01 - Clavierkonzert KV 488 A-Dur: Einspielungen (opi)

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    Viviana Sofronitsky (Hammerklavier), Musica Antiqua Collegium Varsoviense, Tadeusz Karolak (mit Linda Nicholson & Mario Aschauer), 2005/06
    CD 7


    Das gefällt mir außerordentlich gut vom Orchester her, das Hammerklavier aber ist mir persönlich zu leise. Wenn ich es so laut stelle, dass ich zufrieden bin, falle ich beim Orchestereinsatz vom Stuhl. Das hat nichts mit meinen Ohren zu tun, sondern mit der Klangbalance der Aufnahme. Das Soloinstrument lauter oder das Orchester leiser und ich habe meinen Mozart gefunden. Ist Schoonderwoerd da besser justiert?

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    Das hat nichts mit meinen Ohren zu tun, sondern mit der Klangbalance der Aufnahme. Das Soloinstrument lauter oder das Orchester leiser und ich habe meinen Mozart gefunden. Ist Schoonderwoerd da besser justiert?


    Wie bereits a.a.O. erwähnt: die Balance wird besser, wenn das umgebende Orchester kleiner ist, z.B. bei Schoonderwoerd (solistisch), wobei letztgenannter zudem erstens (im Gegensatz zu Sofronitzki) einen unbelederten Flügel verwendet und zweitens KV 488 noch nicht eingespielt hat. Bleibt also abzuwarten ...


  • Künstler: Linda Nicholson (Hammerklavier), Cappella Coloniensis, Nicholas Kraemer
    Label: Crystal, DDD, 1989/90


    Diese opi-Aufnahmen sind zwar fast 30 Jahre alt, versprühen aber einen sehr spröden Klang.... -- wem es gefällt...



    :wink: LT

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    Die Capella Coloniensis würde ich persönlich nicht in die nähere Auswahl ziehen; Linda Nicholson aber durchaus.


    Das Interessante an verschiedenen Aufnahmen ist m. E., wie der Solist mit dem Mittelsatz umgeht: koscher, d.h. pur, ohne jedwede Auszierung mit übergroßem Respekt vor dem Urtext oder das genaue Gegenteil. Ich mag beides; jeweils zu seiner Zeit. Für die Reinheit einer derart orthodoxen Darbietung spricht heutzutage vieles, aber diesen Minimalismus gab es auch schon prä-HIP bei in Erfurcht von dem Komponisten versunkenen Interpreten, die aber darüber hinwegtäuschen und einen vom Himmel gesandten verklärten Mittelsatz präsentieren. Ist schön, so aber war das - glaube ich jedenfalls - von Mozart gewiss nicht gedacht.


    Verzierungen kratzen natürlich an diesem pozellanen Mozartbild.

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    Wie bereits a.a.O. erwähnt: die Balance wird besser, wenn das umgebende Orchester kleiner ist, z.B. bei Schoonderwoerd (solistisch), wobei letztgenannter zudem erstens (im Gegensatz zu Sofronitzki) einen unbelederten Flügel verwendet und zweitens KV 488 noch nicht eingespielt hat. Bleibt also abzuwarten ...

    Dann könnte Schoonderwoerd wirklich eine Alternative sein; ich denke, er wird schon noch den Rest einspielen und KV 488 ganz bestimmt. Fest steht, ich mag Mozarts Klavierkonzerte mit Ausnahme Uchidas nur noch hip-opi hören; eine ganz neue Qualität.

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    Kennst Du die Aufnahme Collegium Aureum/Demus?



