Luftdirigate - die hohe Kunst der Laienkapellmeister

  • Natürlich habe ich als Jugendlicher auf der Dorfbumsdiso während der abschließenden Heavyrunde auch auf meinen jeansbewehrten Knien rutschend die Luftgitarre gerissen, als ob es kein Morgen gäbe und bei anderer Gelegenheit auch das imaginäre Schlagzeug verdroschen, dass Lars Ulrich vor Neid erblasst wäre. Aber das ist alles nichts gegen die meist spontanen Dirigate im heimischen Wohnzimer oder seltener im Wagen. Dass ich mir die Partitur bewusst vornehme, sie auf ein Pult lege und sozusagen offiziell luftdirigiere, kommt hierbei wirklich kaum vor; meist überwältigt mich etwas und dann kann ich nicht mehr ruhig sitzen und dirigiere die Zweite von Sibelius oder Mahler, oft sogar bis zum Ende. Die spätromantische Orchestermusik führt hierbei mit gut 99 Prozent mein Repertoire an; ich luftdirigiere - übrigens ohne, auch nur vorgestellten Taktstock, imaginierten Kapellemeisterstab - keine Instrumentalkonzerte, keine Opern, geistlichen Werke etc. Menschenführung im Solistischen oder Vokalen ist mir zu schwierig, ich bleibe lieber beim Orchester, das mir folgt.


    P.S. Im Auto ist Vorsicht geboten: Bei Luisis Bruckner-9 neulich hätte ich fast das Lenkrad verrissen nach einem Tutti; bei Keilberth wäre ich sicher im Straßengraben gelandet.

    "Wir Asketen hingegen kaufen nie mehr Musik als man bei Tag und Nacht-Beschallung in 50 Jahren hören könnte und nie mehr Bücher als man bei einer mittleren Lebenserwartung von 287 Jahren lesen wird..." (Oolong)

  • P.S. Im Auto ist Vorsicht geboten: Bei Luisis Bruckner-9 neulich hätte ich fast das Lenkrad verrissen nach einem Tutti;


    *lol**lol**lol*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Ich dirigiere nie - allerdings mache ich Handbewegungen an markanten Stellen, Fingerzeige in die Luft. Beim Autofahren bin ich brav, zumal ich praktisch nie Klassik laufenlasse. Außer Daumenwippen ist nichts gewesen. Außerdem bin ich eher der Luftgitarrenbassist... :D

  • Und was heißt schon, erwischt zu werden?! Meine Gute ertappte mich, als ich Barbirollis Sibelius-2 mit Leidenschaft zu Ende dirigierte und meinte nur, da könne sie mich wohl doch physisch stärker belasten, als dass sonst den Anschein hätte, so, wie ich mich verausgabe. 8-)

    "Wir Asketen hingegen kaufen nie mehr Musik als man bei Tag und Nacht-Beschallung in 50 Jahren hören könnte und nie mehr Bücher als man bei einer mittleren Lebenserwartung von 287 Jahren lesen wird..." (Oolong)

  • Heute im Zug zwischen Minden und Wunstorf saß schräg gegenüber doch tatsächlich Chad Feldheimer (die Haare, die Kleidung, die Statur - nur die Brille wollte nicht passen) aus Burn After Reading und bewegte seine Birne und das muß man ihm wahrscheinlich zugute halten, sehr engagiert, im Rhythmus irgendeiner Kopfhörermusik - das Ganze wirkte auf mich, nun ja, ziemlich gehandikapt. Aber wahrscheinlich hatte ich nur zu intensiv den Film im Kopf. Zu einem müden Lächeln ließ ich mich hinreißen.