01 - Bearbeitungen: Beethoven

  • Die Sinfonien Beethovens waren beliebtes Spielzeug der Bearbeiter. Der Grund dafür war wie immer, diese großen Werke - welche ein breites Publikum (wenn überhaupt) einmal im Leben im Konzert erlebte - weiter zu verbreiten. Aus diesem Grund waren zumeist Verleger diejenigen, welche dazu anregten, diese Werke für kammermusikalische Formationen einzurichten. So konnte auch der Adel, der nicht über ein großes Orchester verfügte, sowie das musikalisch gebildete Bürgertum sich diese tolle Musik "ins Haus" kommen lassen. Stich-Noten wurden nicht nur verkauft, sondern auch vermietet.


    Als Besetzung für derlei Bearbeitungen kamen prinzipiell das Klaviertrio, Klavierquartett und Streichquartett in Frage. Es gab selbstverständlich auch Transkriptionen für das Klavier, zwei- wie vierhändig. Die Bearbeitung seiner 2. Sinfonie für Klaviertrio übernahm Beethoven selbst:



    Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36


    Robert Levin, Fortepiano
    Members of the Orchestre Révolutionaire et Romantique


    Eine wahrhaft faszinierende Bearbeitung der ansich schon großartigen Sinfonie - hier kingt sie m. E. noch besser. Spielfreude und -fertigkeit des Ensembles tun das Übrige dazu.


    Bearbeiter der 3. Sinfonie ist der mit Beethoven befreundete Ferdinand Ries (1784-1838):



    Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55


    mozart piano quartet:


    Paul Rivinius, Klavier
    Mark Gothoni, Violine
    Hartmut Rohde, Viola
    Peter Hörr, Violoncello


    Ries wähle hier die Besetzung 'klassisches Klavierquartett' für seine Bearbeitung. Diese Bearbeitung erzielt erstaunliche Effekte: Zum einen meint man, wie z.B. im langsamen Satz, Beethoven selbst am Klavier komponieren zu hören. Ich meine, man kann auf diese Weise erfahren, daß Beethoven ein Klavierkomponist war, der also seine Kompositionen zunächst am Tasteninstrument ausdachte, während andere Komponisten oftmals direkt für Orchester in die Partitur schrieben... wie dem auch sei, klingt jedenfalls diese 'Eroica' sehr klavieristisch und einfach wunderbar!


    Als nächstes gibt es eine etwas aus der Reihe tanzende Bearbeitung der 6. Sinfonie für Streichsextett, welche von Michael Gotthardt Fischer [1773-1829] stammt:



    Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68


    Kölner Streichsextett


    Ungewöhnlich ist es für die Zeit der Bearbeitung tatsächlich, daß Fischer das Streichsextett als Formation wählte, denn es hatte sich nichtmal das Streichquintett wirklich etabliert und beide Formationen sollten auch das Streichquartett niemals vollständig ablösen oder ihm gleichziehen, höchstens es ergänzen. Die Bearbeitung ist aber außerordentlich gelungen: Während bei den Bearbeitungen der 2. und 3. Sinfonie der Klang auf die "neuen" Instrumente [dort insbesondere das Klavier] ausgerichtet ist, wird hier erfolgreich [!] versucht, die Originalstimmen mit den vorhandenen Instrumenten zu imitieren. So gelingt es u.a. ganz wunderbar und täuschend echt, die Trompetenfanfare im "Lustigen Zusammensein der Landleute" durch die beiden Violinen nachzuahmen! Besonders schön kommt hier natürlich das Gewitter als solches zur Geltung, daß durchaus auch ohne den Bombast der Originalfassung umwerfend ist!


    Unbekannt ist der Bearbeiter der 7. Sinfonie für "die Harmonie":



    Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92


    Les Vents de Montréal Winds (omi)
    André Moisan


    Von dieser Version gibt es noch eine weitere Einspielung (zusammen mit der Fidelio-Ouvertüre):



    Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92


    Octophorus (opi)
    Paul Dombrecht


    Diese Bearbeitung für "die Harmonie" ist natürlich wieder eine ganz eigene Sache, die nicht unbedingt jedem Gefallen muß. Wer allerdings z.B. Mozarts "Gran Partita" und vergleichbare Werke mag, sollte sich diese Siebente auch nicht entgehen lassen!


    Die Siebente Sinfonie gibt es auch in einer Fassung für 2 Klaviere von Hugo Ulrich (1827-1872), gespielt vom Prague Piano Duo (omi):



    Ein tolles Erlebnis!


    Auch die Sinfonien 1 und 8 wurden bearbeitet:



    Symphonie n°8 opus 93, pour 2 violons, 2 altos et 1 violoncelle
    (publiée en 1816 par Tobias Haslinger)


    Symphonie n°1 opus 21, pour 2 violons, 2 altos et 1 violoncelle
    (publiée en 1803 par Simrock)


    Neben der als Pathetique bekannten c-moll-Klaviersonate enthält diese wunderbare Einspielung duch das Locrian Ensemble Beethovens erste und achte Sinfonie in Streichquintettfassungen. Die Bearbeiter der Werke lassen sich leider nicht mehr feststellen, lediglich die Erstausgabe dieser Fassungen (vergl. Angaben zur CD oben). Als Bearbeiter kämen u. U. Beethovens Schüler Ferdinand Ries und/oder Carl Czerny in Frage, die (beide) viele Sinfonien und andere Werke Beethovens mit dessen Einverständnis arrangierten.


    Die erste Sinfonie klingt als Quintett doch etwas merkwürdig, zudem wurden die Schlußtakte des ersten Satzes leicht verstümmelt, was natürlich garnicht geht. Nach mehrmaligem Hören wage ich nun zu behaupten, daß entweder der Bearbeiter ein weniger professioneller war als jener der Achten oder - was mir lieber ist - der Bearbeiter der Ersten eine ganz andere Intention hatte: Es fällt beim Hören auf, daß viele Stellen spieltechnisch stark vereinfacht wurden: aus 16tel-Abbreviaturen wurden gestreckte Achtel (bzw. wurden einfach die Notenwerte teilweise verdoppelt) und auch die Opferung der Schlußtakte des ersten Satzes dürften der Vereinachung dienlich gewesen sein. Außerdem wurde die Stimmführung gelegentlich leicht verändert.


    Justin Pearson schreibt:


    Als unsr Ensemble die Musik für diese faszinierenden Arrangements erhielt, machten wir uns zunächst daran, die einzelnen Abschnitte durchzunummerieren [...]. Es wurde aber schnell deutlich, daß der Notentext eine beträchtliche Anzahl von Fehlern enthielt [...]. Noch bedeutsamer war allerdings die Tatsache, daß der Arrangeur in den Orchesterpartituren der Symphonien einige Stellen absichtlich ausgelassen hatte. Wo also ein Akkord oder eine Note bzw. eine ganze Passage bewusst in Bezug auf Beethovens Originalversion geändert worden war, haben wir uns durchweg an das vorhandene Arrangement gehalten [...]


    Das von Pearson Geschriebene bezieht sich fast ausschließlich auf das Arrangement der ersten Sinfonie, welche offenbar für (ein) Amaturensemble(s) transkribiert wurde - um somit vielleicht auch die Absatzchancen deutlich zu erhöhen.


    Umso bedeutender scheint mir die Quintettfassung der Achten zu sein, die hier im kammermusikalischen Gewand stark beeindruckt und für meinen Geschmack sogar besser klingt, als im Original (ganz wie die Sechste als Sextett, vgl. w.o.). F-Dur scheint überhaupt eine der besten Tonarten für Streichquintett oder -sextett zu sein: selten erklingen Werke so sonor und erdig wie in F-Dur. Das Finale der Achten ist hier einfach grandios.


    Es spielen:


    Rolf Wilson & Rita Manning, Violinen
    Philip Dukes & Morgan Goff, Violen
    Justin Pearson, Violoncello

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)


  • Pierre-Auguste-Louis Blondeau (1784-1865)
    Drei Streichquartette nach Klaviersonaten L. v. Beethovens


    Quartett in A-Dur nach op. 2 Nr. 2
    Quartett in C-Dur nach op. 2 Nr. 3
    Quartett in f-moll nach op. 2 Nr. 1


    Quatuor ad fontes opi


    Irgendwie muß es um 1808/1809 keinen brauchbaren Nachschub an Streichquartetten gegeben haben... warum sonst hätte Blondeau diese Bearbeitungen angefertigt? Egal - es war gut so. Es ist schon erstaunlich, wie himmlisch beispielsweise der Final-Satz des C-Dur-Quartetts (nach op. 2 Nr. 3) klingt (auf dem Clavier ist das schon äußerst difficil zu spielen und sauber hinzubekommen). Außerdem hört man hier, wie erstaunlich nahe der letzte Satz des Quartetts f-moll (nach der Sonate op. 2 Nr. 1) an Haydns Finalsatz des Kaiserquartetts (op. 76 Nr. 3 Hob. III:77) ist... bei der originären Claviersonate hört man das nicht so direkt.


    Das Quatuor ad fontes spielt natürlich sehr zupackend und präsentiert die 'Quartette' so, als seinen sie schon immer so geschrieben gewesen.


    :beatnik:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

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  • Wer glaubt, man könne Beethovens Symphonien nicht mehr steigern, der hat die Rechnung ohne Gustav Mahler gemacht.


    Letztes Jahr auf dem Beethovenfest in Bonn hörte ich diese Fassung zum ersten Mal mit der Staatskapelle Weimar. Mit wenigen Worten: Bläser verdoppelt (acht Hörner!), Tuba dabei, zwei Paar Pauken im ersten Satz... das hat Wucht. Insbesondere das Scherzo mit seinen Horn-Orgien ufert bisweilen etwas aus... was entsteht, ist nicht mehr Beethoven, sondern ein eigentümlicher Mahler-Beethoven.


    Ich habe mir eine Aufnahme zuglegt, scheint derzeit die einzige zu sein. Schlecht fand ich es nicht, aber eben etwas sehr eigenes.



    Wenn man bedenkt, wie feinsinnig und modern Paavo Järvi die Beethoven-Symphonien rezipiert, scheint sein Bruder Kristjan Järvi irgendwie eine antipodische Aufnahme vorzulegen. Auf jeden Fall auch hörenswert, meines Erachtens.

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Wer glaubt, man könne Beethovens Symphonien nicht mehr steigern, der hat die Rechnung ohne Gustav Mahler gemacht.


    Ich habe dieses Ding immer misstrauisch - gar argwöhnisch (bei aller Wertschätzung für Mahler als Komponisten) - betrachtet (insofern genau anders herum als dessen Frau Alma, die stets bereit war, Begeisterung zu zeigen, wenn ihr Mann keine eigenen Werke dirigierte). Das rührte aus dem 'Verbesserungsbedarf' an der Instrumentation der angeblich unfähigen Komponisten Beethoven und Schumann (so hatte ich das jedenfalls verstanden gehabt). Erst HIP, insbesondere OPI, hat hier gezeigt, daß nicht die Komponisten das Problem waren, sondern die modernen Instrumente. Und hier muß man dann natürlich zugestehen, daß bei Verwendung moderner Instrumente auch Eingriffe in die Instrumentation notwendig sind - ob und inwieweit dies Mahler 'gelungen' ist, kann ich nicht beurteilen.


