08 - Ein Divertimento à 1 violino, 1 viola, e violoncello; di sei pezzi Es-Dur KV 563: Einspielungen (opi)

  • Man, die thematische Übersicht im KV ist auch nicht wirklich logisch ... da sucht man unter „Divertimenti für Streichinstrumente allein" (Sektion - 18), weil das Werk ja von Mozart als solches bezeichnet und als solches am 27ten item [September; 1788} in seinem eigenen Verzeichnis als Nr. 96 (recte: 97; die N° 30 hat er versehentlich doppelt vergeben) eingetragen wurde ... nach Abschluß der grandiosen Sinfonien-Trias, zwischen einigen Kanonstudien und vor dem Claviertio G-Dur (KV 564), den letzten beiden Quartetten (KV 575 und 590), den letzten beiden Quintetten (KV 593 und 614) ... und dann listet Köchel es in Sektion 21 unter „Trio und Duo für Streich- und Blasinstrumente". Für mich in zweierlei Hinsicht unlogisch: zum einen „fehlen" hier die Bläser, zum anderen tauft Mozart sein Werk als Divertimento und nicht als Streichtrio (resp. Terzett, wie er es genannt hätte), später - in den Briefen - erwähnt er es als „Trio".


    *wait**rain*


    Nach seit 1983 bislang nicht aktualisierten „Erkenntnissen" - nennen wir es: Schubladisierungen! - gilt #563 also als Streichtrio, was m. E. nicht zutreffend ist: per se bezeichnet Mozart es recte als Divertimento, zumal es - wie die nähere Bezeichnung preisgibt, „di sei Pezzi" - also in sechs Sätzen - besteht, wohingegen ein klassisches Streichtrio drei, maximal vier Sätze präsentieren würde. Ein zweites, hier vorhandenes, Menuett kategorisiert ganz klar in die Rubrik Serenaden, Cassationen und Divertimenti. Wie dem auch sei: um der schnelleren Auffindbarkeit genüge zu tun, habe ich es vorläufig im Rubrum „Kammermusik" - was definitiv zutreffend ist - abgelegt.


    Mozart selbst bezeichnet das Werk einerseits als Divertimento, was fraglos richtig ist, denn der Aufbau spricht ganz dafür: 6 Sätze, darunter 2 Menuette und 2 langsame Sätze, umschlossen von zwei schnellen Sätzen. Es ist aber reinste Kammermusik, keine belustigende Freiluftmusik - wie für Divertimenti dieser Zeit üblich. Somit ist es durchaus schlüssig, wenn Mozart umschwenkt und das Werk fortan als Trio bezeichnet. Aber es wird wohl eine großartige Mischform bleiben.


    Das vollendetste, feinste Trio, das je in dieser Welt hörbar geworden ist.
    (Alfred Einstein)


    Das Werk hat Mozart für seine „Hausbank", den Freimaurerbruder Michael Puchberg (1741-1822), seines Zeichens Tuchhändler, Musikliebhaber und Mäzen, komponiert. Es wurde „u.a. am 13. April 1789 im Hotel de Pologne in Dresden gespielt, am 9. April 1790 bei dem Grafen Hadik, einem Maler-Ditelttanten."
    (Zitat nach Köchel)


    Brief vom 16. April 1789 an Constanze Mozart schrieb:

    [...] - wir hatten bei uns à l'hotel de Boulogne ein quartett arrangirt. - wir machten es in der Kapelle mit Antoine Tayber |: welcher, wie du weist, hier Organist ist :| und mit Hr: Kraft |: Violoncellist vom fürst Esterhazy :| welcher mit seinem Sohne hier ist, aus; ich gab bei dieser kleinen Musik das Trio welches ich Hr: v Puchberg schrieb. - es wurde so ganz hörbar executirt - Duschek sang eine menge von figaro und Don Juan; [...]


    Brief vom 8. Aüril 1790 am Michael Puchberg schrieb:

    Morgen freytag hat mich graf Hadick gebeten ihm das Stadlers Quintett, und das Trio so ich für sie geschrieben, hören zu machen, ich bin so frey Sie dazu einzuladen; Häring wird es Spiellen.



    AleaEnsemble


    Andrea Rognoni, violino
    Stefano Marcocchi, viola
    Marco Frezzato, violoncello


    Wer (m. E. zu viel) Hall nicht als störend empfindet, ist hier bestens bedient, zumal der Hall sich im Adagio in Grenzen hält, das ist hier unübertroffen gespielt. Der Kopfsatz ist kammermusikalisch kaum zu toppen. Wen es interessiert: dem Werk geht offenbar das unvollendet gebliebene Bruchstück G-Dur KV 562e voraus: „Daß Mozart dieses Fragment* nicht beendet hat, ist sehr zu bedauern. Der erste Teil des Allegro bis zum Doppelstrich liegt vollständig vor, dann folgen 9 T. der Durchführung: Einstein betrachtet das Bruchstück als einen früheren Versuch zu seinem Streichtrio, den Mozart dann zugunsten der Nr. 563 liegengelassen hat." Dafür spricht auch „der ambilvalente Rhythmus des 3. u. 4. Taktes [...]", der „im 1. u. 2. Takt des ersten Menuettes von 563" wiederkehrt.
    (Zitat nach Köchel)


    Der Vollständigkeit halber: das Bruchstück ist in Volume X der CME Phillips (1991) enthalten, leider *omi* - und nur bis zum Doppelstrich (ohne die unvollendeten DF-Takte).


    *Für mich ist ein Fragment nachwievor ein Überrest, ein nicht mehr vollständig erhaltenes Objekt; das ist hier nicht der Fall, das Werk war nie vollendet, ist somit ein „unvollendetes Werk" oder „Bruchstück", kein (dereinst vollständig gewesenes, jetziges) Fragment.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Es gibt noch eine weitere Aufnahme:


    Trio Ricercar (1992)

    CD 4 CD 72


    (P) 1992 Ricercar RIC 096080 [50:58]
    rec. Januar 1991 (Filosofisch Theologisch College van de Societeit van Jezus V.Z.W., Heverlee/Belgien)


    Trio Ricercar:
    Francois Fernandez (Violine)
    Ryo Terakado (Viola)
    Rainer Zipperling (Violoncello)


    Das ist eine ausgezeichnete Einspielung, die sehr von einer nahen Mikrophonierung profitiert: dadurch werden die dynamischen Unterschiede deutlich betont, ohne daß der Zusammenklang oder die Abstimmung darunter leidet. Die drei Instrumentalisten spielen präzise, klangschön und perfekt zusammen. Toll... :thumbsup: