Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88: Einspielungen (opi)

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    Eigentlich war das bloß ein Notkauf (nein, das wäre zu herablassend; besser: Wutkauf), weil Krivine lieber untätig herumsitzt als op. 88 einzuspielen. Das kann er von mir aus jetzt auch bleiben lassen - diese 8te gereicht durchaus an das umwerfende Erlebnis von Krivines op. 95 heran. Solche Einzelfälle sind meist nicht zu toppen und die mögliche Enttäuschung über Krivine erspare ich mir damit; die Vielfalt macht's eh spannender und Štryncl trifft meinen musikalischen wie klanglichen Nerv; voll ins Schwarze!

    Im ersten Satz hört sich einiges wie Mahler an: das ist erstaunlich, verwirrend und faszinierend zugleich. Aber es liegt wohl nicht an der Interpretation, sondern am Werk selbst (bei Norrington, vgl. Link weiter unten, schrieb ich bereits ähnliches). Ich denke, das liegt an den Trillern in den Hörnern und dem Holz (Finalsatz) sowie an den Triolen (drei gg. zwei) und den Blechsoli, besonders zu Beginn des letzten Drittels des Kopfsatzes. Insgesamt eine sehr fesselnde, transparente und knackig Aufnahme, die mit Holz und Blech punkten kann. Die Achte mag ich wie die Neunte wegen ihrer landsmännischen Verbundenheit - die folkloristischen und burlesken Anspielungen sind für mich das A und O bei Dvořák. Gute und geile Musik schreiben können viele - echt tschechische dagegen wenige.

    So weit entfernt sind Acht und Neun nicht voneinander: zwar toppt die Neunte unzweifelhaft ihre Vorgängerin, doch das beste ist nicht immer der Feind des guten: die Achte bleibt auch nach dem vorherigen Genuss einer ultimativen Neunten (Krivine) ein geiles Stück Musik; daran gibt es nichts zu rütteln.

    Für mich wird Norrington, dessen klangliche Ergebnisse ich auch überaus schätze, erstmal Dank dieser Einspielung ad acta gelegt werden können. Manchmal ist das richtige eben doch der Feind des gut gemeinten; zumal, wenn man parteiisch ist, wie meinereiner.

    Štryncl hat übrigens auch die 1te und 2te Sinfonie mit seinem Ensemble aufgenommen, jeweils - wie hier - mit weiteren Orchesterwerken gespickt; klingt nach dem (inzwischen aufgegebenen?) Vorhaben einer Gesamtaufnahme des Dvořákschen Orchesterwerks ...

    • Offizieller Beitrag

    Ach das auftaktige Thema T. 38/39 in den Celli und Bässen klingt wie eine Stelle aus Mahlers Vierter (oder eher umgekehrt), dort ebenfalls Kopfsatz, ebenfalls T. 38/39 (Violoncello). Und zu Dvořáks Lebzeiten wurde seine heutige 8te noch als 4te gezählt. Und G-Dur. Vier Zufälle? Von mir aus ...
    :beatnik: