Te Deum (1677)

  • Lully führte das Te Deum zum ersten Male bei der königlichen Messe am 9. September 1677 in der Kapelle Henri IV. im Schloss Fontainebleau auf. Lully schrieb diese Motette für die Taufes seines Sohnes, er konnte den König als Paten gewinnen.


    Dem König gefiel das Werk so sehr, dass es wiederholt werden musste und die nächsten Tage erneut gegeben wurde. Dieses Te Deum wurde die liebste geistliche Komposition für den Sonnenkönig. Fortan wurde das Te Deum zu allen größeren Festlichkeiten und militärischen Siegen am Hofe gegeben.


    Lullys Te Deum gehörte zu den am häufigsten aufgeführten Sakralwerken im 17. Jahrhundert. Das Te Deum übertraf formal und musikalisch bisher alles Dagewesene; mit einer Aufführungsdauer von fast 40 Minuten ist es nicht nur eine der umfangreichsten Vertonungen dieses Psalms, sondern auch die monumentalste geistliche Komposition Lullys. Das Werk verlangt neben einem großen Chor, natürlich Solisten, ein großes Orchester und Pauken und Trompeten.Lully soll das Werk 1687 mit 300 Musikern und Sängern aufgeführt haben, bei dieser Gelegenheit soll weiterhin der berühmte Unfall mit dem Taktstock passiert sein.


    Ähnliche Werke, das berühmte Te Deum von Marc Antoine Charpentier orientieren sich ganz stark an diesem Monument der frz. Kirchenmusik. Michel Richard Delalande schuf ein fast ebenso populäres Te Deum, André Campra und Charles Hubert Gervais versuchten sich ebenfalls an ähnlich prächtigen Vertonungen. Man kann auch davon ausgehen, dass andere Werke, die ähnlich groß angelegt waren, wie z.B. das Te Deum von Francesco Antonio Urio, oder die Missa Salisburgensis bis hin zu Händels Vertonungen in dem Werk Lullys ihr Vorbild hatten.


    Lully eröffnet sein Te Deum mit einer prächtigen Simphonie, Chorpassagen, Instrumentalstücke und Solisten sind im ständigen Wechsel und Dialog. Diese große Motette ist die beeindruckendste und schönste Lullys, sie übertrifft auch sicherlich die Versuche der anderen Komponisten bei weitem.


    Das Te Deum ist recht häufig aufgenommen worden. In meinem Bestand befinden sich 3 Aufnahmen.



    Jean François Paillard


    Nach eigener Aussage hat Paillard sich über 10 Jahre mit dem Werk befasst, bevor er es wagte, eine Partitur einzurichten und die Motette aufzunehmen. Das Ergebnis ist immer wieder aufs Neue atemberaubend. Ein phantastischer Chor, ein großartiges Solistenensemble, das wunderbare Orchestre de Chambre und Maurice André an der ersten Trompete lassen ein wirklich Klangprächtiges und bewegendes Werk zu neuem Leben erwachen. Obwohl diese Aufnahme schon so alt ist (Aufgenommen 1976), ist diese Interpretation konkurrenzlos und wird es auch wohl vorerst bleiben.


    La Grande Ecurie et la Chambre du Roy
    Jean Claude Malgoire


    Nach meinem Kenntnisstand die erste Aufnahme auf alten Instrumenten. Zwar erreicht Malgoire nicht ganz eine so faszinierend gute Stimmung wie bei Charpentiers Te Deum, aber die Trompeten kommen gut zur Geltung. Leider gibt es einen seltsamen Patzer bei einer der Chorpassagen, es hört sich so an las hätte einer der Sänger gehustet oder genießt... Wäre diese Störung nicht, so wäre ich mit dieser Aufnahme rundum zufrieden. Die Aufnahme bekommt man sowohl als LP als auch als CD z.B. über Ebay



    Le Concert Spirituel - Hervé Niquet


    Die Interpretation unter Hervé Niquet sagt mir am wenigsten zu. Zwar wird auf alten Instrumenten musiziert, jedoch ist das Continuo recht rabiat, die Trompeten sind nur zu erahnen und werden von den Flöten ziemlich überlagert. Auch sind die Tempi etwas arg flott, so dass man mehr oder weniger durch das Stück gehetzt wird. Niquet benötigt fast 10 Minuten weniger als Paillard oder Malgoire!


    Im Vergleich zu den beiden anderen Aufnahmen ist diese Interpretation eher blass und enttäuschend. Die Grand Motets, die Niquet komplett aufgenommen hat, erschienen zuerst bei FNAC in der Reihe „Musique à Versailles“. Die meisten Aufnahmen der Reihe wurden bei Virgin / EMI neu aufgelegt, allein die 3 Aufnahmen mit den großen Motetten Lullys erschienen bei Naxos.


