01 - Sinfonien (integral): Einspielungen

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    Integral. (10: nur das Adagio)


    Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
    Edith Mathis, Norma Procter, Chor des Bayerischen Rundfunks (S2)
    Elsie Morison (S4)
    Martina Arroyo, Erna Spoorenberg, Edith Mathis, Julia Hamari,
    Norma Procter, Donald Grobe, Dietrich Fischer-Dieskau, Franz Crass,
    Chor des Bayerischen Rundfunks, Tölzer Knabenchor, Regensburger Domchor (S8)
    Rafael Kubelik

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    Ja, diese Box habe ich auch. Es war eine meiner ersten CDs. Mein Vater hat sie mir gekauft.


    Die Box besitze ich immer noch, von der trenne ich mich auch nicht. Ganz große Musik. Leider tontechnisch etwas in die Jahre gekommen, immerhin sind die Aufnahmen nicht mehr ganz neu.


    Vor knapp zwei Jahren erwarb ich die Box von Riccardo Chailly (alle zehn Symphonien, die Zehnte in der Version Cooke II).


    Immer noch eine meiner Lieblingseinspielungen. Technisch und klanglich großartig, aufgeräumtes Klangbild. Ich habe schon Stimmen gehört, Chailly glätte Mahler zu sehr. Das habe ich beim Hören nicht empfunden. Chailly ist auch erfahren genug, um an der einen oder anderen Stelle ziemlich eigene Wege im Bezug auf Tempo und Agogik zu gehen. Der Anfang der Sechsten beispielsweise ist zermürbend langsam, wodurch das Marschtempo mir noch bedrohlicher vorkommt. Da kommt etwas, langsam, stetig aber unaufhaltsam.
    Die meisten Aufnahmen sind mit dem Concertgebouw-Orchester aufgenommen, einem traditionsreichen und exzellenten Mahler-Klangapperat.


    Die Zehnte aus der Box ist für mich ein absolutes Highlght.


    Ich weiß nicht, ob ich mit der Aussage auf Gegenliebe stoße, aber: Chailly ist für mich ein ganz großer Mahler-Dirigent.

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    Jahrelang las ich lobeshymnen über Solti als Mahlerdirigent. Da ich Soltis Dirigat extrem schätze, wurde ich schließlich schwach und kaufte diese Box:


    Sie enthält die Symphonien 1-9, keine 10., nicht mal ein Adagio (leider!! — was gäbe ich um ein Adagio der 10. von Solti!)


    Ich bin durch die Box noch nicht durch, also werde ich mein Urteil hier sukzessive schildern.


    Jens-Malte Fischer schreibt im Anhang zum "Fremden Vertrauten", dass ihm (Solti) das Finale der Neunten 'misslungen' sei. Das habe ich nicht so empfungen, weiß auch nicht recht, wie er das meint. Wenn mir da vielleicht jemand weiterhelfen könnte...


    Die Symphonien 5-8 sind eher alte Aufnahmen vom Anfang der 70er, der Rest aus den 80ern. Klangtechnisch merkt man das vor allem in der Siebten; einige Schläge der großen Trommel hauen den Tontechniker vom Sessel. Interpretatorisch finde ich aber gerade diese Siebte ganz weit vorne! Mit der achten werde ich eh nicht warm, gefallen hat sie mir aber trotzdem.


    Die Sechste ist viel aggressiver, treibender als z.B. bei Chailly, mitreißend durch alle Sätze. Auch die Fünfte.


    Heute habe ich die Vierte gehört, auch hier: zupackende Tempi, ausgeglichenes, transparentes Klangbild, ein Genuss!


    Mehr dazu später, wenn ich weitergehört habe. :)

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    Und letztlich kaufte ich vergangene Woche noch die zweite Gesamtaufnahme von Leonard Bernstein.

    Es handelt sich um Live-Einspielungen mit unterschiedlichen Orchestern, Symphonien 1-9 und das Adagio der Zehnten.


    Das Adagio und die Achte sind aus den Siebzigern, der Rest aus den Achtzigern und digital aufgenommen.


    Gerade die alten Aufnahmen kranken m.E. an den unvermeidlichen Live-Geräuschen, wobei Bernstein selbst durchaus zur Geräuschkulisse beiträgt (man sollte auf Holzpodien nicht aufstampfen...). Einige pp-Stellen in der Zehnten sind verhustet, in der Achten leidet besonders die leise Einleitung zum zweiten Satz an der Live-Athmosphäre. Ich bin auf dem Gebiet aber auch sehr empfindlich! Interpretatorisch ist die Zehnte ganz vorne, die Achte gefällt mir auch einen kleinen Tacken besser als bei Solti.


    Die Siebte ist eine ganz andere Nummer als bei Solt, breitere Tempi, dafür hier aber die bessere Klangqualität. Bernsteins Tempi muss man mögen, aber wenn man sich darauf einlässt, bietet er einen wertvollen, interessanten Ansatz. Zu Recht ein Klassiker der Diskographie.


    Bisher habe ich noch die Neunte, die Zweite und heute noch die Vierte gehört. Live-Geräusche bei den modernen Aufnahmen waren nicht oder kaum noch festzustellen, klanglich großartig. Bemerkenswert: in der Vierten singt den 'Engel' im letzten Satz ein Knabensopran. Interessanter Ansatz, Mahlers Anweisungen in der Partitur beim Wort genommen. Der Knabe hat eine glockenklare Stimme, trifft die Töne, hat aber einen kürzeren Atembogen als die Frauensoprane bei Chailly und Solti.


    Auch hier mehr, wenn ich weiter gehört habe. Gespannt bin ich noch auf die Fünfte, Sechste und Dritte, die alle zu meinen Favoriten zählen (zusammen mit der Siebten).

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    Heute habe ich nochmal die Zweite aus der Bernstein-Box gehört.


    Es ist eine unglaublich intensive Einspielung; wie immer: extreme Tempi, eher breit angelegt, aber so unglaublich intensiv, dass ich Wasser in den Augen stehen hatte... doch, die Anschaffung der Bernstein-Box habe ich immer noch nicht bereut!

  • Es ist eigentlich selbstverständlich, dass bei einer Gesamtaufnahme nicht alles gleich gut gelingt. Es wird immer das ein oder andere Werk, den einen oder anderen Satz geben, der abfällt oder positiv heraussticht. Zu Letzterem zähle ich besonders die Adagios der 9. und 10. Sinfonie in der Aufnahme, die ich an dieser Stelle einbringen möchte:

    Das ist eine Aufnahme, mit der ich aufgrund ihrer Geschlossenheit des interpretatorischen Ansatzes sehr gut leben kann. Auch wenn man von Inbal in der letzten Zeit nicht mehr allzuviel hört, bleibt er für mich einer der wichtigsten Mahler-Dirigenten der letzten Jahrzehnte, und das RSO Frankfurt hat nicht zuletzt ihm das weltweite Ansehen als eines der besten Mahler-Orchester zu verdanken.
    Nichtsdestotrotz liebäugle ich mit der Anschaffung des Bernstein-Zyklus, nicht zuletzt aufgrund dieser unglaublich intensiven Interpretation der 1. Sinfonie:

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    Leider muss man sich da die weiteren "Schnipsel" zusammensuchen. Aber: Das macht Appetit auf mehr!


    Es grüßt harry

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    Hat jemand von Euch schon mal von Solti den Finalsatz der IX. gehört und eine Meinung dazu?


    Gestern habe ich noch die VI. aus der Bernstein-Box gehört. Verstörend. Bernstein beschönigt nichts, hat wie immer breitere Tempi als zum Beispiel Solti, beginnt aber vorwärtsdrängender als Chailly. Ich brauche noch ein paar Mal, um die Eindrücke zu verarbeiten.

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    Mich reizen von den älteren eigentlich nur noch zwei GAs, vor allem klanglich ...
    01 - Sinfonien: Gesamteinspielungen - Diskographie
    01 - Sinfonien: Gesamteinspielungen - Diskographie


    Und von den neueren wie der hier 01 - Sinfonien: Gesamteinspielungen - Diskographie will ich wissen, ob die SACDs wirklich etwas bringen ...

  • Hat jemand von Euch schon mal von Solti den Finalsatz der IX. gehört und eine Meinung dazu?


    Gestern habe ich noch die VI. aus der Bernstein-Box gehört. Verstörend. Bernstein beschönigt nichts, hat wie immer breitere Tempi als zum Beispiel Solti, beginnt aber vorwärtsdrängender als Chailly. Ich brauche noch ein paar Mal, um die Eindrücke zu verarbeiten.

    Die Solti GA, wird das Nächste sein, was ich mir anschaffe. Von Bernstein kenne ich eine Einspielung der 6., müsste die von 1988 mit den Wiener Ph. sein, die ist sehr gut, aber die von Solti ist für mich mit Abstand die beste Einspielung. Er baut klanglich eine wahrlich unheimliche Stimmung auf. Auf die Neunte bin ich gespannt.


    :wink:


  • Einer der interessantesten Mahler-Zyklen, der mir die letzten Jahre untergekommen ist!!
    Den Grundansatz würde ich als äußerst nüchtern und unsentimental bezeichnen bar jeglicher Ironie und sonstwie gearteter Doppelbödigkeit. Dargeboten wird das aber mit einer Heftigkeit, einer Wildheit, um nicht zu sagen Brutalität, die sogar Solti und Bernstein übertrifft!
    Ob das auch für jede Sinfonie angemessen ist, ob das für jede passt, das sei einmal dahin gestellt, das Resultat ist auf jeden Fall ein selten mitreissender Mahler, der zumindest bei mir ganz, ganz oben angesiedelt ist und sich die Spitze mit Bernstein, Boulez und Solti teilt.


