Das BWV und seine Tücken ...

  • Wieso haben die Französische Ouverture und das Italienische Konzert so verschiedene BWV-Nummern, wenn sie doch beide als Klavierübung II erschienen sind und so gesehen eigentlich "zusammengehören"?


    *juck*


    LG
    Tamás
    *castor*

  • Wie auch die sog. Goldbergvariationen ... ich vermute, daß den Werken eine gewisse Eigenständigkeit gegeben/anerkannt wurde und sie daher aus dem originären Zusammenhang gerissen wurden.


    Wie wird das beim BC und bei der NBA gehandhabt?

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Wie wird das beim BC und bei der NBA gehandhabt?


    BC - Zusammenfassung aller Clavierwerke solo (ohne Orgel) in Werkgruppe L, verbunden mit einer anderen Reihenfolge im Vergleich zum BWV; wie genau noch unklar - erschienen sind bislang lediglich einige Bände mit Vokalwerken.


    NBA - Serie 5, Band 2: zweiter und vierter Teil der CÜ + Kanons; Orientierung am BWV, d.h. thematische Sortierung mit inhaltlich anderen Schwerpunkten entsprechend dem Forschungsstand.


  • Die sind doch Clavierübung IV - und unter einer BWV-Nummer... *hä*


    Nunja, aber eben nicht unter dem Meta-Begriff „Clavierübung". Ich bin ja dafür, mehr die Originaltitel zu verwenden (auch in der originären Schreibweise). Clavierübung müsste demnach, wenn es nach mir ginge, eine eigene Unterkategorie bei den Clavierwerken werden. Aber die machen ja, was sie wollen und fragen mich nie (oder erst, wenn es zu spät ist).

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Orientierung am BWV, d.h. thematische Sortierung


    Thematisch? Was bedeutet das im Falle des Italienischen Konzerts und der Ouverture?


    Und wieso werden dann die Präludien und Fugen des Wohltemperierten Klaviers nicht auseinandergewürfelt? Da wird die Reihenfolge ja beibehalten.


    LG
    Tamás
    *castor*

  • Und wieso werden dann die Präludien und Fugen des Wohltemperierten Klaviers nicht auseinandergewürfelt?


    Du meinst das wohltemperirte Clavier? Da hat jedes Præludium nebst Fuge eine eigene BWV-Nr. - das BWV seziert eben.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Ja. Aber die BWV-Nummerierung folgt der originalen Reihenfolge. Bei der Klavierübung haben die beiden Stücke voneinander weit gelegene Nummern. 831 bzw. 971... warum keine aufeinanderfolgende?


    LG
    Tamás

  • Bei der Klavierübung haben die beiden Stücke voneinander weit gelegene Nummern. 831 bzw. 971... warum keine aufeinanderfolgende?

    Weil sie systematisch nicht zusammengehören:

    Man hat sich eben nicht nach den Veröffentlichungen gerichtet, wenn die Gattungen verschieden sind - beim WTC schon, da es an sich schon systematisch angelegt wurde. Der Vorteil dieser Sortierung ist ja die relative stabile Bezifferung, die sich eher selten ändert - im Vergleich dazu das KV... *plem*

  • Weil es so verteilt wurde ...

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Was hat das für einen Sinn im Barock Suiten von Sonaten und dem restlichen Zeugs so streng zu trennen? Ganz wenig.


    Und wenn schon gemacht, wieso Präludien und Fugen dazwischen anbringen? Die Reihenfolge: Präludien und Fugen / Sonaten, Konzerte & Variationen / Suiten hätte viel mehr Sinn und wäre sogar alphabethisch. *flöt*


    LG
    Tamás
    *castor*

  • Die Systematik entstand ja nicht im Barock, sondern in der Romantik - außerdem sehe ich schon Unterschiede in einer Ouvertüre und einem Konzert, und die wurde hier halt so festgelegt. Letztendlich ist es eh egal, weil die Nummern vergeben sind und (zum Glück) nicht wechseln. Man sieht alleine bei Schuberts Symphonien, was für ein Chaos entsteht, wenn man die Bezifferung alle vierzig Jahre neu verteilt.

  • Sachbezogen betrachtet, geht es letztlich ja nur um die Schaffung einer einheitlichen Verständigungsgrundlage.


    Zitat

    Das Komponieren musikalischer Werke geschieht in der Regel in einem Reich von Fantasie und Inspiration und hat nicht a priori zum Ziel, Gegenstand einer wissenschaftlichen Betrachtung zu werden. Infolgedessen ist es ganz natürlich, dass sich die Gesamtproduktion eines Künstlers nicht ohne größere Probleme in ein wissenschaftliches Korsett pressen lässt. Insbesondere bei Musikern, die in verschiedenen Bereichen der Tonkunst individuelle Werke geschaffen haben, ergeben sich oft Schwierigkeiten, Kategorien zu finden, in denen die Werke sinnvoll geordnet und untergebracht werden können.


    So Ralf Wehner, der Betrachtungen zur Konzeption und Erarbeitung des Mendelssohn-Werkverzeichnisses anstellt. Viele Überlegungen Wehners lassen sich zwanglos auch auf die Konzeption des Bach-Werke-Verzeichnisses, der Neuen Bach-Ausgabe oder des Bach-Compendiums übertragen.