850), D 894; die Wanderer-Fantasie darf nicht fehlen, von den Impromptus und Moments musicaux ganz zu schweigen.


    Bei Schumann fast alle kleineren Zyklen, Papillons, Carnaval, Fantasiestücke op. 12, Kinderszenen, Nachtstücke, Waldszenen, die erste Sonate op.11. Chopin mit seiner berühmten Sonate, mit den Nocturnes, Etüden, Preludes, Balladen. Liszt im Grunde und schon pathologisch nur mit der h-Moll, Brahms neben seinen Sonaten vor allem mit seinen späten Klavierstücken und Intermezzi.


    Auch die moderneren Klavierkompositeure sind bei mir mit den sattsam bekannten Werken am Start: Prokofjews Visions Fugitives, Rachmaninow mit seinen Preludes, Skrjabin auch mit solchen und seinen Sonaten. Ansonsten entwickle ich seit einiger Zeit auch eine Schwäche für Schönberg, Berg, Krenek, Hindemith; Satie mag außerhalb von allem stehen.


    Alles in allem kann ich also weder auf entlegenere Komponisten wie Johann-Friedrich Edelmann verweisen noch auf unbekannteres Repertoire sehr bekannter.

  • Bei mir seit einigen Jahren ganz klar: Liszts Totentanz S525. Den wollte ich immer mal spielen können; im nächsten Leben vielleicht dann.


    Ansonsten:


    • Liszt: Reminiscenses de Don Juan; sämtliche Beethovensinfonien; h-moll-Sonate
    • Beethoven: Waldstein- und Hammerclaviersonate, Les Adieux, von den Bagatellen besonders op. 126 Nr. 2 g-moll und op. 126 Nr. 4 h-moll
    • Mozart: Adagio a-moll KV 511, Kleine Gigue G-Dur KV 574
    • Schubert: D894, Impromptu f-moll D935 Nr. 4, 3 Clavierstücke (Impromptus) D946, Allegretto D346, Sonatensatz fis-moll D571, Valses sentimentales op. 50 D779, ungarische Melodie D817 ...
    • Haydn: SLW op. 49 Hob. XX:1C
    • Schumann: Kanonische Studien für Pedalflügel op. 56, Abegg-Variationen op. 1
    • Szopen: Prélude d-moll op. 28 nr. 24
    • Dobrzynski: Nocturne g-moll op. 21 Nr. 1
    • Alkan: Esquisses op. 63 (Nr. 4 Les cloches)
    • CPE Bach: L'Aly Rupalich Wq 117/27 (H95)
    • Edelmann: Sonate Fis-Dur op. 6 Nr. 1


    u.v.a.


    Ein paar Einspielungsempfehlungen habe ich an dieser Stelle gelistet.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est.

  • Bei mir hat es eigentlich die letzten Jahre nur eine wirkliche Neuentdeckung gegeben und das ist das Klavierwerk Max Regers: Klavierwerke: Allgemeiner Thread und Klavierwerke: Gesamt- und Teileinspielungen


    Reger ähnelt aber natürlich sehr meinen anderen Göttern der Klaviermusik; ich werde daher weiter in der (Vor)Klassik und Moderne grasen.