    Es handelt sich um eine Kompilation aus zwei LPs: KV 246 & 537 (1970) auf einem Hammerflügel von Johann Schanz, 1790 und KV 488 & 467 (letzteres hier nicht enthalten; 1975) auf einem Hammerflügel Johann Georg Gröber, Innsbruck um 1800. Wenn auch nicht direkt hierher gehört: der Schan(t)z-Flügel hat Tangentenflügel-Allüren, scheint also tatsächlich noch unbeledert zu sein, klingt sehr feingliedrig und silbern, wird aber dennoch vom kleinbesetzten Orchester in KV 246 (2 Hoboen, 2 Hörner, Streicher) nicht zugedeckt; gelegentlich mischen sich die Klänge im Finale sehr gut (was schnell und irrtümlich als „zugedeckt" interpretiert werden könnte).


    Das Collegium Aurem repräsentiert ganz den längst überholten 70er-Jahre-Mozart-Sound, trotz historischer Instrumente kratzt und scheppert es nicht, keine Ecken und Kanten: es wirkt mir persönlich alles zu ausgewogen und zu glatt, zu schön und mir persönlich natürlich auch zu vibratös - nun gehört 246 auch sicher eher zu den „Schönlingen“ der frühen Konzerte, die noch in der Manier der zu begeisternden Jungfrauen stehen (à la Schröter). Ich schließe gar nicht aus, daß auch zu Mozarts Lebzeiten so musiziert wurde, aber spontan fällt mir dazu nur „Blümchensex“ ein - es muß ja nicht immer sado-maso und Bodage à la Currentzis sein, aber von jedem etwas, das hätte was ...


    Bei 537 öffnet sich der Orchesterklang ein wenig mehr, das Konzert lässt auch diesen Schönklang der frühen Konzerte nicht mehr wirklich zu ist auch mit zusätzlichen Flöten, Fagotten, Trompeten und Pauken wesentlich größer besetzt; dazu ein ander Mal mehr im entsprechenden Thread.


    Demus besticht durch klares, unaufgeregtes, präzises und leichtes Spiel. Auch bei KV 488. Die 5 Jahre jüngere Aufnahme hört sich deutlich „frischer“ an, das Orchester - hier anstelle der Hoboen eine Flöte und neben den Hörnern noch je zwei Clarinetten und Fagotte - klingt ebenfalls wesentlich freier und agiler. Der Flügel vom Innsbrucker Gröber, eher als Orgelbauer bekannt, ähnelt dem Schantz in seinem noch cembaloartigen (dennoch bestimmenden und gegenüber dem größer besetzten Orchester immer noch druchsetzungsfähigen) Silberklang - das dürfte dem Klangbild zu Mozarts Zeiten sehr nahe stehen. Wird der Moderator eingesetzt, wie m. E. teilweise in der Cadenz I, klingt das Gerät beinahe wie ein belederter Hammerflügel. Die güldenen Kollegas vibrieren hier nicht mehr so stark wie 5 Jahre zuvor, spielen brav und sauber, manchmal durchaus exponiert. Besonders im Mittelsatz fasziniert der zerbrechliche Klang des Innsbrucker Flügels, das Orchester lamentiert stark (fehlt nicht viel zum Geleier auf dem gehaltenen Flötentone einer alten, zu oft abgespielten MC - was durchaus seinen Reiz hat: vgl. Soundtrack zu „Amadeus“; Quetschkommoden-Sound bei der Grand Partita - Auftritt: Anton Salieri), überzeugt aber leider auch wenig bei den un- resp. wenig begleiteten Harmonieinstrumenten (Clarinetten, Fagotte, Hörner ohne Streicher), die mir in ihrer Sättigung ein wenig zu kurz kommen. Der Satz wirkt aber dennoch nicht schmalzig, Demus ziert die von den Streichern staccatiert begleiteten Passagen nicht aus, bleibt also sehr notengetreu und „koscher“ (wie ich es oben bezeichnete). Frisch, fromm, fröhlich, frei geht's ins finale Rondo. Auch hier mangelt es aufnahmetechnisch ein wenig an der Transparenz bei den Holzbläsern, was ein wenig schade ist, aber die undosiert versprühte Freude kommt trotzdem an!