Newe Teutsche Weltliche Madrigalia und Balletten (1619): Einspielungen

  • Druck: Newe Teutsche Weltliche Madrigalia und Balletten, So wol mit lebendigen Stimmen / als auff allerhandt Musicalischen Instrumenten und Seytenspielen gantz lieblich zu gebrauchen / mit fünff Stimmen Componirt und gesetzet (Heinrich Carstens, Hamburg 1619)


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    Da gibt es bisher nur diese Einspielung:


    Simone Eckert (2013)


    (P) 2013 cpo 777 664-2 [67:45]
    rec. 17.-19. Februar 2011 (St. Nicolai, Eckernförde)


    Himlische Cantorey:
    Veronika Winter & Ina Siedlaczek (s)
    Henning Voss (a)
    Jan Kobow (t)
    Ekkehard Abele (b)


    Hamburger Ratsmusik:
    Simone Eckert, Hermann Hickethier, Barbara Hoffmann, Irmelin Heiseke & Christian Zincke (Viola da gamba)
    Ulrich Wedemeier (Laute, Theorbe & Renaissancegitarre)


    D: Simone Eckert



    Inhalt:

    • Lasst uns zusammen in Gottes Namen singen
    • Musik von alters her ist geehrt
    • Paduana & Galliard Nr. 1 in d*
    • Bei guten Wein traurig traurig zu sein
    • Wer leben will ohn Schmerz
    • Kann auch der Liebe Band
    • Die Musik und ein guter Wein
    • Paduana & Galliard Nr. 18 in a/A*
    • Midas, der grobe Rustephil
    • Orpheus die Harfen schlug so fein
    • Paduana & Galliard Nr. 2 in g/G*
    • Wir armen Kartäuser
    • Paduana & Galliard Nr. 14 in a/A*
    • Nun tret herbei ein jeder frei
    • Mein Lust und Freud in Traurigkeit
    • Im Maien hört man die Hahnen krähen
    • Mit Lust tät ich spazieren
    • Der ander Teil: Der Kuckuck mit seinem Schalle
    • Paduana & Galliard Nr. 12 in a/A*
    • Der Kuckuck hat sich zu Tod gefalln
    • Frisch fröhlich wolln wir singen
    • Der Kuckuck auf dem Zaune saß

    *aus dem Druck: Ander Theil, ausserlesener lieblicher Paduanen, und auch so viel Galliarden, mit fünff Stimmen, auff allerley Instrumenten, und insonderheit auff Fiolen zu gebrauchen (Philipp von Ohr, Hamburg 1609)



    cpo führt hiermit seine Reise durch den norddeutschen Barock weiter fort. Von Johann Steffens - Organist an St. Johannis in Lüneburg - sind nicht mehr viele Werke erhalten geblieben, obwohl es nachweislich Drucke und Manuskripte gibt, die indirekt in alten Ratsbüchern Erwähnung finden, aber nun verloren sind. Umso mehr ist es zu begrüßen, daß die erhaltenen Quellen komplett zu einer Aufnahme ausgereicht haben wie in diesem Fall hier: sämtliche Lieder aus dem posthum erschienenen Druck von 1619 und alle Steffens zugeschriebenen Tanzsätze aus dem Druck von 1609 sind auf der CD zu finden.


    Es handelt sich um herrliche, fünfstimmig gesetzte Madrigale, die sehr deutlich den Einfluß Hasslers und auch Ferraboscos aufweisen. Steffens verarbeitet die Texte in unterschiedlichster Weise - mal sind es einfache homophone Strophenlieder, mal kontrapunktisch durchgeführte Sätze. Dabei betonen die Stücke die Lebenslust und spiegeln ein wenig die Daseinsfreude der damaligen Generation wider, bevor der Dreißigjährige Krieg das Meiste zunichte machte.


    Die Cantorey singt mit exzellenter Präzision und bewegender Intonation, die Ratsmusiker spielen mit feiner Elastizität und großer Virtuosität. Es ist die sehr geglückte Interpretation einer Musik, die allein deshalb so selten ist, weil sie nur noch in Spuren erhalten geblieben ist - aber kostbar wird sie durch die alleinige Verfügbarkeit in dieser Form.


    Eine echte Entdeckung... :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: