Einspielungen (opi)


  • Mr Abel's Fine Airs
    Twenty-four Pieces for Solo Viola da Gamba


    Susanne Heinrich
    viola da gamba (keine weiteren Angaben zum Instrument)



    Rec: St Andrew's Church, Toddington, Gloucestershire 10/2006
    St Andrew's Church, Toddington, Gloucestershire, United Kingdom
    Booklet: faktenreiche Einführung von Peter Holman
    Coverbild: Karl Gustav Carus (1789-1869), River Landscape in the Rosental near Leipzig, Hamburger Kunsthalle, Germany


    Um 1640 kam Nicola Matteis nach England und nach ihm suchten noch viele italienische Geiger dort ihr Glück zu machen und für die Verbreitung ihres Instruments und ihrer Musik sorgten. Als Abel sich 1759 in London niederließ, wurde die Gambe schon als antiquiertes Instrument angesehen, gebraucht fast nur noch im Continuo; Musik für Solo Gambe war damals in London sicher eine Seltenheit und der Versuch, sich als Gambenvirtuose seinen Lebensunterhalt verdienen zu wollen, risikoreich.




    Peter Holman schreibt in einem hervorragenden Beitrag im Booklet zu Musik und Spiel von Carl Friedrich Abel


    Zitat

    Die uns überlieferte Gambenmusik von Abel [ ...] teilt sich in zwei Gruppen. Wir haben mehr als 50 Solos und Sonaten für Viola da Gamba und Generalbass. Die meisten stammten aus Manuskripten, die sich einmal im Besitz der Gräfin von Pembroke befanden. Deshalb nahm man an, Abel habe diese Stücke für sie komponiert, vielleicht als Unterrichtsmaterial, denn sie sind im Großen und Ganzen einfache und elegante Stücke im galanten Stil und enthalten keine großen spieltechnischen Schwierigkeiten. Es gibt allerdings Hinweise, dass Abel ganz bewußt einfache Musik in der öffentlichkeit spielte. Nach Burney pflegte Abel zu sagen: "Mir behagt es nicht, immer mit Schwierigkeiten zu kämpfen und alle Register beim Spiel zu ziehen. Ich mache meine Stücke schwierig, wenn es mir passt, je nach meiner Disposition und der meines Publikuns." Abel war besonders für seine Art, Adagios zu spielen berühmt, die Burney lebhaft als dessen "Diskretion, Geschmack und salbungsvolle Art" beschriebt, "ein paar Noten auszudrücken, fast hätte ich atmen gesagt." [...]


    Die andere, dieser Einspielung zugrunde liegende Gruppe von Abels Gambenmusik unterscheidet sich von der ersten sehr. Wir haben 30 unbegleitete Stücke, von denen 24 hier aufgenommen wurden. Überliefert sind uns diese unbegleiteten Stücke in handschriftlichen, sich heute in der British Library und der New York Public Library befindlichen Manuskripten. Ihr Schwierigkeitsgrad ist im Allgemeinen viel höher als der in den Solos mit Generalbass. Häufig trifft man auf Doppelgriffe; die Musik erstreckt sich über das gesamte sechssaitige Instrument vom tiefen D bis zum zweigestrichenen A; und es gibt eine Reihe von Passagen mit ausgeschriebenen Verzierungen im italienischen Stil. Der deutlichste Unterschied zu den Sonaten besteht allerdings, mal von der Sonate in G-Dur [Track 11-14] abgesehen, in der Abweichung von der sauberen sonatenartigen Folge aus zwei oder drei Sätzen. Das Manuskript in der New York Public Library aus einer einzigen Folge von 27 Stücken, die nur nach Tonart angeordnet sind. Sie stehen alle in D-Dur außer fünf Stücken in d-Moll [!] und zwei in A-Dur. Daraus kann man womöglich schlussfolgern, die Stücke seien für inoffizielle Situatiionen gedacht gewesen, wo der Interpret, vermutlich Abel selber, je nach seiner Laune bestimmte Stück [!] auswählen konnte, ohne sich dabei um die Erwartungen eines Publikums kümmern oder die in einem Konzertprogramm gegebenen Versprechen erfüllen zu müssen.


    Inhalt:


    1. Adagio, WKO 189
    2. Vivace, WKO 190
    3. Allegro, WKO 192
    4. Tempo minuetto, WKO 154
    5. Adagio, WKO 209
    6. Arpeggio, WKO 205
    7. Tempo di menuet con variazioni, WKO 203 & WKO 204
    8. Moderato, WKO 208
    9. Adagio, WKO 187
    10. Fuga, WKO 196


    Sonata G-Dur
    Viola da Gamba Solo senzza Basso
    11. I. Adagio, WKO 155 no. 1
    12. II. Allegro, WKO 155 no. 2
    13. III. Tempo di menuet, WKO 153
    14. IV. Adagio


    15. Allegro, WKO 198
    16. Tempo di menuet, WKO 202
    17. Andante, WKO 191
    18. Arpeggio, WKO 194
    19. Allegro, WKO 207
    20. Tempo di menuet, WKO 188
    21. Andante, WKO 199
    22. Allegro, WKO 195
    23. Allegretto, WKO 211
    24. Allegro, WKO 212




    Zitat

    Man versteht leicht, warum einige von Abels Adagios, wie unter anderem die Adagios WKO 187 [T. 9], WKO 189 [T. 1 ], und WKO 209 [T. 5], als musikalische Beispiele der Empfindsamkeit gedeutet werden konnten, besonders das Adagio WKO 209 mit seinen extravaganten musikalischen Gesten und Harmonien. Letztgenanntes bringt die gleiche tragische Welt zum Ausdruck wie die Gambensolos in J. S. Bachs Passionen oder die Stücke im empfindsamen Stil seines Sohns Carl Philipp Emanuel - das musikalische Äquivalent zur Empfindsamkeitin der Literatur. In den anderen hier vorgestellten Stücken hört man bisweilen programmatische Elemente, wie zum Beispiel die lang ausgehaltenen Töne eines Dudelsacks oder einer Drehleier in den Menuetten WKO 154 [T. 4] und [T. 188], die Szenen mit sich als Schäfer verkleideteten Adligen heraufbscwören, wie sie häufig auf Meißner Porzellen abgebildet waren. [Es folgen noch Bemerkungen zu WKO 212, T. 24, WKO 191, T. 17, WKO 199, T. 21 ...]


    Weitere Bezugspunkte liefert die herrliche Fuge WKO 196 [T. 10] Die Vorstellung von kontrapunktischer Musik für ein einzelnes Streichinstrument lässt einen zuerst an J. S. Bach denken. Diese Fuge bezieht sich aber weniger auf Bach, als direkt auf Corellis Konzert in D-Dur op. 6, Nr 1. [...] Man fragt sich, ob dieses Stück und andere Kompositionen, die die Technik und den Stil von Bachs unbegleiteter Violin- und Violoncellomusik beschwören, eher ein privater Scherz waren, der den Mitgliedern des Abelkreises zeigen sollte, dass Abels musikalische Interessen und Neigungen viel weiter gefächert waren, als das Publikum annehmen moche. Sicherlich gehören diese Stücke zur besten Musik, die für Gamben der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts komponiert wurde, und sie werden all jene überraschen, die nur Abels leichte und charmant galanten Sonaten kennen.

    aus: Hyperion Booklet



    Susanne Heinrich erntete für diese Aufnahme regelrechte Lobeshymnen, ich meine, sie hat das auch verdient. Ich habe einige Aufnahmen mit ihr und schätze sie sehr.



    lg vom eifelplatz, Chris.


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    Hoasm


    BBC Music Review
    Gramophon
    MusicWeb International


    .


  • The Drexel Manuscript


    Petr Wagner
    viola da gamba by Ingo Muthesius, 2002 (after Joachim Tielke, Hamburg 1691)


    Rec: Baroque Assembly Hall of Tyršův dům, Prague 11/2014
    Booklet: informativer Beitrag E/D, mit einem Foto des wunderschönen Instuments



    Oliver Binder im Booklet der CD:


    Zitat

    Carl Friedrich Abel lädt mit den im Drexel Manuskript überlieferten Stücken ein zu einer mehr und mehr bezwingenden Reise durch kontrastierende musikalische Stimmungen und Dynamiken. Galante Menuette wechseln ab mit erregten und kapriolenden Allegros, empfindsame Adagios finden sich ebenso wie energische Ariosi und kunstvolle Arpeggien. Mit einer Fuge stellt Abel auch sein kontrapunktisches Können unter Beweis.

    Trackliste:


    1 Allegro, WK 186
    2 [Adagio], WK 187
    3 Tempo di minuet, WK 188
    4 Adagio, WK 189
    5 Vivace, WK 190
    6 Andante, WK 191
    7 [Allegro], WK 192
    8 [Tempo di Menuet], WK 193
    9 [Preludio], WK 194
    10 [Arpeggio scordato] WK 195
    (tuning G-D-c-e-a-d'')
    11 [Allegro], WK 197
    12 Fuga, WK 196
    13 [Aria], WK 199
    14 Allegro WK 198
    15 [Tempo di Menuet], WK 199
    16 [Cadenza]
    17 Tempo di Menuet, WK 200
    18 Tempo di Menuet, WK 201
    19 [Aria], WK 202
    20 Aria con variazioni WK 199
    21 [Cadenza]
    22 [Arpeggio], WK 205
    23 [Aria], WK 206
    24 Allegro, WK 207
    25 [Allegro], WK 208
    26 Adagio, WK 209
    27 Tempo di Menuet, WK 210
    28 Allegretto, WK 211
    29 Allegro, WK 212



    Oliver Binder im Booklet:


    Zitat

    Die einzelnen Sätze stehen in keinem zyklischen Zusammenhang und bilden doch ein faszinierendes Werkganzes. Die Reihenfolge, wie das Manuskript sie präsentiert, hat der Gambist Petr Wagner auch für die vorliegende Aufnahme übernommen. Siebzehn Stücke stehen in D-Dur, daran reihen sich fünf in d-Moll, darauf folgt wieder eines in D-Dur. Zwei Stücke in A-Dur bilden den Abschluss. Eingestreut in den ersten D-Dur-Block dieser fünfundzwanzig ausgereiften Einzelkompositionen sind vier kurze, fast flüchtige Arabesken. „Präludien“ und „Kadenzen“ nennt sie Petr Wagner. Er führt diese Ausdrücke ebenso in Klammern an, wie die anderen von ihm gewählten Titel in jenen Fällen, wo das Manuskript selbst keine Satzbezeichnung aufweist. Unter anderem benennt Petr Wagner das zehnte Stück als „Arpeggio scordato“, weil er in diesem Fall von der üblichen Stimmung des Instruments abweicht: Indem er die zwei tiefsten Saiten vertauscht (die G-Saite an erster Stelle vor die D-Saite reiht), gelingt ihm das sonst unmögliche Kunststück, tatsächlich alle von Abel notierten Akkorde mit dem Liegeton D vollständig zum Klingen zu bringen!


    Petr Wagner ist kein Unbekannter unter den Musiker*innen, die sich des Repertoires der reisenden Gambenvirtuosen angenommen haben; vor dieser CD hat er mit seinem Ensemble Tourbillon u.a. eine Aufnahme mit der gesamten Musik für Viola da Gamba solo Gottfried Fingers veröffentlicht. Er spielt sehr virtuos und zeigt ein meisterhaftes technisches Können, die Musik fließt, als ob es so selbstverständlich wäre - aber er spielt auf eine fast introvertierte, leise Art - eben Kammermusik, dem Ton von Gamben und den Räumen angemessen scheint mir.


    Ich liebe diese Solo-Musik sehr. Gerade die reisenden Virtuosen zeigen hier ihr Können, es ist für sie ja oft eine Art Visitenkarte oder gar eine Bewerbung, mit der sie das Publikum - vielleicht spätere Schüler*innen oder Dienstherren - beeindrucken wollen. Aber, wie ich im vorigen Beitrag schon schrieb, spielte Abel diese schwierige Musik für seine Freunde - und vielleicht für sich.



    Zum Abschluss noch einmal Oliver Binder:


    Zitat

    Zum Bild, das sich die Zeitgenossen von Carl Friedrich Abel machten, gehören auch die Berichte über seinen angeblich zunehmend nicht besonders maßvollen Weingenuss. In illuminiertem Zustande, so liest man, hätte er sich in seiner ohnehin schon stupenden Improvisationskunst oft zur Höchstform gesteigert. Ein wenig wird man damit vielleicht auch das Klischee eines ausschweifenden Künstlerlebens bedient haben. Wirklich wesentlich an diesen Schilderungen ist das stete Staunen über Abels musikalisches Fantasieren. Die vitale Spontaneität seiner Einfälle scheint sich in den neunundzwanzig Stücken des Drexel Manuskripts widerzuspiegeln.

