Musik für Tasteninstrumente in der Renaissance

  • Schon eine kleine Weile schwebt mir dieses Thema im Kopf herum, ohne daß ich eine nähere Struktur zugrunde legen könnte. Mich reizen halt die Anfänge bestimmter Entwicklungen, die später zu eigenen Gattungen bzw. Kunstformen führen. Also kurz umrissen:


    Die Notation von Musik wurde schon im Altertum versucht, speziell aus Griechenland sind einige Hymnen mit notierter Musik (wenn auch rudimentär oder nicht entzifferbar) bekannt. Grundsätzlich geht dieser Notation immer eine umfassende mündliche Tradition voraus, die im Mittelalter am Deutlichsten innerhalb der geistlichen Musik (Stichwort: Gregorianische Choral) erkennbar ist. Spätestens als man begann, komplexe mehrstimmige Sätze zu ersinnen, war man auf die Notation angewiesen, um die Details fixieren zu können, da sie werkabhängig wurden und nicht mehr Teil einer allgemeinen Praxis war. Dem folgten auch Veränderungen in der mündlichen Tradition, die irgendwann begann, die Werke abzulesen anstatt auswendig zu lernen. Zumal der Umfang des Repertoires nicht kleiner wurde.


    In Hinsicht der Instrumente sah das aber zunächst noch anders aus. Bei Gesängen waren Instrumente eher als Begleitung gedacht (jedenfalls kommt einem dieser Gedanke anhand der Quellen sehr schnell ins Bewußtsein), doch über rein instrumentale Musik sind Notationen erst spät vorhanden: im 14. Jahrhundert tauchen erste Manuskripte mit notierter Instrumentalmusik auf. Es waren häufig Übertragungen von Liedsätzen für die Orgel oder auch ausgefeilte Tanzsätze für andere Instrumente, die eher bei Festen zum Einsatz kamen. Doch innerhalb dieses unnotierten, improvisierten Rahmens entwickelte sich zunehmend eine eigenständige Gattung, die sich mehr und mehr von der gesanglichen Ausprägung löste und ein eigenes Bewußtsein für instrumentale Diktionen förderte.


    In der Zeit der Renaissance entstanden die ersten Kompositionen, die spezifisch für Instrumente gedacht waren. In erster Linie wurden sie für Tasteninstrumente geschrieben, ausgeführt von Musikern, die zumeist im Dienst einer Kirche oder eines Hofs standen. Es ist auch kein Zufall, daß die Orgel stark bevorzugt wurde, war sie doch damals bereits in jeder kirchlichen Institution von Rang vorhanden und wurde auch gespielt. So ist die Entwicklung der Instrumentalmusik ohne den Einsatz von Kirchenmusikern nicht denkbar.


    Um 1600 hatte Jan Pieterszoon Sweelinck seine Orgenistenstelle in Amsterdam über zwanzig Jahre inne, und Girolamo Frescobaldi war im Begriff, seine ersten Werke für die Orgel zu komponieren. Doch hatte sich davor bereits Einiges getan: ein Pierre Attaingnant hatte Drucke mit Lauten- und Orgeltabulaturen veröffentlicht, und ein Jacques Buus hatte die Grundlagen für das Ricercar niedergeschrieben. Speziell im 16. Jahrhundert hatte sich durch den Buchdruck die Entwicklung beschleunigt und zeigte deutlich, daß die Instrumentalmusik ihre ersten spezifischen Eigenschaften entwickelte.


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    In diesem Thread möchte ich einige Einspielungen mit jener Musik vorstellen. Mir ist konkret aufgefallen, daß generell so gut wie nie über diese Frühzeit gepostet wird, obwohl sie doch so entscheidend in der Entwicklung der Instrumentalmusik war. Ein Frescobaldi z.B. hat nicht aus Nichts geschöpft, sondern stand bereits in einer langen Tradition von Orgelmusikern; die Orgel hatte damals bereits ihre Trennung in einzelne Register (von Blocklade zu Schleiflade) hinter sich, es hatten sich landestypische Merkmale im Orgelbau entwickelt. Die Liturgie erklang praktisch nicht mehr ohne Instrumentalbegleitung, selbst in entlegenden Klöstern nicht. Da war eine Tradition, die in höchster Blüte stand - und sie blieb nicht stehen.


    Diskussionen und nähere Betrachtungen sind natürlich mehr als willkommen; auch ist das Ganze nicht auf die Orgel allein beschränkt - der englische Begriff "Keyboard" trifft den Kern wesentlich besser als das deutsche "Tasteninstrument".



    jd :wink:

  • Dann mache ich mal den Anfang:




    Eine sehr schöne CD, die schon fast Mainstream-Repertoire enthält: Virginal-Musik aus der goldenen Epoche der englischen Musik, dem 16. Jahrhundert. Colin Tilney spielt diese Musik mit viel Sinn für Timing und Agogik. In der Breite der eingespielten Komponisten sicher ein idealer Einstieg in diese Musik.


    Ebenfalls eine sehr interessante CD mit Musik der englischen Vorginalisten hat Gustav Leonhardt eingespielt:




    Was Artikulationsvielfalt und Reichtum betrifft, ist Leonhardt immer noch der Meister seines Instrumentes. Hier springt aber auch der Funke der Begeisterung über.

  • Guten Abend


    da habe ich doch mehr als gedacht, z.B.:



    " Von edler Art - Deutsche Musik des 15.Jahrhunderts "


    Neben Zupfinstrumenten hört man ein Claviciterium mit Musik aus dem Buxheimer Orgelbuch, dem Lochamer Liederbuch und weiteren Manuskripten des 15.Jahrhunderts.


    Und speziell aus dem " Buxheimer Orgelbuch ":



    spielt Joseph Kelemen an der Orgel St. Andreas Soest-Ostgönnen & Ebert-Orgel Hofkirche Innsbruck.



    Glen Wilson hat aus der 1517 erschienene Sammlung »Animoso mio desire« eines anonymen Komponisten Cembalostücke der frühen Renaissancemusik für Tasteninstrumente hier



    eíngespielt.



    Auf dieser



    spielte er Cembalowerke aus dem Tabulaturbuch von 1571 des Elias Nikolaus Ammerbach ein.




    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

    «Es ist wurscht, ob das jemand versteht, aber es muss gesagt werden» (Samuel Beckett)

  • Der Gattungsbegriff Ricercar ist bereits gefallen, hier kommt die passende CD mit Ricercare des 17. Jh. u. a. aus der Feder von Jakobus Buus, Annibale Padovano oder Andrea Gabrieli.



    Liuwe Tamminga spielt auf der historischen Orgel von S. Petronio in Bologna. Neben der guten Darstellung der Polyphonie in diesen Ricercare, der Durchhörbarkeit des Stimmverlaufes, gefällt mir vor allem die Ruhe des Interpreten sehr gut.

  • Guten Tag




    Virginal-Musik aus der goldenen Epoche der englischen Musik, dem 16. Jahrhundert.


    Dazu habe ich auch eine feine und abwechslungsreiche Einspielung durch den Cembalisten Pieter-Jan Belder des Fitzwilliam Virginal Book, mit rund 300 Stücken die umfangreichste Sammlung englischer Cembalo-Musik aus der Zeit der Stilwende von später Renaissance zum Frühbarock:





    Belder benutzt hierzu eine Reihe verschiedener Cembali, Orgeln und Virignals.




    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

    «Es ist wurscht, ob das jemand versteht, aber es muss gesagt werden» (Samuel Beckett)

  • Oh, das ist ja schon gut angelaufen... *hüpf*


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    Ich möchte diese CD vorstellen:



    The Renaissance Keyboard
    (P) 2015 Brilliant Classics 95007 [76:17]
    rec. 25.-27. August 2014 (Chiesa di San Giuseppe, Montevecchio di Pergola, Italien)


    Auf dieser CD sind zwei komplette Drucke enthalten, die zu den ältesten Veröffentlichungen dieser Art stammen:


    • Andrea Antico: Frottole Intabulate da Sonare Organi (Rom 1517)
    • Marco Antonio Cavazzoni: Recerchari Motetti Canzoni (Venedig 1523)


    Andrea Antico (ca. 1480 - nach 1538) war vielfältig unterwegs: als Musiker, Komponist und als Verleger. Er bekam 1516 vom Kirchenstaat das Recht zugesprochen, geistliche Musik zu drucken; dazu kam das alleinige Privileg für Drucke von Orgeltabulaturen. 1517 erschien in Rom das obige Werk, welches 26 Stücke enthielt, die man an der Orgel, am Cembalo oder am Clavichord spielen konnte. Es sind Intabulationen von Frottole, also vierstimmig gesetzten italienischen Liedern, die damals seit knapp einen Jahrhundert an den Höfen Italiens beliebt waren. Antico wählte sie sorgfältig aus und übertrug sie auf ein einmanualiges Tasteninstrument. Von den vier Stimmen der Frottola (Superius - Altus - Tenor - Bassus) nahm er sich Superius und Bassus als Basis und modifizierte die Stimmenverläufe je nach Kontext und Gusto.


    Hier die Stücke:

    • Amor quando fioriva mia speme
    • Per mio ben te vederei
    • Chi non crede
    • Frena donna i toi bei lumi
    • Virgine bella che del sol vestita
    • Gentil donna
    • Che debb'io fare
    • Si è debile el filo
    • Ochi miei lassi
    • Odi cielo el mio lamento
    • Animoso mio desire
    • Stavasi amor
    • Fiamma amorosa
    • Non resta in questa
    • O che aiuto o che conforto
    • Per dolor mi bagno el viso
    • Non più morte al mio morire
    • Dolce ire dolce sdegni
    • La non esser
    • Son io quel che era quel di
    • Che farala che dirala
    • O che dirala mo
    • Crudel fugge se sai
    • Me lasserà tu mo
    • Hor che'l ciel e la terra
    • Cantai mentre nel core


    Marco Antonio Cavazzoni (ca. 1480 - 1559) war als Organist an verschiedenen Kirchen tätig (u.a. die Chiesa di Santo Stefano in Venedig) und veröffentlichte 1523 den obigen Druck. Er enthält acht Stücke, die für ein einmanualiges Instrument bestimmt waren:

    • Recercare primo
    • Motette: Salve virgo
    • Recercare secondo
    • Motette: O stella maris
    • Canzone: Perdone moi sie folie
    • Canzone: Madame vous aves mon cuor
    • Canzone: Plus ne regres
    • Canzone: L'autre yor per un matin

    Die Canzoni haben keine bekannten Vokalvorlagen, so daß man vermutet, daß es Übertragungen seiner eigenen Kompositionen sind; die Motetten sind sicherlich mehrstimmige Instrumentalsätze der Choralvorlagen, die Cavazzoni selbst erstellt hat; die zwei Recerchari sind die frühesten Beispiele der vom Vokalmodell unabhängigen Instrumentalkomposition, die jemals in Italien veröffentlicht wurde. Es ist gut möglich, daß es Notierungen von Improvisationen sind, die Cavazzoni im Laufe der Jahre für sich erarbeitet hatte und nun in einer definitiven Form vorlegte. - Es ist die einzige Veröffentlichung Cavazzonis geblieben und existiert nur noch in Form eines einzigen Exemplars in der British Library [Signatur: K.8 B.8].


    Es gibt aber noch ein weiteres erhaltenes Stück von ihm: das Recercada de maca in bologna, enthalten im Archiv des Castell’Arquato in Emilia-Romagna [Signatur: ms. Musicale n. 2, cc. 5v-6v].


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    Gespielt werden die Stücke allesamt von Fabio Antonio Falcone. Er verwendet drei verschiedene Instrumente:


    Orgel:
    anonym (um 1650), in der Chiesa di San Giuseppe - einmanualig (45 Tasten - C1 bis C5, verkürzte Oktave), Pedal a leggio (9 Töne), 8 Register, 3 Orgelwerke; Stimmung: a' = 440 Hz, mitteltönig.
    Cavazzoni: alle 9 Stücke


    Cembalo:
    Roberto Livi (Pesaro 2001) - nach Alessandro Trasuntino (Venedig 1531)
    Antico: 15 Stücke (Nr. 1, 2, 5, 6, 7, 8, 9, 11, 12, 13, 16, 19, 20, 21 & 25)


    Polygonales Virginal:
    Roberto Livi (Pesaro 1999) - nach Domenico da Pesaro (Venedig, um 1550)
    Antico: 11 Stücke (Nr. 3, 4, 10, 14, 15, 17, 18, 22, 23, 24 & 26)


    Falcone verwendet mit der Orgel von San Giuseppe ein wunderbares Instrument für diese Musik: die Stücke kommen sehr direkt rüber und wirken durch die geringe Registrierungsbreite wesentlich klarer. Das Cembalo wirkt trotz starkem Diskant sehr fein, dennoch robust in seinem Klangkörper. Das Virginal ist noch etwas zarter und baßärmer.


    Hier zeigt sich eigentlich schon das, was ich im ersten Posting gemeint habe: wie ein Weg durch den Dschungel der Vokalmusik zugunsten einer eigenständigen instrumentalen Sprache gesucht wird, wie sich je nach Gattung der damalige Stand der Dinge zeigt. Dabei ist schon in Anticos Werken zu bemerken, daß die Stücke nicht mehr wirklich singbar sind, sondern durch die Intabulierung einen Teil des ursprünglichen Kantablen verloren haben. Allerdings klebt der Kontrapunkt noch eng an der Singstimme. Bei Cavazzonis Motetten und Canzonen ist das ganz ähnlich, wenn auch nicht so stark ausgeprägt und eleganter gelöst. Die drei Recercar zeigen dann jedoch jene Behandlung der Stimmen, die frei ist von jeder vokal ausgerichteten Struktur.


