Messe von Tournai: Einspielungen

  • Da gibt es:



    (P) 1980 (Deutsche) Harmonia Mundi / EMI 1C 65-99 870 [22:30]
    rec. 24.-26. Juni 1979 (Pfarrkirche Schloß Kirchheim)


    Pro Cantione Antiqua:
    Kevin Smith & Timothy Penrose (ct)
    James Griffett & Ian Partridge (t)
    Michael George & Richard Wistreich (b)
    D: Mark Brown


    Obwohl es gut ein Dutzend Aufnahmen dieser Messe gibt, sind z.Z. die wenigsten greifbar: diese hier gibt es auf CD anscheinend nur in der obigen 1992er Veröffentlichung. Es ist das unverwüstliche Ensemble PCA - pro Stimme doppelt besetzt und rein a cappella. Es entsteht ein schwebender und geschlossener Gesamtklang, vorgetragen mit höchster Präzision und Aufmerksamkeit für die feinen Details. PCA setzt den Rhythmus sehr genau und mit leichtem Hoquetus, wirkt dabei aber auch etwas langsam und besonnen. Insgesamt eine fein intonierte Einspielung mit Hang zur akademischen Distanz.


    Gut... :)


  • (P) 1991 harmonia mundi france HMC 901353 [53:17]
    rec. September 1990 (Abbaye-aux-Dames, Saintes)


    Ensemble Organum:
    Josep Benet, Patrick Aubailly & Frédéric Richard (t)
    Josep Cabré & Marcel Pérès (bt)
    Malcolm Bothwell & Antoine Sicot (b)
    D: Marcel Pérès


    Pérès geht einen anderen klanglichen Weg als PCA: keine Countertenöre, dafür ein tieferes Baßfundament, so daß ein dunkler Klang entsteht. Außerdem ist sie eingebunden in eine Meßliturgie zur Ehren der Jungfrau Maria - mit anderen Worten: das Proprium stammt aus der gleichen Handschrift wie die Messe, nämlich aus MS 476. Dazu kommt eine frei schwebende Klanglichkeit mit fein schreitendem Rhythmus, so daß sich die Messeteile nicht so deutlich vom Proprium unterscheiden.


    Der Effekt ist verblüffend: obwohl das Ensemble Organum für die eigentliche Messe sogar mehr Zeit braucht als PCA (23:39), wirkt diese Interpretation wesentlich fließender und nicht in die Länge gezogen. Der innige Ausdruck ist stets präsent, und das dunkle Klanggefüge gibt der Musik eine erstaunliche Freiheit. Man kann sich voll und ganz fallenlassen, zumal sich dieser Effekt nicht abnutzt. Ganz klar: es war damals eine außergewöhnlich exzellente Einspielung, und das ist sie heute noch - und sie wird es in aller Ewigkeit so bleiben.


    Göttlich... :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


  • (P) 2003 Naxos 8.555861 [22:01]
    rec. 15.-17. Mai 2001 (Abbey Church of St. Peter & St. Paul, Dorchester-on-Thames, Großbritannien)


    Tonus Peregrinus
    D: Anthony Pitts


    Wesentlich heller geht das britische Ensemble voran: besetzt SSAATTBB, darunter drei Damen als SSA, ist der Satz hier weder archaisch noch konsequent puristisch - vielmehr tritt hier das Gefüge klar hervor, gepaart mit einer eleganten Klangkultur des Ausgleichs und der besonnenen Kraft. Tonus Peregrinus ist ein Spezialistenensemble, welches als gemischter Chor ein beeindruckendes Präzision an Intonation und Gesamtklang kreieren kann; hier gelingt ihnen eine handwerklich hervorragende Aufnahme, die mir aber zu wenig Tiefe erreicht. Das liegt einerseits an den Damen, die mir in diesem Repertoire des Mittelalters nicht passend erscheinen - andererseits ist der Ausdruck etwas reduziert, gepaart mit einem hohen Grundtempo und wenig Variationsmöglichkeiten. Schmucklos wirkt die Messe, schnörkellos die Umsetzung. Insgesamt eine gute Einspielung mit guten Leistungen, aber im direkten Vergleich zum Ensemble Organum bleibt sie doch ein bißchen zurück. Gut... :)