    Die schöne Bemerkung vom illuminierten Zustand mochte ich den geneigten Leserinnen und Lesern nun doch nicht vorenthalten.




    lg vom eifelplatz, Chris.


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    Rezensionen:


    CD reviews
    Presto


    Video


  • The Drexel Manuscript


    Paolo Pandolfo
    Six-String Bass Viol attributed to Nicolas Bertrand (end of 17th century)



    Rec: Église de Franc-Waret, Belgium, 2/2008
    Booklet: umfangreiche Einführung von Pandolfo, 36 S. E/F/D
    Coverbild: Thomas Gainsborough (1727-1788), Carl Friedrich Abel (Detail) 1776, National Gallery, London


    Trackliste s. discogs


    I. Suite D-Dur:


    1 Prélude
    2 Allegro
    3 Vivace
    4 Andante
    5 Allegro
    6 Adagio
    7 Tempo di Minuetto
    8 Aria
    9 Tempo di Minuet
    10 Minuetto


    II. Suite d-moll:


    11 Arpeggiata
    12 Minuetto
    13 Allegro
    14 Adagio
    15 Allegro
    16 Tempo di Minuet
    Suite in D Major


    III. Suite D-Dur:


    17 Prélude
    18 Allegro
    19 Allegro
    20 Aria con Variazioni
    21 Fuga
    22 Adagio
    23 Tempo di Minuet
    24 Petit Prélude
    25 Tempo di Minuet
    26 Minuetto


    IV. Two Pieces A - Dur:


    27 Allegretto
    28 Allegro



    Wie man hier sieht, hat Pandolfo die Abfolge der Werke aus dem Drexel Manuskript z.T. geändert bzw. sie anders gruppiert. (Vgl. den vorhergehenden Beitrag über das Drexel-Manuskript in der Interpretation von Petr Wagner)
    Vor allem am Anfang der Aufnahme zeigt Pandolfo was man so alles mit einer kraftstrotzenden Bass-Gambe hörenlassen kann - diese Expressivität ist für mich schon beeindruckend. Im Booklet merkt Pandolfo einmal an, dass Abels Musik für ihn keine Barockmusik mehr sei.


    Julie Anne Sadie schreibt in gramophon zu dieser Aufnahme:


    Zitat

    In Pandolfo’s hands, Abel’s music is highly communicative – packed with ideas, oft-repeated and always varied. His strong sense of overall form, both in freely expressed (preludes and slow movements) and more structured movements (dances and rondos), allows him to indulge in dynamic moments of silence, heightening the impression of monologue, and even dialogue. Technically wondrous, few could perform these delightful pieces with the skill, eloquence and sheer panache Pandolfo brings to them.


    Pandolfo selbst würdigt Biographie und Musik Abels in einem umfangreichen und sehr persönlichen Beitrag im Booklet:


    Zitat

    [...] Im Jahr 1759 befand sich Abel bereits auf der anderen Seite des Ärmelkanals, wo er am 5. April sein erstes Konzert gab, in dem er bewies, wie hervorragend er es verstand, die Gambe, das Cembalo und das Pentachord (eine Art Violoncello piccolo) zu spielen; überdies war er der Komponist aller gespielten Werke [...]
    Abel komponierte damals bereits in einem innovativen und modernen Stil, der die Künstlichkeit des Barockstiles weit hinter sich gelassen hatte und sich dem sogenannten "klassischen" Stil schnell annäherte. Thematische Einfachheit, harmonische Klarheit, die Bedeutung des Tiefganges und die unmittelbare Expressivität, dies alles sind Schlüsselelemente jenes Stils, den man empfindsam nenenn würde [...] und dessen Vorreiter die Familie Bach vor allem in der Person Carl Philipp Emanuels war.
    [...]


    Zum Abschluss seinerAusführungen überlegt Pandolfo , was das Gambenspiel und die Musik von Abel für ihn bedeuten könne:


    Zitat

    Und nun sind wir an der Reihe ... Im 21. Jahrhundert versuchen wir auf der Gambe zu spielen - nachdem die unmittelbare Tradition bereits seit zwei Jahrhunderten unterbrochen ist!
    Der unvergleichliche Gambist, der kluge Komponist, der überschäumende Improvisator ... Wie soll man es wagen, sich seiner Musik anzunähern, ohne Gefahr zu laufen, sich völlig fehl am Platz zu fühlen?
    [...]
    Ich habe in seiner Musik Gefühl, Weisheit, Eleganz, Innigkeit und Leichtigkeit, Ironie und Bedeutung, Herz und Verstand gefunden ... am Ende dieser Einspielung befand ich mich wie in einem Schockzustand unter dem Eindruck der Neuartigkeit dieser Musik, die ich gerade gespielt hatte. Die Viola da gamba als intime innere Stimme ebenso wie als Paradigma für ein ganzes Orchester als Blatt einer musikalischen Skizze, die die Erfindung einer Vielzahl weiterer Instrumente vorhersieht oder vorwegnimmt ... Die Viola da gamba schließlich als Ort der Erfindung. [...] Die Freude am freien Klang und an der Resonanz der Gambe vereint mit der Forderung nach einem eleganten und unwahrscheinlich präzisen Bogenstrich, durchsichtig wie böhmisches Kristall, ein Bogenstrich, der nur den "klassischen" Violinstrich zum Vorbild haben konnte.



    Hat er recht? Hört selber rein!


    lg vom eifelplatz, Chris.
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    Paolo Pandolfo


    Rezensionen:


    BBC Music Magazine
    Baroque Review
    musikansich


    Videos:


    Pandolfo über Abel Video
    CD auf YT


  • Chamber Music


    Il Gardellino


    Jan de Winne, traverso
    Marcel Ponseele, oboe
    François Fernandez, violin
    Vittorio Ghielmi, viola da gamba
    Ira Givol, Cello
    Shalev Ad-El, cembalo & pianoforte


    [keine weiteren Angaben zu den Instrumenten]


    Rec: St. Thomas van Kantelberg St. Kruis-Male, Belgium 11/2009
    Booklet: Einführung von Bernhard Blattmann E/F/D
    Coverbild: Thomas Gainsborough (1727-1788), Carl Friedrich Abel (Detail) 1776, National Gallery, London



    Inhalt:


    Johann Christian Bach
    Quartet No. 1 B-Dur
    For Oboe, Violin, Viola Da Gamba And Violoncello Warb B60
    1. – I. Allegro
    2. – Ii. Rondo Grazioso


    Carl Friedrich Abel
    Quartet B-Dur
    For Flute, Violin, “Tenor” And Violoncello Op. 8 No. 2 WKO 62
    3. – I. Allegro Con Spirito
    4. – II. Adagio
    5. – III. Tempo Di Minuetto


    Johann Christian Bach
    Quintet F-Dur
    For Flute, Oboe, Violin And Basso Continuo Op. 11 No. 3 Warb B73
    6. – I. Andante
    7. – II. Allegretto


    Carl Friedrich Abel
    Sonata No. 24 d-moll
    For Viola Da Gamba Solo WKO 209
    8. – Adagio


    Carl Friedrich Abel
    Sonata No. 22 d-moll
    For Viola Da Gamba Solo WKO 207
    9. – Allegro


    Carl Friedrich Abel
    Quartet G-Dur
    For Flute, Violin, Viola Da Gamba And Violoncello WKO 227
    10. – I. Allegro Moderato
    11. – II. Allegretto


    Johann Christian Bach
    Sextet C-Dur
    For Fortepiano, Oboe, Violin, Violoncello And 2 Horns Warb B78
    12. – I. Allegro
    13. – II. Larghetto
    14. – III. Rondo: Allegro


    s. discogs


    Keine Publikation zu C. F. Abel oder J. C. Bach ohne Erwähnung ihrer Wohngemeinschaft und erfolgreichen Zusammenarbeit, die 1764 zur Gründung der ersten Londoner Abo-Konzerte führte. Sie sind als Bach-Abel Concerts in die Musikgeschichte eingingen. Bach und Abel führten dabei ihre eigenen und andere Werke auf, zudem gab es Auftritte von Gästen. 1768 erklang ein Solo auf dem Pianoforte, so konnte das Londoner Publikum erstmals Bekanntschaft mit einem sochen Instrument (von Johannes Zumpe) schließen. Leider scheinen keine Programmzettel von diesen Konzerten erhalten zu sein, aber man kann sicher davon ausgehen, dass hier aufgenommenen Werke auch in diesen Konzerten gespielt wurden.