    Was war die Praxis der damaligen Zeit? Gut möglich, daß solche Persönlichkeiten wie Cavazzoni die improvisierte Kunst in eine zielgerichtete Richtung brachten, indem sie eine Struktur definierten und sie dann variierten; genausogut kann es sein, daß er nur derjenige war, der sich die Mühe machte, eine Tradition niederzuschreiben, die immer noch als Improvisation gesehn wurde. Wir wissen ja nicht, wie der Alltag der Organisten aussah, was genau sie wie und wann im Gottesdienst spielten. Die Orgel hatte sich zunehmend ihren Platz in der Liturgie erobert und schritt mit der Invasion weiter voran. Es war Bedarf für Repertoire und Organisten da. Einerseits sahen sie vielleicht eine Chance, mit der Orgelet was Eigenes auszudrücken, andererseits notierten sie wohl das, was ohnehin in der Liturgie schon seit Längerem gespielt wurde.


    Nunja, zugegeben: eine Spekulation, die bar jeder Beweise ist - doch andererseits eine reelle Vermutung. Immerhin können wir uns daran erfreuen, was man damals vor 500 Jahren ersann und druckte. Es ist die Basis dessen, was sich später so reichhaltig aufsplitterte.



    jd :wink:

  • Guten Abend


    Musik der Renaissance für Orgel und Perkussionsinstrumente aus Italien von Anonymus, Cavazzoni, Guami, Picchi, Valente, Malvezzi und Trabaci ist auf dieser




    CD mit Luca Scandali an der Onofrio Zeffirini da Cortona-Orgel Pieve di Santo Stefano in Lucca ( Italien ) und Mauro Occhionero ( Perkussionsinstrumente ) aufgenommen.




    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

    «Es ist wurscht, ob das jemand versteht, aber es muss gesagt werden» (Samuel Beckett)

  • Ich verweise noch auf diese CD, die bei Sweelinck verortet ist:



    (P) 2009 Chandos / Chaconne CHAN 0758 [63:42]
    rec. 20.-21. Oktober 2006 (Glynde Church, East Sussex)


    Robert Woolley
    [Claviorganum (Cembalo): Malcolm Rose (2004) - nach Lodewijk Theewes (London 1579)]
    *[Muselar (Virginal): Adlam Burnett (Finchcocks/GB 1979) - nach Ioannes Ruckers (1611)]


    Das Besondere sind die Instrumente: Nachbauten zweier Originale, die noch vom Klangideal der Spätrenaissance beeinflußt sind. Es gibt ohnehin nicht sehr viele erhaltene Originale aus dem 16. Jahrhundert, und hier liegt mit dem Claviorganum, welches Anthony Roper (1544-1597), Anwalt und Enkel Sir Thomas Mores (ca. 1478-1535), einst gehörte, ein besonders eigenwilliges vor. Es ist gleichzeitig Cembalo und Orgel in der Größe einer Truhenorgel, gespielt mit dem gleichen Manual (der Nachbau beschränkt sich nur auf den Cembaloteil). - Das andere Original ist entstanden, als der Erbauer Ruckers endlich seine Zunftzulassung erhielt (zu dem Zeitpunkt arbeitete er schon seit 1598 alleinverantwortlich). Durch das Anreißen der Saiten in der Mitte klingt ein Muselar sehr dunkel und weich. Es ist ein Tischinstrument und eignet sich nur für Kammermusik.


    Sweelincks Musik läßt sich sehr gut darauf ausführen. Es zeigt sich auch die fortschreitende Entwicklung, denn die Stücke sind sozusagen Ausarbeitungen verschiedener Techniken wie Variation oder Imitierung, die von einer improvisatorischen Spielpraxis abstammen. Speziell Sweelinck nutzt bestimmte Muster wie Augmentation und Diminution, um das Hauptthema weiter zu variieren - alles im Sinne einer vermeindlichen "rhetorischen Rede". Diese Formeln brachte er sicherlich seinen Schülern bei, die sie u.a. nach Norddeutschland brachten und dort verfeinerten.


    Links:
    Claviorganum
    Malcolm Rose: Lodewijk Theewes 1579


    Virginal
    Adlam Burnett: Ioannes Ruckers 1611

  • Guten Abend


    Claviermusik aus den 15. und 16. Jahrhundert, auf einem der ältesten spielbaren Cembalo der Welt, ein um 1525 in Neapel gebautes und jetzt im National Music Museum at Vermillion, South Dakota stehendes Instrument gespielt, benutzte die chilenische Cembalistin Catalina Vicens für diese



    neue Einspielung.


    Die Aufnahme enthält folgnde Werke aus den 15. und 16. Jahrhundert:


    1 "Fantasia del primio tono" - Antonio Valente
    2 "La villanella" - Vincenzo Capirola
    3 "Gagliarda napolitana" - Antonio Valente
    4 "Obra sobre cantus firmus" - Antonio de Cabezon
    5 "Amor quando fioriva mia speme" - Bartolomeo Tromboncino
    6 "Me lassera tu mo" - Ranier
    7 "Calata ala spagnola" - Joan Ambrosio Dalza
    8 "Poi che volse la mia stella" - Bartolomeo Tromboncino
    9 "Pavana alla ferrarese" - Joan Ambrosio Dalza
    10 "Ricerchare de Jacobo fogliano" - Jacopo Cara
    11 "Cantai mentre nel core" - Marchetto Cara
    12 "Per dolor mi bagno el viso" - Marchetto Cara ?
    13 "Stavasi amor" - Bartolomeo Tromboncino
    14 "Che farala che dirala" - Bartolomeo Tromboncino
    15 "Recercada di mã ca in bologna" - Marc Antonio Cavazzoni
    16 "Plus ne regres (Plusieurs regretz)" - Marc Antonio Cavazzoni / Josquin
    17 "Vi' (? Villano) recercada" - Claudio Veggio ?
    18 "Madame vous aves mon cuor" - Marc Antonio Cavazzoni
    19 "Recercada per b quadro del primo tono" - Claudio Veggio
    20 "Tant que vivray" - Claudin de Sermisy / Claudio Veggio
    21 "Volta de Spagna" - Fabrizio Dentice
    22 "Sortemplus disminuita" - Philippe de Monte / Antonio Valente
    23 "Chi la dirra" - Adrian Willaert
    24 "Recercata del primo tono" - Antonio Valente



    Gruß :wink:


    aus der Kurpfakz


    Bernhard

    «Es ist wurscht, ob das jemand versteht, aber es muss gesagt werden» (Samuel Beckett)


  • ORF Shop


    Media Vita
    Intabolatura di Balli


    (P) 2003 ORF "Edition Alte Musik" CD 333 (2 CDs) [CD 2 - 52:38]
    rec. 28. Juli 2002 (Kirche St. Magdalena im Moos, Niederdorf/Südtirol)


    Luca Scandali
    [Orgel: Franz Köck (Brixen 1693)]
    Mauro Occhionero (Percussion)


    Diese Doppel-CD enthält die Aufzeichnungen von zwei Konzerten, die im Juli 2002 vom ORF gemacht wurden. CD 1 befaßt sich mit der Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts, während CD 2 sich um das hier angelegte Thema dreht; ich bespreche hier auch nur diese zweite CD.



    Inhalt:


    Druck: Het derde musyckboexken ... dansereye ... (Tielman Susato, Antwerpen 1551)
    Tielman Susato

    • Entre du Fol
    • Den I. Ronde "Pour quoy" / Den VII. Ronde "Il estoit une filette"
    • Den VII. Allemainge / Recoupe / Recoupe Aliud den Tenor voer den Discant
    • Passe et medio / Reprise "Le pingne"

    Paul Hofhaimer

    • Ain frewlich wesenn

    Druck: Frottole Intabulate da Sonare Organi (Andrea Antico, Rom 1517)
    Andrea Antico

    • Amor quando fioriva mia speme
    • Gentil donna
    • Stavasi amor
    • Per dolor mi bagno el viso

    Druck: Intabolatura nova di varie sorte di balli da sonare. Libro primo (Antonio Gardano, Venedig 1551)
    Anonym

    • Pass'e mezo antico primo / Pass'e mezo antico secondo / Pass'e mezo antico terzo
    • Le forze d'Hercole / Cathacchio Gagliarda
    • L'herba fresca Gagliarda
    • Fusi Pavana piana / Saltarello del Re

    Druck: Canzoni alla francese per sonar sopra istromenti da tasti. Libro sesto & ultimo (Angelo Gardano, Venedig 1605)
    Andrea Gabrieli

    • Fantasia allegra
    • "Anchor che co'l partire" Madrigale a 4 di Cipriano de Rore
    • Canzon francese detta "Petit lacquet"

    Christian Erbach

    • Toccata quarti toni
    • Canzona quarti toni

    Anonym (16. Jahrhundert)

    • Ricercarda
    • Pavana / Saltarello de la pavana / La coda


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    Luca Scandali spielt Übertragungen von Tänzen und Madrigalen, die alle für Tasteninstrumente eingerichtet wurden. Sie entstanden im Laufe des 16. und frühen 17. Jahrhunderts und zeigen die Veränderungen auf, die in jenem Zeitraum stattfanden: einerseits die kompositorische Behandlung der einzelnen Stimmen und Sätze, die sich immer mehr verselbstständigt - andererseits die indirekten Hinweise auf das Spiel auf den Instrumenten an sich wie Tonumfang, Spieltechnik und Spielbarkeit. Zwar beschränkt sich Scandali nur auf Orgel, aber dadurch fokussiert er das Ohr auf die unterschiedlichen Anforderungen, die die Werke verlangen. Begleitet wird er von einem Percussionisten, der speziell die Tänze mit verschiedenen Rhythmen unterlegt.


    Hofheimers Stück wirkt noch sehr antik in seiner Übertragung, hält sich noch recht eng an den originalen Satz von Heinrich Isaac; Anticos Übertragungen der vier Madrigale behandeln den Satz schon freier, indem zwei Stimmen rein instrumentalen Bedingungen gehorchen; Susatos Tänze zeigen besonders das tänzerische Element im Stimmensatz, ebenso die in Gardanos Druck enthaltenen anonymen Stücke; Gabrielis Weg führt dagegen in eine Behandlung, die außer der Melodiestimme kaum mehr etwas von den Madrigalen übrig läßt und sich nur instrumental erklärt; und Erbach (bereits im Barockzeitalter angesiedelt) zeigt die freie instrumentale Form in ihrer Vollendung, die sich von den italienischen Vorbildern gelöst hat und zu einem eigenen Stil geworden ist.


    Die Orgel ist übrigens ein Original vom Ende des 17. Jahrhunderts (1996/1997 restauriert). Sie hat nur 6 Register mit einem Umfang von vier Oktaven, und dementsprechend ist die klangliche Vielfalt nicht vergleichbar mit jenen Orgeln, auf denen man z.B. die gesamte Bachliteratur spielen könnte. Doch zeigt sich hier deutlich, daß die alten Tabulaturen für solche Registrierungen ausreichend waren. Übrigens kommen hier vier Kalkanten zum Einsatz.


    Das ist eine weitere interessante Einspielung von Repertoire aus der Renaissance, gespielt auf einem passenden Instrument. Die Orgel wurde klangtechnisch hervorragend eingefangen und kann ihre ganze Pracht voll entfalten. Tolle Aufnahme...

    :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:


  • Meister der italienischen Renaissance


    (P) 2001 Divox "Antiqua" CDX-70005-1 [69:51]
    rec. März 2001 (Chiesa SS. Corpo di Cristo, Valvasone/Italien)


    Andrea Marcon
    [Orgel: Vincenzo Colombi (Valvasone 1533-1552)]


    Volume VII der Historic Organ Series von Divox widmet sich der einzigen, original erhaltenen italienischen Orgel aus dem 16. Jahrhundert. Vincenzo Colombi (1491-c1574) baute ein kompaktes Instrument, welches über zweihundert Jahre in Gebrauch war, bevor es abgebaut wurde. Erst im letzten Jahrhundert wurde es wieder in der Kirche platziert und zuletzt 1999 von Francesco Zanin restauriert, der es wieder auf seinen Ursprungszustand zurückführte. Es besitzt acht Register auf einem Manual (47 Tasten) plus Pedal, in Gang gebracht durch drei Blasebälge.


    Marc'Antonio Cavazzoni: Ricercada di Marcantonio da Bologna - Plus ne regres
    Jacopo Fogliano: Ricercare
    Andrea Antico: Per mio ben ti vedrei
    Jacopo Fogliano: Ricercare
    Andrea Antico: Per dolor mi bagno il viso
    Jacopo Fogliano: Ricercare
    Girolamo Cavazzoni: Canzon sopra il ben e bon
    Claudio Veggio: Recercada per b mol
    Girolamo Cavazzoni: Ricercare IV - Canzona sopra falt d'argens - Ricercare II - Ave maris stella
    Giovanni de Macque: Durezze e Ligature
    Antonio Valente: Versus I-VI
    Giovanni de Macque: Consonanze Stravaganti
    Andrea Gabrieli: Canzon francese
    Giovanni Gabrieli: Fantasia IV toni
    Claudio Merulo: Toccata prima dell'undecimo tono



    Die Werke entstanden zwischen ca. 1490 - ca. 1612 und zeigen in weitgehend chronologischer Reihenfolge die Entwicklung des Repertoires auf: von den eher simplen improvisatorischen Floskeln eines Marc'Antonio Cavazzoni bis hin zu den komplexen freien Fantasien eines Giovanni Gabrieli. Andrea Marcon gestaltet mit versierter Hand und registriert recht klug, um den Stücken eine gut unterscheidbare Qualität zu ermöglichen. Die subtile Qualität der Colombi-Orgel wird dadurch besonders hervorgehoben. Herrlich ist der klangliche Bereich über gut vier Oktaven verteilt, wobei jedes Register nicht mehr als zwei Oktaven umfaßt; das Ripieno klingt besonders festlich.


