Streichquartett op. 1 Nr. 3 f-moll

  • In loser Folge möchte ich einzelne Quartette Jadins kurz besprechen; die drei Quartette op. 1 wurden Joseph Haydn gewidmet, das dritte im Bunde ist das kurioseste:


    Unscheinbar beginnt der erste Satz, ein Allegro moderato, ganz in Haydn-Manier (d-moll op. 9 Nr. 4 Hob. III:22/1; f-moll op. 55 Nr. 2 Hob. III:61/2). Bereits das an zweiter Stelle stehende Menuett ist äußerst kühn und in so einer Form nicht einmal beim experimentellen Haydn zu finden: fast vollständig unisono und synkopiert von Schlag drei auf eins, so daß der erste (eigentlich betonte) Taktteil stets unbetont bleibt, lediglich das in F-Dur stehende Trio bringt ein wenig Auflockerung. Von „Menuett", also dem tänzerischen, tanzbaren, hat der Satz - außer dem Dreivierteltakt - absolut gar nichts; sehr apart. Ungewöhnlich im Sinne von neuartig ist auch der langsame Satz, Adagio: reifen Beethoven vorausnehmend (der wiederum auf Mozarts KV 464 A-Dur zurückgriff), beginnt der Satz (As-Dur) mit der Begleitfigur im Cello, über dessen rhythmische Sprünge sich erst ab dem dritten Takt eine seichte Melodie legt. Irgendwie erinnert das auch an das Adagio aus Mozarts Gran Partita KV 361. Beim finalen alla pollacca hege ich noch Zweifel, ob es sich hierbei wirklich um eine typische Polonaise handelt, der Rhythmus scheint mir hier abweichend von der „Lehre“ zu sein: anstelle von lang-kurz-kurz-lang-lang-lang-lang erklingt etwas anderes, das dennoch mit Martín y Solers Pollacca rhythmisch viel gemeinsam hat ...


    *hmmm**hä*



    Quatuor Franz Joseph



    Rasumowsky Quartet

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)