Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97: Einspielungen (opi)

  • London Classical Players, Roger Norrington, September und November 1989


    Ach Herrje, ohne jedes Bassfundament, fleißig in den Höhen und schnell wie der Wind - ich weiß nicht, das würde man heute sicher anders machen; zumindest gäbe es technisch mehr Möglichkeiten. Mir gefällt das nicht; das hat viel von einem Manifest gegen die Schumann-Deutungen vor knapp 30 Jahren. Vielleicht hätte der Zweiten dieser Stil gutgetan.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Dieses quälend schleppende zu Beginn dieser Sinfonie ... in allen Einspielungen, die mir bewusst sind. Und diese Erinnerung an die Titelmusik der TV-Sendung „Hier und Heute" - das werde ich leider nie mögen können und nie wieder los. Das ist mir definitiv im negativen Sinne zu überladen-romantisch. Schade, daß auch Norrington hier die Entstaubung nicht wirklich gelingt.


    Zitat

    schnell wie der Wind


    Trifft hier ganz sicher (auch) nicht zu (zumal ich eingangs von quälend und schleppend schrieb; ich stelle mir den Beginn eher wie Beethovens 8te vor: directement in medias res!).


    01 RN 09:22 | EG 08:50
    02 RN 05:25 | EG 05:54
    03 RN 04:12 | EG 04:37
    04 RN 04:44 | EG 04:55
    05 RN 06:24 | EG 05:46
    Sa RN 29:57 | EG 30:02


    In den drei Mittelsätzen ist Norrington beinah unbedeutend schneller unterwegs als Gardiner (dem 2. Satz bekommt dies m. E. recht gut), die Ecksätze gleichen das wieder aus.


    Nachwievor werde ich mit diesem Schumannschen Opus nicht warm, da gefallen mir 1, 2 & 4 sowie Brahms bedeutend besser ... deswegen halte ich hier besser meine Griffel bei mir - aber auch hier gilt: das Blech ist z.T. beeindruckend!


    Yoricks auditive Beobachtung scheint ein allgemeines Phänemoen zu sein, AS zu Hob. I:48:


    Zitat

    Beim Vergleich meiner lediglich 2 vorhandenen Aufnahmen dieser Sinfonie (Roy Goodman vs. Russel Davies) kam ich zu dem Schluß, daß Russel Davies zu forsch spielt und dem Werk die feierliche majestätische Athmosphäre raubt. Ich hatte das Gefühl, er hetze durch die Partitur. Interessant dabei ist lediglich, daß das nicht stimmt, denn die Spielzeiten sind mit der Goodmann Einspielung nahezu identisch......


    Wäre vielleicht mal einen eigenen Thread wert ... ?

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Schade, daß auch Norrington hier die Entstaubung nicht wirklich gelingt.


    Na ja, ich denke; er entscheidet sich einfach nicht und wählt einen Mittelweg, der nichts Neues bringt. Der Klangkörper hätte bei Norringtons prinzipiellen Musizieransätzen durchaus eine komplette Entzauberung schwülstiger Romantik vornehmen können; so viel wagt er aber nicht. Dennoch, das ist schon viel besser als bei anderen; auch wenn mir persönlich der dünne Orchesterklang missfällt. Wahrscheinlich solltest du auf Grund deiner Assoziationen die Ohren von der Sinfonie lassen. Des Dirigenten Einspielung mit den Stuttgartern, thats it for me.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793