Pedalflügel, Pedalclavier, Piano Pédalier: Einspielungen (opi)

  • Als recht umfassende Einführung mag ein Essay von Martin Schmeding, von dem im Folgenden auch eine Aufnahme präsentiert wird, dienen:



    Allmählich lassen sich auch lohnenswerte Aufnahmen von speziell für diese Instrumente komponierten Werken finden; auf einem Pedalflügel, versteht sich. Werke dieser Art wurden lange Zeit entweder auf der Orgel oder auf einem Clavier (drei- bis vierhändig) oder zwei Clavieren dargeboten, wobei die mehrhändige Claviervariante dem authentischen Klang natürlich am nächsten war. Dazu findet sich vom Label Winter&Winter eine sehr hörenswerte Produktion:



    Robert Schumann (1810-1856)
    Stücke in kanonischer Form op. 56


    Federica Valli, Pianoforte Sebastien Érard, Paris 1842
    Lorenzo Ghielmi, dritte Hand anstelle der Pedale


    Ich fand es schon Paradox, daß speziell für Pedalinstrumente (die wiederum als Orgelersatz dienten) komponierte Werke in Ermangelung eines bespielbaren Instrumentes auf der Orgel wiedergegeben wurden (was allerdings selbstredend problemlos möglich war). Aber im Folgenden soll es um Einspielungen auf einem Piano Pédalier durch nur eine Person gehen.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Gerade Schumanns „Stücke in kanonischer Form" op. 56 sind auch auf einem originalen Pédalier eingespielt worden:



    Robert Schumann (1810-1856)
    Gesamtwerk für Pedalflügel


    6 Studien op. 56
    4 Skizzen op. 58
    6 Fugen über B-A-C-H op. 60
    Albumblätter op. 124 Nr. 20 (Canon)


    Martin Schmeding, Pleyel-Pédalier (Seriennummer 109062) c1890


    So sehr ich die zuerst gezeigte dreihändige Einspielung lobe: hier klingt alles noch ein wenig organischer - „aus einem Körper" sozusagen.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Eine Anthologie mit Pedalflügelwerken verschiedener Komponisten hat das Label naïve zur Verfügung gestellt:



    Alexandre-Pierre-François Boëly (1785-1858)
    Fantasie & Fuge op. 18 Nr. 6
    Andante con moto op. 18 Nr. 1 & op. 43 Nr. 7
    Toccata op. 43 Nr. 13
    Allegro ma non troppo op. 18 Nr. 7


    Liszt Ferenc (1811-1886)
    Evocation a la Chapelle Sixtine
    Präludium & Fuge über B-A-C-H


    Robert Schumann (1810-1856)
    4 Skizzen op. 58


    Johannes Brahms (18533-1897)
    Präludium & Fuge WoO 10


    Charles Valentin Alkan (1813-1888)
    Präludien op. 66 Nr. 5 & 10


    Olivier Latry, Piano Pédalier Érard, Paris, 1853


    Zu beiden Aufnahmen werde ich mich nach weiteren vergleichenden Hörsitzungen erneut hier melden.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Martin Schmeding (Pleyel-Pédalier c1890) vs. Olivier Latry (Piano Pédalier Érard, Paris 1853)


    Zunächst einmal stelle ich fest, daß Schumann das Pedal bei diesen „Skizzen" nicht wirklich in Szene setzt - vielmehr fungiert es als eine Art „Generalbass", hat häufig liegende oder bloß verstärkende Töne, ist kaum selbständig (hörbar), erst im Mittelteil der Nr. 3 und zu Beginn der vierten Skizze erhält es eine etwas präsentere, exponiertere Position. Vielleicht war das der Sinn und Zweck dieser Skizzen, die Möglichkeiten zu probieren? Schmeding vermutet in seinem Essay sogar, daß Schumanns mangelhafte Fähigkeiten bezüglich des Orgel(pedal)spiels der Grund dafür sein könnte. Egal, das ist jedenfalls sehr schade, da gerade das Pedal wegen der zusätzlichen Klangvielfalt das gesamte Klangbild solcher Stücke m. E. durchaus verändern kann. Gleichzeitig stellt sich mir die Frage in Anbetracht der Partitur, wie Clavierstücke überhaupt je ohne Pedal auskamen?


    Latry hält für mein Empfinden in der Nr. 1 die jeweils betonte Achtel auf Schlag 2 zu lang aus (als Viertel); bei Schmeding wirkt dies markanter. Auch scheint mir das von Schmeding benutzte Pleyel-Pédalier im Klang etwas markanter zu sein als der 1853er Èrard, was ich aber hier garnicht in die Waagschale legen möchte.


    Wie gesagt, sind die Pedale in op. 58 nicht so exponiert, daß man großangelegte Vergleiche anstellen könnte: insgesamt erscheinen sie mir beim Pleyel etwas deutlicher hörbar zu sein, beim Èrard verschmilzt der Sound, weshalb es aber auch nicht organischer klingt als beim Pleyel.


    Etwas ratlos ... *hä* - da muß ich wohl eher Alkan und Liszt vergleichen.


    Bautechnisch scheint hier der Unterschied zu sein, daß beim Érardflügel die Pedalsaiten durch eine vertikal unter dem Manual verbaute zusätzliche Mechanik direkt mit den Instrumentensaiten „verbunden“ sind, der Érard mithin ein Instrument „aus einem Guss“ ist (es wird angenommen, daß Alkan auf diesem Instrument musiziert hat), während beim Pleyel-Pédalier separate Saiten horizontal unter dem Flügel liegen und das Pédalier selbst nicht mit dem Flügel verbunden ist.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Ebenfalls auf einem Érard (hier aus dem Besitz von César Franck) spielt Jean Dubé, diese CD kenne ich allerdings noch nicht:


    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)