Lokales Repertoire

  • In diesem Thread können Einspielungen zu Repertoire eingestellt werden, welches auf Überlieferungen lokaler Art basiert. Damit sind Institutionen wie Höfe, Kathedralen oder Klöster genauso gemeint wie bestimmte Städte, Gebiete oder Länder.


  • (P) 1999 Dacapo 8.224133 [65:09]
    rec. 18. & 28.-29. Januar 1999 (Kastelskirken, Kopenhagen) - 26. Juli 1999 (Store Heddinge Kirke, Seeland)


    Musica Ficta
    D: Bo Holten


    Auf dieser CD ist alles an Musik zusammengetragen, was aus dem mittelalterlichen Dänemark erhalten geblieben ist. Es ist grundsätzlich geistliches Repertoire, welches zum Teil an die lokalen Traditionen angepaßt wurde, doch zumeist stammt das Repertoire aus den damaligen Zentren wie St. Gallen, Notre Dame Paris oder Aquitanien. Das älteste Stück ist um 850 datiert, die jüngsten um 1450. Bo Holten hat sich des Themas angenommen und alle verfügbaren Quellen erschlossen.


    Inhalt:

    • Gaude Mater (2stimmig)
    • Summa pia gratia
    • Hymne: Regalis ostro sanguinis
    • Hymne: Ecclesie prosapies
    • Decus regni
    • Jhesus Christus nostra salus (2stimmig)
    • Maria candens lilium (2stimmig)
    • Beatus vir
    • Alleluya. Pascha nostrum (3stimmig)
    • Gaudeat devotio fidelium (2stimmig)
    • Ave martyr dux Danorum
    • Drømdae mik aen drøm
    • Christ undhae megh
    • Mith hierthae brendher
    • Gaude Maria. Gabrielem Archangelum
    • Nicolai solempnia (2stimmig)
    • Hymne: Caterva nostra laudibus
    • O rosa in Iherico (2stimmig)
    • Letificat laudacio (2stimmig)
    • Christus resurgens. Dicant nunc Judei (3stimmig)
    • Gaudet Mater Ecclesia (2stimmig)

    Es handelt sich um unterschiedlichstes Repertoire an Gattungen und Zeiten. Insgesamt sind zehn Stücke einstimmig, der Rest mehrstimmig. Tracks 9, 15 und 20 entstammen der Notre-Dame-Schule und sind Organae der üblichen Art, Tracks 11-14 sind einstimmige Gesänge in altdänischer Sprache; weiterhin gibt es aus der Spätzeit einige Stücke (Tracks 1, 6, 7, 16, 18 und 19), die die kontrapunktische Zweistimmigkeit um 1450 präsentieren, sowie einige Hymnen zu Ehren von dänischen Heiligen (Tracks 3, 4 und 17), im 12. Jahrhundert entstanden. Track 2 (Summa pia gratia) stammt aus einer französischen Quelle und beinhaltet den ältesten Hinweis auf die "Normannen", die damals den Norden Europas durch ihre Überfälle bedroht hatten.


    Diese Reste zeigen sehr deutlich, wie sehr Dänemark durch die Christianisierung eingenommen wurde und ihre eigene Geschichte schrieb, denn zunehmend wurde das übernommene Repertoire auf die eigenen Bedürfnisse umgearbeitet. Wichtige Einflüsse kamen immer weiterhin von außen, aber die Praxis wurde angepaßt und gelegentlich auch in die Umgangssprache übertragen. Die üblichen Techniken der mehrstimmigen Gesanges wurden ebenso zelebriert wie weiter südlich, ohne jedoch eine ganz neue Schule zu kreieren. Durch die Reformation im 16. Jahrhundert endete diese katholische Tradition endgültig.


    Das Ensemble ist ein gemischter Chor (3s 1ms 2a 3t 2bt 2b), aus denen auch die Solisten stammen. Bo Holten bleibt aber innerhalb der üblichen Aufführungstradition und teilt den Chor in zwei Gruppen: weiblich und männlich besetzt. Die ungeraden Tracks bis 9 singt die weibliche Gruppe, die geraden Tracks bis 10 tragen die Männer vor; ab Track 11 tauscht das Schema auf Männer/ungerade und Frauen/gerade. Auf diese Art und Weise kommt jede Gruppe in den Genuß, Werke aus allen Zeiten vorzutragen, so daß man nachvollziehen kann, wie sich die Stücke unter Mönchen und Nonnen angehört haben könnten. Es bringt auch eine belebende Abwechslung in die CD hinein.


