Pro Cantione Antiqua

    • Offizieller Beitrag

    Wikipedia: Pro Cantione Antiqua

    Wohl eine der ältesten Formationen, die sich Alter Musik annahm und eine beträchliche Diskographie aufzuweisen hat. Zu Palestrina gibt es inzwischen eine Box:


    Pro Cantione Antiqua, Mark Brown, Bruno Turner, 1988-92

    Missa Assumpta est Maria; Missa Papae Marcelli; Missa Aeterna Christi Munera; Missa L'Homme Arme; Missa Brevis; Missa Lauda Sion
    +Super Flumina Babylonis; Sicut Cervus / Sitivit Anima Mea; Lamentationes Jeremiae Buch IV

  • Pro Cantione Antiqua gehört neben dem Hilliard Ensemble zu den britischen Vokalformationen, die die Alte Musik erst richtig gepusht haben; ihnen sind die ersten adäquat realisierten Einspielungen von Renaissance-Polyphonie zu verdanken, die überhaupt erschienen sind. Alles davor war mehr oder minder abhängig von einem gut eingestellten Chor und einem enthusiastischen Dirigenten. PCA erarbeitete die Literatur von Dufay, Desprez und Co. in zukunftsträchtiger Weise und ebnete den Weg für die vielen späteren Formationen in der Szene. Die 1970er Jahre war ihre große Zeit.


    Mit Bruno Turner hatten sie einen Fachmann für die Editierung und Aufführung der alten Quellen an ihrer Seite, so daß sie auf damals musikwissenschaftlich modernste Weise eine Musik interpretieren konnten, denen sich noch keiner so konsequent angenommen hatte. Bis dato waren Messen und Motetten mit gemischten Chören realisiert worden, zum Teil auch mit Knabensopranen besetzt, aber PCA hatte nur professionell ausgebildete Männer als Solisten, die zudem ein Werk mit selten mehr als drei Personen pro Stimme besetzten. Diese Mischung aus Forschung und professioneller Realisation machte den Reiz aus - und den Erfolg.


    Man muß aber auch sagen, daß sie ab den 1990er Jahren in eine ernsthafte Krise schlitterten, weil die Konkurrenz ihnen zunehmend den Rang abliefen; es ist auch kein Zufall, daß die Aufnahmen nach 1996 abbrechen. Ihr leichter Wobbel war inzwischen nicht mehr uptodate, vibratoloser Gesang war nun das Maß der Dinge; etwas, was die Solisten eigentlich nie für sich annahmen. Daß sie einstimmige Choräle auch ohne Vibrato singen konnten, half ihnen auch nicht mehr. Viele Sänger wie Andrew Carwood hatten inzwischen ihre eigenen Formationen gegründet und standen nicht mehr für PCA als Sänger zur Verfügung; Bruno Turner war nun über sechzig Jahre alt und legte den Taktstock zur Seite, zumal manche Sänger ihre aktive Karriere beendeten. PCA schlief allmählich ein.


    Nächstes Jahr wird das Ensemble 50 Jahre alt - was sie ab ca. 1972 aufnahmen, war richtungsweisend und exzellent gestaltet, und Einiges gehört noch zu den hörenswertesten Aufnahmen der jeweiligen Werke. Die Zeit mag tatsächlich über sie hinweggerollt sein, aber ihre artistische Klasse kann man dennoch nicht so einfach wegdiskutieren.


    Hier einige ihrer wichtigsten Aufnahmen:



    Die Renaissance-Aufnahmen für die Archiv Produktion (1973-1978)



    Die Aufnahmen des spanischen Repertoires (1978/1979)



    Monteverdis Marienvesper (1980)


    Und die Palestrina-Box oben zähle ich auch dazu.


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    Hier die Diskographie bei Discogs