    Natalie Bauer-Lechner: Erinnerungen schrieb:

    Beethovens Symphonien sind ein Problem, das für den gewöhnlichen Dirigenten einfach unlösbar ist. Ich komme immer mehr dahinter. Sie bedürfen unbedingt der Interpretation und Nacharbeitung. Schon die Zusammensetzung und Stärke des Orchesters macht das nötig: zu Beethovens Zeiten war das ganze Orchester nicht so groß wie heute die Streicher allein. Wenn nun die übrigen Instrumente nicht ins richtige Verhältnis dazu gebracht werden, kann es nicht richtig herauskommen.


    Die Wiener Mahlerausstellung im Palais Lobkowitz (2010) zeigte ein Manifest, welches Mahler anlässlich der Kritiken zu seiner Bearbeitung drucken liess. Den Text kann ich leider nirgends im Netz finden. Ersatzweise hier eine Zusammenfassung mit kurzem Zitat von Dr. Reinhold Kublik im Tonkünstler (august 06 bis jänner 07) zum Thema: Mahlers Beethoven - umstritten und gefeiert, S. 3:


    Zitat

    Sein Bestreben sei es nur gewesen, die Unvollkommenheiten der Musikinstrumente der Beethoven-Zeit und die Balance zwischen der stark vergrößerten Streichergruppe und den Bläsern auszugleichen und dadurch die symphonischen Strukturen Beethovens zu verdeutlichen: «Von einer Uminstrumentierung, Änderung, oder gar ‹Verbesserung› des Beethovenschen Werkes kann natürlich absolut nicht die Rede sein.»


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

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  • Eine implodierte Version der 9. Sinfonie schuf im Jahre 1831 der 18jährige Richard Geyer, welcher sich ab 1830 aus unhaltbaren Gründen allerdings Richard Wagner nannte. Wagner (Geyer) transkribierte die 9. Sinfonie, die er sehr schätzte, für Klavier solo - im weitesten Sinne fertigte er also einen Klavierauszug an. Mit dem Unterschied zum heutigen Klavierauszugbegriff, daß das auf zwei Systeme gepresste Notenmaterial 1zu1 spielbar ist, während heute Klavierauszüge einfach nur alle Stimmen der Paritur in zwei Systeme quetschen und ihrem Schicksal überlassen bleiben. Insofern handelt es sich tatsächlich um eine Transkription resp. Bearbeitung für Klavier, wobei Wagner hier vor der Qual der Wahl stand, welche ihm nun die wichtigsten musikalischen Momente sind, die er darstellen wollte. Insofern ist diese Bearbeitung höchst interessant und beleuchtet Beethovens Werk, das zum Bearbeitungszeitpunkt nicht mal alt war, völlig neu; da gibt es wahrlich viel zu entdecken:




    Ludwig van Wagner (1770-1883)
    Sinfonie Nr. 9


    Noriko Ogawa (Klavier)
    Yoshie Hida (Sopran)
    Yuko Anazawa (Altus)
    Makoto Sakurada (Tenor)
    Chiyuki Urano (Baß)


    Chor des Bach Collegium Japan


    Der 'Chor' (hier sind es Solsiten!) ist schon manches Mal grenzwertig und klingt wie eine Karikatur, wohl vor allem die Altistin (von der Aussprache 'ßauber' statt 'Zauber' mal abgesehen)... das Werk wirkt so intim und geht so zu Herzen... immerhin gibt es keine Interferenzen bei den hohen Tönen wie dies bei größeren Chören oftmals der Fall ist, das ist schonmal was wert. Und wenn die linke Hand mit dem Tenor zusammenspielt... :love:


    Was 'ein Kunde' von Amazon schreibt, stimmt:


    Zitat

    In der Interpretation von Noriko Ogawa laesst sich diese monumentale Sinfonie in ihrer vollen Groesse erleben.


    Oder FonoForum:


    Zitat

    So schnell dürfte es keine Alternative zu dieser CD geben, und das ist auch gar nicht nötig angesichts der Qualität der vorliegenden Aufnahme.


    Nötig ist relativ - mein Vorschlag: Altist raus - Altistin rein, Klavier raus, Hammerflügel rein.


