op. 39: Liederkreis nach Joseph v. Eichendorff: Einspielungen (opi)


  • Robert Alexander Schumann (1810-1856)
    Liederkreise opp. 24 & 39 u.a.


    José Pizarro, Tenor
    Davin Aijón, Fortepiano Modell Conrad Graf c1819 von Paul McNulty


    Besprechung folgt asap.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


  • Nach dem ersten Hördurchgang: Stimmlich ist das in meinen Ohren doch eher grenzwertig, um bislang jede zu negative Charaktersierung zu vermeiden. Das Instrument klingt interessant, der Pianopart aber ungelenk. Aber dazu später; ich möchte nur einmal wissen, lieber Ulli; wieviele andere op. 39 du kennst und wie du da im Vergleich die Stimme und die Kunstarbeit Pizarros einschätzt?!

    Wir sollten Karoline Stöhr aus Thomas Manns "Zauberberg" zur Schutzpatronin unseres Forums machen; auch sie liebt die "Erotika" ...

  • Grenzwertig? Mit Neffen! Ich bin dahingehend sehr anspruchsvoll und was ich hier hörte (zunächst überwiegend op. 24) hat mich sehr berührt und gerade die Mühelosigkeit in den Höhen fand ich sehr beeindruckend (keine Brüchigkeit wie z.B. bei Hansjörg Memmel, was ich aber auch sehr schätze, weil es mir z.B. in Schuberts Winterreise sehr gefällt und dort auch hinpasst). Natürlich darf man einmal mehr die dt. Aussprache „kritisieren" - aber damit muß man eben rechnen, wenn man dt. Lieder - gesungen von einem spanischen Tenor - erwirbt. Der Piano Fortepart gefällt mir hier übrigens auch sehr gut, meist begleitend und zurückhaltend, beinahe asketisch.


    Meine Rezension erfolgt irgendwann ausführlicher. Op. 39 lag bislang nicht so in meinem Fokus wie op. 24, da muß ich mich erst tiefschürfender mit befassen.


    :)

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  • Danke für die schnelle Antwort, liebster Ulli. :love:


    Das hier ist als Problematik natürlich immens schwer - erstens sind Stimmen und deren Einschätzung noch subjektiver zu sehen als ohnehin schon im Klassikbereich bei Instrumentalsolisten. Dirigenten oder Orchestern; zweitens bleibt freilich stets die grundsätzliche Frage nach der Idiomatik und damit der prinzipiellen Hintansetzung von Nichtmuttersprachlern; und drittens wird man wohl trefflich streiten können, welche Art Stimme und interpretatorischer Zugang am Ehesten zu op. 39 passt. Gerade letzteres lässt sich bei der Winterreise leichter formulieren trotz aller unterschiedlichen Deutungsmuster; hier bei den Eichendorff-Gedichten wiegen die Zweifel schwerer, das zeigt schon die Diskussion früher bei Tamino: Robert Schumann - Liederkreis op. 39.


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  • Vom Eichendorffschen Kreis bin ich überraschender Weise überrascht; ich glaube, ich kannte diese Lieder bislang nicht. Sie schmiegen sich inhaltlich, gefühlsmäßig an die Heinelieder op. 24, die ich textlich wie musikalisch besonders schätze, an. Meine Favouriten (Momentaufnahme: Waldesgespräch, Mondnacht, Auf einer Burg ...); vielleicht lässt sich durch Nennung dieser Titel meine Vorliebe in Relation zu Heine erkennen?


    Auch hier gilt für mich: ich bin fasziniert ob der unbrüchigen Höhen des amtierenden spanischen Tenors (was ich zunächst nicht erwartet hätte); und ich behaupte einfach (unbegründet), daß gerade die Höhen hier das A und O ausmachen und eine besondre Schwierigkeit darstellen. Pizarro erreicht mich hier unverstellt, glaubwürdig, ohne gestelzt oder aufgesetzt zu wirken (was bei dt. Interpreten imo schneller „passieren" könnte). Gerade in den Höhen brilliert das Fortepiano in untermalender oder unterstreichender Funktion.


    Gefällt mit sehr! Die Espressivität macht mich an ... wohl den derzeitigen persönlichen Umständen entsprechend; da wird man wohl mitunter auch sehr schnell blind und taub (aber wohl kaum entmündigt und nicht mehr urteilsfähig) ... was ich mir eigentlich weniger anlasten möchte.


    :love:


    Der leichte Akzent ist hier für mich sehr liebevoll ... kreide ich nicht an (wie ich es a.a.O. bereits schrub: wer eine deutsche Lieder-CD erwirbt, von einem Spanier gesungen ... wie Volker Pispers schon sagte: „...damit müssen Sie rechnen!")

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  • Also zunächst freut mich deine Freude und ich untesrchreibe voll und ganz deine Bemerkungen zum Klavierpart, der an der richtigen Stelle auch Akezente setzt; ob nun die richtigen, sei einmal dahingestellt. 8-)8-):):D


    Auch hier gilt für mich: ich bin fasziniert ob der unbrüchigen Höhen des amtierenden spanischen Tenors (was ich zunächst nicht erwartet hätte); und ich behaupte einfach (unbegründet), daß gerade die Höhen hier das A und O ausmachen und eine besondre Schwierigkeit darstellen.


    Ja und nein, möchte ich sagen; ja, insofern der Befund sicher für jede Sanges- und besonders die Liedkunst gilt. Nein, insofern ich die verschiedenen Aufnahmen Dieskaus im Ohr habe, wobei insonderheit die frühen und zuweilen auch die mittleren sängerisch untadelig sind, die späten aber eben in diesen Höhen ganz sicher nicht unbrüchig gegeben werden und die Lieder trotzdem nicht an Wirkung verlieren, sondern im Gegenteil intensivere ausstrahlen. Aber das ist ein eigenes Thema, nämlich das, inwieweit makellose stimmliche und musikalische Aspekte mit dem Gelingen von Kunstliedinterpretationen zu tun haben.

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  • die späten aber eben in diesen Höhen ganz sicher nicht unbrüchig gegeben werden und die Lieder trotzdem nicht an Wirkung verlieren, sondern im Gegenteil intensivere ausstrahlen. Aber das ist ein eigenes Thema, nämlich das, inwieweit makellose stimmliche und musikalische Aspekte mit dem Gelingen von Kunstliedinterpretationen zu tun haben.


    Dem stimme ich gern zu; insbesondere in Bezug auf Schuberts Winterreise, wo dies m. E. sehr gut passt (Mammel/Schoonderwoerd). Aber auch hier könnte ich mir das, ein richtiges Clavier voraussetzend, sehr gut vorstellen.

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  • Dem stimme ich gern zu; insbesondere in Bezug auf Schuberts Winterreise, wo dies m. E. sehr gut passt (Mammel/Schoonderwoerd). Aber auch hier könnte ich mir das, ein richtiges Clavier voraussetzend, sehr gut vorstellen.

    Unbedingt, wobei die "Winterreise" natürlich auch intentional dafür geradezu geschaffen ist zu brechen, stimmlich wie existenziell. Und Hammel liefert neben Güra die beste opi-Interpretation, obwohl oder gerade weil ich rein sängerisch und stimmlich Harvey und Kobow als "schöner" empinde.

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  • Daß wir uns mal einig werden würden in diesem Leben ... :love: (ich bin aber jetzt leider schon vergeben).

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