01 - Clavierkonzert KV 466 d-moll: Einspielungen (omi)

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    Ich kam durch diese Dokumentation Cherny, Alena (*1967): Klavier auf dieses Konzert, dort wird es auf einer Benefizveranstaltung gespielt von der Protagonistin, um das Geld für den Flügel zusammenzubekommen.


    Zuerst griff ich, da es von Alena Cherny wohl keine eigene Aufnahne gibt, hierzu:

    Friedrich Gulda, Wiener Philharmoniker, Claudio Abbado, 1974/75
    CD 1


    Guldas Mozartkonzerte sind mir inzwischen fremd geworden; ich weiß überhaupt nichts mit ihnen anzufangen. Diese vorsätzliche Schmucklosigkeit, die ich intellektuell als Zugang verstehe, wirkt in Verbund mit trockenstem Ton und der Verweigerung jeder auch nur im Ansatz manieristischen oder auch nur vitalen Musizierhaltung seltsam leblos und impotent. Eigenartig.

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    CD 7


    Vielleicht mit die beste Vorstellung in dieser Box! Das ist ein ungeheuer ernster Mozart ohne Weihe, ein ungeheuer trauriger Mozart ohne wirklichen Trost; ein ungeheuer tiefer Mozart ohne Chance, den Abgrund zu erblicken. Das ist so interpretiert, als würde der späte Beethoven Pate stehen; aber vor allem der triste Schubert der letzten Sonaten. Ich stelle mir gerade vor, dass Richter das so gespielt hätte. Zwischen Gulda und Buchbinder, aber wohl eher näher am Älteren.

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    Ich stelle mir gerade vor, dass Richter das so gespielt hätte.

    Richter hat KV 466 tatsächlich zweimal (1950 und 1959) eingespielt und zumindest die zweite Aufnahme mit dem Warsaw National Philharmonic Orchestra unter Witold Rowicki ist in mehreren Boxen und Editionen greifbar.

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    CD 2: Track 1-3


    Die ersten Minuten nur mit dem Orchester lassen Schlimmes befürchten; als jedoch der Solist die ersten Töne spielt, sind alle Bedenken bereits über Bord. Ich weiß nicht, ob man seine Fingermuskeln und -sehnen so trainieren kann; dass man selbst ohne massiven Einsatz der restlichen Körpermasse so viel Druck auf die Tasten auszuüben vermag, dass sich schwarz und weiß zu fürchten beginnen. Gefürchtet würde sich sicher im ersten Moment auch Mozart haben, denn so unbarmherzig, hart, kristallen und präzise hat wohl noch niemand KV 466 ins moderne Klavier gehämmert. Das imitierte eine Cyborg-Nähmaschine, wenn nicht gleichzeitig eine ungeheure Sensibilität Richters auch für feinste Nuancen spürbar wäre. Er kommt mir vor, ich muss diesen Vergleich nun wagen; wie ein feuriger Hengst voller ungestümer Leidenschaft, der sich in seiner Kraft und allumfassenden Potenz nur mühsam zügeln lässt durch die Vorgaben der Partitur.


    Diese an Vergewaltigung Mozarts grenzende Vorstellung im 1. Satz, die aber immer grenzwertig noch einvernehmlicher Sex zu sein scheint, würde sich auf einem historischen Instrument gut machen; damit man jenes endlich auch einmal hörte. Richter jedenfalls schafft hier einen Fries mit überdeutlicher Handlung, so dass aus dem Basrelief ein Hautrelief wird. Mozart bekommt das gut, zumal Richter im 2. Satz einen seiner weiteren Vorzüge konsequent ausspielt, nämlich die Fähigkeit, niemals entrückt oder sentimentalisch sich langsamen Sätzen zu nähern, sanft und poetisch zu musizieren, ohne auch nur in die Nähe des Kitsches zu rücken, wie hier unschwer möglich wäre und einige seiner Kollegen beweisen.