    Das einzige, was ich bemängel, ist das Booklet: es steht alles drin - zum Repertoire, zur Orgel, die Registrierung jedes Stückes, zu Marcon, sogar zum Orgelbauer. Aber es ist nur in Italienisch, und das verstehe ich leider nicht... *neid*


    Fazit: klasse... :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:


    Links:
    Wikipedia
    Concerti Valvasone

  • Guten Tag


    eine Sammlung italienischer Cembalowerken zwischen 1500 und 1600 enthält diese



    CD mit dem Cembalisten Glen Wilson. Auf ihr sind Werke von Marco Antonio "da Bologna" Cavazzoni (1485-1569), Giacomo Fogliano (ca. 1468-1548), Adrian Willaert (1490-1562), Giulio Segni (1498-1561), Girolamo Cavazzoni (1525-1560), Jacques Brunel (??-1564), Claudio Veggio (ca. 1510 - nach 1543) und Claudio Merulo (1533-1604) eingespielt.
    Leider macht das Booklet keine Angaben zum verwendeten Tasteninstrument.


    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

    «Es ist wurscht, ob das jemand versteht, aber es muss gesagt werden» (Samuel Beckett)


  • (P) 1980 Musica Viva MV 30-1074 [43:13]
    rec. 29.-31. Mai 1980 (Kloster Isenhagen, Hankensbüttel)


    Fine Krakamp
    [Portativ: Firma Ott (Göttingen 1950) - nach Vorbildern alter Instrumente]
    Disposition: holzgedackt 4' (geteilt), Regal 8' (geteilt), Schleiflade, Tonumfang: C-c''' (Teilung bei h/c'), Windgebung durch Handbälge


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    Das hier ist eine Zusammenstellung von verschiedenen Stücken aus der Renaissance:


    Aus dem Buxheimer Orgelbuch (ca. 1470)
    Anonym:

    • Boumgartner
    • Der Summer
    • Die süss Nachtigall
    • Ein Buer gein holtze


    Aus Tabulaturen der Koloristen (um 1500)
    Hans Kotter (1485-1541):

    • Praeambulum
    • Spaniol Kochersperg

    Paul Hofhaimer (1459-1537):

    • Zucht, Ehr und Lob

    Heinrich Isaak (1450-1517):

    • Innsbruck ich muss dich lassen

    Ludwig Senfl (c.1490-1543):

    • Herzliches Bild

    Georg Foster (1514-1568):

    • Ich sag ade

    Caspar Othmayr (1515-1553):

    • Mir ist ein feins brauns Maidelein

    Jacob Meiland (1542-1577):

    • Wie schön blüht uns der Maie


    Italienische Orgelmusik des Cinquecento
    Jacopo Fogliano da Modena (1468-1548):

    • Ricercare

    Marco Antonio da Bologna (1490-1570):

    • Madame vous aves mon cuor


    Instrumentaltänze der Renaissance
    Sammlung Atteignant (Paris 1530):

    • Basse dance - Galliarde - Saltarello

    Balli antiqui veneziani (um 1520):

    • Margaritum - Vegnando da Bologna - Todero

    Bernhard Schmidt der Ältere (Strassburg 1520-1592):

    • Galliarde francoise - Ein schöner Englischer Dantz - Der Imperial

    Aus Susanne van Soldt-Manuskript (Amsterdam, ca. 1530):

    • Almande de La nonette - Branle champanje

    Aus Tabulatura organova (Krakau, ca.1550):

    • Taniec polski I & II


    Krakamp schlägt den Bogen von Mitte des 15. Jahrhunderts bis zum Ende des 16. Jahrhunderts - einer Zeit, in der sich die Orgel von Truhengröße zur gewaltigen Installation innerhalb großer Kathedralen auswuchs. Allerdings beleuchtet sie speziell den kammerartigen Teil des Orgelspiels, auf einem Tisch-Portativ mit zwei Register und vier Oktaven Tonumfang. Diese Instrumente waren häufig an Höfen und weltlichen Einrichtungen zu finden, die Intabulierungen bekannter Tänze und Lieder wiedergaben.


    Im Buxheimer Orgelbuch sind eine Menge Stücke dieser Art zu finden: sie demonstrieren u.a. die Art der Kolorierung, die nicht immer zwingend in der Oberstimme lag (hier häufig im Tenor zu finden). In den Tabulaturen der Koloristen wird diese Art der Improvisation weitergeführt, die eine Melodiestimme mit einer Koloraturstimme und einer Füllstimme versah.


    In Italien zeigt sich aber eine andere Art der Intabulierung: die direkte Übertragung der Liedformen auf das Tasteninstrument in Form von Ricercare (von der italienische Motette) und Kanzone (vom französischen Chanson). Hier sind die Prinzipien beider Gattungen kaum verändert übertragen worden und bilden die Basis für die spätere Emanzipation der vokalen Vorbilder.


    Tänze gehören zu den beliebtesten Stücken, die für Tasteninstrumente jeder Art arrangiert wurden. Pierre Attaignant steht am Anfang einer reichhaltigen Literatur, die den Tanzcharakter noch deutlich erhielt. Die Tänze sind zumeist sehr einfach gehalten und wenig verziert, was ohnehin eine Sache der Improvisation beim Spielen war.


    Fine Krakamp demonstriert die Möglichkeiten, wie man die einzelnen Stimmen separieren kann durch Lage und Registerfarbe. Das Portativ hat zwei unterschiedliche Bauweisen an Pfeifen aufzuweisen und vermittelt den Einblick in eine Klangwelt, die noch von einer wenig komplexen Polyphonie geprägt war. Kurz danach - ab 1550 - begann eine Ära mit Leuten wie Sweelinck oder Gabrieli, die die Komplexität in ungeahnte Dimensionen ausweiteten.


    Ein bemerkenswertes Zeugnis der Musik dieser Epoche. Toll... :thumbsup:

  • Sitten (französisch: Sion) ist der Hauptort des Kantons Wallis in der Schweiz; auf einem Hügel anbei steht die Basilika von Valeria (Basilique de Valère), ein romanischer Bau aus dem frühen 12. Jahrhundert. In ihr, auf einer Schwalbennest-Empore gelegen, befindet sich eine heute noch spielbare Orgel, die Ende des 19. Jahrhunderts vom englischen Architekten A. Hill in einem Werk über schweizer Orgeln beschrieben wurde. Hill verortete die Orgel in seiner ursprünglichen Bauweise auf das Ende des 14. Jahrhunderts (ca. 1390), was sie zu einer der ältesten erhaltenen Orgeln überhaupt macht; neuere Forschungen haben inzwischen ergeben, daß der Aufbau zwar dem Typus der burgundischen Orgel des 14. Jahrhunderts entspricht, das Instrument selber aber erst konkret in den 1430er Jahren entstand.


    Im Jahre 1688 wurde sie umgebaut und mit weiteren Registern versehen - ihr jetziger Zustand entspricht einer Barockorgel, die jedoch noch drei originale gotische Register enthält. Nach diversen Reparaturen war die Orgel im 20. Jahrhundert nicht mehr spielbar, wurde aber dank einer Spendenaktion 1954 wieder behutsam restauriert und erklingt seitdem wieder regelmäßig. 2004 erfolgte die letzte Restaurierung. Sie umfaßt 8 Register auf 1 Manual und Pedal (Disposition hier).


    Es gibt einige Aufnahmen von der Orgel - ich stelle diese vor:



    (P) 1973 Gallo 3088 (1 LP) [44:45]
    (C) 1988 Gallo CD-088 [EAN: 7619918028124]
    rec. 1972 (Basilique de Valére, Sion/Schweiz)


    Guy Bovet (Orgel)


    Robertsbridge-Codex (ca. 1360) [Übertragung durch Charles McDermott]:
    - Estampie I (Retroue)
    - Adesto (Motetten-Transkription)
    - Estampie II
    - Tribum quem (Motetten-Transkription)
    - Fragment einer Estampie (komplettiert durch Guy Bovet)
    Anonym: Piece without stops
    Johann Sebastian Bach (1685-1750): Fantasie & Fuge in a-moll BWV 561
    Anonym (englisch, 17. Jahrhundert): Felix Namque - Upon la mi re - My Lady Careys Dompe
    Giovanni Gabrieli (1556-1612): Canzona La Spiritata
    Giuseppe Guami (1540-1611): Canzona La Luchesina
    Giovanni Maria Trabaci (1575-1647): Durezze e Ligature



    Tatsächlich sprengt diese CD den Rahmen Renaissance um Einiges, aber diese CD ist zu interessant, als das man sie hier nicht nennen sollte.


    Der Robertsbridge-Codex [Signatur: British Library Add. 28550] ist ein Register, welches am Ende zwei Folien mit Musik enthält. Auf dem ersten Folio sind drei Stücke notiert, die man als Estampie bezeichnet (ein italienischer Tanz des Trecento), auf dem zweiten eigentlich drei Transkriptionen von Motetten, von denen hier nur zwei gespielt werden - nämlich diejenigen aus dem Roman de Fauvel (Philippe de Vitry zugeschrieben). Während die Transkriptionen den modernen Stil der Ars Nova entsprechen, sind die drei Tänze deutlich älteren Ursprungs, sind durchgängig zweistimmig gesetzt und enthalten Quintparallelen sowie punktierte Rhythmen (Hoquetus), wie sie noch im 13. Jahrhundert typisch waren. Diese zwei Folien enthalten die ältesten Zeugnisse notierter Musik für Tasteninstrumente. - Guy Bovet spielt alle fünf Stücke in einer Registrierung, die dem Blockwerkspiel damaliger Zeit nahekommt; zwar besitzt die Orgel eine Schleiflade, aber dank der älteren Register (Octav 2', Quint minor 1 1⁄3', Mixtur II 1') realisiert er sie in einer Klanglichkeit, die ihnen eine feine Klarheit und Subtilität verleiht.


    Das Piece without stops ist nichts anderes als das Spielen auf der Klaviatur ohne Luftzufuhr - man hört also nur das mechanische Klappern der Orgel. Eine rhythmische Angelegenheit von bemerkenswerter Brillanz... :D


    Die Kanzonen und das Durezze präsentieren das Repertoire des ausgehenden 16. Jahrhunderts, als die Orgelmusik begann, sich klanglich breit aufzufächern. Bovet registriert pointiert und demonstriert somit die neu hinzugekommenen Möglichkeitenten, die noch im Jahrhundert davor gefehlt hatten. Die anonymen englischen Stücke führen diese Richtung weiter.


    Das jüngste Stück der CD ist von Bach: sein BWV 561 wird ihm zwar nicht sicher zugeschrieben, aber es ist ein wirkungsvolles Stück, welches die ganze Pracht der Valère-Orgel offenlegt. Bovet registriert mit allen Möglichkeiten, die der Umbau 1688 ermöglicht hat.


    Insgesamt eine bemerkenswerte Einspielung: von der Orgel wie auch vom Repertoire her ein Schmuckstück jeder Sammlung für Tasteninstrumente. Toll... :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    Links:
    Robertsbridge-Codex Wikipedia en
    Robertsbridge-Codex Coloratura

  • Einige schöne Fotos dieses bemerkenswerten Instruments, das bereits eine ganze Schar namhafter Organisten angezogen hat, kann man bei Piet Bron bewundern (interessant sind auch die weiterführenden Links). Lohnenswert ist auch ein Blick auf die Seite des Sinus-Verlags, dessen Gründer Albert Bolliger sehr um die klangliche Dokumentation historischer Orgeln bemüht ist. Auch das von Dir vorgestellte Instrument hat er bespielt und eine CD-Aufnahme produziert:



    Infos dazu hier.


    Interview mit Albert Bolliger - Bambusorgel und Schwalbennest

  • Ja, die Valère-Orgel hat auch wirklich jede Aufmerksamkeit verdient. Mich reizen diese älteren Orgel ungemein: ihre Klanglichkeit, die noch keine Größe hat, dafür aber den Charme des Intimen; ihr Aufbau, frei von jeder Überladung; ihre mechanische Beschaffenheit, ein Klapperkonzert sondergleichen... :love:; und ihr Aussehen, was häufig mit kunstvoll bemalten Prospekten einhergeht (wie eben auch bei der Valère-Orgel).


    Übrigens gibt es einiges an Aufnahmen mit dieser Orgel:


    E. Power Biggs plays the Historic Organs of Europe - Switzerland: Sion (1390), Mendrisio, Sitzberg, Arlesheim
    E. Power Biggs
    LP: Columbia "Masterworks" MS 6855 / ML 6255 (1967)
    Discogs, auch SEP 202 (1965)


    Die alte Orgel: Burgkirche Valeria in Sion - Pfarrkirche in Vouvry, Wallis/Schweiz
    Siegfried Hillenbrand
    LP: Telefunken "Das Alte Werk"SAWT 9498-B (1969)
    Discogs


    L'orgue de Valère - Vol. 1
    Guy Bovet
    LP: Gallo 3088 (1973)
    CD: Gallo CD-088 (1988)
    Discogs


    Festival International de l'Orgue Ancien: Valère, Sion/Suisse
    Diverse Organisten
    LP: Valeria 30-646 (1979)
    Discogs


    L'orgue de Valère - Vol. 2
    Guy Bovet
    LP: Gallo 30-281 (1980)
    CD: Gallo CD-0281 (1988)
    Discogs


    Festival International de l'Orgue Ancien: Valère, Sion/Suisse - Vol. 2
    Diverse Organisten
    LP: Valeria 30-868 (1984)
    Discogs


    Organ Music from Canada / The Nederlands / Sweden / Switzerland
    Daniel Glaus, Robert Girard, Jos van der Kooy, Lars Hagström
    LP: Radio Canada International ‎/ Radio Nederland ‎/ Radio Sweden International ‎/ Swiss Radio International 84105/6 (2 LPs) 1984
    Discogs


    Valère - Die älteste Orgel der Welt: Europäische Orgelmusik 1450-1750
    Albert Bolliger
    CD: Sinus 4002 (1987)
    Discogs


    Festival International de l'Orgue Ancien et de la Musique Ancienne: Basilique du Château de Valère à Sion/Valais Suisse - Vol. 5 (30ème Anniversaire 1999)
    Diverse Organisten
    CD: Valeria (1999)


    Mystères glorieux et litanies
    Maurice Wenger
    MC: kein Label (19??)
    Discogs


    Und es fehlen noch zumindest Vol. 3-4 vom Label Valeria (und die möglichen späteren Veröffentlichungen nach Vol. 5).

