HWV 56 - Messiah (1742): Einspielungen auf deutsch (omi)


  • Künstler: Gundula Janowitz, Marga Höffgen, Ernst Haefliger, Franz Crass, Münchener Bach-Chor, Münchener Bach-Orchester, Karl Richter
    Label: DGG, ADD, 1964



    Künstler: Regina Werner, Heidi Rieß, Peter Schreier, Theo Adam, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Helmut Koch
    Label: Berlin, ADD, 1973


    Missen möchte ich beide Einspielungen nicht. Sie stammen noch aus einer Zeit, in der man Händels Werke stark romantisierend präsentiert hat.



    :wink: LT

  • Richter war auch meine erste; irgendwie war die damals schon faszinierend. Aber spätestens, nachdem ich das Werk erstmals auf englisch gehört hatte, war es damit so ziemlich vorbei ... und dann kam opi obendrauf und die CD wurde obsolet.
    *hä*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Ich kenne auch die Richter-Aufnahme, aber mir hat die deutsche Übersetzung nie wirklich gefallen - alles klingt so prätentiös und aufgeblasen. Da bevorzuge ich tatsächlich die Übersetzung von Christoph Daniel Ebeling (1741-1817), die Mozart für seine Bearbeitung KV 572 verwendete.


    Hier zu finden:



    (P) 1991 Hänssler Classic 98.434 (2 CDs)


    Donna Brown (s I)
    Cornelia Kallisch (s II)
    Roberto Saccà (t)
    Alastair Miles (b)
    Gächinger Kantorei Stuttgart
    Bach-Collegium Stuttgart
    D: Helmuth Rilling


    Das ist frisch, voller Verve - und klingt in Deutsch einfach toll.



    jd :wink:

  • Da bevorzuge ich tatsächlich die Übersetzung von Christoph Daniel Ebeling (1741-1817), die Mozart für seine Bearbeitung KV 572 verwendete.


    Ebeling hat zensiert! Die Nummer "Why do the nations..." mit ihrem "The kings of the earth rise up..." wurde schlicht und einfach mit "Die Hölle entflammt in Aufruhr, die Hölle entflammt in Aufruhr, die Hölle entflammt in Aufruhr" überetzt.
    Der Französischen Revolution geschuldet diente es wohl dazu, etwaige Maßnahmen staatlicheseits zu vermeiden. Meines Erachtens eine schwache Leistung, da da es sich bei dieser Textstelle um ein originales Bibelzitat handelt (Psalm 2.1,2) mit dem wenigstens im absolutistischen England niemand ein Problem gehabt hat.


    Siegfried
    *deibel*

  • Richter war auch meine erste; irgendwie war die damals schon faszinierend. Aber spätestens, nachdem ich das Werk erstmals auf englisch gehört hatte, war es damit so ziemlich vorbei ... und dann kam opi obendrauf und die CD wurde obsolet.


    Die Richter-Aufnahmen sind Dokumente einer höchst originellen Händel-Interpretation längst vergangener Tage. Unter diesem Aspekt höre ich sie auch jetzt noch gerne und schlag damit mindestens drei Fliegen mit einer Klappe: ich höre Händel, werde meinem musikalischen Schwerpunkt, dem 20. Jhdt., nicht untreu und befriedige auf allseits gefällige Art und Weise mein gelegentliches Bedürfnis nach Kitsch.


    Siegfried
    *lol*

  • Ebeling hat zensiert! [...]

    Im Textbuch steht: "Die Hölle steht auf zur Empörung wider dem Herrn und wider seinen Gesalbten." Wird auf der CD auch so gesungen.


    Da außerdem diese Bearbeitung bereits im März 1789 uraufgeführt wurde, würde ich da das Thema Französische Revolution besser außen vorlassen.


    Außerdem meine ich nicht den Gehalt der Übersetzung, sondern die Singbarkeit der Worte, die einfach besser ins Ohr geht.



    jd :wink:

  • Außerdem meine ich nicht den Gehalt der Übersetzung, sondern die Singbarkeit der Worte, die einfach besser ins Ohr geht.


    Der ganze Messias besteht aus original Bibelzitaten, die der damaligen offiziellen Bibelübersetzung der anglikanischen Kirche entnommen worden sind.


    Besagter Vers lautet im Original:
    Why do the nations so furiosly rage together, why do the people imagine a vain thing? The kings of the earth rise up and the rulers take counsel together against the Lord and His anointed.