  • JEAN BAPTISTE LULLY
    Te Deum
    Dies irae


    Jennifer Smith-Sopran
    Francine Bessac- Sopran
    Zeger Vandersteene-Countertenor
    Louis Devos-Tenor
    Philippe Huttenlocher-Bass


    L´Ensemble vocal " A Coeur Joie" de Valence
    Orchestra de Chambre Jean Francois Paillard
    Jean Francois Paillard-Dirigent


    Aufnahmejahr 1975


    Zu allererst möchte ich mich bei Matthias (Lullist) bedanken, der mir die herrliche Musik Lullys nähergebracht hat!


    Nun aber zu der CD selbst:
    Sie enthält Lullys Te Deum und das Dies irae


    Das Te Deum ist Pomp, Pracht und Prunk pur. Das Te Deum laudamus beginnt mit lauten Fanfarenstößen und einem prachtvollen Chor. Das geht die ersten 10 Minuten so weiter, bis ein prachtvolles Basssolo "Patrem immensem majestatis" beginnt.


    Das Werk wird in der Mitte besinnlicher, aber nur um gegen Ende mit vollem Trara "zurückzuschlagen". Mich lässt es immer wieder atemlos werden, wie prachtvoll geistliche Musik sein kann. So stelle ich mir Musik für den Sonnenkönig vor.


    Geniale Stellen gibt es zuhauf, der ganze erste Teil vom Te Deum Laudamus bis zum Patrem immensem majestatis sind ein einziger Traum.


    Was würde ich geben, um eine Aufführung der damaligen Zeit sehen zu dürfen!!!
    (Wahrscheinlich alles)


    Die Interpretation ist hervorragend. Der Chor und das Orchester klingen perfekt aufeinander abgestimmt und bringen so eine Top-Leistung.


    Von den Solisten ist Philippe Huttenlocher herausragend. Sein wunderschöner und kräftiger Bass beherrscht die "Szene", wann immer er was zu singen hat. Vor allem das "Patrem Immensem majestatis", dieses wundervolle Basssolo singt er einfach traumhaft.


    Die andern Solisten sind in Ordnung, aber nicht herausragend.


    Aber vor allem ist das Te Deum an sich ein wunderschönes Werk geistlicher Musik, dass für mich an oberster Stelle in meinem "Olymp der Geistlichen Musik" steht.


    Jedes Mal, wenn ich es höre (ziemlich oft) bleibt mir der Mund vor Staunen offen stehen, da es so prachtvoll ist. Ich schließe bei diesen Passagen die Augen und verstetze mich in die Versailler Schlosskirche und höre nur gebannt und fassungslos vor Staunen zu. Wenn ich die Augen wieder öffne, meist viel zu früh, fühle ich mich als besserer Mensch. [Beim Autofahren allerdings nicht ratsam ]


    So viel bewirkt dieses Werk bei mir. Ich bin wahrlich kein bekennender Christ, aber dieses Werke kann ich nur anbeten, ebenso natürlich Lullys Genie.


    Fazit: eine traumhaft schöne Aufnahme, die ich jedem ans Herz legen will, der sich nur irgendwie mit geistlicher Musik beschäftigt!


    Die Alternativ-Aufnahme, die ich besitze, hat gegen die obige nicht den Hauch einer Chance, trotzdem will ich sie kurz vorstellen:





    Le Concert Spirituel
    Herve Niquet


    Herr Niquet ist, diese Info möchte ich vorausschicken, nicht unbedingt mein Freund, da ich seine geistlichen Aufnahmen aufgrund einer Tatsache nicht hören kann:


    Beispiel für Ratefüchse:
    Te Deum Laudamus.....et unum Deum (oben gezeigte Aufnahme)
    Te Deüm Laudamüs.....et ünüm Deüm (Niquet) [hat nix mit Dürüm oder anderen türkischen "Spezialitäten" zu tun]


    Die französische Betonung der latein-gesungenen Messtexte k***t mich einfach an, da es meiner Meinung nach primitiv und beinahe lächerlich klingt. Ich könnte mich jetzt noch Stundenlang über diesen Faktor aufregen, daher zur Musik.


    Die Niquet-Aufnahme ist durchaus reizvoll, da sie schlanker und intimer klingt. Zu Beginn meint man, wenn man die Paillard-Aufnahme gehört hat, in einem komplett anderen Werk zu sein. Alles hört sich gut an, bis sie singen..;)
    Beim Hören der Niquet-Aufnahme stellt man sich nicht die Versailler Schloßkapelle in ihrem Festgewand vor, sondern eher einen kleinen, beinahe heimlich anberaumten Gottesdienst.


    Ich asoziiere mit Versailles einfach Pracht, Prunk, Luxus-daher entspricht mir die Paillardaufnahme mehr.