  • Guten Abend



    " Gotische Orgelmusik von 1380-1511 "


    1. Redeuntes
    2. Titelloses Stück
    3. Magnificat im 6. Ton
    4. En avois
    5. Wach auff mein hort der leucht dorther
    6. Mit ganczem Willen wünsch ich dir
    7. O clemens
    8. Kes Klaffers neyden
    9. Ellend du hast
    10. Benedicte almechtiger got
    11. Domit ein gut Jare
    12. Mein Hercz in hohen freuden
    13. Con lagrime
    14. Wilhelmus Legrant
    15. Paumgartner
    16. Praeambulum super F
    17. Praeambulum super F
    18. Praeambulum super D
    19. Magnificat im 8. Ton
    20. Magnificat im 8. Ton
    21. Mit ganczem Willen
    22. Der Winter der wil weychen
    23. Incipit bonus tenor Leonardi
    24. Felix namque
    25. Kyrie
    26. Wol up ghesellen yst an der tyet
    27. Summum Sanctus
    28. Frysicum Stücke für Orgel Nr. 1-3
    29. Nr. 1 (ohne Satzbezeichnung)
    30. Nr. 2 (ohne Satzbezeichnung)
    31. Nr. 3 (ohne Satzbezeichnung)
    32. Kyrie magnae Deus potentiae
    33. Christ ist erstanden
    34. Christus surrexit
    35. Christus surrexit
    36. Christus surrexit
    37. Ich beger nit mer
    38. Bekenne myn klag
    39. Jeloymors
    40. Praeambulum
    41. Credo
    42. O heilige unbefleckte zart innige Jungfrau Maria
    43. Praeambulum D-Dur


    Von Raimund Schächer an der Orgel der Grote Kerk Oosthuizen gespielt.



    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

    «Es ist wurscht, ob das jemand versteht, aber es muss gesagt werden» (Samuel Beckett)


  • Studio XVII Augsburg


    (P) 1987 FSM Studio XVII Augsburg FCD 96 501 [58:13]
    rec. 10. Juli 1987 (Chor der Klosterkirche Blaubeuren)


    Roland Götz
    [Tisch-Positiv: "Baldachinorgel" - Johannes Rohlf op. 73 (1986) nach Vorbildern aus dem 16. Jahrhundert]
    Disposition: Regal 8' (geteilt), Copel 4' (Metall-gedackt, geteilt), Copel 2' (Rohrflöte, geteilt); Tonumfang: C-a'' (kurze Baß-Oktave CDEF), Schleifenteilung bei c'/cis': Temperierung: mitteltönig, Windgebung durch 2 Keilbälge


    Die Baldachinorgel ist im Grunde ein Positiv, welches an fürstlichen Höfen vermehrt zu weltlichen Anlässen wie Festessen und anderen Repräsentationen eingesetzt wurde. Es ist dafür ausgelegt, auf einem Tisch abgestellt zu werden, und wird von zwei Leuten bedient: dem eigentlichen Spieler und einem Kalkanten für die Keilbälge. Es hat ein Manual, drei Register mit insgesamt 129 Pfeifen (dazu auch die sogenannte Nachtigall - ein Effektregister, welches das Zwitschern von Vögeln imitiert), eine in Baß und Diskant geteilte Schleiflade und zwei Bälge auf der Rückseite. Es ist ein Neubau, dessen Register getreue Nachbauten dreier alten Originale darstellen, die noch erhalten geblieben sind. Über dem Pfeifen liegt ein abgerundeter Deckel, den man als Baldachin bezeichnet - daher auch der Name des Instruments.


    Das Repertoire, was sich darauf spielen läßt, läßt sich gut in verschiedenen Registrierungen realisieren; da die Register klanglich deutlich unterscheidbar sind, sind die Stimmen klar zu verfolgen. Dennoch ist das Positiv alles andere als laut, sondern klingt sehr gleichmäßig und intim in seinem Klangcharakter. Roland Götz präsentiert eine Auswahl an Werken aus dem 16. und frühem 17. Jahrhundert:


    Antonio Valente (ca. 1520-ca. 1581): Galliarda lombarda - Ballo lombarda
    Antonio Cabezón (ca. 1500-1566): Tiento del sexto tono
    Marc Antonio Cavazzoni (1490-1560): Madame vous. aves. mon. cour.
    Hieronimo Cavazzoni (ca. 1510-ca. 1577): Ricercar
    Aus Quatorze Gailliardes (1531) - hrsg. Pierre Attaignent: Branle (Double) - Branle gay de Poitou - Pavane - Gailliarde
    Samuel Scheidt (1587-1654): Alamanda (Brynsmedelijn) mit 10 Variationen
    Aus Tabulatur des Johannes von Lublin (1540): Przesz thwe swyathe smartwij - Veschol - Zaloscz y Radoscz
    Johannes Kotter (1485-1541): Proomemium D-Dur - Uß tieffer nodt schry ich zü dir
    Johannes Buchner (1493-ca. 1540): Tandernack
    John Bull (1562-1628): Fantasia im IX. Ton
    John Redford (1480-1547): Salvator with a meane
    Master Newman (1. Hälfte des 16. Jahrhunderts): A pavan
    Anonym: Greene sleeves - The nightingale
    Thomas Preston (ca. 1500-1564): Uppon la mi re


    Die meisten Stücke stammen aus dem 16. Jahrhundert und entstanden in verschiedenen Ländern: Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland, Polen, England, Schweiz. Es sind Gattungen wie Tänze, Ricercari, Fantasien, Variationen und Liedbearbeitungen vertreten, die allesamt verschiedene Stadien ihrer Entwicklung und ihrer landestypischen Ausprägungen zeigen. Marc Antonio Cavazzoni und John Redford stehen am Beginn der Chronologie und zeigen einerseits die Möglichkeiten einer Chanson-Intabulierung wie auch die Praxis einer Tonerweiterung durch Oktavierung. Die Tänze von Attaigment sind sogar explizit für den Einsatz auf einer Orgel benannt worden (neben weiteren Tasteninstrumenten), während die anonymen Stücke (aus dem Manuskript: Bibliothèque Nationale Paris MS Rés. 1186) konkrete Registrierungen beinhalten (Schleifenteilung und Nachtigall-Register). Am Ende stehen John Bull und Samuel Scheidt, deren Wirken bereits ins 17. Jahrhundert münden: Bulls Fantasia zeigt bereits die spezifischen Techniken der freien Materialumformung, während Scheidts Alamanda die damaligen Variationsprinzipien demonstriert.