    Zu den Sinfonien 3 und 4 möchte ich noch anmerken, dass die Vokalpartien auf Russisch gesungen sind, was diesen Sinfonien einen zusätzlichen Reiz verleiht. Für Puristen ist ihnen jedoch eine Appendix angefügt, wo sie deutsch wiedergegeben werden


    Siegfried

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    Ab 01.06. im Handel:



    (Amazon ist wohl noch bei der Preisfindung...)


    Symphonien Nr.1-9


    Anne Schwanewilms, Lioba Braun,
    Mihoko Fujimura, Mojca Erdmann


    Chor der Bamberger Symphoniker
    Bamberger Symphoniker
    Jonathan Nott


  • Die vokale Seite finde ich fast durchgehend schwach, aber instrumental bin ich ziemlich begeistert von diesem Zyklus. Sicherlich gibt es immer wieder Stellen, die ungewohnt sind oder die ich auch für vielleicht misslungen halte. Aber ich hatte immer das Gefühl, hier ist jemand, der Mahler versteht und dem er Herzensangelegenheit ist.
    Insgesamt also eine spannende und vielfach andere Sicht auf Mahler.

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    Aber ich hatte immer das Gefühl, hier ist jemand, der Mahler versteht und dem er Herzensangelegenheit ist.


    So do I. Nicht umsonst wurde - ich erinnere mich dunkel - anlässlich seines Todes das Adagio der Xten. von (?) gegeben; der Dirigent, an den ich mich leider nicht erinnere (Abbado?) meinte: „This one is for you, Lennie" ...

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    Diese Box (als Schallplattenbox vom Opa) war meine Mahler-Initialzündung. Bis dahin konnte ich nichts damit anfangen, dann habe ich die VII. gehört bis ich sie fast auswendig konnte!

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    01 - Sinfonien: Gesamteinspielungen - Diskographie


    Ich denke, es ist an der Zeit; die Lobeshymnen, die man über Soltis Mahler-Zyklus immer wieder liest, ein wenig zurechtzurücken. Dass Solti ein großer Dirigent war, steht außer Frage; ob er ein großer Mahler-Dirigent war, halte ich persönlich zumindest für diskussionswürdig. Ein Rezensent bei Amazon erklärt, der in Rede stehende Zyklus sei mit Abstand der rundeste und das ist nun bei aller Berücksichtigung subjektiver Aspekte schlichtweg absurd. Das alles beginnt schon mit dem Klangbild und dem angeblich so typischen Decca-Sound; denn das wirkt häufig steril, blechbläsern zu übersteuert und in einzelnen Streichergruppen zu dünn und kiecksig; jedenfalls im Ganzen nicht wirklich natürlich und organisch.


    Die Erste ist eine schöne Aufnahme; aber nicht außergewöhnlich; die Zweite überzeugt im Kopfsatz, zerfasert dann aber, wie Solti ohnehin sehr oft den Faden verliert und das große Ganze aus dem Auge. Die Dritte plätschert aus; die Vierte hat er in ihrer Doppelbödigkeit nicht verstanden; die Fünfte geht sozusagen im Wortsinn krachen, das stimmt gar nichts zusammen, eine Kakophonie missverstandener und dilettantischer Ansätze. Die viel gepriesene Sechste - angeblich brutal und dramatisch, ungeheuer intensiv und wehtuend - muss sich durchaus den Vorwuf der Effekthascherei gefallen lassen und noch mehr den der wenig akzentuierten Interpretation. Nur Gas und Bremse geht nicht; nur aufs Maul geht auch nicht; wenn man schon in den einleitenden Takten sein Pulver verschießt, was soll dann hinten rauskommen? Die Siebte für mich unauffällig, was eigentlich tödlich ist; die Achte habe ich noch nicht wieder gehört; und die Neunte punktet mit der richtigen Mischung aus Analytik und Leidenschaft.


    Fazit: Den Mahlerzyklus von Solti zum Nonplusultra zu erklären wäre so, als erklärte man dessen "Ring", an dem die Aufnahmegeschichte inzwischen auch vorbeigerauscht ist, für sakrosankt. Neben guten Aufnahmen stehen durchschnittliche und sogar schlechte; ein Befund, den man sicher für viele GAs stellen könnte. Allerdings gibt es inzwischen weit über 30 davon und da rangiert Solti eindeutig nicht im ersten Drittel.