    LG joschi

    Ich bin ich! Und wär ichs nicht, so möcht ichs werden!
    [Errol Flynn in einem Film über mich...;) ]

    • Offizieller Beitrag

    Die französische Betonung der latein-gesungenen Messtexte k***t mich einfach an, da es meiner Meinung nach primitiv und beinahe lächerlich klingt. Ich könnte mich jetzt noch Stundenlang über diesen Faktor aufregen, daher zur Musik.


    Die französische Aussprache des Lateinischen gehört natürlich ebenso zur historisch informierten Aufführungspraxis der Musik dieser Region wie Instrumente der Zeit (oder angemessene Nachbauten), Phrasierung, (non) Vibrato - sowohl beim Gesang als auch bei den Instrumenten - und vieles mehr. Wobei gerade das Vibrato im Gesang eine französische 'Unart' gewesen sein soll, die im 18. Jahrhundert allmählich in deutschsprachige Gebiete überschwappte, worüber man sich echauffierte (Imo zu Recht). Wenn Du bei einer Aufführung von Lullys Te Deum zu Lebzeiten des Komponisten dabei (gewesen) wärest, wärest Du vermutlich nicht besonders glücklich gewesen (jedenfalls nicht in diesem Punkt). Einem Franzosen eine andere Sprache als Französisch schmackhaft zu machen, ist bis heute fast unmöglich geblieben (aber ihnen passieren gelegentlich lustige Fehler bei der Französisierung ausländischer Worte: Der Lecteur CD müsste eingentlich Lecteur DC heißen...). Aber daraus sollten wir zu gegebener Zeit ein separates Forum (bzw. einen Thread im allgemeinen Bereich) stricken.


    :wink:

  • Zitat

    Die französische Betonung der latein-gesungenen Messtexte k***t mich einfach an, da es meiner Meinung nach primitiv und beinahe lächerlich klingt. Ich könnte mich jetzt noch Stundenlang über diesen Faktor aufregen, daher zur Musik.


    Es ist aber historisch korrekt - und das ist mehrfach nachweißbar, aber ich verstehe diese Irritation. Selbst einem befreundeten Französischlehrer schockierte dies und er musste sich erst daran gewöhnen. Ich hab aufgrund seiner Bedenken und ähnlichen Äußerungen gestöbert und habe ein wenig Corespondence vom guten Herrn Telemann gefunden. Darin parliert er u.a. mit Carl Heinrich Graun über den italienischen und französischen Stil. Vor allem was die Oper angeht. Das passt zwar nur bedingt, scheint mir aber sehr bezeichnend fürs Ganze zu sein.


    So lässt sich Graun auf ganzer Bahn gegen den französischen Stil aus, spricht sogar davon, dass der französische Gesang (bei im als Recitatif bezeichnet) nirgends gefalle außer in Frankreich und andernorts bestenfalls "ekel" auslösen würde.


    Harte Worte... aber trifft ja nach wie vor, wenn ich mir Don Giovannis Kommentar ansehe :D


    Telemann widerspricht ihm nur sanft, wie es seine Natur war, und versucht recht diplomatisch für den französischen Stil zu sprechen. So berichtet er von Personen aller möglichen Nationen, die ganz selbstverständlich Passagen aus Atys und Bellerophon vorsingen, aber wenn sie etwas italienisches singen sollen, so fällt ihnen nichts rechtes ein - ja ihm selbst würde es so gehen, dass sich die italienischen Werke nicht einprägen. Aber Telemann scheint wohl durchaus kein Vollblut-Lullist gewesen zu sein und lehnte bestimmte Formen wohl doch ab. Allerdings ist interessant, dass er auch genau das in seinen Briefen bestätigt, was als so unangenehm empfunden wird: die französische Aussprache des Lateins bei der frz. Kirchenmusik.


    So schrieb er in einem seiner Briefe über eine Grand Motet, die er für das Pariser Concert Spirituel komponiert hatte, nicht als "Deus Judicium tuum regi da" sondern ausdrücklich (!) "Deüs Jüdiciüm tüum regi da".


    Und wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat, dann bedauert man es sogar, wenn es einmal nicht so gemacht wird. Wenn ich mal die Zeit finde, schreibe ich die Briefpassagen mal ab und poste sie hier.


    :wink:

    • Offizieller Beitrag

    La Grande Ecurie et la Chambre du Roy
    Jean Claude Malgoire


    Nach meinem Kenntnisstand die erste Aufnahme auf alten Instrumenten. Zwar erreicht Malgoire nicht ganz eine so faszinierend gute Stimmung wie bei Charpentiers Te Deum, aber die Trompeten kommen gut zur Geltung. Leider gibt es einen seltsamen Patzer bei einer der Chorpassagen, es hört sich so an las hätte einer der Sänger gehustet oder genießt... Wäre diese Störung nicht, so wäre ich mit dieser Aufnahme rundum zufrieden. Die Aufnahme bekommt man sowohl als LP als auch als CD z.B. über Ebay

    Das ist die einzige CD, die ich sehe:


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