    Gleichermaßen aber zeigt sich dann im 3. Satz leider auch Richters Unfähigkeit, gegen den eigenen Widerwillen ankämpfend und gestaltend Partien ausspielen zu müssen, die ihm eigentlich egal sind und im Grunde unnötig für das Kunstwerk, bei Schuberts D960 oder eben auch hier, wenn er alle rhythmischen Elfmeter vorsätzlich nicht verwandelt und brav und beinahe langweilig einfach konventionell dem Ende entgegenstrebt. Dass die Solokadenz trotzdem wirkt, auch wenn sie wie beiläufig gegeben wird, liegt daran, dass sich nun der Kreis schließt, denn auch im Kopfsatz hat Richter trotz aller Vehemenz die so genannten starken Fortestellen immer noch bewusst zurückgenommener gespielt, als ihm unzweifelhaft möglich gewesen wäre. Ein ungewöhnlicher, eigenwilliger Mozart ist das sicher; aber dennoch ein sehr, sehr beglückender, anregender und befriedigender.

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    CD 3


    Wohl auch hier:


    So klingt das also, wenn ein Solist um ein Vielfaches besser ist als der begleitende Klangkörper und dennoch Gentlemen genug, das andere nicht merken lassen zu wollen. Der Klangbrei tut ein Übriges, das Orchester von Beginn an in ein schlechtes Licht zu setzen, aber Casadesus bezaubert sofort mit seiner Richter diametral entgegengesetzten lyrischen Anlage des Kopfsatzes, die dennoch maskulin ganz ohne Schminke daherkommt; aber einfach mit einem Lächeln über dem kantigen Kirn und nicht mit vor Anstrengung zerfurchter Stirn unter rollenden Augen. Der 2. Satz hat etwas Unstetes, breites und zuweilen wie Käse Zerlaufendes; nicht direkt beliebig, aber doch weniger fesselnd als gewohnt; im 3. dann meistert er bravorös den Spagat zwischen Stellen, wo es auf die Ohren gibt und denen, die seinem Gestus vom 1. Satz entgegenkommen. Nur die Kadenz muss ich noch einmal hören, hier war mir etwas nicht geheuer. Insgesamt dennoch eine wirklich gute Interpretation, die leider von der Klangqualität selbst für diese Epoche abfällt.

  • Spontan fiele mir da Moravec/Marriner ein. Allerdings habe ich die Scheibe zuletzt vor etwa sechs bis sieben Jahren gehört. Moravec, der lange als Geheimtipp gehandelt wurde, hat in den letzten 15 bis 20 Jahres Jahren seines Lebens eine Art Alterskarriere hingelegt. Ich werde die Hänsslerveröffentlichung einmal herauskramen - später mehr.


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    Vol.2, CD 8


    Auch hier:


    Am Stärksten, Han wird es mir verzeihen, ist die Orchestereinleitung im 1. Satz: straff, konsequent, fast schroff und sehr fordernd; dann aber setzt das Instrument ein, das schon viel zu weich und verwaschen klingt; so dass der Solist daraus kaum mehr machen kann als eine gute bis durchschnittliche Interpretation. Das alles klingt in allen Sätzen sehr unauffällig, unaufdringlich; im 2. aber gar ein wenig langweilig und im 3. spürt man die Möglichkeiten Hans, die er aber hier einfach nicht ausreizen kann. Man könnte das zum Einstieg empfehlen, wenn es sich nicht um Mozart handeln würde; da reichen solche Deutungen einfach nicht mehr hin.

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    Dieses Format, wohl nur als MP3, ist schon ziemlich geil. Für uns hier:


    Haskil 1960 vs. Haskil 1954


    Weiterhin:


    Bruno Walter vs. José Iturbi
    Julius Katchen vs. Robert Casadesus
    Yvonne Lefébure vs. Rudolf Serkin
    Edwin Fischer (1954 und 1932)
    Lili Kraus vs. Artur Schnabel
    Arturo Benedetti Michelangeli, 1951 vs. 1953 vs. 1959 (Compare 3 Versions)

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    Ich hieraus:
    CD 16: Rudolf Serkin


    Sicher auch hier drin:


    Wer Mozarts KV466 satt hatt, sollte mal bei Serkin hineinhören; strenge Anlage ohne Schwere, Klarheit und ein mächtiges Wollen; vielleicht nicht verspielt, aber gut gespielt. Und zu Beethovens Sonaten kann man sich nur die Haare raufen, dass er keine GA vorgelegt hat, zu schade.


    Später hat Serkin auch mit Abbado aufgenommen: Serkin, Rudolf (1903-1991): Klavier


    Rudolf Serkin, London Symphony Orchestra, Claudio Abbado, 1981