Aspekte der Liedinterpretation

  • ich dachte schon, du schneidest mich. 8-)

    Wie das?


    Mich interessiert das Sprach-Interpretationsproblem wirklich sehr, gerade bei diesen Liedern "im Volkston", also keine Arien u.ä. Ich habe vor Jahren auch schon mal einen der Schubertschen Zyklen mit ins Niederländische übersetzten Text gehört, da bemerkt man die (gegenseitigen) Schwierigkeiten. Und da hätte ich gerne mal eure Meinung gelesen.



    lg vom eifelplatz, Chris.


    Ich habe diese von Chris anlässlich von Schuberts "Winterreise" angestoßene allgemeine Diskussion hier in einen eigenen Thread ausgelagert, die Postings verbleiben aber auch im Ursprungsthread. Mod. Yorick

  • mit ins Niederländische übersetzten Text gehört


    ... ich wäre vermutlich vor Lachen verreckt.
    *hide*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Mich interessiert das Sprach-Interpretationsproblem wirklich sehr, gerade bei diesen Liedern "im Volkston", also keine Arien u.ä.


    Meinst du da mehr das Idiomatische, wie in diesem Thread thematisiert Das deutsche Kunstlied und seine Interpreten - Muttersprachler vor Ausländern?; oder das Verhältnis Text-Ton/ Musik (haben wir auch schon Threads) oder das Verhältnis Sprechen/ Singen?

    "Nach meiner Erinnerung, damals war ich neun Jahre alt, hat man die damaligen Ereignisse in meinem Umfeld mit einem Schulterzucken ohne viel Aufhebens zur Kenntnis genommen - das war es auch schon." Max (zum Mauerfall)


  • Hier also die von mit oben erwähnte Aufnahme mit Jan van Elsacker.


    Deutsche gesungene Texte leben meiner Meinung nach von den klaren Vokalen; ich denke, das macht es manchen mit einer anderen Muttersprache schwer zu singen. (Im Italienischen dürfte es ähnlich sein.) Eigenartiger Weise fällt mir das bei SängerInnen aus den Niederlanden Schubert-Liedern schon mal auf. Wenn ich Niederländisch sprechen soll, muss ich irgendwie den Kiefer verschieben, dass ich das rrrrr oder g als Rachenlaut ausprechen kann (da lachen sich auch einige schief). Wenn NiederländerInnen schnell sprechen, höre ich als Ungeübte zunächst nur Rachenlaute und oft am Ende einen Zischlaut, (aber das ist dann meist ein Dialektwort.)


    Bei diesen Aufnahmen scheint mir, dass die beiden Sänger sehr vorsichtig und aufmerksam mit der tönenden Sprache umgehen und die Silben einzeln, nun ja, fast streicheln. Wir sind eher gewöhnt, das Wort als ganzes zu denken und zu singen. Eigentlich machen beide ihren Job sehr gut, man muss sich nur daran gewöhnen.



    lg vom eifelplatz, Chris.

  • Bei diesen Aufnahmen scheint mir, dass die beiden Sänger sehr vorsichtig und aufmerksam mit der tönenden Sprache umgehen und die Silben einzeln, nun ja, fast streicheln. Wir sind eher gewöhnt, das Wort als ganzes zu denken und zu singen.


    Eine sehr schöne Formulierung. Die Frage bleibt, was ist ein Detail und was ist das Ganze? In welchem Verhältnis stehen Buchstabe (Vokal), Silbe, Wort; ja auch Wortgruppe und Vers zum Strophen- oder gar Liedganzen? Ich muss schon den Eindruck haben, ein organisches Gesamtkonzept vorgetragen zu bekommen; sonst funktioniert das nicht. Mir persönlich sind "missratene" Einzelheiten, etwa ein verschliffener Vokal, lieber als ein Gesamteindruck, der sich nicht einstellen will.

    "Nach meiner Erinnerung, damals war ich neun Jahre alt, hat man die damaligen Ereignisse in meinem Umfeld mit einem Schulterzucken ohne viel Aufhebens zur Kenntnis genommen - das war es auch schon." Max (zum Mauerfall)

  • Meinst du da mehr das Idiomatische, wie in diesem Thread thematisiert Das deutsche Kunstlied und seine Interpreten - Muttersprachler vor Ausländern?; oder das Verhältnis Text-Ton/ Musik (haben wir auch schon Threads) oder das Verhältnis Sprechen/ Singen?

    Ne, mir geht es hier nur um Schubert mit niederländischsprachigen Sängern, also hier diesen beiden, z.B. bei Bostridge oder anderen Engländern fällt mir das nicht so auf, ein wenig neulich mal bei den Betonungen von Roderick Williams (allerdings legt die von mir sehr geschätzte Evelyn Tubb auch einen sehr eigenen Schubert hin .. aber das ist wieder ein anderes Thema).



    lg vom eifelplatz, Chris.

  • Ne, mir geht es hier nur um Schubert mit niederländischsprachigen Sängern, also hier diesen beiden, z.B. bei Bostridge oder anderen Engländern fällt mir das nicht so auf, ein wenig neulich mal bei den Betonungen von Roderick Williams (allerdings legt die von mir sehr geschätzte Evelyn Tubb auch einen sehr eigenen Schubert hin .. aber das ist wieder ein anderes Thema).



    lg vom eifelplatz, Chris.


    Ach so, da habe ich das zu weit gefasst verstanden. Bostridge ist für mich ein schwieriger Fall; ich schrieb das hier im Forum schon an verschiedenen Stellen: Ich hochachte sein Kunstwollen, aber seine Stimme ist so dermaßen nicht die meine; dass ich ihn mir einfach nicht anhören kann, ohne dass er meine Vorstellungen von Winterreise, Schwanengesang und Co. kaputtmacht. Aber Stimmen sind so subjektiv, das wäre ein eigener Thread.

    "Nach meiner Erinnerung, damals war ich neun Jahre alt, hat man die damaligen Ereignisse in meinem Umfeld mit einem Schulterzucken ohne viel Aufhebens zur Kenntnis genommen - das war es auch schon." Max (zum Mauerfall)

  • - Idiomatik: Muttersprachler oder überakzentuierende Fremdsprachler
    - Verhältnis der Details zum Liedganzen
    - Singen oder Sprechen oder Deklamieren
    - die Texte
    - Zusammenspiel zwischen Sänger und Begleiter
    - Männer- oder Frauenstimmen
    - Stimmfärbungen etc.

    "Nach meiner Erinnerung, damals war ich neun Jahre alt, hat man die damaligen Ereignisse in meinem Umfeld mit einem Schulterzucken ohne viel Aufhebens zur Kenntnis genommen - das war es auch schon." Max (zum Mauerfall)