Lautstärke - nicht nur ein technischer Aspekt!?

  • Ich weiß nicht, ob ich hier richtig platziere; aber vielleicht weiß jemand eine bessere Zuordnung. Mir geht es um den Aspekt der Lautstärke, der doch nicht völlig unbedeutend ist. Und ich komme deshalb drauf:


    1787 - Don Giovanni: Einspielungen (opi)
    1787 - Don Giovanni: Einspielungen (opi)


    Fakt ist hinsichtlich der Lautstärke mancherlei:


    1. Sie verhindert nach wie vor richtige Vergleiche zwischen Komponenten bei Hifi-Anlagen: Vermischtes zum Thema HiFi. Das gilt auch für alle Versuche, herauszufinden; ob nun CD, SACD, Blue-ray, Download von der Festplatte oder Streaming besser klingen.


    2. Je nach Gattung oder persönlichen Vorlieben wird sie unterschiedlich eingesetzt. Ich selbst bin jemand, der trotz seiner Leidenschaft für Wagner oder Bruckner immer eher mittellaut bis leise hört und nur bei bedeutenden Anlässen aufdreht.


    3. Sie ist Indikator für musikalische Interpretationen. Wenn ich unzufrieden bin mit Leidenschaft, Dramatik, Expressivität; schraube ich die Volumes hoch.


    Aber das soll nur ein erster Ansatz einer Betrachtung sein.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Ein sehr komplexes Thema - technisch wie auch musikalisch... *hmmm*


    Ich beginne erstmal mit dem technischen Teil: tatsächlich sind CDs mit ihrem PCM nicht immer gleichlaut wie die Tonspuren von DVDs/BDs (DTS, DD) - hinzu kommt auch noch, daß die Wirkung anders wird, wenn die Aufnahmen Stereo oder Mehrkanal sind. Das Letztere hat einfach mit der Anzahl der Boxen zu tun - ein Signal über zwei oder fünf Boxen wirkt einfach anders.


    Dann kommt noch dazu, daß sich bei der CD technische Vorgaben wie Headroom anders angegangen werden als früher - d.h. der Bereich von -12dB bis 0 dB war nur für kurzfristige Lautstärken, sogenannten Spitzen, reserviert gewesen. Im Rock/Pop ist das dank des Loudness War vollkommen ausgehebelt worden; fast alle neueren CDs gehen bis 0 dB mit abgekappten Spitzen. Bei der Klassik ist das eindeutig nicht so: hier werden Dynamikspitzen eingehalten, vielleicht mal beim Aufnehmen limitiert, aber bestimmt nicht so dynamisch eingeengt wie im Rock/Pop-Bereich. Bei älteren Aufnahmen (analog Stereo oder Mono) ist z.B. die Gesamtdynamik selten so groß wie bei Digitalaufnahmen - oder besser gesagt: nicht so fein abgestuft, wodurch sie auch größer wirkt.


    Somit ergeben sich verschiedene Parameter, die man bei der eigenen Anlage zuhause tatsächlich erstmal messen müßte, um die Basis für gleiche Lautstärken zu haben. Da wäre ein Pilotton hilfreich, denn man in den verschiedenen Formaten zu Verfügung haben müßte. Weiterhin müßte man die Anzahl der Lautsprecher und die Hörsituation festlegen: Hörabstand, Winkel zu den Boxen, stets gleiches Equipment usw.


    Nun zur anderen Seite:


    Die persönlichen Vorlieben beim Hören... *hmmm*


    Ich erläutere meine Hörsituation: ich habe eine Anlage an einer Wand stehen, Stereo mit mittelgroßen Boxen. Der Verstärker wird fast immer mit einer Einstellung gefahren, die ich als Viertel nach Neun bezeichne. Somit sind die Geräte immer in einer gleichen Konstellation. Es können Unterschiede auftreten: bei älteren Aufnahmen mit wenig Dynamikabstufungen drehe ich grundsätzlich auf neun Uhr zurück, bei fragilen Aufnahmen aus der Alten Musik (z.B. Laute oder Harfe) drehe ich eine Stufe höher. - Manchmal kommt es vor, daß ich auch einzelne CDs speziell neu justieren muß, da sie einfach zu leise sind; das sind aber Ausnahmen.


    Ich habe einen festen Platz auf der Couch, die Hörsituation bleibt ebenfalls gleich. So habe ich eine Basis, Aufnahmen zu beurteilen.


    DVDs/BDs habe ich als Stereo am Verstärker drangeschlossen, über Cinch. Diese Tonspuren sind zumeist etwas anders ausgeregelt, ich muß immer höher drehen wie bei den fragilen Aufnahmen; CDs darüber reagieren aber wie mein CD-Player, also gleiche Einstellungen.


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    zu 1.
    Wenn man eine Basis gelegt hat und die gleichen Hörproben auf verschiedenen Ton- und Bildträgern in den verschiedenen Formaten zugänglich hat, sind Vergleiche möglich. Doch dafür muß man eben auch das Hörmaterial in allen Formaten zur Verfügung haben.


    zu 2.
    Das ist eine Frage der Präzision. Ich höre auch unterschiedlich: meine Anlage steht im Wohnzimmer, mein PC aber im Schlafzimmer. Aber Vergleiche mache ich natürlich im Wohnzimmer auf der Couch, nicht wenn ich am PC sitze. Ich regel dann auch nicht an der Lautstärke herum.


    zu 3.
    Du schraubst sie hoch - ich lasse sie, wie sie ist. Wenn ich irgendwie frustriert bin, lege ich Metallica oder Sepultura auf und fahre es mit Viertel nach Neun. Das ist sehr laut für mich. Das hat wenig mit musikalischer Interpretation zu tun - vielmehr mit Rezeption.



    jd :wink:

  • Punkt 1) interessiert mich weniger; ansonsten gilt nachwievor für mich: möglichst originale (reale) Lautstärke, wobei sich herausgestellt hat, daß z.B. im Badischen Staatstheater trotz der wirklich sehr guten Akustik (alles bis ins letzte Detail hörbar, auch auf den „billigen Plätzen“) das Orchester eigentlich immer erstaunlich leise klingt, selbst wenn man ganz vorne sitzt - da suche ich stets die Lautstärkeregler. Real also insofern (korrigierender Weise), wie es der Dirigent (wohl) wahrnimmt.


    :beatnik:


    Ich will also immer mittendrin sein, in der Musik schwimmen. Die Lautstärke wird jedenfalls regelmäßig über die Tastatur angepasst ... dafür sind solche Knöpfe (resp. Möglichkeiten) ja da; der Ton zu Filmen ist bei mir meist deutlich geringer eingestellt, weshalb ich schon sehr häufig hin und her schraube. Das Ausgangssignal des Verstärkers selbst bleibt dabei meist konstant in der gleichen Einstellung; irgendwie habe ich mal die Erfahrung gemacht, daß man eher das Eingangssignal erhöhen sollte (was ich über den PC steuere), ansonsten klingt es komisch, wenn ein schwaches Eingangssignal via Verstärker lauter gestellt wird - kann mich aber auch irren (außerdem: müsste ich dann aufstehen oder mich bücken).


    Musik „leise“ hören? Niemals, dann lieber ganz verzichten. Als Hintergrundgedudel fühle ich, daß ich Musik und Komponisten - und Interpreten - kränke.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)