    Der Vortrag ist vorzüglich - schließlich handelt es sich bei Musica Ficta um eine Eigengründung Bo Holtens, der zu den renommiertesten skandinavischen Chorleitern zählt. Präzise Intonation wechselt sich mit perfektem Timing ab, der Gesamtklang ist geschlossen und klasse abgestimmt. Klanglich ist das Ganze sauber eingefangen worden.


    Seltenes Repertoire in vorzüglicher Interpretation. Da kann ich nur eins sagen: Knaller... :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


  • Visitatio Sepulchri
    Uffici Drammatici della Passione e del Tempo di Pasqua
    nella Cattedrale di Padova, secoli XII - XV


    Venerdi Santo - Adoratione della Croce
    Sabato Santo - Ufficium in nocte Ressurrectionis: Visitatio Sepulchri
    Domenica di Ressurezione



    Ensemble Oktoechos
    Schola Gregoriana Di Venezia
    D: Lanfranco Menga



    rec.: Chiesa di S. Maria del Servi, Padova, Italy 01/2004
    Booklet: Text I/E/F, mit Quellenangaben und Informationen zu jedem Stück; liturgischer Gesang Latein;
    Coverbild: Giusto De' Menabuoi, Risurrezione - Il Sepulchro vuoto, Padova, Battisterio del Duomo




    Aus dem Booklet:

    Zitat

    The cities of Padua and Cividale, in notheastern Italy, preserve the most numerous and interesting testimonies concerning the dramatic representations that accompanied liturgical celebrations during the Middle Ages. In the cathedral of Padua, in particular, dramatized Offices constituted an enduring and extended practice which may be reconstructed thanks to a series of manuscript sources dating from the 13th and 15th centuries and preserverd in the Bibliotheca Capitolare of the Curia Vecovile: the Liber Ordinarius, ms. E57 (13th c.) and two Processionals, mss, C55 and C56 (14th-15th c.).
    In the rich and variegated musical-liturgical repertoire of Paduan tradition, two items stand out for both dimension and quality: the chants intended for the Holy Triduum and the Visitatio sepulchri.
    During the celebration of the Easter Office, in fact, when the mystery of the Passion is revealed trough the triumph of the Resurrection, the rites celebrated in the cathedral were transformed into veritable liturgical dramas, recited and sung by actors, and supported by a staging which was appropriate to the events enacted.
    The origin of the Visitatio sepulchri dates to the first decades of the 10th century, when the text in dialogue, Quem quaeritis in sepulchro, utilized as a trope to t Introit of the Easter Mass, for example in the Benedict monasteries of Saint Martial in Limoges (Paris, Bibliothèque Nationale, ms. lat. 1240) and Sankt Gallen (Sankt Gallen, Stiftsbibliothek, ms. 484), was introduced into the Office of Matins after the last reponse, Dum transissed sabbatum, and before the final Te Deum. [...]


    Beim Lesen dieser Einführung von Antinio Volato bekommt man einen Eindruck von der sorgfältigen Dokumentation der Aufnahme. Zu jedem Stück gibt es Informationen und Quellen. Wenn man dann einmal z.B. die e-facsimiles des Liber Ordinarius aus den Bibliotheken Stankt Gallen und Paris durchblättert, die hier als Quellen angegeben werden (eine entsprechende Ausgabe des ms. E57 aus Padua habe ich leider nicht gefunden), beginnt man zu verstehen, welch unendliche Mühen und Arbeit es gekostet hat, bis man in der Lage war, diese Musik aufzuführen.


    Es ist schon eine geraume Weile her, dass ich mich intensiver mit Musik aus dieser Zeit beschäftigt habe. Anfangs haben meine Ohren auch etwas geschwächelt, aber ich habe mich schnell wieder eingehört. Es ist eine großartige Musik, ich finde, sie hat von ihrer Eindrücklichkeit in den vergangenen Jahrhunderten nichts verloren. Hört mal rein, hier kann man die Aufnahme hören.



    lg vom eifelplatz, Chris.
    ____________________________


    zu Besetzung und discograph. Daten s. Presto
    Tactus
    Naxos


    Ensemble Oktoechos
    Concentus Musicus Patavinus
    Biblioteca Capitolare presso la Curia vescovile
    ms. C55
    ms. C56