    Ansonsten: Rhythmisch ist das ganz großartig und die Kreischstelle im Sopran (im Original auch solo) bei 20'55 ist hier wirklich mal anhörbar und erträglich. Ohnehin sind das 'Scherzo' (Molto Vivace) und das Adagio pianistisch überaus gelungen. Auch, wenn der klavieristische Schluß allem gegenüber etwas stark abfällt:


    Ich bin ziemlich begeistert!


    :jubel::jubel::jubel:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

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  • Das rührte aus dem 'Verbesserungsbedarf' an der Instrumentation der angeblich unfähigen Komponisten Beethoven und Schumann (so hatte ich das jedenfalls verstanden gehabt).

    Ich dachte ja, der Mahler hätte das neu instrumentiert, um mit seinen damals vorhandenen Orchestern Beethoven überhaupt aufführen zu können. Bei einem riesigen Streicherapparat hört man die von Beethoven vorgesehenen Bläser vermutlich gar nicht mehr.
    Die größere Herausforderung bei der Mahler-Umarbeitung hat ja der Chor zu leisten. Schreit mal an, gegen so ein Riesenorchester :cursing: :D

  • Ich dachte ja, der Mahler hätte das neu instrumentiert, um mit seinen damals vorhandenen Orchestern Beethoven überhaupt aufführen zu können. Bei einem riesigen Streicherapparat hört man die von Beethoven vorgesehenen Bläser vermutlich gar nicht mehr.


    Genau darum ging's ihm ja (vgl. das von mir gegebene Zitat Natalie Bauer-Lechners).


    Die größere Herausforderung bei der Mahler-Umarbeitung hat ja der Chor zu leisten. Schreit mal an, gegen so ein Riesenorchester


    Mahler hat doch damit lediglich seine Achte vorweggenommen... okay, da braucht man ein paar Fischerchöre... :D

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

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  • Man kann bei der IX. bestimmt im Takt mit einem Massenchor schunkeln...


    Aber ernsthaft: versteh mich bitte nicht falsch, Ulli. Die Beethoven-Originalfassung in einer modernen, schlanken Einspielung à la Gardiner, Järvi, Immerseel, Herreweghe oder wem auch immer ziehe ich stets einer Bearbeitung vor, auch der von Mahler. Aber die Mahlerfassung mit acht Hörnern, die es im Scherzo so richtig krachen lassen, hat für mich einen ganz eigenen Reiz; nicht mehr als Beethoven sondern als Mahler/Beethoven. Das ist für mich kein entweder-oder. Die Staatskapelle Weimar hatte übrigens im vergangenen Jahr in Bonn noch deutlich motiviertere Hörner als in der derzeit einzig erhältlichen Kristian-Järvi-Einspielung... :D

    Lucius Travinius Potellus
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  • Aber ernsthaft: versteh mich bitte nicht falsch, Ulli. Die Beethoven-Originalfassung in einer modernen, schlanken Einspielung à la Gardiner, Järvi, Immerseel, Herreweghe oder wem auch immer ziehe ich stets einer Bearbeitung vor, auch der von Mahler.


    Tja, ich weiß ich es nicht. *hä* Mir gefallen Orchestereinspielungen immer bis einschließlich des dritten Satzes, sobald der Chor kommt, ist für mich Ende. Ich hatte das auch hier versucht, von meinem Standpunkt aus zu beschreiben. Daraus zitiere ich mal kurz


    mir schrieb:

    In dem Zusammenhang ist das bei den Collegen gestartete Thema Beethovens "Neunte" in HIP-Aufnahmen - warum gibt es keine wirklich guten? für mich eigentlich schon beantwortet: es gibt für überhaupt keine guten Neunten, ob HIP oder wasimmer... es kann keine geben. Wenn ich nämlich die Partitur zur Hand nehme und mir insbesondere den letzten Satz durchlese, finde ich ihn genial und kann alles auf die wunderbarste Art nachvollziehen. Höre ich ihn dann von CD, empfinde ich meistens, daß es nicht 'klingt' - große Enttäuschung macht sich breit; und das bei einer Auswahl von sagen wir etwa 10 verschiedenen mir bekannten Interpretationen. Ich bin ja immer noch der Meinung, daß es sich dabei um reine Kopfmusik Beethovens handelt, die nur vorstellbar aber niemals realisierbar ist.