    Dazu:
    Johann Christian Bach und Carl Friedrich Abel: Eine Junggesellen-WG im swinging London des 18. Jahrhunderts: SWR


    Bernhard Blattmann schreibt im Booklet:


    Zitat

    Wie nur wenige Komponisten des 18.Jahrhunderts hat sich Carl Friedrich Abel fast ausschließlich der Instrumentalmusik gewidmet. Seine rund 120 Instrumentalwerke zeichnen sich nicht zuletzt dadurch aus, dass er in ihnen sowohl die starre barocke Gesetzmäßigkeit der Musizierhaltung überwindet, als auch die Floskelhaftigkeit vieler seiner zeitgenössischen Komponistenkollegen vermeidet. Daneben sind sie durch thematische
    Einfachheit und harmonische Klarheit gekennzeichnet, die, ganz besonders in seinen berühmten Improvisationen auf seinem Instrument, durch eine unmittelbare Expressivität angereichert wird. Dies machte ihn zu einem herausragenden Vertreter des empfindsamen Stils.


    Einer besonderen Beliebtheit erfreuten sich die hier aufgenommenen, der englischen Königin gewidmeten sechs Quartette op 8. Erstmals 1768 in Amsterdam gedruckt, erlebten sie in den folgenden Jahren einige Neuauflagen.



    Blattmann schreibt dazu:


    Zitat

    Ursprünglich als reine Streichquartette konzipiert, werden sie in der vorliegenden Aufnahme als Flötenquartette ausgeführt, was einer damals gängigen Praxis entspricht, die nicht selten von vorneherein
    bereits im Titel angegeben wurde. Die geschäftigen Sechzehntelfiguren der zweiten Violine zu Beginn des ersten Satzes verraten nicht nur Mannheimer Einflüsse, sie bieten auch bei einer Besetzung der ersten
    Violine mit einer Flöte zusammen mit den übrigen Streichern ein ideales Fundament für das Blasinstrument. Auch das mit gerade mal 29 Takten knapp gehaltene, ausgesprochen kantable Adagio gewinnt durch die Besetzung der ersten Stimme mit einer Flöte.


    Nachdem Il Gardellino von Bläsern gegründet wurde, verwundert es nicht, dass sie sich des Werks mit einer ebensolchen Besetzung angenommen haben. Zwei der Gründungsmitglieder des Ensembles sind hier mit von der Partie, der Flötist Jan de Winne und der Oboist Marcel Ponseele den man zu den bekanntesten Barockoboisten zählen darf, auch die übrigen Interpreten sind durch gute Aufnahmen bekannt. Es ist eine heitere, perlende Musik, die hier gespielt wird, ich denke, das Londoner Publikum konnte sich gut unterhalten fühlen.


    lg vom eifelplatz, Chris.


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    Il gardellino:
    nl.Wikipedia
    homepage
    discographie


    CD reviews
    DLF Kultur
    Booklet


    s. a. J. C. Bach


  • Sonaten für Viola da Gamba


    Thomas Fritzsch, Viola da gamba
    Shalev Ad-El, Pianoforte, Cembalo


    Carl Friedrich Abel
    Sonata à Viola di Gamba Solo et Basso e-moll WKO 150


    Johann Christian Bach
    Four sonatas for viola da gamba and pianoforte / harpsichord obbligato
    Sonata Cembalo, Viola da Gamba G-Dur Warb B 4b


    Carl Friedrich Abel
    Solo à Viola di Gamba è Basso G-Dur WKO 149


    Johann Christian Bach
    Four sonatas for viola da gamba and pianoforte / harpsichord obbligato
    Sonata a Piano Forte e Viola da Gamba F-Dur Warb B 6b


    Johann Christian Bach
    Sonata di Cembalo e Viola da Gamba obligata B-Dur Warb B 2b


    Johann Christian Bach
    Sonata a Piano e Forte [e Viola da Gamba] F-Dur Warb B 15b



    Da ich die CD nicht besitze und nur online gehört habe, kann ich zu den formalen Daten keine Angaben machen.



    jpc wirbt mit dem Text:


    Zitat

    Sie waren über Jahre hinweg ein erfolgreiches, wenn nicht sogar das erfolgreichste Künstlerduo im London des 18. Jahrhunderts: der Gambenvirtuose Carl Friedrich Abel (1723-1787) und sein Geschäftspartner Johann Christian Bach (1735-1782), jüngster Sohn des Thomaskantors Johann Sebastian. Über zwei Jahrzehnte lang bestimmten sie als selbständige Unternehmer mit ihren Bach / Abel-Konzerten das an musikalischen Attraktionen nicht eben arme Londoner Musikleben. Bach und Abel verkehrten in den besten Kreisen (beide unterrichteten Mitglieder der königlichen Familie) und ließen sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere sogar einen eigenen Konzertsaal bauen. Neben Sinfonien und Konzerten war hier auch Kammermusik fester Bestandteil der Veranstaltungen. Thomas Fritzsch, als Cello- und Gambenspezialist mit dem 18. Jahrhundert bestens vertraut, und sein Partner Shalev Ad-El präsentieren mit Werken der beiden Komponisten einen wohlklingenden authentischen Einblick in das Repertoire deren damaliger Konzerte.



    Thomas Fritzsch ist ein glänzender Gambist und hat viele Gabenwerke ausgegraben und eingespielt. Auch Shalev Ad-El ist mit dem Repertoire der Zeit vertraut, auch in der vorigen hier besprochenen Aufnahme hat er das Tasteninstrument gespielt.. Es ist schade, dass in den Booklets die Instrumente nicht näher bezeichnet werden - ich möchte gar zu gerne wissen, welches Pianoforte Ad-El hier spielt; die perlenden Läufe erinnern mich manchmal schon an den jungen Mozart, ohne dass ich das jetzt an irgendeinem Werk festmachen kann.



    lg vom eifelplatz, Chris.


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    Coviello classics
    Video


    s. a. J. C. Bach


  • Ledenburg. Viola da Gamba Sonaten und Trios


    Thomas Fritzsch,
    Viola da Gamba, 7saitig, Samuel Gilkes, London 1812
    restauriert von Bernd Hiller, Markneukirchen


    Michael Schönheit,
    Fortepiano, John Broadwood, London 1805


    Evi Salonen,
    Violine, Johann Georg Leeb, Preßburg 1785


    Katharina Holzhey,
    Violoncello, Friedrich August Glaß, Unter-Sachsenberg 1835



    Rec: Merseburg Kulturhistorisches Museum 01/2016
    Booklet: Beiträge zur Musik, Geschichte des Manuskripts und der "napoleonischen Gambe" D/E



    Die auf Gut und Schloss Ledenburg im Fürstbistum Osnabrück lebende Familie des Hannoverschen Rittmeister Ernst von Grothaus und seine Frau Anna Friederike geb. Freiin von Oldeshausen liebten Kunst und Wissenschaft. Ihre 1734 geborene Tochter Eleonore, geprägt von dieser Atmosphäre, dichtete und zeichnete selbst. Ihre Werke kamen 2000 zusammen mit den Musikalien und weiterem Archivgut ins Niedersächsische Landesarchiv.



    Im Booklet schreibt Thomas Fritzsch:


    Zitat

    Die überwiegend durch Abschriften zusammengetragene Notenbibliothek (von mir Sammlung Ledenburg genannt) besteht in ihrer jetzigen Form ausschließlich aus Literatur für Viola da gamba, und allem Anschein nach war es die Dichterin selbst, die dem Gambenspiel leidenschaftlich zugeneigt war. Das seiner Entstehung nach vermutlich früheste Werk der Sammlung ist ein Druckesemplar Georg Philipp Telemanns 1735 im Eigenverlag veröffentlichten FANTASIES pour la BASSE de VIOLE (TWV 40:26-37), die Generationen von Musikliebhabern als das verschollene Bernstein-Zimmer der solistischen Gambenmusik galten. Von nicht geringerer Bedeutung ist die Entdeckung bislang unbekannter Gambenwerke Carl Friedrich Abels, die wir in dieser Einspielung erstmals wieder zum Klingen erwcken.