    Götz spielt sehr klar akzentuiert und mit einem feinen Ohr für die klanglichen Möglichkeiten der Baldachinorgel: stets sind die Register deutlich erkennbar und bilden dennoch eine feine Mischung. Die Mikros standen nahe und geben dem Positiv genug Körper und Raumklang, ohne die Detailliertheit zu verlieren. Das Booklet ist in Deutsch und Englisch verfaßt und gibt sehr genaue Auskünfte über jedes einzelne Stück.


    Eine weitere toll gemachte CD über dieses seltene Repertoire der Renaissance und frühem Barock: eine breitgefächerte Auswahl multipliziert sich mit der besonderen Klanglichkeit dieses Instruments zu einer einmaligen Edition. Klasse... :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

  • Rodenbach liegt drei Kilometer nördlich von Altenstadt (Wetteraukreis) in Hessen. Der Ort existiert schon seit mindestens 1200 Jahren und war lange Zeit das kirchliche Zentrum der Region; seit 1972 ist er offiziell Ortsteil der Gemeinde Altenstadt. Die Kirche dort ist ein Bau aus dem 18. Jahrhundert und beherbergt seit 1781 eine Orgel, die damals gebraucht erworben wurde. Es war ein Instrument, welches wohl in der Evangelischen Stadtkirche zum Heiligen Geist der Nachbargemeinde Nidda zuerst aufgestellt worden war und schließlich an Rodenbach verkauft wurde, als Nidda eine neue Orgel erhielt.


    Der Prospekt der Orgel in Rodenbach trägt als Jahresangabe 1621 - somit wird das Instrument heute dem Orgelbaumeister Georg Wagner (c1560-1635) zugeschrieben, der ab 1600 in Hessen wirkte. Es unterlag am neuen Ort einigen Korrekturen und Erweiterungen und wurde 1970 durch Rudolf von Beckerath (1907-1976) zuletzt restauriert und rekonstruiert. Es ist einmanualig und hat 8 Register (davon vier aus der Entstehungszeit). Es ist die älteste spielbare Orgel in Hessen.


    Mir ist diese Aufnahme bekannt:



    (P) 1991 Studio XVII Augsburg FCD 96 510 [65:52]
    rec. 06. Juni 1990 (Evangelische Kirche Rodenbach bei Altenstadt, Hessen)
    Studio XVII Augsburg


    Roland Götz
    [Orgel: Georg Wagner (?) 1621]
    Disposition: 1 Manual (45 Tasten); 8 Register (Originalsubstanz: Gedackt 8', Prinzipal/Prästant 4', Kleingedackt 4', Octave 2' - später dazugefügt: Quinta 2 2/3', Mixtur IV, Zimbel II, Posaune 8'); Tonumfang: C/E-c'''; Temperierung: mitteltönig



    Das Repertoire entstammt komplett dem Umfeld der Fuggerstadt Augsburg Ende des 15. Jahrhunderts bis in die Mitte des 17. Jahrhundert (gut 140 Jahre):


    Christian Erbach (ca. 1570-1635): Canzona septimi toni - Toccata quarti toni - Fuga
    Ludwig Senfl (ca. 1488-ca. 1543): Allein din Huld
    Heinrich Isaac (ca. 1450-1517): Fortuna in mi - Benedictus - La Morra
    Jakob Haßler (1569-ca. 1622): Ricercar del primo tono - Canzon in g
    Jakob Paix (1556-nach 1617): Ein guter newer Teu. Tantz. E.M.O. - Ungaresca - Ballo Milllanese
    Hans Leo Haßler (1564-1612): Magnificat del quarto tono - Canzon in F - Ricercar del secondo tono
    Paul Hofhaimer (1459-1537): Nach willen din - Was ich durch Glück - Ade mit Leid


    Isaac ist der älteste Komponist in diesem Reigen. Er weilte 1496 erstmals in Augsburg (im Gefolge von Kaiser Maximilian I.) und hatte noch die Techniken des Plenumspiels verinnerlicht: er hielt den Choral grundsätzlich in der Mittelstimme, während Ober- und Unterstimme reine Kolorierungen waren. Hofhaimer und Senfl waren ebenso Mitglieder der kaiserlichen Hofkapelle und hielten sich mehrere Jahre in Augsburg auf; ihre Intabulierungen vieler weltlicher Lieder variieren die Stimmenzuteilungen zunehmend und ermöglichten eine breitere Klangpalette.


    Die zweite Welle wird von Paix eingeleitet: seine Tänze entstammen seinem Tabulaturbuch von 1583 und zeigen die Ausarbeitungen solcher Instrumentalsätze Ende der Renaissancezeit. Die Haßler-Brüder Hans Leo und Jakob präsentieren dagegen die Beeinflussung der italienischen (konkret: venezianischen) Musik auf den süddeutschen Raum: Ricercari und Kanzonen gabrielischer Prägung zeigen die Aneignung neuer Ideen und verweisen gleichzeitig auf eine Weiterentwicklung, die sich bei Erbach widerspiegelt. Er führt Gabrielis und Merulos Techniken weiter in den Frühbarock hinein.


    Insgesamt zeigt sich die zunehmende Emanzipierung der Stimmführung von vokalen Vorbildern und ihren Floskeln zu einer dem Material verpflichtenden Virtuosität, die nur noch Raum läßt für ihre eigene Begrenztheit in Spielbarkeit und Registrierung. Bemerkenswert ist dabei das Magnificat Hans Leo Haßlers, welches die Technik der Alternatim-Praxis zeigt (Verse abwechselnd von Schola und Orgel intoniert). In Frankreich wurde diese Aufteilung die Basis für die Orgelmesse Grignys.


    Götz spielt mit klarer Diktion und präsentiert die Orgel mit jener genauen Kenntnis ihrer klanglichen (registrierenden) Qualität. Bei den älteren Stücken sind die alten Register in der Überzahl, während die jüngeren Werke sich aus allen Schattierungen bedienen. Dabei bleibt die Orgel stets klein dimensioniert und intim, aber auch durchhörbar. Die Klangqualität ist sehr nahe, ohne jedoch den Klangraum wegzulassen.


    Götz liegt hiermit eine weitere überzeugende Veröffentlichung vor, die deutlich zeigt, was eine damalige Orgel mit zeitgenössischem Repertoire anzustellen wußte: es geht um Klarheit der Stimmen, um eine leichte Einfärbung des Klanges, nicht um Dynamik oder Mischung. Toll...
    :thumbsup::thumbsup::thumbsup::thumbsup:


    Links:
    Rodenbach
    Evangelische Kirche Rodenbach

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