    Umso überraschter war ich bezüglich der solistischen Geyer-Fassung. Überhaupt gefallen mir momentan diverse Bearbeitungen oftmals besser als die Originale - das mag aber vielleicht daran liegen, daß mir persönlich die Originale zu vertraut geworden sind. Die Sechste, die ich eigentlich nie ausstehen konnte, mag ich seit der w.o. erwähnten Sextettfassung zum Beispiel besonders gerne, unsere Hausheilige Eroica als Clavierquintett rockt auch ziemlich und ist mir (fast) auch lieber als das Original.


    *shame*

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  • Ein geheimnissvoller Bearbeiter - ich bin sicher, ER wars - hat Beethovens Fidelio zu einem Streichquintett verwurstet:



    Ludwig van Beethoven (1770-1827)
    Fidelio als Streichquintett
    Live Radiokulturhaus Wien 09.11.2006
    (Bearbeitung eines anonymen Beethoven-Zeitgenossen)


    Zu beziehen über den ORFshop


    Großartig! Man vermisst hier gar nicht den Gesang!


    :umfall::jubel::jubel::jubel::umfall:


    Soweit ich mich erinnere, wird zwischen den einzelnen Tracks die Story der Oper skizziert - ich habe diese Tracks bei mir gecancelt, um einen "reinen" Quintettgenuß haben zu können.

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  • Schade, daß die so teuer ist:



    Das Ensemble Pro Arte Antiqua spielt hier die 5. und 7. Sinfonie in Quintettversion sowie die Egmont-Ouvertüre in Quartettversion.


    :love:

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  • ...kann auch ich die Lisztschen Bearbeitungen der Beethovensinfonien hören:



    Zwar noch nicht gleich alle, aber schonmal die Nummern 2 und 6.


    Yury Martynov spielt auf einem 1837er Érard. Leider sind die Hörproben etwas hallig, ich hoffe, das relativiert sich bei der richtigen Aufnahme. Das "Gewitter" macht durchaus was her... :beatnik:


    :wink:

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  • Ich habe mir jetzt mal die Liszt'sche Fassung angehört (bis einschließlich Nro.6 bin ich bis heute gekommen).


    Das ist zwar kein Flügel für Dich, Ulli, aber in diesem Fall ziehe ich einen modernen Flügel vor. Die orchestrale Wucht einer Beethoven-Symphonie kommt mir am eindrucksvollsten auf einem zeitgenössischen Konzertflügel daher - nur meine persönliche Meinung.


    Leslie Howard spielt zumindest bis hierher sehr differenziert, mit großem Gestaltungswillen, so kommt es mir vor. Dynamik, Agogik und Tempi sind angemessen und weise gewählt: der Kopfsatz der 5. ist langsamer als meine anderen (Orchester-)Aufnahmen, aber das mit gutem Grund. Denn so bleibt dem geplagten Pianisten neben der Hetze auch noch Zeit zur Gestaltung. Außerdem wird durch seine Spielweise das Schicksalhafte, die Bedrohlichkeit noch evidenter (merkwürdiges Wort - eigentlich kann man ja gar nichts sehen...).


    Vielleicht solltest Du Dir die Sachen mal anhören, wenn Du einer Aufnahme habhaft werden kannst (der Preis bei JPC ist eher haarsträubend, aber vielleicht gibt es ja Gebrauchtes).


    Manchmal habe ich den Verdacht, Beethovens Symphonien klängen auch bei einem Mundharmonika-Ensemble noch eindrucksvoll, aber nunja... *hide*

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  • Vielleicht solltest Du Dir die Sachen mal anhören, wenn Du einer Aufnahme habhaft werden kannst (der Preis bei JPC ist eher haarsträubend, aber vielleicht gibt es ja Gebrauchtes).