    Mir gefallen ja die Trios am besten, Thomas Fritzsch führt zu ihnen aus:


    Zitat

    Die Trios in C-Dur (A5:3A) und G-Dur (A5:4A) in der Besetzung von Violine, Viola da gamba und einer Bassstimme, die mit Violoncello respektive Basso bezeichnet ist, sind in der Ledenburg-Sammlung ohne Angabe eines Komponisten überliefert. Im Kontext weiterer Abel-Werke dieser Sammlung konnten sie nach stilistischen Untersuchungen ebenfalls Carl Friedrich Abel zugeschrieben werden. Es ist vorstellbar, dass es sich um Stimmabschriften zweier Werke aus dem Konvolut jener Twents-four Trios in score, for a Viola da Gamba, Violin and Violincello, by Abel and his own handwriting handelt, welche die Buchhändler Evan und Thomas Williams sieben Jahre nach Abels Tod in The Morning Herald vom 3. April 1794 zum Verkauf anboten. Die eigenwillige Schreibweise violada jamba im Titel des C-Dur-Trios, die gelegentlich in Berliner Handschriften anzutreffen ist, könnte dabei auf Berliner Provenienz hinweisen. Korrespondierend zum G-Dur-Trio haben wir unsere Einspielung mit der Sonate G-Dur für Viola da gamba und Basso (A2-9) ergänzt, die Bestandteil der (Ersten) Pembroke-Sammlung ist.


    Das ist richtig schöne, unterhaltsame Musik und natürlich auch spielfreudig serviert.



    lg vom eifelplatz, Chris.


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    Coviello classic


    Schloss Ledenburg:


    en.Wikipedia
    de.Wikipedia


    Edition Guentersberg:
    G282
    G295


    Rezensionen:
    BR
    CD reviews


    Informationen zur Gambe


    Booklet



  • Sonaten für Viola da gamba (aus der Pemnbroke Sammlung 2)

    Thomas Fritzsch,
    Viola da gamba von Johann Casper Göbler aus dem Jahre 1784
    Viola da gamba Lady Amber aus dem Jahre 1774


    Michael Schönheit, Pianoforte, Harpsichord


    Werner Matzke, Violoncello


    Rec DDD 2014
    Das 2-CD-Set enthält 10 Sonaten für Viola da gamba & Bc; 4 Duette für Viola da gamba & Cello. Ich kenne es nur von den Hörproben der Anbieter, auch online bei meinem Streamingportal war das Album nicht zu finden: Ich kann also keine näheren Angaben zu der Aufnahme machen.



    jpc schreibt dazu:

    Zitat

    Abels Schwanengesang

    Es ist eine musikalische Sensation: Vierzehn bislang unbekannte Gamben-Werke Carl Friedrich Abels (10 Sonaten für Gambe & Basso und 4 Duette für Gambe & Cello) aus dem Nachlaß seiner Schülerin Lady Elizabeth Herbert, Countess of Pembroke and Montgomery , wurden - unbemerkt von der Öffentlichkeit - 1994 in einer Sotheby's-Auktion von einem Privatsammler ersteigert. Der verborgene Schatz erwies sich als Abels Opus ultimum, welches er selbst noch kurz vor seinem tragischen Tod am 20. Juni 1787 in den Hanover Square Concerts aufführte und mit welchem er seine wärmsten Bewunderer in Erstaunen setzte. Aus der Freundschaft zwischen dem Privatsammler und dem Gambisten Thomas Fritzsch, den Robert Marshall den "Casals der Gambe" nannte, erwuchs die Möglichkeit, diese Werke wieder zum Klingen zu erwecken. Gleichsam zu Zeitzeugen jener versunkenen Welt werden dabei Fritzschs Instrumente: eine Viola da gamba von Johann Casper Göbler aus dem Jahre 1784 und die Viola da gamba Lady Amber aus dem Jahre 1774.


    Das war mein vorerst letzter Beitrag zu Abels Kammermusik, mehr CDs stehen mir nicht zur Verfügung und mich zieht es auch wieder zu Musik anderer Zeiten und Länder. Im Rückblick kann ich sagen, dass mir die Musik Abels gut gefallen hat. Andererseits gibt es noch sooooooo viel Musik, die ich nicht kenne und die mich aus den verschiedensten Gründen interessiert, da wird vermutlich nur noch die Solo-CD mit Susanne Heinrich hin und wieder gehört werden, vielleicht auch die Ledenburg- und bei Gelegenheit die Pembroke-Sammlung. CDs mit J. C. Bachs Musik reizen mich nicht so sehr, dass ich noch mehr davon hören möchte. Aber hört und urteilt selbst!



    lg vom eifelplatz, Chris.
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    Das vermisste Pembroke-Konzert


    Edition Guentersberg:
    Second Pembroke Collection


    Pembroke