01 - Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36: Einspielungen (opi)

  • Die „Zweite" war für mich schon immer in meiner „Wertung" deutlich vor der „Achten“ (weshalb es mich wundert, daß es noch keinen persönlichen Thread zu dieser Sinfonie gibt: weder omi, noch opi, noch allgemein; hiermit ist der Mangel in der Hauptsache erledigt, wie es rechtswissenschaftlich heißt), was sich allerdings inzwischen etwas verschoben hat - zumindest in Bezug auf das „deutlich" ... es scheint so, daß die Sinfonien Beethovens erst ab der Forenpatronin (Eroica) ernst genommen werden. Nachdem es nun doch einige ernstzunehmende opi-Einspielungen der Stiefkind-Achten gibt, liegen op. 36 und op. 93 bei mir relativ gleichauf. Von op. 36 existiert zudem eine originale Bearbeitung Beethovens selbst für Claviertrio; zu dieser in einem separaten Thread mehr - hier nur soviel, daß dem Komponisten wohl doch recht viel an diesem Werk gelegen haben muß, denn es ist das einzige sinfonische, bei dem er sich zu einer Bearbeitung für die Kammer herabgelassen hat - und dies in einer nicht zu unterschätzenden Weise.


    Eine favourisierte Einspielung auf CD habe ich derzeit nicht, aber in meinem Fundus finden sich einige, die ich doch sehr gern höre (nach intensiverem Vergleichshören mehr Details, empfehlenswert sind sie indes alle):



    Smithsonian Chamber Orchestra
    Jaap Schroeder


    1987 Concordia College, Bronxville, New York



    Orchestra of the Age of Enlightenment
    Frans Brüggen (1994)


    (Auch in diversen Einzelausgaben und in verschiedenen Kombinationen, z. B. mit Mozarts KV 543 erhältlich ...)



    The Academy of Ancient Music
    Christopher Hogwood



    Orchestre Révolutionnaire & Romantique
    Sir Elliot Gardiner



    Anima Eterna
    Jos van Immerseel



    La Chambre Philharmonique
    Emmanuel Krivine



    London Classical Players
    Sir Roger Norrintgton

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Frans Brüggen hat die Sinfonien einige Jahre später mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment nochmals aufgenommen:



    Ich glaube mich zu erinnern: die haben mir allgemein nicht so gut gefallen wie die frühere Version ...

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Bedauernswert, daß die New Dutch Academy diese Referenzeinspielung (für mich) noch nicht herausgegeben hat:






    In diesem Konzert wurde sie übrigens in Kombination mit Mozarts „Prager" Sinfonie KV 504 gekoppelt dargeboten; der Zusammenhang ist gegeben.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)


  • (Mitschnitte in den Konzerträumen der Wiener Erstaufführungen - Landhaussaal des Palais Niederösterreich Wien)


    Wie sehen das die Fachleute? Ist das nicht recht fad gegenüber den anderen opi-Einspielungen?

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Auch hier widerlegen allein die Spielzeiten (Indizienbeweis), daß Haselböck überhaupt nicht fad sein kann:


    [img]http://www.eroica-klassikforum…um/photo-569-b5abed8c.png[/img]


    Von den Einspielungen in meinem Bestand der schnellste erste Satz (wobei, nota bene, viel am Tempo der lgs. Einleitung hängt ...) - und auch hier (wie dort) ist der Sound sehr realistisch, was ich mag.


    Ein wenig mehr Energie vertrage ich allerdings durchaus ... es hängt nicht alles am Tempo, nicht wenig auch an der Lautstärke, die man sich gönnt (resp. gönnen darf).

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Ein wenig mehr Energie vertrage ich allerdings durchaus ... es hängt nicht alles am Tempo, nicht wenig auch an der Lautstärke, die man sich gönnt (resp. gönnen darf).


    Eben, man kann schnell und trotzdem fad sein. Fad ist aber tatsächlich das falsche Wort; ich überlege nun schon zwei Tage, was das Problem ist. Gardiner z.B. wirkt flinker, als er tatsächlich ist; und er hat feinste Dynamikabstufungen; Krivine ist kleinzackig, Brüggen harsch, Hogwood sanft-herb. Alle haben irgendetwas, was mir auffällt; nicht immer positiv, aber eben doch eindrücklich. Bei Haselböck habe ich eben keinerlei Benennungseinfall derzeit.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Wenn man diese fünf Aufnahmen vergleicht ...


    CD 2


    Ludwig van Beethoven

    2. Sinfonie D-Dur op. 36 (1802)


    Roger Norrington

    London Classical Players

    1987-89


    CD 1


    Ludwig van Beethoven

    2. Sinfonie D-Dur op. 36 (1802)


    La Chambre Philharmonique

    Emanuel Krivine

    2009/2010

    CD 1


    Ludwig van Beethoven

    2. Sinfonie D-Dur op. 36 (1802)


    John Eliot Gardiner

    Orchestre Revolutionnaire et Romantique

    November 1991

    (Mitschnitte in den Konzerträumen der Wiener Erstaufführungen - Landhaussaal des Palais Niederösterreich Wien)

    Ludwig van Beethoven

    2. Sinfonie D-Dur op. 36 (1802)


    Wiener Akademie

    Martin Haselböck

    2014


    [keine Ausgabe auf CD oder als Download: nur YT]


    Ludwig van Beethoven

    2. Sinfonie D-Dur op. 36 (1802)


    The new Dutch Academy
    Simon Murphy

    ????


    ... muss man sich nur die ersten Minuten des letzten Satzes anhören, um tatsächlich Rückschlüsse auf die gesamte Interpretation ziehen zu können. Kaum wahrnehmbares Klangbild bei Norrington, dünn und blass; spärlich Akzente überliefernd; Krivine derb, zupackend, forsch, kantig und sehr zäsierend; Gardiner mit eleganter Klinge und trotzdem noch edel spannend akzentuierend; Haselböck sehr zurückhaltend mit zuviel Angst vor Überspielungen und Murphy vielleicht mit der besten Synthese aus Krivine und Gardiner, weshalb er wohl den Lorbeerkranz für die Zweite verdient.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793


  • Akademie für alte Musik, Bernhard Forck



    Le Concert des Nations, Jordi Savall


    Wie auch bei op. 21 scheinen sich die Interpreten im 'Zeitenvergleich' abgesprochen zu haben:


    Akademie für alte Musik, Bernhard ForckLes Concerts des Nation, Jordi Savall
    I Adagio - Allegro con brio12:1512:21
    II Larghetto10:3110:28
    III Scherzo - Allegro (Trio)4:254:35
    IV Allegro molto 6:276:48


    Ich weiß nicht, was ich schreiben soll (Erkenntnis nach drei Stunden hoffnungsvollen Wartens auf eine Eingebung ...).


    Mir gefallen sie beide. Sollen andere etwas dazu posten und mich herausfordern ...


    *hä*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)