    Danke für den Tip! Ich kenne Leslie Howards Präsentationen bereits von seiner Schubertverlisztung. Am meisten interessieren mich natürlich III & VII.


    :wink:

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  • Liszt/Beethoven: Sinfonien Nr. 2 & 6


    Yury Martynov beklimpert einen 1837er Erardflügel


    Und am 29. Januar 2013 sind die Sinfonien 1 & 7 zu erwarten:



    :!:

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  • Die HIPpe Liszt-Berabetiungs-Serie geht mit 3 & 8 weiter:



    Fortepiano Blüther c1867


    Seltsam: Die Volumes II & III mit den Sinfonien 2, 3, 6 und 8 werden als mp3-Download angeboten, Vol. I mit 1 & 7 hingegen nicht. Da für Vol. I auch kein AutoRip angeboten wird (so könnte ich die ungewollt gekaufte CD gleich o-verpackt weiterverscherbeln), ist das fast schon desaströs...


    *beiss*

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  • Ludwig van Beethoven (1770-1827)
    Sinfonie Nr. 5 c-moll op. 67
    arrangiert für Clavierquartett (Clavier, Flöte, Violine, Cello)
    von Johann Nepomuk Hummel


    Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55
    arrangiert für Clavierquartett (Clavier, Violine, Viola, Cello)
    von Ferdinand Ries


    Van Swieten Society
    Bart van Oort, Fortepiano Zierer c1830
    Heleen Hulst, Violine Leopold Widhalm, Nürnberg 1771
    Jop ter Haar, Violoncello Pieter Rombouts, Amsterdam c1690
    Marion Moonen, Flöte nach August Grenser von Martin Wenner
    Bernadette Verhagen, Viola Pieter Rombouts, Amsterdam 1715


    Die Fünfte Sinfonie c-moll op. 67 in der Bearbeitung durch Johann Nepomuk Hummel für Clavier, Flöte, Violine und Violoncello war mir in dieser Besetzung noch nicht bekannt. Ein wenig stört mich Hummels allgemeine Eigenart (vgl. w.o.), eine Flöte zu verwenden, das Instrument wird allerdings sehr gut als dramatisches Gewürz verwendet. Besonders gelungen scheint mir der Übergang vom Scherzo zum Finale zu sein: das tonal kaum einordenbare Gebrummel in den Bässen des Übergangs bekommt kaum ein Orchester besser (spannender) hin.


    Die Eroica, unsere Haus-Sinfonie, kannte ich bereits in der Ries-Bearbeitung (allerdings omi). Klanglich ist die van Swieten Society da ganz auf meiner Linie: wenig Vibrato, toller Clavierklang. Merkwürdiger Weise gibt es aber kein Schluß-Presto: die paar Finaltakte, die dem langsamen Mittelteil des Finales folgen, werden ziemlich gedehnt gespielt, so daß von "Presto" bestimmt nicht die Rede sein kann, obgleich der Teil kaum länger als eine Minute dauert (mein gefühltes "Ideal" liegt so zwischen 40 und 50 Sekunden). Auch im Vergleich zum Allegro molto, mit dem der Finalsatz beginnt, scheint mir das Presto in Relation nicht angemessen, d.h. zu lahm, gewählt: die Achtel des Presto müssten m.E. mindestens so schnell sein wie die Sechzehntel im Allegro molto, wenn nicht gar schneller, aber keinesfalls langsamer. Trotzdem eine wunderbare Aufnahme!


    Daß beide Arrangeuere beileibe keine schlechten Komponisten waren, hört man an der Behandlung des Claviers und an dem Umgang mit den tollen neuen Klangfarben! Man kann auf diese Weise beide Sinfonien völlig neu für sich gewinnen.


    :rolleyes:

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