    Luther übersetzt es so:
    Warum toben die Heiden und die Völker reden so vergeblich? Die Könige der Erde lehnen sich auf und die Herren ratschlagen miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten.


    Allioli so:
    Warum toben die Heiden und sinnen die Völker auf Eitles? Es stehen auf die Könige der Erde und kommen zusammen die Fürsten wider den Herrn und seinen Gesalbten.


    Die Einheitsüberetzung spare ich mir, da selbige erst im 20. Jhdt. angefertigt worden ist und auch nicht s anderes besagt. Genauso die der Operation Centurion, die nur das Wort "Könige" durch "Mächtige" ersetzt.


    Bleibt noch die gute alter Elberfelder als wörtlichste Übersetzung:
    Warum toben die Nationen und sinnen eitles die Völkerschaften? Es treten auf die Könige der Erde und die Fürsten tun sich zusammen gegen den HERRN und seinen Gesalbten.


    Diese Verse also mit "Die Hölle steht auf zur Empörung wider dem Herrn und wider seinen Gesalbten." zu übersetzen, ist schlicht und einfach falsch und ist meines Erachtens einer Selbstzensur Ebelings geschuldet. Und auch das Argument der Singbarkeit zieht da nicht, denn wird "Hölle" durch "Fürsten" oder "Könige" ersetzt, wäre es genau so singbar aber inhaltlich weit richtiger.


    Da außerdem diese Bearbeitung bereits im März 1789 uraufgeführt wurde, würde ich da das Thema Französische Revolution besser außen vorlassen.


    Die Französische Revolution war kein plötzliches Ereignis, das wie ein Blitz aus heiterem Himmel über die französische Monarchie hergefallen ist, sie hat sich jahrelang angekündigt. So wurde beispielsweise Beaumarchais Schauspiel "Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit" 1778 zensiert und konnte erst 1784 das erstemal öffentlich aufgeführt werden. In Paris! Denn im Habsburger Reich war es nach wie vor verboten, weswegen auch Mozart mit "Le nozze die Figaro" solche Schwierigkeiten gehabt hat.


    Siegfried

  • Wegen dieser einen Zeile machst du gleich ein ganzes Faß auf? Ist doch eh uninteressant, weil es sich um eine Übersetzung handelt. Ich höre mir den Messiah grundsätzlich nur in Englisch an und akzeptiere die Übersetzung von Ebeling aufgrund der Mozart-Bearbeitung, nicht aufgrund seiner Qualität als Übersetzung. Es ist nunmal ein Dokument - nicht mehr, nicht weniger.



    jd :wink:

  • Ist doch eh uninteressant, weil es sich um eine Übersetzung handelt.


    (Freie) Übertragung würde es eher treffen; mit einer originalgetreuen Übersetzung kommt man hier musikalisch nicht weiter, da dies meistens dem Rhythmus widerstrebt. Da muss man leider Abstriche (wie der Arzt sagt) machen. Es gibt wenige Ausnahmen, bei denen die Komponisten selbst eine überarbeitete deutsche Fassung erstellt haben (z.B. Mozarts Finta Giardiniera / Gärtnerin aus Liebe).


    Viel schlimmer finde die ich das vollständige Herausreißen aus dem Kontext, wie man beispielsweise Händels Werke „arisiert“ hat; aus


    Wikipedia schrieb:

    Israel in Egypt wurde [...] Mongolensturm [...] und Judas Maccabaeus – zunächst in Der Feldherr umfirmiert – kam von 1933 bis 1945 nur noch unter dem Titel Wilhelm von Nassau zur Aufführung.


    *kotz* (Pardon).

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790



  • Georg Friedrich Händel

    Der Messias (in dt.Sprache)


    Lucia Popp

    Brigitte Fassbaender

    Robert Gambill

    Robert Holl


    Südfunk-Chor

    Radio-Sinfonieorchester Stuttgart

    Neville Marriner
    1984


    Von Marriner kenne ich nur eine andere Aufnahme, aber die Besetzung hier klingt extraordinär.

    „Wie oft müssen wir noch hören, dass wir uns mit Geld kein Glück kaufen können, dass Macht auch den rechtschaffensten Menschen verdirbt, dass Ruhm die Privatsphäre zunichte macht. Misserfolg, Trennung, Krankheit und Tod können uns in jedem Augenblick heimsuchen.“ (Matthieu Ricard: „Glück“, S.54)